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 Warum..... ?

 

Warum - dies ist die erste Frage. Danach kommen weitere: Was habe ich versäumt? Was hätte ich tun können? Hätte ich es verhindern können? Es folgen Selbstvorwürfe, die einen unaufhörlich quälen.

Jana und Mario haben beide keinen Abschiedsbrief hinterlassen. So vergeht kaum eine Minute, in der man nicht nach Erklärungen sucht. Einiges erfuhr ich von der Polizei, das meiste jedoch musste ich durch eigene Recherchen und geknüpfte Kontakte in Erfahrung bringen.

Als ich Janas Sachen von der Polizei ausgehändigt bekam, war auch ihr Handy dabei. Im Telefonbuch des Handys war Mario unter „Suizidator“ abgespeichert, so war auch sein Nickname im Suizidforum. Die letzte SMS, die Jana erhalten hatte, war von ihm: 

02.11.2002 - 18.21Uhr Abs.: Suizidator "Jo, das kriegen wir alles, davon lassen wir uns ja nicht abhalten, wir haben ja größeres vor. Übrigens nächster Halt Bahnhof Zoo!"

In Janas Handy waren Nummern gespeichert, die mir vom Namen her unbekannt waren.  Wir riefen mehrere Nummern an, fragten, woher sie Jana kennen und bekamen Kontakt zu Leuten, die Jana aus dem Suizidforum kannten und näheren Kontakt zu ihr hatten. Einer wusste, dass Mario nach Berlin kommt und dass sie "etwas vorhatten", aber angeblich nichts genaues. Er konnte uns aber sagen, dass Jana wegen ihres Freundes nicht mehr leben wollte. Ein weiterer, den wir anriefen, erzählte uns, dass Jana im August 2002 das erste Mal im Suizidforum war. Auch er hat uns gesagt, dass Jana wegen ihres Freundes nicht mehr leben wollte und sich von ihm veralbert vorkam.

Später versuchte ich Kontakt zu jemandem aufzunehmen, dessen Einträge mir im Gästebuch  auffielen. Es waren jedes Mal Einträge, die wie liebevolle Briefe an Jana geschrieben waren. Ich war sehr unsicher, ob ich eine Antwort bekommen würde, aber Steffi antwortete. Sie war Janas Internet- Freundin, sie kannten sich aus dem Suizidforum und redeten per Messenger sehr oft über ihre Probleme, wollten sich eigentlich auch noch persönlich kennen lernen. Mit Steffi hatte ich zuerst nur Email- Kontakt, aber da sie auch in Berlin wohnt, trafen wir uns nach einiger Zeit am Friedhof und haben mittlerweile regelmäßigen Kontakt. Steffi hat mir erzählt, wie Jana unter der Trennung von ihrem Freund und der neu entflammten Liebe zu seiner Frau gelitten hat. Auch Steffi leidet sehr, und oft muss ich sie trösten, weil sie Jana nicht zurückhalten konnte und unter Schuldgefühlen leidet. Jana hatte sich per Messenger von Steffi verabschiedet.... 

Die Antwort auf die Frage „WARUM“ hat sich damit mehrmals bestätigt. Ich weiß nicht, ob ich darüber „froh“ oder „beruhigt“ sein soll, denn immer noch suche ich die Gründe auch bei mir, da wir in der letzten Zeit oft Streitigkeiten hatten. Die Vorwürfe, die ich mir mache, und Fragen, die ich mir selber stelle, bleiben. Hätte ich bei unseren Streitereien nachgeben sollen, und hätte es etwas an Janas Entschluss geändert? Ich habe die Tragweite von Janas Liebeskummer nicht erkannt und habe das Gefühl, dass ich versagt habe...

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Bei Mario war es etwas anders. Er hatte sämtliche Telefonbucheinträge in seinem Handy gelöscht, Kontakte aufzunehmen schien anfangs unmöglich und kamen erst später zustande. Zuerst wandte man sich durch die Homepage an mich mit der Bitte um Weiterleitung an Marios Mutter Renate. Ich richtete ihr bei unserem ersten Besuch den Internetzugang wieder ein. Seitdem ich dann auf der Homepage auch Renates Email- Adresse zugänglich gemacht hatte, meldeten sich bei ihr Leute, die Mario vom Suizidforum her kannten. So erfuhren wir, dass Mario seinen Freitod lange geplant hatte. Zwei Jahre zuvor war Mario wegen Depressionen in der Psychiatrie, dort wollte er auf keinen Fall wieder hin. Darum wollte er sicher gehen, dass nichts und niemand ihn davon abhält. Bis zuletzt ließ er sogar vertraute Personen in dem Glauben, dass ein Sprung von einer Brücke geplant ist.

Aber die Frage nach dem „WARUM“ ist in Marios Fall damit trotzdem nicht beantwortet. Auch seine Mutter Renate kann diese Frage bis heute nicht in einem Satz beantworten. Sie spricht von Marios Depressionen, die er wohl in den letzten zwei Jahren nie ganz los wurde... „Diese Frage werde ich wohl mit in mein Grab nehmen...“ schlussfolgert sie...

 

 

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