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 Die Waffe - woher kam sie...?

 

Die Polizei hat Marios Elternhaus vom Boden bis zum Keller durchsucht, da man vermutete, dass Mario die Waffe mitgebracht hatte. Marios Mutter erzählte mir später, dass eine derartige Waffe nicht unbemerkt in Marios kleinem Rucksack Platz gehabt hätte. Das Ergebnis der Hausdurchsuchung war auch negativ, die Herkunft der Waffe blieb ungeklärt. Da der gemeinschaftliche Selbstmord als erwiesen galt und Fremdeinwirkung ausgeschlossen wurde, schloss die Polizei die Akte....

Somit blieb diese Frage vorerst unbeantwortet, ließ mich aber nicht los. Ich recherchierte in alle möglichen Richtungen. Die meisten stellten sich jedoch als Sackgassen heraus, da es auch Wichtigtuer und Betrüger gab, die sich mit angeblichen Informationen bereichern wollten.

Dann wurde mir überraschend eine glaubhafte Version zur Herkunft der Waffe zugespielt, anfangs anonym. Gegenleistungen wurden nicht gefordert. Ich intensivierte darum meine bisher geknüpften Kontakte zu einigen Teilnehmern des Forums. Nur wenige halfen mir mit ihrem Wissen, aber verblüffend war die Übereinstimmung der Informationen, die ich bekam. Demnach gab es zu der Zeit im Suizidforum einen Menschen, der Waffen besorgt und gegen gutes Geld an den Mann/die Frau gebracht hat. Einigen war dies sogar bekannt. Von diesem hatte Jana die Waffe bekommen! Der Name war mir nicht unbekannt, er stand im Telefonbuch von Janas Handy! Auf den Einzelverbindungsnachweisen ihrer Rechnungen erschien vielfach diese Nummer, zuletzt drei Tage vor ihrem Tod. Ich war von diesen Erkenntnissen total geschockt, wusste nicht, was ich denken sollte. War dies nun die Wahrheit, oder wurde ich auf eine weitere falsche Fährte gelockt?

Doch der Zufall sollte mir weiterhelfen, denn wenige Tage später blieb ich beim Sortieren von Janas Sachen an ihrem Papierkorb hängen. Zerknüllte Zettel waren bedeutungslos. Interessant wurde es, als ich glaubte, auf einem Schnipsel einen Teil eines Namens zu erkennen, der mir bereits nicht mehr unbekannt war. Ich setzte daraufhin in stundenlanger Arbeit akribisch alle gefundenen Schnipsel zusammen und staunte über das Ergebnis. Es hatte sich gelohnt! Ein Notizzettel zeigte den vollständigen Namen, die Anschrift und Festnetznummer dieses Forumteilnehmers, der mir genannt wurde. Auf einem weiteren Zettel standen Notizen für ein Treffen inklusive Datum und Uhrzeit mit dieser Person  an einer Autobahnraststätte nebst Personenbeschreibung und seiner Handy- Nr. (identisch mit der in Janas Handy- Telefonbuch). Bei meinen weiteren Recherchen stellte ich fest, dass Jana wenige Stunden vor diesem Treffen 330,-€ von ihrem Konto abhob. Alle Details passten zusammen wie die Zahnräder eines Getriebes!

Kurz vor ihrem Tod hat Jana ihr Motorrad ins Mobile Pfandhaus gebracht und für ihre Verhältnisse ungewöhnlich hohe Geldbeträge abgehoben. Nach den Geldbewegungen auf ihrem Konto hätte sie mindestens 600,.- bis 700,-€ bei sich haben müssen, jedoch wurde mir ihre Brieftasche mit lediglich 32,-€ übergeben. Musste sie eine Restzahlung für die Waffe leisten? Ein Handy, welches sie zwei Tage zuvor durch einen neuen Vertrag erhalten hat, ist nie aufgetaucht. Wurde es ebenfalls zu Geld gemacht oder "in Zahlung" gegeben?

Ich stellte alle gesammelten Informationen zusammen und übergab sie der Polizei. Nachdem etliche Wochen vergangen waren, fragte ich bei der Polizei nach, aber man konnte mir zum Ermittlungsstand keine Auskunft geben, denn man hat alles an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Inwieweit die Informationen und  Beweise juristisch ausreichten, konnte mir ebenso wenig gesagt werden.

Aber dann stellte ich fest, dass unsere Justiz doch noch arbeitete, wenn auch langsam... Anfang Dezember 2004, also über 2 Jahre nach Janas Tod, bekam ich völlig überraschend einen Brief vom Amtsgericht Leer (Ostfriesland). Es war eine Vorladung zu einer Gerichtsverhandlung am 22.12.2004, wo ich als Zeuge vorgeladen war. Marios Mutter begleitete mich.... Es wurde jedoch nur eine kurze Verhandlung...

Die wichtigste Zeugin aus Österreich fehlte, denn sie war umgezogen und die Vorladung zurück gekommen... Als der Richter darum ihre schriftlich niedergelegte Aussage verlesen wollte, verhinderte es der Anwalt des Angeklagten, indem er sofort eine Unterbrechung der Verhandlung beantragte. Nach dieser Pause stellte der Verteidiger als Erstes einen Befangenheitsantrag gegen den Richter, dem nun nichts anderes übrig blieb, als die Verhandlung abzubrechen und zu vertagen. So kam es also nicht mehr zur Verlesung der Hauptzeugenaussage..... Dennoch fasste ich neuen Mut, aber wartete seitdem vergeblich auf eine weitere Vorladung zur nächsten Verhandlung....

Im Januar 2006 drehte ein Kamerateam für RTL eine Reportage, die sich mit dem Suizid von Jugendlichen beschäftigte. Als ich im Vorgespräch nach der Herkunft der Waffe gefragt wurde, erzählte ich, was ich in Erfahrung gebracht hatte, jedoch nicht weiß, wie das Verfahren ausgegangen ist. Daraufhin recherchierte der Redakteur auch beim zuständigen Amtsgericht in Leer. So erfuhr ich nicht vom Gericht, sondern durch den Redakteur, dass man das Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wegen "mangels an Beweisen" eingestellt hat.....

Die deutsche "Rechtspechung" zu verstehen, ist aufgrund dessen nicht gerade einfach....

....doch es gäbe ohnehin kein Urteil, welches mich trösten könnte....

 

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