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  Unsere Geschichte

 

Am 29.12.1980 heirateten Raimund und ich. Ich brachte meinen damals 9jährigen Sohn Olav mit in die Ehe, und wir wollten noch ein gemeinsames Kind. Wir freuten uns sehr, als ich auch schnell schwanger wurde.

Durch gesundheitliche Probleme meinerseits wurde die Geburt am 5.9.1981 (dreieinhalb Wochen vor dem Termin) eingeleitet. Unsere süße Tochter wog 2530g und war 48cm. Leider musste sie aber wegen einem Atemnotsyndrom auf die Frühgeborenenstation.

                                    

Dadurch konnten wir unsere Tochter die ersten Tage nur durch eine Glasscheibe anschauen. Gern hätten wir sie doch im Arm gehalten.....

 

Am 29.9.1981 durfte unsere Kleine nach Hause

30.09.1981

Wie man sieht, war auch der "große" Bruder ganz stolz auf das kleine Schwesterchen.

Das Glück schien perfekt.....

...doch mein Mann Raimund war schon seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung, anfangs wegen reaktiver Psychose, seit Janas Geburt schlug dies um in Depressionen. 

Am 13.11.1981 klingelte morgens die Polizei. Man hatte Raimund im Hof gefunden. Er war aus unserem Kammerfenster im 3. Stock gestürzt.

Raimund hatte diesen Fenstersturz überlebt, die Ärzte machten mir jedoch nicht viele Hoffnungen. Aber mit jedem Tag, den er lebte, wurden meine Hoffnungen größer. Es waren genau 5 Wochen vergangen, als ich am 18.12.1981 sein Krankenzimmer betreten wollte. Da hielt mich eine Ärztin zurück. Raimund war in der Nacht um 2.10 Uhr verstorben...

24.10.1981 - das letzte Foto von Raimund

 

Mit Raimunds Tod brach meine Welt zusammen.  Ich - 28 Jahre - war nun Witwe. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben ebenfalls beendet ist. Oft hatte ich den Wunsch, ebenfalls diese Welt zu verlassen. Nur meine Kinder hielten mich am Leben, denn was hätten sie ohne mich tun sollen?

Ich musste für meine Kinder stark sein. Bald merkte ich auch, dass sie mein Halt waren, sonst hätte ich diese Zeit nicht überstanden.

Jana entwickelte sich zum reinsten Sonnenschein, durch sie lernte ich irgendwann auch wieder das Lachen und empfand meine Kinder als Glück.

                                        

05.09.1982 - Janas 1. Geburtstag

 

  

August 1983 auf dem Campingplatz

 

 

            

          Februar 1984                                       März 1985                                       Sommer 1986

 

                                                     

Janas Einschulung am 03.09.1988

 

Wie die Bilder ersehen lassen, war Jana ein ganz normales Kind. Als kleine Schwester war sie manchmal für ihren 10 Jahre älteren Bruder ganz schön stressig. Sie hatte einen starken Willen und oft einen ganz schönen Dickkopf.

Ungefähr seit Janas 8. Lebensjahr wurde sie Einzelkind, denn ihr Bruder Olav ging nun eigene Wege. Manchmal nutzte sie das ganz schön aus, aber welches Kind tut das nicht? Insgesamt hatten wir jedoch einen guten Draht zueinander. Es war keine Seltenheit, dass wir zur gleichen Zeit gleiche Ideen hatten. Dann staunten wir nur immer über unsere "gleiche Antenne", wie wir es immer nannten.

Noch näher rückten wir zusammen, als meine zweite Ehe im Herbst 1991 nach eineinhalb Jahren auseinander ging.

   Kindergeburtstag Juli 1992

 

Ich besprach viele Entscheidungen mit Jana, manchmal waren wir mehr Freundinnen, als Mutter und Tochter. Heute frage ich mich, ob das immer richtig war, denn später hat sie mir oftmals das Leben schwer gemacht, wenn meine Entscheidungen nicht ihren Vorstellungen entsprachen.

Es war 1997. Sie war enttäuscht von mir, dass ich nach 9 Monaten Nichtraucherzeit erneut dem Laster verfallen war. Sie redete von Mitte November 1997 bis Anfang März 1998 kein Wort mit mir. Wenn sie etwas von mir wollte, schrieb sie einen kurzen Zettel. Ich suchte damals Hilfe bei einer Beratungsstelle.

 

05.09.1997 - Janas 16. Geburtstag

 

   

Oktober 1997 mit Freundin Anika

 

Im Sommer 2000 lernte ich meinen Freund und jetzigen Lebensgefährten kennen. Jana konnte ihn sehr gut leiden und freute sich für mich. Sie hatte zu der Zeit ebenfalls einen sehr netten Freund in ihrem Alter. Jedoch beendete sie abrupt diese Beziehung, als sie im Oktober 2000 mit ihrem ehemaligen Fahrlehrer ein Verhältnis begann. Schon lange schwärmte sie für diesen 27 Jahre älteren Th****, der jedoch verheiratet war... Jana glaubte ihm, dass seine Ehe nur noch auf dem Papier existierte. Jana war so verliebt, dass ich keine Chance gehabt hätte, irgendwelche Bedenken anzumelden. Also freute ich mich, dass sie glücklich war, aber machte mir schon damals Gedanken, was sein wird, wenn einmal nicht sie, sondern Th**** die Beziehung beenden sollte.

Im Juni 2001  machte Jana das Abitur. Sie hätte gern Psychologie studiert, erkannte aber, dass sie auf diesen Studienplatz sehr lange hätte warten müssen. So entschied sie sich für BWL, bekam auch ihren Studienplatz, aber leider in Chemnitz. Dort wollte sie auf keinen Fall hin. So schrieb sie sich für Gebäudetechnik an der TU Berlin ein, um die Zeit zu überbrücken und vor allem, um ihren Anspruch auf ihre Halbwaisenrente nicht zu verlieren. Aber auch beim nächsten Semester klappte es nicht, und so  blieb sie "Pseudostudent" im einem Fach, dem sie nichts abgewinnen konnte...

Janas Freund Th**** arbeitete inzwischen nicht mehr als Fahrlehrer, sondern war zu einer Wachschutzfirma gewechselt. Anfang 2002 plante er, sich im Wach- und Personenschutz selbstständig zu machen, und Jana sollte in der zukünftigen Firma seine rechte Hand sein. Sie besuchte einen Lehrgang bei der IHK und saß ungezählte Stunden am PC, wo sie Arbeitsverträge vorbereitete, Firmenlogos und Flyer entwarf.

Am 18. Juni 2002 wurde Janas Freund Th**** inhaftiert. Für mein Kind brach die ganze Welt zusammen....

Hier ein Zeitungsartikel   ----->    http://www.morgenpost.de/content/2002/06/22/berlin/529429.html?redirID

Die Frau von Th****, die auch mit Jana befreundet war, aber von der Beziehung nichts wusste, erfuhr nach der Inhaftierung davon. Sie verzieh ihrem Mann, wollte trotzdem mit Jana befreundet bleiben und mit ihrem Mann neu anfangen. Von nun an schwärmte sie Jana laufend von der neu entflammten Liebe vor. Jana nahm dies anfangs nicht so ernst und war fest entschlossen, auf ihn zu warten. Den Kontakt zu seiner Frau hielt sie aufrecht, um immer über den neusten Stand der Dinge informiert zu sein. Aber irgendwann erzählte sie mir kaum noch etwas, redete nicht mehr darüber, und wenn ich fragte, blockte sie ab. Sie schien alles mit sich selber abzumachen.

Einige Zeit später bemerkte ich, dass Jana auf meinem Computer, über den sie ins Internet ging, Seiten mit Suizidforen besucht hatte. Als ich sie daraufhin ansprach, verharmloste sie es und sagte mir, dass man sich dort lediglich gut unterhalten könne. Man chattet über Probleme, und sie hätte mal mit einem Jungen die halbe Nacht gechattet, weil dessen Freundin Schluss gemacht hatte. Ich gab mich mit der Erklärung zufrieden, denn auch ich habe in jungen Jahren manche Probleme lieber mit Gleichaltrigen besprochen.

Kurze Zeit später "verkaufte" uns die Telekom den schnellen DSL- Zugang, an dem man mehrere Computer anschließen darf. Gut, dachte ich mir, dann müssen wir uns nicht mehr um den begehrten Internetzugang streiten. Jana bekam also auf ihrem Computer ihren eigenen Zugang, und von da an hatte ich keine Kontrolle darüber, wo sie im Internet unterwegs war...

In der Folgezeit hatten wir oft Streit. Ich war zu der Zeit Schichtarbeiter, und Jana war zwar noch in der Uni eingeschrieben, aber ging schon längere Zeit nicht mehr hin. Sie war also den ganzen Tag zu Hause, aber machte keinen Handschlag. Die Spannungen zwischen uns wurden immer größer, und so machte ich ihr den Vorschlag, sich eine eigene Wohnung zu suchen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Ich sah darin die Möglichkeit, dass sie lernt Verantwortung zu übernehmen und sich unser Verhältnis auch wieder bessert, denn als ich mich eine Weile zuvor längere Zeit bei meinem Freund aufhielt, war unser Verhältnis einmalig. So kummerte sich Jana von nun an um eine eigene Wohnung.

In den letzten zwei Oktoberwochen hatte ich Urlaub und hielt mich die meiste Zeit bei meinem Freund auf. Ich wusste, dass Th**** am 24.10.2002 Gerichtsverhandlung hatte. Am Tag darauf fragte ich Jana am Telefon, wie denn die Verhandlung ausgegangen ist. Aber sie wollte nicht darüber reden und blockte wieder total ab. Am nächsten Tag erfuhr ich aus der Zeitung, dass er 5 Jahre Haft bekommen hat.

Nochmals ein Zeitungsartikel  ----->    http://www.tagesspiegel.de/berlin/;art270,2215029

Am 1.11.2002 fuhr ich vormittags nach Hause. Ich wollte einiges erledigen, eine Nacht zu Hause schlafen, am nächsten Morgen zur Versammlung in die Firma fahren und danach wieder zu meinem Freund. Als ich am um 9 Uhr zu Hause ankam, traf ich in meinem Wohnzimmer auf zwei fremde Männer, die im Wohnzimmer auf der Couch übernachtet hatten, während Jana noch in ihrem Zimmer schlief. Nachdem die beiden die Wohnung verlassen hatten, stellte ich beim Auslesen meiner Isdn-Anlage fest, dass die beiden Männer nachts mit meinem Telefon eine Sexhotline angerufen haben. Auch hatten sie sich an meiner Geldkassette zu schaffen gemacht, die ich mit dem Originalschlüssel nur noch mühsam öffnen konnte. Darauhin machte ich Jana klar, dass ich diese beiden Typen nicht noch einmal in meiner Wohnung sehen möchte, und es kam wieder zum Streit... Gegen Mittag ging sie aus dem Haus und sagte zu mir: "Keine Bange, bist mich bald los..." Diesen Satz bezog ich auf ihre Wohnungssuche, und nie im Leben hätte ich gedacht, dass dies der letzte Satz war, den ich von Jana hörte...

Als ich abends schlafen ging, war Jana noch nicht zu Hause, einige Minuten später hörte ich sie kommen. Am Morgen des nächsten Tages verlies ich um 8:10 Uhr die Wohnung, um zur Versammlung zu fahren, und Jana schlief noch, dachte ich... Beim Einsteigen ins Auto schaute ich kurz hoch zu unseren Fenstern im 5.Stock und sah Jana am Fenster stehen. Ich ahnte nicht, dass ich sie in diesem Moment das letzte Mal lebend sehe....

Nach der Versammlung fuhr ich wieder zu meinem Freund, und am nächsten Tag wollte ich zurück nach Hause, denn mein Urlaub war zu Ende. Am 3.11.2002 frühstückte ich also noch gemütlich mit meinem Freund, war aber irgendwie unruhig und wollte nach Hause. Als ich um 11.30 Uhr meine Wohnungstür aufschloss, wunderte ich mich, dass Janas Rottweiler Jeannie allein war und eine Lampe brannte. Es war mir unheimlich, ich hatte ein ungutes Gefühl. Mein Freund versuchte mich am Telefon zu beruhigen und meinte, dass Jana das Licht bestimmt nur vergessen hat. Gegen 17 Uhr versuchte ich Jana auf dem Handy anzurufen, weil ich wissen wollte, wann sie nach Hause kommt und ob ich schon ihren Hund füttern soll. Der Ruf ging raus, aber Jana ging nicht ran... Nun gut, dachte ich, hat sie meine Nummer gesehen und ist immer noch bockig. Ich nahm also meinen Hund und Janas Rottweiler und ging mit beiden Gassi....

Nur wenige Minuten war ich mit den Hunden zurück in der Wohnung - es war genau 17:30 Uhr - da klingelte es. Vor meiner Tür standen vier Leute... Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern. Ich weiß nur noch, dass man mich anfangs fragte, ob ich eine Tochter habe bzw. ob ich die Mutter von Jana bin, aber ich wollte immer nur wissen, was mit ihr ist, obwohl ich es spätestens ab diesem Moment eigentlich wusste, denn sonst hätte mich die Kripo nicht aufgesucht... Einem Jogger war um 11:20 Uhr auf einem Parkplatz am Berliner Teufelsberg ein Auto aufgefallen. Es war Janas weißer Toyota-Corolla, in dem sich Janas und Marios Leichen befanden. Sie hatten sich erschossen...

Erst als die beiden Kripobeamten gingen, bekam ich mit, dass die anderen beiden Leute vom Krisendienst waren. Sie blieben noch eine Weile und boten mir ihre Hilfe an, die ich dann auch in Anspruch nahm, bis ich bei einem Psychologen Hilfe fand......

Bei der Neugestaltung der Homepage im Herbst 2007 habe ich den obigen Text nicht nur überarbeitet, sondern die Geschehnisse auch ausführlicher geschildert. Aber auch nach fast 5 Jahren fiel es mir nicht leicht, und so sind dabei auch wieder Tränen geflossen...

 

Nachwort:

Als ich im Januar 2003 anfing, Janas persönliche Dinge durchzusehen, machte ich eine Entdeckung, die mir nochmals sehr zusetzte. Ich fand in ihren Unterlagen eine Zulassung zum BWL-Studium in Berlin, von der ich nichts wußte. Diese stammte aus der Zeit, als Jana mit ihrem Freund Th**** die Gründung einer Wachschutzfirma plante. Sie hatte - offensichtlich wegen der gemeinsamen Pläne - diesen lang ersehnten Studienplatz nicht angetreten...

Obwohl Janas Freud zu 5 Jahren Haft verurteilt wurde, sah ich ihn bereits zwei Jahre später (imSommer 2004) unverhofft wieder auf freiem Fuß. Mit Motorrad- Fahrschülern fuhr er des öfteren an unserem Wohnhaus vorbei...

 

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