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  Trauer

 

Als Janas Vater starb, dachte ich: etwas Schlimmeres kann mir nicht mehr passieren.... Aber 21 Jahre später sollte diese "Erkenntnis" zur Unwahrheit werden, denn ich hatte mein Kind verloren!

Als Janas Leichnam nach der Obduktion freigegeben wurde, wollte ich mich von ihr verabschieden, obwohl ich auch große Angst davor hatte. Dann kamen von allen Seiten Meinungen auf mich zu... Einerseits wurde mir angeraten, Jana doch in Erinnerung zu behalten, wie sie war, andererseits wurde mir nahe gelegt, diese letzte Möglichkeit wahrzunehmen. Ich musste mich also entscheiden.... Ich entschied mich für den Abschied am offenen Sarg. Heute weiß ich, dass diese Entscheidung richtig war und ich es mir niemals verziehen hätte, wenn ich diese letzte Möglichkeit nicht wahrgenommen hätte.

Als ich am Sarg stand, fing ich an zu begreifen.... Ich streichelte ein letztes Mal ihr Gesicht und ihre Hände, alles war eiskalt... aber ich sagte ihr noch einmal, wie lieb ich sie habe und immer haben werde und wie sehr sie mir doch fehlt. Janas Lieblingskuscheltier, ein grünes Nilpferd, habe ich ihr mitgegeben...

 

Mario wurde in seinen Heimatort Zimmern in Baden- Württemberg überführt. Dort wurde er am 13.11.2002 beerdigt.

 

Inzwischen sind aus Tagen Monate geworden und aus diesen bereits Jahre, seitdem unsere Kinder ihre jungen Leben selbst beendeten. Mein Kind fehlt mir wie am ersten Tag, und ich sehe sie ständig vor mir. Jana konnte so herzhaft lachen, so lieb und nett sein, sie konnte so stur und bockig sein und stritt sehr oft mit mir. Ich vermisse alles von ihr, ihre netten Seiten, aber auch die stressigen und anstrengenden. So war mein Kind, so liebte ich sie von Herzen - und fehlen wird sie mir immmer....

Ich habe in der ganzen Zeit viele Täler durchschritten, bin steinige Wege gegangen. Diese Homepage gehört zu meiner Trauerarbeit, sie hat mich ein großes Stück voran gebracht. Ich habe dadurch viele liebe Menschen kennen gelernt. Diese Kontakte geben mir Mut und Kraft. Aber auch meine Familie, mein Lebensgefährte und liebe Freunde sind an meiner Seite und haben mir geholfen, oftmals nur, indem sie mir einfach nur zuhören und für mich da sind.

Es gibt aber auch andere. Es gibt Leute, die mich verletzen und beleidigen und mir meine Öffentlichkeitsarbeit als Freispruch von eigener Schuld, als Profitgier und Mediengeilheit auslegen. Ich weiß nicht, was das für Menschen sind, die mich als schlechte Mutter versuchen hinzustellen. Meine eigenen Schuldgefühle habe ich nie verschwiegen, auch kann sie mir niemand nehmen. Anfänglich hat mich das sehr getroffen, aber mir wurde mit der Zeit klar, dass ich nicht nur Zuspruch ernten kann. Ich hätte nie gedacht, dass ich auch dies verkrafte und dadurch nur noch stärker werde. 

Zu einer sehr wichtigen Person ist Marios Mutter für mich geworden. Ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie damals den ersten Schritt getan hat und mich anrief. Unsere Kinder verband der gemeinsame Weg in den Tod, und uns Mütter verbindet nun die gemeinsame Trauer, aus der eine Freundschaft entstanden ist. 

Mittlerweile können wir Mütter sogar zusammen lachen, ganz besonders, wenn es um lustige Begebenheiten von unseren Kindern geht, an die wir ständig durch alltägliche Dinge erinnert werden und uns gegenseitig erzählen, als hätten wir unsere Kinder vor wenigen Minuten das letzte Mal gesehen. Wir verstehen uns, wie es wohl niemand sonst kann. Wir können reden, ohne erklären zu müssen. Jeder weiß, was der andere fühlt, auch wenn wir meist nur am Telefon reden können. Wir wohnen 500km auseinander, aber sind uns doch sehr nah...

 

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