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  Tagebuch Oktober - Dezember 2005

 

Freitag, 30.12.2005

Nun sitze ich hier, und meine Gedanken schlagen noch Purzelbäume... Vormittag habe ich "planmäßig" meine Hausarbeit erledigt, aber danach überschlägt sich alles bei mir, und ich muss erst einmal langsam ordnen. Na gut, ich versuche es...

Eigentlich will ich nach meiner Putzrunde, dem Schnee schieben, anschließendem Vollbad und mit dem Handtuch auf dem Kopf an den Computer, habe schon die Online- Seite der Agentur für Arbeit aufgerufen und will mir Jobangebote raussuchen. Als ich das erste Angebot ausdrucke, klingelt das Telefon, Das Gespräch dauert fast eine Stunde, es ist der Redakteur aus München. Ursprünglich wollte man Renate und mich zusammen vor der Kamera haben, aber das wird wohl zur Zeit kaum möglich sein. Wir unterhalten uns lange über die Geschichte von Jana und Mario, es geht auch um viele Details. Sogar bei der Agentur für Arbeit will man für diese Reportage eine Drehgenehmigung einholen, um den derzeitigen Alltag darzustellen....

Weitere Telefonate folgen, meine Mum ruft an. meine Schwester... Wie sagt man immer: unverhofft kommt oft... Abends erreiche ich nun auch nach tagelangen Versuchen Ute, die Mutter von Thomas, dessen Homepage ich erstelle. Nur nach wenigen Worten merke ich, dass es Ute überhaupt nicht gut geht. sie hat im Moment nicht den geringsten Nerv, um mit mir etwas wegen der HP zu besprechen, denn ihre Kündigung und ein Krankenhausaufenthalt nach einem Nervenzusammenbruch sind die Erklärung für ihre bisherige Nichterreichbarkeit... Ich kann alles so gut nachempfinden, nur, dass Ute am 19. Januar den ersten Todestag von Thomas noch vor sich hat... Ich würde ihr gern etwas von meiner gesammelten Kraft abgeben, aber diese kann man wohl kaum übertragen, sondern muss sie selbst sammeln...

Wenig später will ich mich nun endgültig an den Computer setzen, da kommt gerade eine Email... Diese unbeantwortet zu lassen, bringe ich nicht über das Herz, denn es sind liebe Zeilen, die "meinen Akku" aufladen, und dafür möchte ich mich bedanken....

 

Donnerstag, 29.12.2005

Der heutige Tag bestätigt, dass unsere Entscheidung von gestern richtig war. Es schneit ununterbrochen... Gegen Mittag gehe ich mit dem Schneeschieber raus und schaffe einen Gang zum Gartentor.

Jill ist durch den vielen Schnee in ihrer Gassi- Ecke etwas irritiert, denn Schnüffeln ist kaum noch möglich. Sie schaut mich dann nur noch mit einer weißen Schnauze an... Als ich den Schneeschieber in die Hand nehme, bekommt sie jedoch Angst, flitzt schnell zur Terrassentür und hofft, dass ich ihr die Tür aufmache und sie hinein lasse *schmunzel* Mittlerweile liegen hier bestimmt über 20 cm Schnee. Als Norbert von der Arbeit kommt, ist von meiner Räumaktion kaum noch etwas zu sehen.

Als Kind hätte ich mich über so viel Schnee richtig gefreut. Wo ich aufgewachsen bin, konnte ich vor dem Haus rodeln und bin auch viel auf Ski unterwegs gewesen. Meine Kinder haben so etwas kaum noch kennen gelernt, denn Großstadtkinder haben in Wohnnähe fast nie die Möglichkeit zum Rodeln. Schnee ist für sie gleichbedeutend mit dem Räumdienst, der jedes Jahr bei der ersten Schneeflocke maßlos überfordert ist, und dem entsprechendem Verkehrschaos. Obwohl, böse war Jana nie, wenn der Bus zur Schule ausfiel *grins*

 

Mittwoch, 28.12.2005

Nachdem ich meine Hausarbeit geschafft habe, setzte ich mich an den Computer und arbeite wieder etwas an der evero- Homepage. Wie ich feststellen muss, ist doch das, was ich mir vorgenommen habe, ziemlich zeitaufwendig. Hinzu kommt, dass ich nicht wie hier alles nur in das neue Design kopiere. Teilweise muss ich Bilder neu bearbeiten, um den bisherigen Rahmen zu entfernen. Einige neue Bilder kommen hinzu, viele werden nicht mehr erscheinen... Fast alle Texte überarbeite ich oder schreibe sie sogar neu.

Auch die Seite von Thomas soll noch erweitert werden, nur kann ich momentan durch Reisen und Kur der Eltern nichts wegen der weiteren Gestaltung absprechen. So beschließe ich heute, die Memory- Seite von der Homepage zu entfernen und keine Seitengestaltung mehr anzubieten, denn mit nunmehr drei Webseiten habe ich mehr als genug zu tun. Die Seite von Thomas wird dadurch eine eigenständige Homepage und ist ab heute unter Andere Schicksale  zu finden. Sobald ich diese aktualisiere, wird es natürlich hier zu lesen sein...

Als Norbert heute von der Arbeit kommt, holen wir bereits alle Getränke und das Essen für Silvester. Es war seine Idee, und ich finde sie auch gut, denn so ersparen wir uns die vollen Läden am Freitag, wenn alle gehen... Ich muss allerdings mein Auto von einer Schneehaube befreien, denn auch Norberts Auto ist noch unberührt... Eine knappe Stunde, bevor Norbert kommt, ziehe ich mich an wie ein Eskimo, denn ich bin die absolute Frostbeule *schmunzel* Ich fege den Schnee vom Auto, und den Rest "erledigt" danach die Standheizung...

Die Supermärkte sind fast leer, da hatte mein Schatz eine richtig gute Idee.... Außerdem wurde für die heutige Nacht Unwetterwarnung gegeben, starke Schneefälle und Verwehungen sind angesagt. Aber ich habe mir gut gemerkt, wo ich geparkt habe, damit ich weiß, wo ich unter Umständen mit der Schippe mein Auto suchen muss...

 

Dienstag, 27.12.2005

Ich bin froh, dass Weihnachten nun vorbei und der Alltag zurückgekehrt ist. Norbert muss heute wieder arbeiten, denn bei ihm ist zwischen Weihnachten und Silvester Urlaubssperre.

Vormittags schaue ich bei Arcor rein, ob es erwartete Veränderungen gibt. Aber "natürlich" hat sich nichts getan, beide Kundenkonten "ticken" für sich. Ich mache nun das, wozu ich gestern keine Lust hatte, ich setze in unser beider Namen das Schreiben auf: ich äußere unsere Enttäuschung über die Unfähigkeit Kundenaufträge auszuführen. Außerdem kündigen wir nun auch Norberts Arcor- Anschluss zum 01.10.2006 (Mindestvertragslaufzeit). Wir haben nach 7 Monaten endgültig die Nase voll. Jetzt haben wir Zeit, um uns nach etwas besserem umzusehen, zum Beispiel Alice- DSL (leider noch nicht überall verfügbar). Dort bindet man die Kunden nicht bei jeder Vertragsänderung für weitere 12 Monate, sondern bietet nur einen Monat Kündigungsfrist. Da muss man schon gut sein, damit einem die Kunden nicht so schnell wieder weglaufen. Meine Schwester und Olav sind Alice- Kunden und sehr zufrieden. Aber mal sehen, was sich bis zum 01.10.2006 bei den Telefon- und Internetanbietern tut. Wir haben ja nun viel Zeit und dann eine große Auswahl...

Abends "bastele" ich wieder einmal an der Neufassung meiner eigenen Homepage, denn über eine Woche kam ich nicht mehr dazu... Es macht mir richtig Spaß, und ich vergesse dabei fast mein Tagebuch...

 

Zweiter Weihnachtsfeiertag, 26.12.2005

Als ich morgens einen ersten Blick aus dem Fenster werfe, traue ich meinen Augen kaum, denn draußen ist alles weiß, und es schneit noch immer. Auf dem Weg mit Jill quer durch den Garten zur Gassi- Ecke bekomme ich bei jedem Schritt etwas Schnee hinten in die Gartenlatschen... Da wäre es wohl empfehlenswert, ab einer bestimmten Schneehöhe mal anderes Schuhwerk zu wählen *schmunzel*

Norbert und ich, wir sind uns heute einig: wir wollen einfach nur faul sein und entspannen und nur das tun, wozu wir Lust haben. Norbert surft auch mal wieder im Internet, hauptsächlich, um zu erfahren, ob es betreffs der Senderechte für die Bundesliga etwas neues gibt. In den letzten Tagen überschlugen sich ja die Informationen, nachdem Premiere die erneute Ausschreibung um die Senderechte für die Bundesliga verloren hatte... Ich sitze natürlich ebenfalls an meinem Computer, wo sonst... Eigentlich müsste ich an Arcor schreiben, denn kurz vor Weihnachten bekam ich trotz Widerspruch eine Mahnung, weil ich meine "Rechnung" nicht bezahlt habe. Wir bekommen jetzt nämlich jeden Monat zwei Rechnungen: eine Norbert und eine ich... Meine Nummern sind zwar nun hierher geschaltet, die Rechnung ist mit der hiesigen Adresse versehen, aber der Anschluss laut Kundenkonto ist in meiner alten Wohnung. Ob ich darüber lachen oder weinen soll, weiß ich langsam nicht mehr. Es ist wohl eine unendliche Geschichte. Aber ich habe heute keine Lust zum Schreiben, zumal ich mich dann nur ärgere... Stattdessen gucke ich bei Ebay nach Brieftaschen. Das Sicherheitsfach meiner Brieftasche ist ausgerissen, und ich muss aufpassen, dass ich meine EC-Karte nicht verliere, könnte teuer werden... Norbert hat ebenfalls Probleme, bei seiner ist das Hartgeldfach so ausgeleiert, dass ihm trotz Verschluss seitlich das Kleingeld heraus fällt... Also "krame" ich bei Ebay, aber letztendlich kann ich mich dann immer nicht entscheiden, und so vergehen einige Stunden...

 

Erster Weihnachtsfeiertag, 25.12.2005

Es war früh am Morgen, als wir gestern bzw. heute schlafen gingen, um genau zu sein: es war 3 Uhr, obwohl ich davor wohl schon eine Stunde im Sitzen auf der Couch eingenickt war... Dem entsprechend schlafen wir alle lange. Irgendwann stupst mich jedoch Jill an, als wollte sie mir sagen: "Komm, Frauchen, steh' auf, ich will Gassi gehen und habe Hunger." Ich kann meiner kleinen Schnecke nicht böse sein, sie ist für mich ein kleiner Weihnachtengel, einfach unwiderstehlich und lieb... Voriges Jahr bekam auch Jill etwas zu Weihnachten, nämlich mehrere Packungen Leckerli, aber das ist durch ihre Sojaallergie nicht mehr möglich, denn wir wollen kein Risiko eingehen.

Nach unserem Tee, etwas Stolle und Baumkuchen zum Frühstück, haben wir nicht unbedingt den großen Elan, denn trotz 7 Stunden Schlaf hängen wir alle etwas durch.... Norberts Tochter kommt nochmals, da ihr Freund heute Dienst hat, auch Andis Freundin lässt sich sehen, es ist also wieder "Full House". Am frühen Nachmittag fahre ich Norberts Mutter nach hause. Es hat ihr bei uns gefallen, aber wie es wohl jedem geht, ist sie auch froh, dass sie wieder zu hause ist... Auf dem Rückweg bin ich mit meiner Schwester verabredet. Sie ist bei einer Freundin zum Kaffee, die nicht weit von uns wohnt. Ich soll mir eine Schüssel mit Kartoffelsalat abholen, zubereitet nach einem Rezept meiner Mutter aus Oberschlesien, welchen es jedes Jahr in meiner Familie gab... So hat jede Familie ihre eigene Tradition, und für mich ist und bleibt es dieser Kartoffelsalat, auf den sich auch Jana jedes Jahr schon lange vorher freute.... Bei Norbert und seinen Kindern sind es andere Salate und dazu Kassler.

Ab 18 Uhr wird das Haus etwas leerer. Andi geht mit zu seiner Freundin, und Simone wird von ihrem Freund abgeholt, der nun Feierabend hat... Norbert und ich, wir atmen etwas auf, denn Weihnachten kann auch ganz schön stressig sein. Nun sind wir wieder für uns und genießen einfach nur die Ruhe...

Ich esse nun ein Schälchen von "meinem" Salat. Mir stehen dabei fast die Tränen in den Augen, und ich kann nicht einmal deuten, ob es Freude oder Traurigkeit ist...   

 

Heiligabend, 24.12.2005

Gegen Mittag setzten wir uns mit Norbert ins Auto und holen seine Mutter zu uns. Ich freue mich, denn sie ist mir als nunmehr dritte Schwiegermama die Liebste... Wir haben einen sehr guten Draht zueinander und können gut miteinander reden... Am späten Nachmittag kommt Norberts Tochter, die zuvor mit ihrem Freund und dessen Eltern einige Stunden verbracht hat. Andi kommt gegen 18 Uhr von der Arbeit, und dann sind wir sozusagen vollzählig. Während der Braten nun in der Backröhre schmort, machen wir Bescherung. Dieses Jahr wird gewürfelt (ein Vorschlag von Norberts Kindern), und erst bei einer "6" bekommt man das nächste von seinen Geschenken, welche alle unter dem Baum liegen. Ich muss nicht um alles würfeln, denn meine neue Nähmaschine haben wir nicht mehr unter den Baum gestellt, obwohl meine Schwiegermama diese Anschaffung zum Weihnachtsgeschenk gemacht hat *freu* Die Bescherung zieht sich durch das Würfeln ganz schön in die Länge, aber ist auch ziemlich spannend. Zuletzt liegen nur noch Geschenke von Andi unter dem Baum, und wir "erlassen" ihm ein einsames Würfeln, denn langsam ist auch der Braten fertig.

Nach der Bescherung rufe ich meine Mum an und wünsche ihr schöne Weihnachten. Schade, dass sie nicht wie Norberts Mutter in Berlin wohnt und ebenso schnell mal abgeholt werden kann. Natürlich rufe ich auch bei meiner Schwester an. Sie verbringt den heutigen Abend mit Olav und ist somit nicht allein. Gern hätte ich sie hier gesehen, aber noch ist es ihr in einer solch großen Runde zu anstrengend. Wir plaudern, und ich freue mich, dass ich auch noch mit meinen Großen eine Weile reden kann... 

Meine Stimmung könnte ich heute - gelinde ausgedrückt - mit einer Wippe vergleichen. Es gibt Momente, in denen ich mich wohl fühle, denn ich empfinde es zeitweise als sehr gemütlich. Dann wiederum ist mir schlagartig alles zuviel, ein einziges Wort oder ein Gedanke ist für mich der Auslöser für diese endlose Traurigkeit und Sehnsucht nach Jana... Ich möchte "normal" sein und versuche, dass man mir nichts anmerkt. Es kostet viel Kraft, denn niemand kann sie sehen, aber Jana sitzt immer neben mir.. Gern hätte ich ihr etwas geschenkt und in ihre Augen gesehen. Sie konnten so unendlich strahlen, wenn sie sich freute... Nie werde ich unser letztes gemeinsames Weihnachten vergessen, ihre leuchtenden Augen, wie sie sich über ein Plüsch- Nilpferd freute, von dem ich ihr vorher immer erzählte, dass dieses "leider" ausverkauft war...

    

Freitag, 23.12.2005

Nachdem Norbert vier Tage lang Überstunden abgebummelt hat, muss er heute wieder arbeiten. Ich „vergnüge“ mich mit Staubsauger, Wischmop und diversen anderen Reinigungsgeräten, um den Weihnachtsputz hinter mich zu bringen. Obwohl es nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung ist, lenkt es mich aber ziemlich wirksam ab… Als ich fertig bin, plumpst meine Stimmung wieder nach unten, und ich wünsche mir sehnlich diesen Schalter… Als Norbert von der Arbeit kommt, ist mit dem folgenden Einkaufsstress nochmals Ablenkung da, denn letzte Dinge müssen besorgt werden…

Während ich hier schreibe, stellt Norbert den Weihnachtsbaum auf, bringt die Lichterkette an und Andi schmückt ihn. Da durch meinen Umzug nun auch meine Weihnachtsbaumkugeln hier sind, finden einige davon ebenfalls einen Platz am Baum. In einem Karton finden wir auch den Kranz, den wir mit Jana immer an unsere Wohnungstür hingen – Norbert hängt ihn an die Haustür, und ich bin sehr froh darüber…

Bevor ich das Tagebuch heute aktualisiere, suche ich nach passender Musik zu Weihnachten, aber es soll ja immer Musik sein, die Jana ebenso hörte und mochte. Ich muss also Janas mp3- Sammlung, die ich auf mehreren CDs gesichert habe, durchsuchen, aber werde fündig...  

 

Donnerstag, 22.12.2005

Als ich gestern Abend die vielen Mails mit Weihnachtsgrüssen und -wünschen  verschickt habe, griff ich zwischendurch auch zum Telefonhörer und habe einer guten Bekannten meine Weihnachtsgrüße lieber mündlich übermittelt. An meiner Stimme merkte sie, dass ich nicht besonders gut drauf bin und fragte nach. So erzählte ich ihr unter anderem von dem Gästebucheintrag des Nürnbergers am 20.12. Sie kennt den Inhalt seiner vielen vorangegangenen Emails und gab mir bereits vor geraumer Zeit den Rat, Anzeige wegen Beleidigung zu erstatten… Ich dachte immer, dass es reicht, wenn ich nicht mehr antworte, aber nun werden sogar versteckt Drohungen ausgesprochen: „Im Zweifelsfalle gibt es das Internet. Da soll man viele Seiten finden…“  Wie ich inzwischen erfahren habe, war es mein Versäumnis, meine Lebensgemeinschaft anzugeben, aber das werde ich umgehend nachholen…    

Ja, nun rückt das Weihnachtsfest immer näher, aber mit jedem Tag bedrückt es mich mehr, und ich kann keine Freude empfinden, im Gegenteil… Abends telefoniere ich sehr lange mit Renate. Ich muss ihr nichts erzählen, denn ihr geht es genauso. Renate fragt mich, warum es denn jedes Jahr eher schlimmer wird, anstatt besser. Nachdem ich ihr erzähle, dass es auch noch Leute gibt, die einem das Leben zusätzlich schwer machen, ist sie einfach nur entsetzt…  

 

Mittwoch, 21.12.2005

Man möge entschuldigen, wenn mein „Tagesbericht“ heute nur ganz kurz ist, denn ich möchte vielen persönlich ein schönes Weihnachtsfest wünschen. Darum schreibe ich etliche Emails, denn Serienmails sind nicht mein Ding, weil ich sie einfach zu unpersönlich finde…

 

Dienstag, 20.12.2005

„Rothaarige alte Hexen, die aus Gräber Kindergarten machen, verschandeln die Würde Verstorbener. Es gab keinen Diebstahl. Janas Grabstätte entspricht wieder einem würdigen Begegnungsort zwischen Lebenden und den Verblichenen. Und nicht dem senilem Wunsche einer Abartigen, die das ganze Internet nach toten Kindern durchforstet. *Bääh* „

Nein, durchgeknallt bin ich noch nicht... Dies ist nur ein Zitat aus einer Email, die ich bekam, nachdem die Schafe von Janas Grab geklaut wurden ( Tagebuch vom 29.10.05) Aber diese war nur die letzte von vielen Emails dieses Absenders, in denen man mit aller Macht versuchte mich zu treffen und zu verletzen. Heute hat sich dieser Schreiber nochmals "zu Wort gemeldet", dieses Mal im Gästebuch und "moderiert" meinen gestrigen Tagebucheintrag.. Gelöscht habe ich ihn nur darum nicht, da ich glaube, dass sich jeder seinen eigenen Reim auf diese Zeilen machen kann, also Kommentar überflüssig.... Mein kleines Schaf mahnt mich schon an: "Mum, solche Leute musst du doch gar nicht erwähnen, löschen und weg!" Ja, sie hat Recht, darum werden weitere Zitate von solchem Schwachsinn hier auch nicht mehr erscheinen...

 

Montag, 19.12.2005

Um 10:30 Uhr habe ich heute einen Termin bei einem Berater im Arbeitsamt. Mir gegenüber sitzt eine Frau mit langen lackierten Fingernägeln, einem Pelzkragen an der Strickjacke und belehrt mich, dass ich durch meinen Status "allein stehend" bundesweit vermittelbar bin und gegebenenfalls einen Umzug in Kauf nehmen muss. Ich erkläre ihr, dass ich erst umgezogen bin und eigentlich nicht von Berlin weg möchte, zumal das Grab meiner Tochter hier ist... Ohne dass ich es will, kullern bei mir die Tränen, aber ich kann es nicht mehr "steuern". Die Belehrungen nehmen kein Ende... Völlig fertig fahre ich nach hause und bin froh, dass Norbert da ist, weil er diese Woche einige Überstunden abbummelt. Am Donnerstag war ich noch von der Freundlichkeit der Mitarbeiter ganz angetan. Die Beraterin war heute zwar nicht unfreundlich, aber in meinen Augen trotzdem eiskalt... 

 

Sonntag, 18.12.2005

Jana wäre dieses Jahr 24 Jahre geworden – Janas Alter steht jedes Jahr aber auch als Zahl vor dem Todestag von Raimund, ihrem Vater. Heute vor 24 Jahren stürzte mit dem Tod von Raimund meine Welt ein erstes Mal ein, und ich musste sie mühsam wieder aufbauen…

Viel habe ich Jana von ihren Vater erzählt: wie ich ihn 1976 kennen lernte, dass er meine große Liebe war, wir uns auch wieder getrennt haben, es aber nie lange ohne den anderen aushielten… Dann gingen wir nach 4 Jahren spontan zum Standesamt. Es war am 23.12.1980, und wir ließen uns den nächstmöglichen Termin geben. In den darauf folgenden Tagen überlegten wir nochmals, ob unsere Entscheidung richtig war oder nicht, aber am 29.12.1980 gaben wir uns schließlich das Jawort und wollten noch ein gemeinsames Kind… Ich erzählte Jana auch von Raimunds Krankheit ( zuerst reaktive Psychose), meiner ständigen Sorge um ihn, und wie nach Janas Geburt alles in Depressionen umschlug… Sehr interessiert hat Jana mir immer zugehört, jedes Detail in sich aufgenommen, und dann sah ich in ihren Augen eine große Sehnsucht und tiefe Traurigkeit... Ich glaube, obwohl wir immer ein gutes Verhältnis und unsere „gemeinsame Antenne“ hatten, hat sie ihn sehr vermisst. Aber selbst die beste Mutter könnte nie einen Vater ersetzen...

Es gab Leute, die glaubten, dass Jana ganz nach mir geht, eine oft gebrauchte Redewendung von „klugen“ Leuten, die Raimund jedoch nie kannten. Aber ich entdeckte im Laufe von Janas Leben, dass sie doch eher Raimund ähnelte. Schon als kleines Kind im so genannten Böckchenalter erschrak ich manchmal. Wenn sie mich „böse“ anschaute, glaubte ich, in Raimunds Augen zu schauen. Auch ihr Körperbau ähnelte eher dem von Raimund. Besonders fielen mir immer ihre Finger auf, ein letztes Mal am offenen Sarg... Sie hatte genau Raimunds Hände, deren Aussehen ich nie vergessen habe…

Vater und Tochter....

                                 

Raimund im Sommer 1981                                                         Jana 2002 (Passbild)

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Sonnabend, 17.12.2005

Mit Jana haben wir jedes Jahr in der Adventszeit begonnen, Weihnachtsschmuck herauszuholen und aufzustellen. Auf dem Fensterbrett war immer ein Lichterbogen, im Zimmer standen viele weihnachtliche Dinge wie Räuchermann, Pyramide und in einer Vase Tannenzweige, Kerzen brannten, und außen an der Wohnungstür hing ein Weihnachtskranz... Seitdem Jana nicht mehr da ist, ist für mich Weihnachten nicht mehr das, was es früher einmal war. Im ersten Jahr blieben die Kisten mit dem Weihnachtsschmuck gänzlich unberührt, ich konnte nicht einmal daran denken. Aber auch in den nächsten beiden Weihnachtszeiten habe ich nicht mehr wie früher geschmückt, keine Pyramide mehr, kein Räuchermann... Dieses Jahr steht hier auch noch nichts. Die letzten Adventssonntage habe ich überhaupt nicht wahrgenommen, wozu auch? In einer Woche ist das vierte Weihnachten ohne Jana, ein Fest wird es für mich nie mehr sein. Ich werde wohl meine Maske brauchen und versuchen zu funktionieren. Wenn ich könnte, würde ich einen Schalter betätigen und diesen Zeitraum überspringen, denn heute gehört er für mich zur schlimmsten Zeit des Jahres...    

 

Freitag, 16.12.2005

Der Verkäufer schrieb gestern noch mehrmals, um mich umzustimmen. Ich war fast nur noch damit beschäftigt, auf seine Mails zu antworten. Erst macht er einen "Fehler", für den ich nichts kann, und dann raubt er mir damit auch noch meine Zeit! Ich hatte bereits Stunden bei Ebay verbracht, und das reichte. Er ging mir total auf die Nerven, und ich wurde immer wütender, was sich dann auch in meinen Antworten widerspiegelte. Mein letztes Wort war: "Kaufvertrag bleibt Kaufvertrag" Dann war endlich Ruhe, und nun bleibt abzuwarten, ob er sich daran hält... Ich möchten den Verkäufer mal sehen, wenn er im Supermarkt eine Packung mit fünf Bockwürsten kauft, und die Kassiererin nimmt nach dem Bezahlen 4 Würstchen heraus: "Soory, aber der aufgedruckte Preis gilt nur für ein Würstchen, das haben wir vergessen drauf zu schreiben"

 

Donnerstag, 15.12.2005

Ja, nun gehe ich heute früh um 8 Uhr zum Arbeitsamt... Zuerst muss man unten im Eingangsbereich zur Anmeldung, wo eine lange Schlange steht... Dann wird einem gesagt, wo man hin muss. So lande ich im Wartebereich eines Großraumbüros, wo ich jedoch bereits nach knapp 10 Minuten aufgerufen werde. Sowohl an der Anmeldung, als auch die Bearbeiterin sind richtig nett, und ich bin positiv überrascht, denn es erleichtert einem solche Behördengänge. Das Ergebnis ist, dass ich bereits am kommenden Montag schon einen Termin bei einem Berater habe. Außerdem muss ich für die Beantragung des Arbeitslosengeldes wieder einiges ausfüllen, wo ich doch solch eine Phobie gegen Formulare habe *grummel* Nun gut, den ersten und schwersten Gang habe ich nunmehr hinter mir....

Norbert tauscht sich auf Arbeit mit einigen Kollegen manchmal auch über private Computer- Erfahrungen aus. Dadurch wurden einige auf unsere USB- Adapter aufmerksam. In diese kann man Speicherkarten einschieben, und dann benutzt man sie wie einen USB- Stick. Ich will heute für Norberts Kollegen noch einige davon bei Ebay bestellen. Manchmal kosten sie 1,99 € und haben hohe Versandkosten, dann wieder bekommt man sie für 5,50 € und preiswertem Versand. Man muss also wie immer abwägen, was am günstigsten ist (und natürlich nach den Bewertungen schauen!). Ich bin hin und weg, als ich 5 Sticks als Paket für 8,50 € zum Sofortkauf entdecke. Der Verkäufer hat erst eine Bewertung, und diese ist positiv. Ich kaufe, klicke mich durch die Kaufabwicklung, die Kontodaten sind auch gleich abrufbar, und ich überweise sofort per Online- Banking. Eine gute Stunde später bekomme ich per Mail folgende Nachricht:

"Au, jetzt ist uns ein Fehler passiert, wir haben mit Ebay noch nicht allzu lange Erfahrung. Natürlich handelt es sich nur um 1 Flexi Stick. Es sollten 5 Stück eingestellt werden aber nicht 1 Preis für 5 Stück.

Es tut uns leid dass wir diesen Fehler gemacht haben.
Natürlich können Sie jetzt den Kauf rückgängig machen.
Wir haben dafür vollstes Verständnis.
Irren ist Menschlich, es tut uns leid.
Möchten Sie den Artikel trotzdem haben, liefern wir natürlich nur einen USB Flexi Stick aus.

Ich hoffe sie nehmen unsere Entschuldigung an.

MfG.  XXXX......."

Ich bin außer mir! Vor fünf Tagen haben sie dieses Angebot bei Ebay reingesetzt, nun kaufe ich, und ihnen fällt ein "Fehler" auf? Natürlich schreibe ich eine entsprechende Antwort, denn auch Ebay ist kein rechtsfreier Raum, wo man nach einem Kauf das Angebot einfach ändern kann. Mein kleines Schaf kennt mich ja und grinst schon, denn sie weiß, dass ich mir bestimmt nicht die Butter vom Brot nehmen lasse...

 

Mittwoch, 14.12.2005

Nachdem ich gestern wieder so vertieft beim Basteln an meiner HP war, fiel mir dann im Bett ein, dass ich doch mein Tagebuch ganz vergessen habe...

Dafür gibt es aber heute umso mehr Neuigkeiten. Früh habe ich Termin bei meinem Orthopäden. Wie immer fragt er mich, wie es mir geht. Ich bin gut drauf, strahle ihn an und sage, dass es mir wirklich nun viel besser geht. Zuerst stutzt er und fragt mich, ob ich das ironisch meine. Aber ich erkläre ihm, dass ich es wirklich so gemeint habe, denn meine Beschwerden sind auf ein Minimum zurück gegangen. Nie hätte ich gedacht, dass Krankengymnastik soviel bewirken kann. Nun lacht er, weil er mich missverstanden hat. Ich bitte ihn, dass er mich nun gesund schreibt, denn ich möchte meine Gänge zum Arbeitsamt erledigen. Er schlägt mir vor, mich ab Montag arbeitsfähig zu schreiben, aber ich möchte es bereits ab morgen, denn die zwei Tage machen es nun auch nicht mehr. Dann könnte ich gleich morgen zum Amt und hätte den diesen Gang endlich hinter mir. Er entspricht meinem Wunsch  und trägt im Auszahlschein für die Krankenkasse als letzten Tag der Arbeitsunfähigkeit das heutige Datum ein. Beim Abschied wünscht er mir alles Gute und bittet mich, mit einen erneuten Praxisbesuch nicht zu lange zu warten, falls ich wieder Beschwerden haben sollte...

Ja, nun habe ich morgen wohl einen Gang vor mir, der mir nicht so leicht fallen wird, aber wenn ich es mir genau überlege, was ist der Weg zum Arbeitsamt gegen das, was ich hinter mir habe?

Somit erschüttert mich heute auch nicht die Post, die ich aus dem Briefkasten nehme, im Gegenteil - ich habe wieder etwas zum Lachen! Seiler und Kollegen (man sollte wohl eher "Seilschaften" sagen) melden sich wieder zu Wort. Ich mache mir einmal die Mühe und liste nun auf:

1. Brief vom 30.05. - Zahlungsfrist bis 15.06.

2. Brief vom 15.07. - Zahlungsfrist bis 15.08.

3. Brief vom 29.09. - Zahlungsfrist bis 14.10.

4. Brief vom 11.11. -  Zahlungsfrist bis 23.11.

In jedem Schreiben wird bei Nichteinhaltung der Zahlungsfrist ein Gerichtsverfahren angedroht - heute erhalte ich den 5. Brief, geschrieben am 12.12., und man gibt mir eine "letzte" Zahlungsfrist bis 02.01.06!

ABER - man lese sich dieses Schreiben einmal genau durch:

Wieso "erlässt" man mir plötzlich über 30 Euro? Aber auch diese "Kulanz" werde ich nicht nutzen, denn es macht die Sache nur noch suspekter. Neulich habe ich im Internet noch ein weiteres Forum entdeckt, wo man sich mit Seiler und Kollegen beschäftigte. Auch dort war zu lesen, dass man plötzlich als "letzte Chance" einen viel geringeren Betrag zahlen sollte. Unter anderem schrieb jemand, dass Seiler & Co. auf den Widerspruch gegen den Mahnbescheid blitzschnell reagierten und massiv drängten, diesen zurück zu nehmen. Der Grund: Seiler & Co. hätten klagen und beweisen müssen... Ein Gerichtsverfahren kostet Geld, und auf den Kosten bleibt man sitzen, wenn man nichts belegen kann. Also versucht man vorher, die Leute mit unzähligen Mahnungen und Teilzahlungsangeboten mürbe zu machen. In dem geschilderten Fall nahm man den Widerspruch gegen den Mahnbescheid trotzdem nicht zurück, die "Seilschaften" gaben dann auf und zogen ihren Mahnbescheid zurück... Also kann ich der Sache doch ganz gelassen entgegen sehen, denn wo nichts ist, kann nichts bewiesen werden. Ich weiß, jetzt denkt jemand wieder an die Bresso- Werbung: "Geht doch, geht doch...!"

 

Montag, 12.12.2005

Als ich gegen Mittag Norbert anrufe, hat er richtig schlechte Laune. Ich glaube zuerst an Arbeitsstress, aber das ist es nicht. Heute früh war in der U- Bahn eine Fahrscheinkontrolle. Obwohl Norbert eine Jahreskarte hat und den Abschnitt für Dezember vorzeigte, wurde er als Schwarzfahrer „herausgepickt“ und bekam einen Zahlschein über 40,- €. Der Grund ist, dass wir dieses Stück Papier laminiert haben. Als ich vor einigen Monaten das Laminiergerät kaufte, freute sich Norbert und dachte, dass die Monatskarte damit länger hält. Seit fast einem halben Jahr fuhr er nun mit diesen Fahrscheinen, nie wurde es bei einer Kontrolle beanstandet. Aber heute wird er „belehrt“, dass man dadurch nicht mehr die Echtheit dieses Fahrscheines überprüfen kann und er somit ungültig ist. Angeblich könnte das Hologramm ausgeschnitten und eingelegt sein. Da meint man es gut und wird dafür bestraft. Dass ich nicht lache, Norbert als Schwarzfahrer? Das ist das Gleiche, als wenn eine Kuh plötzlich stricken würde... Während ich hier schreibe, schaue ich immer wieder zu Janas Bild, um ihren Blick zu deuten, und er ist richtig mitleidvoll. Nun habe ich jedoch die Kuh erwähnt, und dieses schelmische Grinsen ist wieder da…      

 

Sonntag, 11.12.2005

Am Donnerstag kam ich doch nicht mehr zum Nähen, darum habe ich mich am Freitag mit meiner Hausarbeit beeilt. Somit hatte ich dann den Rücken frei, um mich in Ruhe mit der neuen Nähmaschine zu beschäftigen – und vor allem um zu nähen. Als Norbert von der Arbeit kam, hatte ich die Rollen fertig und war gerade beim Ausstopfen. Da ich dies mit der Flockenfüllung eines alten Kissens gemacht habe, sah es zu der Zeit hier ziemlich chaotisch aus, denn etliche Flocken wollten nicht gleich in den schmalen Schlauch…*grins* Aber alles halb so wild, es waren ja keine Federn, und mein Staubsauger ist topp fit…

Nach der Neugestaltung von Janas und Marios Seite möchte ich nun auch meine private Homepage etwas „aufmotzen“ und ebenfalls mit einem Frame versehen, denn die beim Scrollen nicht mitlaufende Navigationsleiste hat es mir richtig angetan. Ich will bei meiner HP jedoch nicht nur alles in die neue Fassung kopieren, sondern auch einiges am Inhalt und am Konzept verändern. Einige Seiten finde ich langweilig, manche Texte zu lang, und vielleicht kommen auch noch ein paar neue Ideen… Es macht halt richtig Spaß, und in den letzten beiden Tagen war das auch der Grund, warum ich im Tagebuch etwas schreibfaul war… Ich habe mir also wieder einiges vorgenommen, aber Langeweile kommt bei mir sowieso nie auf…

 

Donnerstag, 08.12.2005

Nun geht das Warten heute nochmals los, Ab 14 Uhr laufe ich dann schon bei jedem Autogeräusch zum Fenster und hoffe, dass es ein gelbes Auto ist. Um 15:15 Uhr endlich der erlösende Moment, meine Nähmaschine kommt! Ich packe sie vorerst nur aus, um sie kurz in Augenschein zu nehmen, denn ich will noch schnell unser Essen vorbereiten. Ich belege fertigen Pizzateig, den ich dann nur noch in den Ofen schieben muss, wenn Norbert kommt. Kaum lese ich 10 Minuten in der Bedienungsanleitung, kann ich den Backofen anmachen… Nun sind wir alle satt, und ich kann mich endlich mit der Nähmaschine beschäftigen. Mein kleines Schaf lächelt, und ich glaube sie freut sich für mich...

 

Mittwoch, 07.12.2005

Ab Mittag habe ich gar keine richtige Ruhe, denn heute soll die neue Nähmaschine kommen, die ich 24- Stunden- Service bestellt habe. Unsere Paketpost kommt manchmal um 12 Uhr, manchmal um 15 Uhr, gestern bekam Norbert ein Päckchen am späten Nachmittag… Selbst am PC kann mich gar nicht so richtig konzentrieren, denn im Hinterkopf ist immer das Warten auf ein Klingeln und das plötzliche hektische Bellen von Jill… Stunde für Stunde vergeht, meine Laune wird immer schlechter, und um 19.30 Uhr rufe ich bei Neckermann an. Man sagt mir, dass die Lieferung pünktlich raus ist, wundert sich und vermutet die Schuld bei der Post (DHL). Zumindest sind sie aber so fair, dass man mir den Aufschlag für den 24- Stunden- Service erlassen wird. Gut und schön, aber damit kann ich noch nicht nähen! Die arme Frau an der Kundenhotline muss meinen ganzen Frust ertragen, aber letztendlich lachen wir, da ich ihr schildere, dass ich mich morgen beim Postboten mit einem Tritt gegen das Schienbein „rächen“ werde. Gut, Spaß muss sein und sie versteht ihn auch… *schmunzel*

 

Dienstag, 06.12.2005 (zweiter Eintag)

Da sich heute Morgen alles etwas überschlug, will ich jetzt noch einige Zeilen hinzufügen. Bevor ich um 7 Uhr die Homepage im neuen Layout auf den Server laden will, schaue ich wie jeden Tag auf die Homepage des Counter- Anbieters, um mir die Statistik anzusehen, das heißt: ich will es, aber wieder kann die Seite nicht angezeigt werden *stöhn* Ich rufe meine evero- Homepage auf, und sie braucht wieder ewig zum Laden. Nun habe ich genug und schaue nochmals nach einem anderen Counter- Anbieter. Dabei finde ich einen, der am Sonntag in den google- Suchergebnissen noch nie erschien und einen richtig guten Service und gute Statistiken anbietet. Ich mache den Test mit der evero- Homepage, und es klappt wunderbar, also melde ich auch die Webseiten von Jana und Mario sowie die memory- Homepage an. Nun ist reichlich Zeit vergangen, und ich kann gegen 9Uhr endlich die neu gestaltete Homepage mit einem funktionierenden Counter auf den Server laden. Kurz danach ist die Webseite des alten Counter- Anbieters wieder online, ich kündige meinen Account und verabschiede mich als Kunde…

Gegen 10 Uhr setze ich mich, fast schon hektisch, ins Auto, denn zwischen 11 und 14 Uhr werden bei meiner Schwester die Heizungsröhrchen abgelesen und ausgetauscht, also muss jemand da sein, und vorher muss ich zu Lidl, damit Nora keinen leeren Kühlschrank hat. Noras Kur ist heute zu ende, und während ich in ihrer Wohnung bin, ist sie auf der Heimreise… Nachdem der „Ableser“ da war, fahre ich wieder heimwärts, aber gehe zuvor noch auf den Friedhof. Vor drei Jahren standen wir mit der ganzen Familie und Freunden am Grab und mussten ansehen, wie Janas blaue Urne versenkt wurde. Darin sollte Jana sein? Nein, es war alles so unwahr, und auch heute noch hat man Probleme, dies alles zu verstehen und zu akzeptieren. Zeitweise gelingt es einem schon, aber dann wieder sperrt sich alles in einem gegen diese Endgültigkeit. Es wird wohl ein ewiges bergauf- bergab bleiben…

 

Dienstag, 06.12. 2005

Heute vor drei Jahren haben wir Jana auf ihrem letzten Weg begleitet. Nie hätte ich gedacht, dass einmal der Nikolaustag eine ganz andere Bedeutung für mich bekommt, aber das schreibe ich wohl nun jedes Jahr...

Dass Jana irgendwann vergessen werden könnte, das versetzte mich damals neben meiner endlosen Trauer noch zusätzlich in fast panische Angst. Ich war erstaunt, als ich bei veid.de entdeckte, dass es viele Gedenkseiten für verstorbene Kinder gibt, und somit war die Idee zu dieser Homepage geboren. Unendlich viele Tränen liefen, als ich die Fotos von Jana in den Scanner legte und unsere Geschichte aufschrieb, oft wie in Trance...

An diesem 6. Dezember 2002 stellte ich dann abends die Homepage ins Netz. Darum soll sie auch am heutigen Jahrestag in einem neuen und verbesserten Layout erscheinen.

Anfangs war sie nur ein kleiner Teil von dem, was sie heute ist. Ich kannte Marios Mutter Renate noch nicht, und auf der Startseite war nur Jana zu sehen... Manchmal staune ich selber, wie umfangreich die Webseite inzwischen geworden ist. Das habe ich besonders in den letzten Tagen gemerkt, als ich den gesamten Inhalt in das neue Layout kopiert habe…*lächel*

Neulich wurde ich gefragt, wie lange ich denn das Tagebuch noch schreiben werde. Darüber habe ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht. Es gehört nach wie vor zu meiner ganz persönlichen Trauerarbeit. Hier kann ich schreiben, worüber ich mich freue, was mich ärgert oder bedrückt, was ich denke und fühle, muss nicht warten, ob jemand mit mir reden und mir zuhören will… Hier brauche ich keine Maske und „darf“ auch nach drei Jahren noch traurig sein, denn die Trauer um ein Kind vergeht nie, man lernt lediglich, damit zu leben…

Ich möchte den heutigen Tag auch zum Anlass nehmen, um mich nach längerer Zeit wieder einmal bei den vielen Lesern zu bedanken, die diese Seite regelmäßig besuchen, aber auch bei denen, die vielleicht nur einmal hier waren und ein paar liebe Zeilen hinterließen. Der Besucherzähler geht trotz Reloadsperre (-> jeder wird während seines Besuches auf der HP nur einmal gezählt) inzwischen auf die 100.000 zu, und über 1000 Gästebucheinträge belegen, dass der Zuspruch und die Anteilnahme überwiegen. Danke an alle Menschen, die mich in den letzten drei Jahren mit ihren Besuchen hier begleitet haben, mir Trost spendeten, Mitgefühl und Anteilnahme bekundeten. Dann ist in dieser Zeit aber auch noch etwas geschehen, was ich vorher gar nicht „eingeplant“ hatte und kaum für möglich hielt: Einige junge Menschen, die auch an Suizid dachten, bedankten sich bei mir für diese Seite, weil sie hier erkannt haben, welches Leid sie bei einem Selbstmord hinterlassen würden… Dadurch habe ich erfahren, dass ich nicht nur empfangen habe, sondern auch anderen etwas geben konnte, und das ist ein richtig gutes Gefühl...

Meine Angst, dass Jana vergessen werden könnte, ist in den letzten drei Jahren immer weniger geworden, denn die monatlichen Aufrufstatistiken der Homepage besagen, dass die Webseite bereits in über 30 Ländern angesehen wurde. In den gängigen Suchmaschinen des Internets erscheinen Jana und Mario überall auf den vordersten Rängen (obwohl ich nie einen Suchmaschineneintrag beantragt habe). Solche Zahlen und Fakten sind zwar sehr nüchtern und unpersönlich, aber sie beweisen, dass ich es geschafft habe, Jana und Mario unvergessen zu machen. Inzwischen kennen so viele Menschen Jana und Mario, wie sie in ihrem eigenen Leben nie kennen gelernt hätten…

Während ich diese Zeilen schreibe, schaue ich wie immer zwischendurch zu Janas Bild an der Wand. Heute schmunzelt sie nicht, auch ist es kein Grinsen. Sie schaut nur ganz verlegen, wie immer, wenn man sie lobte oder positiv über sie sprach…

 

Montag, 05.12.2005

Normalerweise weckt mich Norbert immer, wenn er zur Arbeit losgeht. Er weckt mich auch heute, aber ist dabei noch im Schlafanzug *grübel* Seit Tagen brütet er die nächste Grippe aus und kann sich nunmehr kaum noch auf den Beinen halten. Endlich siegt die Vernunft, und er bleibt zu hause! Sonst spielt er immer den Helden und geht sogar mit dem Kopf unter dem Arm zur Arbeit, aber nun geht es wirklich nicht mehr. Das will bei ihm schon etwas heißen, denn seit wir uns kennen – und das sind über 5 Jahre – fehlte er, glaube ich, nur einen oder zwei Tage wegen Krankheit… Ja, Männer sind eben Helden *grins* Ich für meinen Teil freue mich natürlich, dass Norbert tagsüber mal zu hause ist… Meinen Weg zur Post mit dem Paket für meine Mum mache ich jedoch allein, aber es dauert ja nicht lange.

Dann will ich für die Kellerfenster in meinem „Untergeschoss- Zimmer“ Rollen nähen, die ich auf die Fensterbretter legen will, um etwas die Zugluft abzuhalten. Mit Silikon haben wir bereits abgedichtet, aber ich will in passender Breite etwas nähen, was es in Türbreite manchmal zu kaufen gibt, oft sind es lange Rollen, die wie Hunde o. ä. aussehen.

Da in meiner Nähmaschine noch die Garnfarbe von Jeansnähten eingefädelt ist, kürze ich zuerst eine neue Jeans von Norbert. Dann schneide ich aus einem ehemaligen Vorhang die Teile für die Rollen zu. Es macht richtig Spaß, denn schon immer bin ich ein Bastlertyp, außerdem ja auch gelernter Schneider… Aber mein Spaß währt nicht lange, denn meine Nähmaschine streikt nach wenigen Stichen. Es gibt ein fürchterliches Geräusch, die Nadel bricht weg, und nichts geht mehr. Stunden verbringe ich nun mit Reparaturversuchen. Früher hat es immer irgendwann geklappt, immer habe ich meine Nähmaschine selber repariert, aber heute ist nichts mehr zu machen, Altersschwäche und fehlendes Öl haben ebenso ihren Anteil wie zwei winzige Schrauben, die mir während meiner missglückten Reparatur noch abhanden kommen und nicht mehr auffindbar ist. In Gedanken sehe ich ein trauriges kleines Schaf, denn sie weiß, wie viele gute Dienste mir diese Nähmaschine geleistet hat und wie ich an ihr hing. Als Student habe ich sie ca. 1973 oder 1974 auf Kredit gekauft. Ich weiß noch wie heute, dass ich sie nach einer „kleinen“ Anzahlung von meinen damaligen 240- Mark- Stipendium zwei Jahre lang mit einer monatlichen Rate von 30 Mark abgezahlt habe… Nun hatte sie mittlerweile über 30 Jahre auf dem Buckel, aber traurig finde ich es trotzdem, denn was ich darauf genäht habe, kann ich nicht mehr zählen…

Trotz aller Traurigkeit habe ich nun aber ein Problem, denn ich kann nicht mehr nähen… Sogar Norbert sucht ganz eifrig im Branchenbuch und bei Ebay. Ebay scheint dafür ungeeignet und bietet keine besseren Angebote als Versandhäuser mit 24- Stunden- Lieferung... Läden für Nähmaschinen gibt es in Berlin trotz der Größe der Stadt nur wenige. Auch sind Spezialgeschäfte sowieso meist teurer. Nach vielen Vergleichen lande ich dann doch online bei Neckermann, Quelle und Otto, wo es momentan viele Nähmaschinen preisgesenkt gibt. Stundenlang vergleiche ich… Letztendlich habe ich bei gleichem Preis die Wahl zwischen preiswerten Modellen mit vielen möglichen Ziernähten und Markenmaschinen mit etwas weniger Näh- Programmen. Ich entscheide mich für eine Singer- Nähmaschine mit „nur“ 16 Programmen, denn aus Erfahrung weiß ich, dass man den ganzen Schnickschnack kaum braucht…

 

Sonntag, 04.12.2005

Jeden Morgen, wenn ich nach Emails schaue, gehe ich auch auf die Seite des Counter- Anbieters, um mir die Statistik anzusehen. Die Seite ist aber heute bis Mittag nicht aufrufbar, kann nicht angezeigt werden. Als ich meine eigenen Webseiten aufrufe, brauchen sie ewig zum Laden und zeigen keinen Counter an. Es ist in der letzten Zeit nicht das erste Mal… Als gegen Mittag die Seite des Counter- Anbieters wieder verfügbar ist, muss ich feststellen, dass zwar bis zu diesem Zeitpunkt 47 Besucher auf Janas Homepage waren, der Counter aber nicht mitgelaufen ist. Ich bin stinksauer und schaue mich im Internet nach anderen Anbietern für kostenlose Besucherzähler um. Ob man es glaubt oder nicht, ich verbringe fast den ganzen Tag damit, weil ich nichts finde, was mir von der Bedienung und dem Umfang des Angebotes her besser gefällt. Na ja, nun amüsiert sich wieder jemand, weil ich meine Zeit so sinnlos verschleudert habe und grinst mich an…  

Natürlich fehlt mir die Zeit von heute, so muss ich mich morgen ranhalten, denn der Endspurt mit der neuen Fassung der Homepage läuft, und ich will einen „Probelauf“ auf einer Testdomain durchführen. Es soll doch nichts schief gehen…

 

Sonnabend, 03.12.2005

Gegen Mittag fragt Andi Norbert und mich, wann wir denn heute losgehen. Losgehen, wohin? Ich fühle mich, wie so oft, von Andi veralbert und nehme die Frage gar nicht ernst. Aber dann grinst Norbert und holt drei Eintrittskarten hervor. Nun dämmert es bei mir! Den Termin hatte ich völlig vergessen. Heute ist in der Urania ein Heinz Erhard- Abend mit Andreas Neumann. Norbert ist großer Fan von Heinz Erhard und kann viele Texte sogar auswendig, was mich jedes Mal fasziniert.

Gegen 19 Uhr fahren wir los und sind ganz gespannt, was uns erwartet. Kaum die ersten Worte, und das ganze Publikum lacht, denn er imitiert die Stimme und Gesten dieses großen Komikers sehr echt. „Ach, Herr Erhard, sagte ich zu mir, ach nein, Heinz sagte ich, denn ich duze mich ja…“ Wir amüsieren uns köstlich. Zwischendurch imitiert Andreass Neumann sogar noch weitere Leute: Dieter Hallervorden, Theo Lingen, Hans Moser, Inge Meisel und andere. Ein schöner Abend, der einen mal für einige Stunden die Alltagsprobleme vergessen lässt…

 

Freitag, 02.12.2005

Gestern Abend bin ich in meinem Computersessel eingeschlafen...

Da ich in den letzten zwei Tagen nicht allzu viel Zeit für den Haushalt hatte, verbringe ich heute wieder einige Stunden mit Hausarbeit, um dem Wochenende zufrieden entgegen sehen zu können.

Gegen Mittag mache ich einige Besorgungen, denn ich will meiner Mum ein Päckchen schicken, und ein paar Kleinigkeiten fehlen mir noch dazu. Vor wenigen Wochen habe ich ihr schon einmal ein Päckchen geschickt. Sie war so überrascht, dass ich ihr gleich noch einmal eine Freude bereiten möchte, denn besonders die Baumkuchenspitzen mit Orangenlikör (von Lidl) und der Mandelspekulatius haben es ihr angetan. Früher habe ich nie gern Pakete gepackt, hatte sogar eine regelrechte Abneigung dagegen. Jetzt macht es mir sogar richtig Spaß, zumal ich weiß, wie groß die Freude darüber ist. Natürlich kommen wieder diverse Leckereien hinein, eine schöne Weihnachtskerze und ein paar kleine Überraschungen... Obenauf packe ich ein paar Illustrierte, die viele Kreuzworträtsel haben, denn meine Mum ist ein richtiger "Kreuzi- Fan". Sie ist zwar nicht mehr gut zu Fuß und kommt kaum noch raus (Lebensmittel werden bestellt und geliefert), aber geistig ist sie mit ihren 77 Jahren topp fit und allseitig interessiert. Sie verpasst keine Nachrichtensendung und ist im Weltgeschehen immer auf dem Laufenden...

 

Mittwoch, 30.11.2005

Bevor ich heute den Feinschliff an der neuen Version der Homepage vornehme, muss ich pünktlich um 8 Uhr bei Aldi vor der Tür stehen. Ich bin sogar schon kurz nach halb acht auf dem Parkplatz, bleibe noch ein paar Minuten in meinem warmen Auto sitzen, aber als das nächste Auto einparkt, stelle ich mich vor die Ladentür und bin somit die Erste. Hinter mir bildet sich eine immer länger werdende Schlange... Als die Türen geöffnet werden, ergattere ich nun den LCD- Fernseher und marschiere zur Kasse. Aber dies ist nicht so einfach, denn es passiert regelrecht im Blindgang, da der Karton auf dem Korb ist so groß ist, dass ich nicht mehr sehen kann wohin ich damit fahre. Ich sehe dabei Jana, die sich wieder einmal vor Lachen kaum halten kann, aber ihren Spott nehme ich gern hin, denn er bringt mich zum Lächeln... Als ich an der Kasse stehe, sind hinter mir zwei weitere Kunden mit diesem Fernseher. Einer davon sagt, dass es wohl nur drei Stück waren. Das habe ich in meinem Eifer gar nicht mitbekommen. Da habe ich wohl einmal Glück gehabt...      

 

Dienstag, 29.11.2005

Wie man sieht, bleibt mir momentan nur wenig Zeit für das Tagebuch. Jede freie Minute arbeite ich an der Homepage, aber langsam geht es einem erfolgreichen Ergebnis entgegen. Hoffe nur, das man am 6. Dezember nicht enttäuscht ist, denn der Grundaufbau bleibt, aber der blaue Hintergrund wird nicht mehr ganz so grell sein,  und einige Texte habe ich überarbeitet bzw. aktualisiert.

Probleme gibt es reichlich, denn ich bin und bleibe ein Laie, aber ich möchte diese nicht im Detail beschreiben, zumal es sicher nur wenige interessiert... Aber nun habe ich die meisten Bilder und Texte in die neue Homepage kopiert und sehe langsam Land... Mein größtes Erfolgserlebnis ist heute, dass ich die Hintergrundfarbe des Gästebuches so einstellen konnte, dass sie mit der HP identisch ist, bisher war sie immer nur ähnlich. Gewusst wie - aber auch dies muss man als Nicht- Profi herausbekommen... Somit erscheint das Gästebuch inzwischen mit der neuen blauen Farbe...

Abends klingelt mein Telefon. Es ist Ute, die Mutter von Thomas, für den eine Gedenkseite entsteht. Sie meldet sich bei mir, da sie eine Woche im Urlaub war. Wir reden eine ganze Stunde miteinander, auch besprechen wir die weitere Gestaltung der Gedenkseite. Somit wird nach Fertigstellung des neuen Designs von Janas und Marios Homepage keine Langeweile aufkommen, aber ich mache es gern und hoffe, dass man diese Redewendung nicht falsch versteht...

 

Sonntag, 27.11.2005

Heute vor 34 Jahren bin ich mit meinen damals 18 Jahren das erste Mal Mama geworden - mein Ole Bole wollte nicht bis zum 16. Dezember warten, denn das wäre der eigentliche Termin gewesen... Dafür machte er es mir mit seinen 2530 Gramm auch nicht allzu schwer und war nach gut 3 Stunden auf dieser Welt angekommen. Leider kann ich ihn heute nicht sehen und ihn in die Arme nehmen, denn vorgestern ist er nach London geflogen, wo er mit Freunden feiert. Gleichzeitig will er sich dort um einen Job kümmern, denn in Deutschland sieht er keine Zukunft mehr, traurig, aber wahr.... 

Ich selber arbeite seit einigen Tagen jede freie Minute am neuen Design der Homepage. Der Grundaufbau soll bleiben, aber ich bastele an einer Frame- Seite, und dies ist Neuland für mich... Ich mache mich im Internet schlau, probiere und experimentiere.. Meine Nerven sind somit nicht mehr die besten, dann spinnen auch noch die USB- Anschlüsse meines Computers, denn die Sticks mit meinen wichtigsten Dateien werden oft nicht erkannt... Also nicht böse sein, wenn in den nächsten Tagen nicht allzu viel geschrieben steht, denn am 6. Dezember soll die neue Version der Homepage fertig sein. Warum der 6. Dezember? Es ist der 3. Jahrestag der Beisetzung, an dem ich die Homepage abends ins Netz stellte... 

 

Donnerstag, 24.11.2005

Ob man es glaubt oder nicht, fast den ganzen Vormittag verbringe ich am Telefon, aber nicht zu meinem Vergnügen, im Gegenteil! Norbert konnte vor etlichen Wochen einem tollen Angebot bei Quelle nicht widerstehen und bestellte sich ein neues „Spielzeug“: einen LCD- Fernseher, der nur für kurze Zeit preiswerter angeboten wurde. Zuerst mussten wir 4 Wochen auf die Lieferung warten, da die Nachfrage so groß war, dann funktionierte er ganze 14 Tage, denn alle dunklen Bildanteile wurden giftgrün. Nun warten wir seit vier Wochen auf die Reparatur, weil das Ersatzteil nicht lieferbar ist. Heute erfahre ich bei meinem x-ten Anruf in der Quelle- Servicewerkstatt, dass das Ersatzteil immer noch nicht lieferbar ist und kein Termin genannt werden kann. Ich halte mit Norbert Rücksprache, und wir wollen nun vom Kaufvertrag zurück treten, denn solche Wartezeiten sind unzumutbar. Er hat auch schon eine neue Idee, denn am kommenden Mittwoch hat ALDI ebenfalls ein Topp- Angebot...

Gut, dass heute keiner mehr eine Wählscheibe auf dem Telefon hat und die meisten auch eine Taste für die Wahlwiederholung haben, sonst wären meine Finger nun wund, denn die Quelle- Kundenhotline ist ständig besetzt… Als ich nach unzähligen Versuchen endlich durchkomme, hänge ich in der Warteschleife und höre auf der 0180-er Nummer Musik. Na prima! Ich höre regelrecht das Geld durch die Telefonleitung plumpsen. Dann endlich ist ein Kundenbetreuer dran, aber das Gespräch ist nach einer knappen Minute einfach weg! Also alles von vorn… Gegen Mittag habe ich es dann endlich geschafft. Erstaunlicherweise widerspricht man mir nicht, aber wie auch, denn ich bin auf 180! Man nimmt unseren Rücktritt vom Kauf an und schickt uns demnächst eine Spedition zur Abholung des Gerätes… Endlich geschafft, und es folgt meine telefonische Berichterstattung an Norbert im Dienst… Dabei erzählt er mir, dass ein Kollege, der sich den gleichen LCD- Fernseher bei Quelle bestellt hat, heute ganz glücklich in den Dienst kam. Nun bekommt er nach ebenfalls langer Wartezeit endlich seinen Fernseher. Aber Norbert hat wohl nur zu ihm gesagt: „Na schön und gut, aber der geht ja nur 14 Tage…“  Jana hätte sich nun wieder vor Lachen gekrümmt, denn der trockene Humor von Norbert hat bei ihr fast immer Lachkrämpfe verursacht…      

 

Mittwoch, 23.11.2005

Nach 8 Wochen Wartezeit (!) habe ich heute einen Termin beim Neurologen, wo laut Überweisung vom Orthopäden ein EMG gemacht werden soll. Bei dieser Untersuchung findet eine Messung der Nervenleitfähigkeit statt, was mittels Strom gemacht wird. Mein rechter Arm wird mit Elektroden und Nadeln versehen. Diese Untersuchung ist richtig eklig, denn die kleinen „Stromschläge“ sind sehr unangenehm, und mein kleines Schaf grinst natürlich…

Der Befund zeigt kein pathologisches Ergebnis, ist also in Ordnung. Damit fahre ich gleich einige Straßen weiter zu meinem Orthopäden. Er fragt mich natürlich auch, wie es mir geht, und ich kann ihm nur sagen, dass die Krankengymnastik richtig positive Wirkung zeigt. Nun verschreibt er mir noch vier weitere Behandlungen, mehr geht wohl nicht. Danach hätte ich die Möglichkeit einer Reha- Behandlung, wovon ich jedoch die Hälfte selber bezahlen müsste, oder ich könnte zu hause entsprechende Übungen machen. Das wäre für mich natürlich die kostengünstigere Variante, und die Entscheidung dafür fällt mir nicht schwer… Nach der Krankengymnastik soll ich mich nochmals beim Orthopäden vorstellen. Danach wird wohl meine Krankschrift langsam enden, denn wie mir der Arzt sagt, ist man arbeitsfähig, wenn man wöchentlich 15 Stunden arbeiten kann, und das finde ich auch in Ordnung. Somit kommen dann die Wege zum Arbeitsamt auf mich zu, denn ich gelte erst ab dem Tag der Gesundschreibung als arbeitslos, obwohl ich seit dem 1. Juli bereits keinen Job mehr habe. Irgendwie grault es mir davor, denn ich hasse Ämter, die deutsche Bürokratie und habe eine Phobie gegen Formulare…        

 

Dienstag, 22.11.2005

Den ersten Absatz von gestern könnte ich eigentlich hierher kopieren *grins*

Als ich dann meine erste „Runde“ geschafft habe, klingelt das Telefon. Es ist Katrin, meine ehemalige Nachbarin. In der letzten Zeit haben wir zwar miteinander telefoniert, uns aber nicht mehr gesehen. Katrin hat heute frei und will hier in der Nähe etwas einkaufen. Das möchte sie mit einem Besuch verbinden. Über diesen spontanen Besuch freue ich mich natürlich riesig…

Ich mache darum schnell noch meinen kleinen Einkauf bei Lidl, und zwei Stunden später steht Katrin vor der Tür. Jill bellt, als kämen Einbrecher, aber das macht sie immer, wenn es klingelt. Sogar wenn der Briefträger am Gartentor Post in den Briefkasten wirft, schlägt sie an. Sie ist halt ein guter Wachhund, obwohl sie mit ihrem Blick kaum diesen Eindruck macht.

Es war am Herrentag, als Katrin das letzte Mal hier war und wir grillten, aber damals waren meine Möbel noch nicht hier. Als ich mit ihr in mein Zimmer gehe, sind ihre ersten Worte: „Hey, das ist ja Deine Wohnung in Kleinformat!“ Es gefällt ihr richtig gut, und wir quatschen bei einem Kaffe über alles, was uns gerade einfällt. Ich finde, dass spontane Besuche eigentlich immer viel reizvoller sind, als langfristig geplante und „gut vorbereitete“. Als Katrin nach ungefähr zwei Stunden wieder gehen muss, gibt es noch richtig was zum Lachen. Katrins Schuhgröße ist größer als meine aber kleiner als die von Norbert. Darum konnte ich ihr keine Pantoffeln von mir anbieten und öffnete eine noch verschweißte Tüte mit neuen Hausschuhen von Norbert. Als Katrin gehen will und die Pantoffeln abstellt, guckt da eine Pappe raus. Ich muss schallend lachen, denn es waren noch die Pappen drin, die immer zur Formgebung in Schuhen stecken. Katrin sagt dann nur noch: „Ach, und ich habe mich schon gewundert, dass sie beim Treppe laufen an den Zehen etwas gekniffen haben…“ Kein weiterer Kommentar, denn noch jetzt kann ich mir bei dem Gedanken daran das Lachen nicht verkneifen…

 

Montag, 21.11.2005

Bei der langen Dunkelheit und dem miesen Wetter zeitig aufzustehen, fällt nicht gerade leicht. Aber ich habe heute gute Vorsätze und stehe um 6 Uhr auf. Wie jeden Morgen, mache ich meinen Tee und setze mich mit meiner Jumbotasse an den Computer, um nach Emails zu sehen. Meist bleibe ich dann längere Zeit am PC "hängen", aber heute raffe ich mich sofort wieder auf und stürze mich in meine Hausarbeit. Gegen 10 Uhr habe ich dann mein für heute geplantes Pensum geschafft und bin so richtig zufrieden. Eigentlich habe ich es früher immer so gemacht, aber in der letzten Zeit fehlte mir irgendwie die Energie, es ist wohl der November...

Gegen Mittag ruft die Nachbarin meiner Schwester an, denn es ist Post gekommen, die nicht den Eindruck macht, als wäre es Werbung. So plaudern wir auch wieder über ihren neuen Computer. Sie hat ihn gerade an und übt, was sie im Kurs gelernt hat.

Eine Weile später klingelt nochmals kurz das Telefon, und ich kann die Nummer von Noras Kurheim sehen. Ich rufe sie gleich zurück. Mein Schwesterlein hat nun gerade 14 Tage von 4 Wochen Kur hinter sich und hat ganz fürchterliches Heimweh. Als ich versuche sie zu trösten, kommen ihr die Tränen. Am liebsten würde ich sie jetzt in den Arm nehmen... Nach einer Weile hat sie sich wieder gefangen, zumindest habe ich den Eindruck. So quasseln wir über alles, was uns einfällt und es vergeht fast eine Stunde...

Wenn mein Computer angeschaltet ist, habe ich fast immer das Email- Programm an, welches im 5- Minuten- Takt Mails abruft. 90% davon sind Spam- bzw. Werbemails und werden ungelesen gelöscht. Neulich habe ich aus Versehen schon eine "normale" Mail gelöscht, da ich mich verklickt hatte. Vielleicht liest ja der Absender dies und schreibt noch mal, denn es tut mir echt leid! Heute passiert es mir aber beinah noch einmal, denn beim Betreff "Anfrage" werde ich schon misstrauisch. Aber es ist wirklich eine Anfrage aus München von einer Fernsehproduktionsgesellschaft, die eine 45- Minuten- Dokumentation zum Thema Suizid machen wollen. Man fragt mich, ob ich zu einer Mitarbeit bereit wäre. Ich rufe unter der angegebenen Tel.- Nr. in München an und unterhalte mich sehr lange mit dem Redakteur. Eigentlich bin ich immer froh, wenn sich jemand an dieses Thema wagt und damit einen weiteren Versuch startet, es aus der Tabu- Ecke zu holen, was auch immer mein Anliegen ist. Nachdem ich einiges über das Konzept der geplanten Dokumentation erfahren habe, erkläre ich mich zu einer Mitarbeit bereit. Jedoch bin ich der Meinung, dass man in einer Dokumentation, die das Maß eines kurzen Beitrages übersteigt, nicht nur mit mir sprechen sollte, sondern auch mit Renate. Jana und Mario werden in einem Atemzug genannt, darum ist für mich eine ausführliche  Dokumentation ohne Renate undenkbar. Der Redakteur stimmt mir zu, und somit verbleiben wir, dass ich mit Renate Kontakt aufnehme. Ich habe Glück und erreiche Renate gleich nach dem Gespräch mit dem Redakteur. Ich gebe ihr die Münchener Telefonnummer. Auch sie ist nicht abgeneigt, zumal sie ebenfalls daran interessiert ist, dem Thema Suizid diesen Schleier abzunehmen. Als Lehrerin für katholische Religion behandelt sie in mehreren Unterrichtsstunden auch das Thema Suizid...

 

Sonntag, 20.11.2005

Was soll ich vom heutigen Tag erzählen? Wir schlafen wieder lange und verbringen ein normales faules Wochenende.

Ich sitze heute lange am Computer und mache für die Fortsetzung der Gestaltung von Thomas' Seite einige Entwürfe. Ich habe weitere Fotos erhalten und will noch Unterseiten gestalten. Es wird jedoch noch eine Weile dauern, da Ute für eine Woche nicht da ist und wir uns in dieser Zeit nicht absprechen können. Auch mit Janas und Marios Seite experimentiere ich etwas, aber mehr darüber vielleicht später...

 

Sonnabend, 19.11.2005

Ich war gestern Abend nicht zu faul zum Schreiben, sondern wir hatten Konzertkarten für ein Claudia Jung- Konzert im Tempodrom. Norbert ist großer Fan dieser Sängerin. Bereits vor einem knappen Jahr hatte er die Karten bestellt. Das letzte Berliner Konzert war im Mai 2002 im Friedrichstadtpalast. Damals war auch Jana mitgekommen. Als wir im Tempodrom unsere Plätze einnahmen, war es ähnlich wie damals, wieder hatten wir Plätze in der zweiten Reihe. Damals saß ich zwischen Jana und Norbert, gestern hatte ich links neben mir fremde Menschen sitzen... Das sind Momente, die mich wieder völlig runter ziehen, denn die Erinnerung ist da, als wäre es gestern gewesen. Immer wieder sah ich in Gedanken Jana neben mir... Damals stupste sie mich einmal vorsichtig an und deutete auf Norbert. Sie fand es total süß, wie er völlig gebannt auf die Bühne starrte...

Da es gestern sehr spät wurde und wir heute ausschlafen, ist der Vormittag für uns relativ kurz. Nach dem Einkaufen nehmen wir uns das Motorrad vor, denn schon seit einigen Wochen haben wir uns vorgenommen, die Suzi in den "Winterschlaf" zu versetzen. Ich möchte sie auch mit Plane nicht den ganzen Winter auf der Straße stehen lassen. Darum bringen wir das Motorrad in die hinterste Ecke des Grundstücks, wo wir es aufbocken, die Batterie ausbauen und mir der neuen wasserdichten Plane abdecken. 

Eigentlich wollte ich gerade diesen Tagebucheintrag beenden, aber da fällt mir doch ein, dass ich vor einigen Tagen etwas vergessen habe. Bereits am Dienstag kam wieder Post von meinen "Freunden" Seiler & Kollegen. Wer hier regelmäßig liest, kennt diese mysteriösen Machenschaften dieser Anwaltskanzlei. Bis zum 14.10. sollte ich zahlen und drohte mit Mahnbescheid. Nun gibt man mir nochmals die Möglichkeit bis zum 23.11. zu zahlen, bevor man gerichtliche Schritte einleitet. Soll ich darüber lachen oder weinen? Wie mir selber bereits auffällt, regt mich diese Post gar nicht mehr auf, hatte ja schon darauf "gewartet"... Antworten meinerseits gibt es auch nicht mehr, und falls der Mahnbescheid kommt, lege ich Widerspruch ein...

 

Donnerstag, 17.11.2005

Nochmals stehe ich heute um 8 Uhr vor der Tür von Noras Nachbarin. Der Computer wird nun ausgepackt und aufgestellt, die Kabel angeschlossen und dann gestartet. Das ist immer ein spannender Moment bei einem neuen PC. Aber alles läuft wie "geschmiert". Nach einigen Minuten streikt jedoch die Funkmaus, der Zeiger bleibt auf dem Monitor stehen. Es wäre ja sonst auch zu schön gewesen... Nach längerem Probieren und Nachlesen finde ich heraus, dass in der Funkmaus keine Batterien sondern Akkus sind, welche durch ein zusätzliches Kabel zwischen Funkmaus und USB- Anschluss erst aufgeladen werden müssen. Man oh man, meine Funkmäuse haben Batterien und keine Kabel! Durch diese uneingeplante "Panne" dauert natürlich alles  länger als von mir gedacht, und meine Zeitplanung gerät völlig aus den Fugen. Kurz vor 11 Uhr gebe ich meinem Felix dann die Sporen und fahre zum Friedhof. Schon vor einigen Tagen freute ich mich darüber, aber auch heute noch stehen die Lilien vom 3. November in der Vase, als hätte ich sie gestern erst hingestellt. So sammle ich nur das Laub von der Birke ab....

Nun kaufe ich noch ein, und dann geht es an die Hausarbeit und Essen kochen. Ich will fertig sein, wenn Norbert von der Arbeit kommt. Während ich zufrieden über mein geschafftes Pensum meinen letzten Handgriff mache, höre ich draußen Norbert mit dem Auto einparken. So etwas nennt man doch "Timing" oder......?

 

Mittwoch, 16.11.2005

Um 8 Uhr bin ich mit der Nachbarin meiner Schwester vor einem ALDI verabredet, denn sie möchte sich dort den neuen PC kaufen. Sie hat für Nora während der Chemo oft eingekauft und war auch sonst für sie da. Während der Kur von Nora nimmt sie die Post aus dem Briefkasten und erspart mir somit einige Wege. Darum habe ich ihr auch meine Hilfe angeboten und mich als "Spediteur" für den Transport des Computers zur Verfügung gestellt. Alles klappt ganz gut, aber dann baue ich mit ihr erst einmal den Computertisch zusammen, den ich für sie vor einiger Zeit über Ebay besorgt habe. Mehr schaffe ich heute nicht, denn ich muss noch zur Krankengymnastik. Morgen baue ich ihr dann den Computer auf und schließe ihn an, denn sie ist noch Anfängerin und besucht gerade erst einen Computerlehrgang. Da erinnere ich mich an meine eigene Anfangszeit, in der ich auch völlig auf die Hilfe anderer angewiesen war, denn ich war nicht einmal bei einem Computerkurs und hatte so viel Ahnung wie eine Kuh vom Stricken. Mein damaliger Zivi- Beifahrer war ein Computerfreak und stellte sich als Einkaufsberater zur Verfügung. Genau am 13.Januar 1997 kaufte ich mit ihm zusammen meinen ersten Computer. Zwei Tage später baute er ihn auf und verkabelte ihn. Jana und ich standen nur daneben und staunten... Dann zeigt er uns, wo der Schalter ist und startete den PC. Vielleicht hätte man damals Janas und mein Gesicht filmen sollen *grins* Nach zwei oder drei kurzen Lektionen durch meinen Beifahrer erkundeten wir dann allein die weiteren Möglichkeiten und Funktionen des Computers und freuten uns über alles, was wir neu entdeckten. Sogar das Minimieren oder Maximieren eines Fensters war für uns eine "Entdeckung", über die wir uns sehr freuten. Später dann war es Jana, die mir oft einen Schritt voraus war und mir zeigte, wie man doch manche Dinge viel einfacher machen kann *schmunzel*

Heute Abend telefoniere ich wieder einmal mit meiner Schwester. Wenn sie aus ihrem Zimmer im Kurheim anruft, dann lässt sie es nur kurz klingeln. Da ich die Nummer sehen kann, rufe ich sie dann gleich zurück, damit es nicht auf ihre Rechnung geht. 13 Cent pro Minute müsste sie fürs Telefonieren im Kurheim Boltenhagen bezahlen. Ich finde solche Preise ganz schön heftig. Da wird ein Fernseher mit einer Gebühr von 2,50 € pro Tag auch fast zum Luxus. Aber noch heftiger finde ich die Internetpreise. Wie mir Nora erzählte, gibt es im Kurheim einen Computer, aber da kostet eine Stunde Internet 3 Euro! Das ist in meinen Augen dann schon der absolute Wucher, wenn ich bedenke, dass wir für unsere DSL- Flatrate 4,95 € im ganzen Monat bezahlen! Aber so zockt man sogar noch bei Menschen ab, die schon durch ihre lange Krankheit viele finanzielle Einschränkungen hinnehmen müssen. Nora kann sich somit nur mit Mühe den "Luxus" eines Fernsehers leisten... Obwohl auf einer Kur selbst ein bescheidener Lebensstandart offensichtlich überdurchschnittlich teuer bezahlt werden muss, gefällt es meiner Schwester aber sonst ganz gut, und besonders die Seeluft und die Spaziergänge am Strand haben es ihr angetan. Manchmal hat sie ein wenig Heimweh, aber um dies ein wenig zu lindern, haben wir ja das Telefon....

 

Dienstag, 15.11.2005

Obwohl es mir nicht besonders leicht fällt, stehe ich um 6 Uhr auf. Als ich aber zum Fenster hinaussehe und auch noch mit Jill Gassi gehen muss, würde ich am liebsten zurück unter meine warme Bettdecke. Nun haben wir dieses typische Novemberwetter: keine 10 Grad, Regen und nebelig...

Am Computer vergesse ich das schlechte Wetter und arbeite weiter an der neuen Gedenkseite. Gestern hatte ich nochmals das Design etwas verändert, aber nun bin ich zufrieden und habe einen ersten Text der Mutter eingestellt. Weitere Texte und Fotos werden folgen und die Seite für Thomas immer mehr vervollständigen. Auch habe ich für ihn ein Gästebuch eingerichtet und hoffe, dass seine Mutter Ute viele liebe Zeilen erhält. So bekam ich auch heute Mittag grünes Licht zur Veröffentlichung. Hier nun die Internetadresse:

                                                       http://memory.evero.de

 

Montag, 14.11.2005

Nachdem ich gestern meinem Tagebucheintrag geschrieben hatte, telefonierte ich noch mit Renate, denn ich musste den ganzen Tag an sie denken. Lange haben wir wieder miteinander geredet. Wenn wir ein Stimmungstief oder eine depressive Phase haben, hilft es schon, dass wir es uns erzählen können. Dabei fällt mir auf, dass wir uns eigentlich kaum gegenseitig trösten. Vielleicht sind es unsere identischen Gefühle und das gegenseitige Verstehen, die mehr bewirken, als tröstende Worte...

Wie ich neulich schon erwähnte, habe ich in der letzten Zeit auch Kontakt zu einer weiteren Mutter, die ihren Sohn Anfang des Jahres verloren hat. In der Zwischenzeit haben wir auch miteinander telefoniert. Da ist die große Angst vor dem ersten Weihnachten ohne ihn, die Angst vor dem ersten Todestag im Januar...  Heute bekam ich für seine Gedenkseite den Einführungstext. Darum will ich heute Abend etwas an der Homepage arbeiten...

Als ich von der Idee mit den Gedenkseiten für andere schrieb, teilte ich auch mit, dass es keine anonymen Kontakte geben wird. Aber trotzdem probiert man es. Da schrieb man mir in einer Email von einem tödlichen Unfall am 5. November und bat um Kontaktaufnahme. Alles war sehr wirr geschrieben und machte mich irgendwie stutzig. Bereits nach kurzer Internetrecherche fand ich heraus, dass es solch einen Unfall gab, aber bereits Mitte Oktober! Bestätigt wurde mein Misstrauen, als meine Email mit der Frage nach Adressdaten als unzustellbar zurückkam... Ist jemand abgebrüht oder dumm, wenn er den Tod eines Menschen für solch einen makaberen "Scherz" zu missbraucht? 

 

Sonntag, 13.11.2005

Auch mit dem heutigen Datum sind Erinnerungen verbunden, die mich bis an mein Lebensende begleiten. An diesem 13. November vor nunmehr 24 Jahren klingelte mich früh um 5:30 Uhr die Polizei aus dem Bett, denn man hatte Raimund (Janas Vater) im Hof gefunden. Er war in der Nacht aus einem unserer Fenster im 4. Stock Altbau gestürzt. Ein Mieter in der Parterrewohnung hatte morgens durch das leicht geöffnete Badezimmerfenster ein Stöhnen im Hof gehört... Fünf Wochen fuhr ich täglich mit Jana in der Tragetasche ins Krankenhaus, fünf Wochen hatte ich mit jedem Tag ein wenig mehr Hoffnung, aber dann stürzte meine Welt ein erstes Mal ein... 

Vor nun 3 Jahren hat dieser Tag eine weitere Bedeutung bekommen: Mario wurde beerdigt...

 

Sonnabend, 12.11.205

Es ist zwar ein erholsamer Tag, aber in meinem Hinterkopf hat sich der 12. November eingebrannt. An diesem Tag habe ich Jana ein letztes Mal gesehen. Ich konnte sie berühren, ihr noch einmal sagen, wie lieb ich sie habe und immer haben werde. Heute vor drei Jahren nahm ich Abschied von ihr...

Inzwischen weiß ich, dass es kein Abschied für immer war, es war nur ein Abschied von ihrem Körper, den sie verlassen hatte. Seitdem ist sie immer bei mir, beschützt mich, lacht mit mir oder über mich und hat weiterhin einen großen Einfluss auf meine Entscheidungen. Gerade eben habe ich mich mit ihrer Hilfe für einen neuen USB- Stick entschieden, den ich für die Homepagedateien brauche, da der Speicherplatz nicht mehr ausreicht. Mehrere Stunden habe ich bei Ebay verbracht, habe Preise verglichen und musste mich dann entscheiden, aber mein kleines Schaf hat mir dabei geholfen...

 

Freitag, 11.11.2005

Wie man sieht, oder besser gesagt, hört, habe ich es geschafft. Heute Vormittag habe ich noch mehrere Experimente mit meiner Testseite gemacht. Das Problem war, dass bei einer einfachen Einbindung des Musiktitels zuerst der Titel vollständig herunter geladen wird, und bei Modemverbindungen kann dies ziemlich lange dauern.... Nach vielen Recherchen im Internet habe ich eine Möglichkeit gefunden, dass die Musikdatei ohne vorherigen Download gleich abgespielt wird. Aber weitere Erklärungen verkneife ich mir, denn nicht jeden interessieren solche Details. Wichtig ist ja nur, dass es funktioniert. Sollte es mit Modemverbindungen trotzdem zu Problemen kommen, wäre ich für eine Rückmeldung dankbar. Aber bitte beachten: nur wer eine Soundkarte und Lautsprecher hat, kann auch etwas hören...*grins* 

Ich bin froh, dass ich nun auch Musik, die Jana liebte, hier abspielen kann. Ich habe bereits einige Titel herausgesucht, denn es soll nicht bei einem Lied bleiben, sondern wöchentlich oder 14-tägig wechseln. Im oberen Teil des Tagebuchs werde ich immer schreiben, um welchen Song es sich handelt, und welche Bedeutung er für Jana hatte. Oft hat sie mich ausgelacht, wenn mir Namen von Musikgruppen nichts sagten, ich aber die Musik aus dem Radio bereits gut kannte... Darum muss ich mich auch auf die Datei- Namen von Janas mp3- Sammlung verlassen, und man möge es mir nachsehen, falls mal die Schreibweise etwas ungenau sein sollte... 

Während ich nun hier mein Tagebuch schreibe, bekomme ich eine Email. Sie ist von Catherine aus der Schweiz. Am 16. Mai 2004 wurde sie mit nur 28 Jahren Witwe, als ihr Mann Marc sein Leben durch Suizid beendete. Ich schaue mir ihre Homepage an und fühle mich fast zurückversetzt, denn auch ich war 28 Jahre, als sich Janas Vater das Leben nahm. Auch sie hat eine kleine Tochter... Ich werde Catherines Homepage unter "Andere Schicksale" verlinken. Sie ist noch im Aufbau, aber ich finde sie bereits jetzt sehr einfühlsam und lesenswert, denn Catherine möchte ebenfalls das Thema Suizid aus der Tabu- Ecke hervorholen. Hier der Link zu ihrer Homepage: ---->  http://www.hadorn.ch

 

Donnerstag, 10.11.2005

Bereits vor längerer Zeit hatte ich mir vorgenommen, im Tagebuch eine Hintergrundmusik einzubauen, und zwar mit Titeln, die Jana und ich gemeinsam gern hörten oder die eine besondere Bedeutung für sie hatten. Es ist dann meinerseits wieder etwas in Vergessenheit geraten, zumal ich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wusste, wie das funktioniert. Ich habe ja nie einen Lehrgang oder ähnliches besucht und mir in Bezug auf Gestaltung einer Homepage bisher alles selber angeeignet. Um hier keinen Schaden anzurichten, experimentiere ich immer mit einer Subdomain meiner eigenen Homepage. Eigentlich war es gestern eher Zufall, dass ich im Menü des Homepageprogramms ganz versteckt die Möglichkeit zur Einbindung von Hintergrundmusik entdeckte. Heute früh probiere ich es mit meiner Testseite, und es klappt! Aber ich habe DSL, da wird die Datei sehr schnell geladen, darum muss ich mich morgen noch mit einigen technischen Details beschäftigen....

 

Mittwoch, 09.11.2005

Nachdem ich in den letzten Tagen ziemlich antrieblos war und heute weder Krankengymnastik noch andere Termine habe, will ich den Tag nicht vergammeln und  raffe ich mich zu einigen "Aktivitäten" im Haushalt auf. Nach einer Weile fällt es mir gar nicht mehr so schwer, und ich mache letztendlich mehr, als ich mir vorgenommen habe. Unter anderem nehme ich mir den letzten verbliebenen Umzugskarton vor. Ja, ein einziger Karton steht bzw. stand bis heute im Wohnzimmer. Langsam nahm man ihn kaum noch wahr, es war fast schon, als gehöre er zur Einrichtung *schmunzel* Aber in diesem Karton ist von jedem etwas, und ich laufe mal treppauf, mal treppab, um alles so unterzubringen, dass man es gegebenenfalls dort wieder findet, wo man es vermutet. Ich bin richtig happy, dass dieser Karton endlich leer ist und mit ihm nun die letzte Spur des Umzugs verschwindet. Regelrecht genüsslich zerkleinere ich ihn und lasse ihn in der blauen Papiertonne verschwinden... 

 

Dienstag, 08.11.2005

Den Vormittag habe ich für Norberts Mutter "reserviert". Sie hat einen Termin zu einer Laser- Behandlung beim Augenarzt, der nach ihrer Augen- OP nötig geworden ist. So spiele ich wieder einmal Chauffeur, aber ich mache es immer sehr gern. Glücklicherweise müssen wir nicht so lange warten wie damals in der Augenklinik des Virchow- Klinikums, wo wir nach sechseinhalb Stunden Wartezeit aufgegeben haben. Heute freuen wir uns, dass nach einer knappen Stunde alles erledigt ist. Meine Schwiegermama macht den Vorschlag, dass wir noch gemeinsam etwas essen gehen. Natürlich gehen wir bei ihr zu hause an der Ecke in die Gaststätte, wo man bereits die ganze Familie kennt.... Nach einem kleinen Nachtisch in Form eines Kaffees bei Norberts Mutter mache ich mich dann auf den Heimweg, und Jill überschlägt sich nun wieder vor Freude, weil Frauchen endlich heimkommt...

Lange muss ich nun nicht mehr warten, bis Norbert von der Arbeit kommt. Ich bin richtig ungeduldig, denn er soll gleich eine Jeans anprobieren, die ich für ihn bestellt habe, und die heute mit der Post kam. Ich hatte bei www.maingott.de für uns Stretch- Jeans bestellt. Maingott verkauft im Internet Jeans in topp Qualität zu Preisen, die ihresgleichen suchen, und hat oft noch zusätzlich Sonderangebote. Auch bei Ebay bieten sie ihre Neuware an. So hatte ich meine Hose für 15,50 € statt für 20,00 € ersteigert, die einen Ladenpreis von ca. 79.90 € hat. 

Norberts Hose passt sehr gut, und ich freue mich für ihn. Vor allem haben Stretch- Jeans eine super Passform, aber kneifen nicht *schmunzel* Meine muss ich leider umtauschen, denn sie ist eine Idee zu groß. Aber ich bin von den Stretch- Jeans so begeistert, dass ich nochmals bei Ebay nachschaue, bis ich noch andere für uns finde... 

 

Montag, 07.11.2005

Eigentlich hätte ich heute einiges zu tun, aber irgendwie fehlt mir der Antrieb. So vertrödele ich den Vormittag am Computer, ohne etwas produktives zu tun, sondern surfe quer durch das Internet und vergesse fast die Zeit dabei - bis das Telefon klingelt. Es ist meine Mum, und dann werden es fast zwei Stunden, die wir telefonieren. Somit bleibt mir nicht mehr viel Zeit, denn vor meinem Termin zur Krankengymnastik will ich noch auf ein Stündchen zu meiner Schwester. Nora fährt morgen für 4 Wochen zur Kur, und sie ist bereits seit Tagen vom Reisefieber befallen und hat zwei große Koffer gepackt....

Als ich wieder nach hause komme, ist Norbert bereits da, aber es geht ihm nicht gut. Schon gestern plagten ihn Ohrenschmerzen. Ich kenne diese Schmerzen nur zu gut und weiß wie gemein sie sind, aber helfen kann ich ihm nicht, da wäre wohl ein Arztbesuch ratsam. Aber ich weiß auch nicht, warum er nie zum Arzt geht, lieber quält er sich tagelang bis es von allein besser wird. In den reichlich 5 Jahren, die wir uns kennen, ist er schon oft mit dem "Kopf unter dem Arm" zur Arbeit gegangen, anstatt in eine Arztpraxis....

Nach dem Abendbrot gehen wir wie jeden Abend runter in mein Zimmer. Norbert macht schon mal den Fernseher an, denn montags guckt er abends immer die Spiele der 2. Bundesliga. Ich schalte auch meinen Computer ein, um nach Emails zu sehen und will später Tagebuch schreiben. Noch quasseln wir miteinander, und da wird es schlagartig stockfinster - Fernseher aus, Computer aus, Licht aus... Wir sehen nicht einmal mehr die eigene Hand vor dem Gesicht. Dabei bemerke ich auch, dass heute für Jana und Mario noch keine Kerze brennt... Ich taste mich durch die Dunkelheit und zünde die beiden Lichter an. Im Kerzenschimmer sehe ich Jana auf ihrem Bild wieder so richtig schelmisch grinsen... Mit brennendem Feuerzeug schleiche ich nun die Treppe hoch, um die Taschenlampe zu holen. Damit gehe ich bis zum Gartentor und es scheint, als wäre die ganze Straße ohne Strom, denn nirgendwo sieht man beleuchtete Fenster. Besonders bei unserem Grundstücksnachbar fällt es auf, dessen Haus sonst von etlichen Lampen angestrahlt ist. Aber auch bei ihm ist es dunkel. Komisch nur, dass die Straßenlaternen brennen... Nun sitzen wir hier unten, haben noch mehr Kerzen angezündet und wissen nicht, wann wir wieder Strom haben. Am meisten nervt die Ungewissheit, ob es nur Minuten oder Stunden dauert. Aber nach einer halben Stunde geht plötzlich meine Schreibtischlampe wieder an, und ich zucke regelrecht zusammen....

 

Sonntag, 06.11.2005

Der Sonntag wird wieder einmal zum faulen Tag, darum wäre es wohl langweilig, wenn ich über die Mahlzeiten schreiben würde, die Sendungen, die im Fernsehen liefen oder die Internetseiten, die ich besucht habe.... 

 

Sonnabend, 05.11.2005

Die letzten Tage haben viel Kraft gekostet, hinzu kommt die trübe Jahreszeit...

Somit ist es für mich heute eine gute Ablenkung, dass ich wieder einmal mit ins Olympia- Stadion "muss", damit der Platz von der zweiten Dauerkarte nicht leer bleibt. Obwohl ich anfänglich gar keine richtige Lust habe, tut mir dann aber diese Abwechslung ganz gut. Von Anfang an hoffe ich natürlich, dass Hertha gewinnt, denn sonst heißt es wieder, dass sie immer verlieren, wenn ich mal mit im Stadion bin, und ich wäre genau wie beim letzten Mal der Sündenbock *schmunzel* Aber es läuft alles zur Zufriedenheit der Berliner Fans, und Hertha gewinnt gegen Kaiserslautern mit 3:0. Ich muss immer wieder staunen, denn vor dem Fernseher ist ein Spiel zwar spannend, aber die Live- Stimmung im Stadion ist eine ganz andere. Da kann sogar ich einmal für 90 Minuten alles andere vergessen, aber dann kommt sofort wieder der Gedanke, dass es auch Jana viel Freude bereitet hätte...

 

Freitag, 04.11.2005

Gestern wollte Renate gerade wählen, als ich anrief. Wir hatten beide zur gleichen Zeit das Bedürfnis miteinander zu reden. Es war um 17:30 Uhr, der Zeitpunkt, wo uns von der Polizei zeitgleich die schreckliche Nachricht überbracht wurde...

Sehr lange haben wir miteinander telefoniert. Ich erzählte Renate, dass ich dieses Jahr noch größere Angst und sogar Panik bekam, wenn ich auf den Kalender schaute und der Jahrestag immer näher rückte. Selbst intensive Beschäftigung brachte kaum Ablenkung. So setzte ich wieder einmal meine Maske auf, um halbwegs normal zu erscheinen, denn ich hatte absolut keine Lust, mich auch noch erklären zu müssen... 

Renate erzählte mir dann, dass es ihr ebenso ging. Sie hatte in den letzten Tagen nicht angerufen, um mich nicht mit runter zu ziehen, aber sie ahnte doch nicht, dass ich es mir ebenso ging. Wir wollen darum versuchen, dass wir im nächsten Jahr diesen Tag wieder gemeinsam verbringen...

Heute ist die Anspannung der letzten Tage etwas zurückgegangen, aber der "Film" läuft noch, denn es folgen noch Tage, die sich im Gedächtnis eingebrannt haben...

 

Donnerstag, 03.11.2005

Mein über alles geliebtes Kind,

viele Kalenderblätter habe ich in der neuen Zeitrechnung schon abreißen müssen, und nun sind es drei Jahre geworden. Es erschreckt mich, denn immer noch ist es, als wäre es erst gestern gewesen.

Trauer und Sehnsucht sind zu einem Bestandteil meines Lebens geworden, aber auch die Erinnerungen an Dich, die mir geblieben sind. Oft kann ich schon lächeln, wenn ich an Dich denke, besonders, wenn es lustige Dinge waren, die wir miteinander erlebt haben. Aber nur langsam erlerne ich dieses neue Leben in der Welt, die vor drei Jahren eingestürzt ist. Es ist, als klettere ich mühsam einen Berg hinauf. Aber immer, wenn ich glaube, den Gipfel zu sehen, dann wird dieser Berg nochmals höher. Ich weiß nun, dass ich für den Rest meines Lebens klettern muss und der Gipfel des Berges dort ist, wo wir uns wieder sehen… 

J eder Tag ohne Dich schmerzt, die Sehnsucht nach Dir ist endlos…

A lles erinnert an Dich und Deine Spuren bleiben für immer…

N iemals wirst Du vergessen, denn in unseren Herzen lebst Du weiter…

A lle, die Dich liebten, vermissen Dich so sehr…

In endloser Liebe, Deine Mum

 

Dienstag, 01.11.2005

Heute habe ich den Entwurf für eine erste Gedenkseite gemacht und mehrere Stunden daran gesessen. Nach langem Überlegen bin ich zu dem Entschluss gekommen, diesen Gedenkseiten eine eigene Internetadresse zu geben, damit sie auch eine eigene Navigationsleiste hat und hier auf der HP nicht eine endlose Verzweigung stattfindet. Somit kann ich der Webseite ein eigenständiges Aussehen geben. Der Hintergrund ist ebenfalls in einem Blau, etwas dunkler, und gewisse Ähnlichkeiten sind durchaus beabsichtigt... Aber noch heißt es etwas warten.

 

Montag, 31.10.2005

Vor einen Tagen las ich in der Zeitung folgenden Artikel:

„Für den 23-jährigen Beifahrer eines Pkw "Chrysler Voyager" kam heute früh nach einem  Frontalzusammenstoß mit einem BVG-Bus jede Hilfe zu spät.

Aus bisher ungeklärter Ursache geriet gegen 4 Uhr 30 der in der Niederneuendorfer Allee stadtauswärts fahrende Pkw in einer leichten Linkskurve nach rechts von der Fahrbahn ab und streifte die am Fahrbahnrand stehenden Poller. Daraufhin riss der 26-jährige Fahrer aus Spandau das Lenkrad herum und stieß in der Gegenfahrbahn frontal mit dem BVG-Bus der Linie 136 zusammen.

Der ebenfalls aus Spandau stammende Pkw-Beifahrer wurde aus dem Auto geschleudert und erlag wenig später am Unfallort seinen schweren Kopfverletzungen. Der 26-Jährige wurde im Fahrzeug eingeklemmt und musste von der Feuerwehr befreit werden. Er kam mit einem Oberschenkelbruch zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der 54-jährige Busfahrer erlitt einen Schock und Schnittverletzungen, die ambulant behandelt wurden. Der einzige Fahrgast blieb unverletzt.

Die Niederneuendorfer Allee war für etwa drei Stunden in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt.“

Wenige Tage später erfahre ich von Norberts Tochter, dass es sich bei dem Unfallopfer um den Bruder ihrer Freundin handelt. Ich bin völlig geschockt, und es tut mir so unendlich leid. Seitdem bin ich mit meinen Gedanken ständig bei der Familie. Alle Gefühle kann ich nachempfinden, diese Ohnmacht, die innere Abwehr gegen das Begreifen und das Gefühl, als würde unter einem der Boden wegsacken… Heute schickt uns Momo einen Link, denn es wurde für den Bruder ihrer Freundin bereits eine Gedenkseite erstellt. Ich schaue sie mir an und kann gar nicht fassen, dass dieser auf den Fotos so lustige junge Mensch nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ich schreibe an die Familie einige Zeilen ins Gästebuch…    

 

Sonntag, 30.10.2005

Nachdem wir gestern nicht nur Janas Grab, sondern auch das von Norberts Vater mit Besenheide bepflanzt haben, möchte ich einige Blumenkästen, die mittlerweile leer sind, für den Herbst und Winter bepflanzen. Die hübsche Besenheide hat es mir angetan, und da der Holländer heute zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet hat, fahre ich mit Norbert noch einmal hin. Auf der Küchenterrasse stehen zwei riesige Blumenkästen, aus denen ich die Wurzeln der Wunderblumen zum Überwintern herausgenommen habe, dort pflanze ich die zweifarbige Besenheide, in andere Kästen kommen die kleineren Pflanzen in rot und weiß. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Vielleicht hätte ich Gärtner werden sollen *schmunzel* Allerdings gibt es auch Dinge, die weniger Spaß machen, wie z.B. Laub zusammen harken, eine im Herbst scheinbar endlose Tätigkeit...

Am Nachmittag und abends "feile" ich noch etwas an meiner Idee zur Erstellung von weiteren Gedenkseiten auf dieser Homepage. Es ist natürlich auch eine Sache, die missbraucht werden kann. Darum muss ich mir noch etwas einfallen lassen, wodurch ich dies ausschließen kann. Es wird also keine anonymen Kontakte geben, für die ich Texte und Fotos veröffentliche... Allerdings weiß ich ja noch gar nicht, ob überhaupt jemand mein Angebot wahrnehmen möchte. Ich werde also einige Zeit abwarten und dann entscheiden, ob ich dieses Angebot aufrecht erhalte...

 

Sonnabend, 29.10.2005

Vorige Woche war ich das letzte Mal auf dem Friedhof und habe mir vorgenommen, in Kürze die Herbst- bzw. Winterbepflanzung in Angriff zu nehmen. Norbert kam es etwas zeitig vor. Darum schaute ich dann mal ins Tagebuch, wann ich es voriges Jahr gemacht habe und siehe da, es war am 23. Oktober und im Jahr davor am 21.10. Ich erschrecke regelrecht, denn mir wird schmerzlich klar, wie ein Jahr nach dem anderen ohne Jana vergeht...

Das Wetter an diesem Wochenende mit 16 Grad und Sonne bietet sich regelrecht dazu an, und wir fahren am späten Vormittag zum Holländer, um Pflanzen zu holen. Die winterharte Besenheide sah immer sehr schön aus und hat die kalte Jahreszeit jedes Mal gut und lange überstanden. Die letzten beiden Winter hatte ich sie in rot und weiß geholt, heute gibt es sie auch mehrfarbig in einem Topf. So holen wir Pflanzen von jeder Sorte und fahren weiter zum Friedhof. Auf dem Grab liegt inzwischen sehr viel Birkenlaub.  Wir sammeln alles ab. Dazwischen sind Nadeln von Kiefern, die sich aber am Rand im Moos regelrecht verhakeln. Dort muss man sie besonders vorsichtig entfernen, denn das Moos wurzelt nur sehr flach, und man reißt es schnell aus. Nun nehmen wir die verblühten Blumen aus der Erde und pflanzen die Besenheide. Zum ersten Mal habe ich heute NICHT die Kamera vergessen und kann sofort fotografieren *freu* Aber dann werde ich plötzlich stutzig. Ich gucke Norbert an und frage ihn, wo denn die Schafe sind. Mir stockt fast der Atem, denn die zwei Schafe von Janas Grab sind weg! Ich überlege später, ob sie vorige Woche noch da waren. Ich hatte ebenfalls Laub abgesammelt, dann gegossen und war so sehr mit dem Gedanken beschäftigt, dass wir bald die Winterbepflanzung machen müssen. Aber je länger ich darüber nachdenke, umso sicherer bin ich mir, dass die Schafe bereits nicht mehr da waren. Wer macht so etwas? Wer klaut auf dem Friedhof? Es ist nicht das erste Mal. Damals waren es die beiden Engel, die meine Freundin Bea mir für das Grab mitbrachte und die nach 14 Tagen verschwunden waren... Leute, die Gräber beklauen, denen müsste man die Hände abhacken. Ich weiß, das klingt brutal. Aber welche Strafe wäre denn angemessen...??? Ich muss wohl damit leben, dass es solche Menschen gibt , aber verstehen werde ich es nie...

Ein Gedankensprung - obwohl, so groß ist er gar nicht. Ich stehe seit einiger Zeit im Email- Kontakt mit einer Mutter, die Ihren Sohn ebenfalls durch Suizid verloren hat. Heute schickt sie mir erstmals ein Foto von ihrem Sohn. Ich sehe mir dieses Bild an und empfinde eine sehr sympathische Ausstrahlung dieses jungen Mannes, der keine 20 Jahre alt wurde. Es tut mir weh, daran denken zu müssen, dass es das letzte Foto von ihm ist. Dadurch komme ich auf eine Idee. Sicher würden auch andere Eltern gern an ihre verstorbenen Kinder erinnern, aber nicht alle haben die Möglichkeit eine Homepage zu erstellen, aus welchen Gründen auch immer. Darum möchte ich auf dieser Homepage eine weitere Seite gestalten, wo an verstorbene Kinder erinnert wird, die keine eigene Homepage haben. Die Eltern könnten mir Bilder zuschicken und auch eigene Texte verfassen, welche ich original veröffentliche. Alles soll von den Eltern bestimmt werden, ich würde es nur umsetzen. Ebenso könnte ich eine Email- Adresse als Link setzen, um Eltern untereinander die Möglichkeit zu geben, in Kontakt zu treten...

Mit Veröffentlichung dieses Tagebucheintrages werde ich bereits den Link erstellen, der zukünftig zu diesen Seiten führen wird. Ich nenne ihn "in memoriam", und er erscheint links in der Navigationsleiste über "Andere Schicksale". Bevor ich böse Emails oder Gästebucheinträge bekomme: es kostet nichts, denn ich habe für diese Homepage reichlich Speicherplatz zur Verfügung und möchte einfach nur etwas Guts tun...  

Weitere Aktualisierungen: neue Fotos von Janas Grab 

 

Freitag, 28.10.2005

Gleich am Vormittag setze ich mich hin, um ein Schreiben an Arcor zu verfassen. Ich bedanke mich trotz der Wartezeit von 5 Monaten für die Umschaltung meiner Rufnummern und lege dar, dass sich in der vergangenen Zeit Rechnungen, Widerspruch und Gutschriften abwechselten. Ich bitte deshalb um Berichtigung und Schließung meines Kundenkontos. Dann faxe ich das Schreiben an Arcor.

Gegen Mittag hole ich dann die Post aus dem Briefkasten, unter anderem ein Brief von Arcor… Darin steht, dass mein Umzugsauftrag derzeit in Bearbeitung ist und mein Komplettanschluss zum 04.11. abgeschaltet wird. Aber es steht auch etwas von einer Abschlussrechnung drin… Außerdem soll ich den nächsten Tagen eine Anschlussbestätigung für die neue Adresse mit allen wichtigen Informationen erhalten. Na, ich habe bei diesem Brief kein gutes Gefühl, aber hoffe, dass dies „nur“ ein Standardtext ist und werde erst einmal die Antwort auf mein heutiges Schreiben abwarten.  

Aber damit ist dieses Thema für heute noch nicht abgehakt. Gegen 17 Uhr klingelt mein Telefon. Ein Mitarbeiter von Arcor freut sich mir mitteilen zu dürfen, dass ich nunmehr zwei Jahre Kunde bin und man mir als Dankeschön eine Gutschrift von 15 € zukommen lassen möchte. Ich kläre ihn erst einmal auf, dass ich bereits am 31.05. von meinem außerordentlichen Kündigungsrecht wegen Wohnungsauflösung Gebrauch gemacht habe und erzähle ihm von meiner 5-monatigen Odyssee. Seine Antwort darauf: „Oh, Frau Hentrich, da ist aber alles schief gelaufen, was nur schief laufen kann. Sie erscheinen hier in meinem System als bestehender Kunde. Da würde ich ihnen raten, nochmals an Arcor zu schreiben und mitzuteilen, dass es kein Umzug sondern eine Kündigung ist.“ Nach diesem Satz liegen meine Nerven wieder blank. Wie oft soll ich es denn Arcor noch erklären? Ich wollte doch nur den Anschluss kündigen und meine Rufnummern auf den hiesigen Anschluss geschaltet haben. Jeder, der das hier liest, versteht das. Warum versteht es Arcor nicht? Norbert äußert heute die Vermutung, dass man uns demnächst vielleicht zweimal die Grundgebühr berechnen wird. Wundern würde mich nichts mehr. Habe ich etwa weitere 5 Monate Stress vor mir und mich gestern zu früh gereut?

 

Donnerstag, 27.10.2005

Das Erste, was ich heute tue, ich ärgere mich. Von Arcor kommt per Email die „neue“ Rechnung. Online sehe ich dann, dass man die letzte gutgeschriebene Rechnung nicht zurückgerechnet hat und ich nun mit angeblich 119,68 € in der Kreide stehe. Ich ersticke fast an meiner Wut! Als nächstes probiere ich wie fast jeden Tag eine Nummer von mir anzurufen. Da kommt der nächste Schreck. Sonst kam die Ansage, dass der Teilnehmer nicht erreichbar ist, heute höre ich, dass die Nummer nicht vergeben ist. Zu meiner Wut kommt nun auch noch Panik. Da ich sechs Rufnummern habe, versuche ich auch die anderen anzuwählen, aber immer die gleiche Ansage. Doch plötzlich klingelt hier ein Telefon! Ich hatte in der Isdn- Anlage eine Nummer von mir vorprogrammiert, und genau dieser Apparat klingelt nun. Ich bin völlig sprachlos und befürchte, dass man nur eine Rufnummer umgeschaltet hat. Dann gebe ich die anderen Nummern im Konfigurationsmenü der Isdn- Anlage ein und probiere nochmals. Siehe da, nun klingelt es hier bei jeder Nummer! Jetzt bin ich gänzlich aus dem Häuschen, aber vor Freude! Selbst über die falsche Rechnung ärgere ich mich nicht mehr, da bekommt Arcor eben meinen Widerspruch…

Ich habe sogar noch einen zweiten Grund zur Freude. Über die Schwierigkeiten bei der Programmierung der Isdn- Anlage habe ich ja mehrmals meinen Frust abgelassen, weil die Konfiguration, die über das Browserfenster erfolgt, ständig abstürzte. Die Anlage läuft über einen USB- Anschluss. Ich entferne heute alle anderen über USB angeschlossenen Geräte und lasse nur noch die Isdn- Anlage dran. Man höre bzw. lese und staune: die Isdn- Anlage lässt sich nun ohne Probleme programmieren… Ich verändere mehrmals die Konfiguration, übertrage diese zur Anlage, sie macht alles mit, egal, was ich eingebe… Ich hoffe nur, dass niemand fragt, warum das so ist *schmunzel*

Fazit des heutigen Tages: Nach 5 Monaten hat es Arcor doch noch geschafft! Einen Tusch auf den Kundendienst dieses Telefonanbieters! Nun werde ich ganz gelassen meinen Einspruch gegen die Rechung schreiben und hoffe, dass man auch dies noch in den Griff bekommt…

Ich nehme mal an, dass es mir auch danach nicht langweilig wird, denn ich „erwarte“ eigentlich bald die nächste Post von  Seiler & Kollegen, die mir für ihre mysteriöse Rechnung eine Zahlungsfrist bis zum 14.10. gaben und mit Mahnbescheid drohten.

Ich schaue zur Wand, wo Janas und Marios Foto hängen, da grinsen mich beide wieder an, Mario etwas verhalten, aber Jana so richtig schelmisch: „Mum, hättest Du ohne Stress nicht Langeweile?“ Danke, mein kleines Schaf, auf diese Art Stress kann ich sehr gut verzichten! Aber wenn ich irgendwann wieder bei Dir bin, werde ich Dich für Deinen Spott und Deine Schadenfreude mal übers Knie legen...*grins*

 

Mittwoch, 26.10.2005

Da war ich aber gestern richtig auf 180! Dann habe ich noch etwas im Internet gesurft und mich langsam wieder beruhigt. Sogar freuen konnte ich mich noch, denn durch Zufall stieß ich auf eine Schulfreunde- Suchmaschine:  http://stayfriends.berlin.de/index.html Hier kann man bundesweit Schulfreunde suchen und sich auch selber registrieren. Die Namen von zwei meiner Klassenkameraden fand ich bereits…

Nachdem ich gestern mit meinem ehemaligen Kollegen Jens telefoniert habe, fahre ich heute Vormittag zu meiner alten Arbeitsstelle. Jens arbeitet diese Woche wieder in der Werkstatt. Er hatte schon versucht mich anzurufen, aber meine neue Handy- Nr. hat er noch nicht, und meine ihm bekannte Festnetz- Nr. schmort ja seit nunmehr 5 Monaten in der „Warteschleife“ bei Arcor… In der Garage liegen nämlich noch die Winterreifen von meinem PKW. Jens will sie mir gleich montieren, aber zuvor trinken wir noch einen Kaffee, und lassen uns den Kuchen schmecken, den ich vom Bäcker mitgebracht habe. Es gibt ja so einiges zu erzählen…

Bevor die Räder dann gewechselt werden, schaut Jens noch nach der Standheizung, die er mir damals eingebaut hat, ob alles in Ordnung ist. Ich warne ihn aber beim Öffnen der Motorhaube, denn bei abgeschalteter Zündung ist der Marderschreck aktiviert, und die im Motorraum angebrachten Metallplättchen stehen unter Strom…*grins*

Ja, das war’s wohl für heute. In den nächsten Minuten werden Norbert und Andi aus dem Olympiastadion heimkommen, wo Hertha gegen Borussia Mönchengladbach gespielt und 3:0 gewonnen hat. Im Fernsehen wurde dieses Spiel nicht übertragen, aber ich habe den Liveticker auf der Hertha- Homepage verfolgt. Muss doch wissen, mit welcher Stimmung die beiden hier eintreffen *schmunzel*

 

Dienstag, 25.10.2005

Wollte heute eigentlich gar nichts mehr schreiben, denn ich habe mich stundenlang nur geärgert. Ständig fällt in den letzten Tagen der Server aus. Ich merke es daran, dass mein Email- Programm, welches im eingeschalteten Zustand automatisch alle 5 Minuten Mails abruft, ständig Fehler beim Verbindungsaufbau anzeigt. Dann probiere ich einiges an meiner eigenen Homepage aus, aber beim Überspielen auf den Server wieder Fehlermeldungen, und beim Aufrufen der HP im Browser kann die Seite nicht angezeigt werden… Nun werde ich mal auf gut Glück versuchen zu aktualisieren und hoffe, dass es klappt…

 

Montag, 24.10.2005

Gestern Abend habe ich wieder einmal längere Zeit mit Renate telefoniert. Sonst telefonieren wir mehrmals in der Woche, nun war die Pause mal etwas länger, und wir haben natürlich viel zu erzählen gehabt. So erzählte sie mir auch, dass der Stecker ihrer Isdn- Anlage durchgeschmort war und sie eine neue anschaffen musste. Glücklicherweise ist da der Sascha, ein Schulfreund von Mario, der Renate öfter mal besucht und ihr die neue Anlage angeschlossen und eingerichtet hat…

Heute früh muss ich gleich noch einmal zum Orthopäden, denn ich hatte am Freitag das Formular von der Krankenkasse vergessen, das der Arzt abstempeln und unterschreiben muss. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen - sagt man immer. Nur gut, dass meine Beine auf den 15 Kilometern vier Räder unter sich haben *schmunzel*

Freude, als ich wieder nach hause komme, denn im Briefkasten ist ein großer Umschlag. Nachdem mehrmals Änderungen abgesprochen wurden, wartete ich nochmals fast vier Wochen und nun sind sie da – die Aufkleber von Jill. Sie sind in zwei verschiedenen Größen und gut gelungen. Auch ist er bereits in Kontur geschnitten, habe ihn hier nur mit blauem Untergrund eingescannt. Was lange währt, wird gut (hab’s heute mit Sprüchen) Mein erster Gang ist natürlich zum Auto *grins* Ich poliere an der Heckklappe die Stelle für den Aufkleber schön sauber und bringe ihn dann an *ganz doll freu*

Wie immer, ist Jana in Gedanken bei mir. Ihr würde solch ein Aufkleber auch gefallen, sie hätte ihn allerdings von ihrer hübschen Jeannie machen lassen...

 

Sonntag, 23.10.2005

Ich könnte jetzt den zweiten Absatz des gestrigen Tagebucheintrages übernehmen, denn auch heute scheinen sie am Server zu arbeiten. Ist nur ärgerlich, dass man die Kunden über Wartungsarbeiten nicht vorher informiert. Aber vielleicht sind es auch technische Probleme, und die kann man ja nicht planen…

Als ich heute früh in die Küche komme, muss ich schmunzeln. Auf dem Herd steht ein Topf, in dem ich gestern ein großes Stück Kassler angebraten habe, es soll heute unser Mittagessen werden. Andi meinte gestern zu mir, dass es sehr gut riecht. Da habe ich ihm eine kleine Ecke zum Kosten abgeschnitten, und er fand es sehr lecker. Ich erinnerte mich dabei an meine Kindheit, denn auch meine Schwester und ich naschten gern schon einmal, wenn unsere Mum Fleisch angebraten hat. Später war es Jana, die gern vom angebratenen Fleisch naschte. Oft staunte ich dann, wenn ich wieder in den Topf schaute, denn die kleinen abgeschnittenen Ecken hatten sich um ein Vielfaches vergrößert, so auch heute…

Übrigens, vielen Dank, liebe Nadine, für Deine Anfrage nach meinen Tagebucheinträgen! Da habe ich doch glatt bei der Aktualisierung in den letzten Tagen den falschen Button gedrückt *grins* Darum sind sie hier nicht erschienen, sondern nur in meinem Homepageprogramm....

 

Sonnabend, 22.10.2005

Gestern bat man mich, eine Email- Adresse im Gästebucheintrag zu löschen, da man seitdem ständig Spam bekommt. Vielleicht geht es anderen ebenso. Um diese unerwünschte Werbung zu unterbinden, habe ich die Einstellungen des Gästebuches verändert. Die Mailadresse wird nicht mehr angezeigt und erscheint nur noch als Link. Durch Anklicken kann man ähnlich wie beim Gästebuch über ein Formular Kontakt aufnehmen.

Als ich heute früh nach Emails schauen will, bekommt mein Email- Programm keinen Kontakt zum Server. Anfangs denke ich an eine Störung unseres Internetzugangs, aber im Browser werden Webseiten angezeigt – außer Janas und meiner Homepage… Auch die Seite meines Webhosting- Anbieters erscheint nicht. Nun ist mir alles klar. Scheinbar werden am Server Wartungsarbeiten durchgeführt. Erst am frühen Nachmittag funktioniert alles wieder, und auch die Emails kommen nun an…  

 

Freitag, 21.10.2005

Nachdem ich gestern meinen Befund vom MRT der Halswirbelsäule abgeholt habe, fahre ich heute früh damit zum Orthopäden. Er kann mich beruhigen, es ist kein Bandscheibenvorfall, aber eine Ausstülpung der Bandscheibe, die gegen den Nervenkanal drückt und somit dieses elektrisierende Kribbeln im ganzen Arm verursacht. Auch sagt er mir, dass meine Halswirbelsäule eigentlich für alle Beschwerden im rechten Arm die Ursache ist. Da ich den Eindruck habe, dass die Krankengymnastik in der neuen Praxis ganz gut anschlägt, verschreibt er mir weitere Behandlungen und möchte mich danach wieder sehen…

Auf dem Rückweg nach hause hole ich ein paar Brötchen und esse schnell etwas. Dann nehme ich Jill an die Leine, denn ich muss nochmals los. Um 11 Uhr habe ich den Termin in der Werkstatt zum Einbau des Marderschocks. Ich mache in der Zeit einen Spaziergang mit Jill, es ist allerdings mehr ein Stopp and Go, denn Jill scheint von der Gegend fasziniert zu sein und muss an jedem Baum und Strauch die „Hundezeitung“ lesen. So brauchen wir eine ganze Weile für den eigentlich kurzen Weg zum Futterhaus, wo ich ein paar neue Leckerlis holen will.

Mein Auto ist nach anderthalb Stunden fertig. Mir fällt nun ein richtiger Stein vom Herzen, denn seit dem Marderbiss am Kühlschlauch hatte ich panische Angst, dass er nochmals Schaden anrichtet.

Ich fahre nun beruhigt nach hause und freue mich wieder einmal über meinen Felix. Dabei bin ich Gedanken bei Jana, denn sie hätte mit dem Auto auch ihre Freude. Sie fuhr sowieso immer gern meine Autos und konnte mich ganz charmant umgarnen, wenn es darum ging, mein Auto zu bekommen oder selber zu fahren, wenn wir gemeinsam unterwegs waren. Ich bin mit meinen Gedanken ganz weit weg, sehe Jana am Steuer und sitze auf der Beifahrerseite…

 

Donnerstag, 20.10.2005

Am Tage gehen mir oft so viele Gedanken durch den Kopf, und ich will im nächsten Tagebucheintrag darüber schreiben. Wenn dann Norbert von der Arbeit kommt, erzählen wir, ich mache Essen und bringe hinterher die Küche wieder auf Vordermann. Abends sind wir dann meist in meinem Zimmer hier im Untergeschoss, wo Norbert es sich in der Fernsehecke gemütlich macht und ich den Computer anschalte, um Tagebuch zu schreiben. Ja, aber dann sitze ich vor dem PC und habe oft ein regelrechtes Blackout. Es macht mir Mühe, meine Gedanken vom Tage wieder zu finden, manchmal vergeblich, und dann kommt solch eine nüchterne Aufzählung wie gestern dabei heraus.

Es ist jetzt Mittag, ich sitze hier und weiß wieder, was gestern eigentlich wichtig für mich war. Auf meiner Einkaufstour besorgte ich mir auch noch einen USB- Stick. Früher war ich mit Jana oft in diesem Mediamarkt. Mehrmals hatten wir Pech, und an der Kasse saß unser „Schneckchen“, wie wir sie nannten, weil sie so langsam und unbeholfen war. Einmal wollte sie uns unsere Einkäufe in eine Tragetasche packen, aber die kleben oft so zusammen, dass man sie nur nach mehrmaligen Versuchen auf bekommt. Schneckchen probierte immer wieder und sagte dann: „na komm chon!“ Sie sagte wirklich „chon“ statt „schon“. Jana schaute mich aus den Augenwinkeln an und grinste bereits. Als wir den Mediamarkt verließen, krümmte sie sich dann vor Lachen und wiederholte ständig: „na komm chon!“ Dies wurde dann ebenso wie „geht doch!“ (aus der Bresso- Werbung) bei uns zu einer Redewendung, die uns immer wieder zum Lachen brachte. Nun stehe ich gestern an der Kasse im Mediamarkt, Schneckchen ist allerdings schon lange nicht mehr da. Aber als ich bezahle, lasse ich mir eine Tragetasche geben, nur leider bekomme ich sie auch nicht gleich auf. Da rutscht mir doch prompt heraus: „na komm chon!“, und ich sehe mein kleines Schaf herzhaft lachen…

 

Mittwoch, 19.10.2005

Am späten Vormittag fahre ich zur Autowerkstatt. Telefonisch habe ich meinen Besuch bereits angekündigt, denn ich möchte, dass man mir den Marderschreck einbaut. Der Kfz- Mechaniker schaut sich das Gerät an und schätzt, dass er knapp zwei Stunden für den Einbau brauchen wird. So vereinbaren wir für Freitag einen Termin. Da dort um die Ecke ein Baumarkt und ein Futterhaus sind, werde ich mir die Wartezeit mit einem Bummel durch die Märkte vertreiben.

Auf dem Rückweg fahre ich zu Lidl, denn einige Kleinigkeiten sind einzukaufen. Außerdem weiß ich noch nicht, was ich heute zu Essen koche. Oft kommen mir erst beim Einkaufen die Ideen, und so ist es auch heute. Als Norbert von der Arbeit kommt, freut er sich über Kartoffelbrei mit Jägerschnitzel (gebratene Jagdwurst) und grünen Bohnen…

 

Dienstag, 18.10.2005

Nach den „faulen“ Tagen hat mich der Alltag heute wieder voll im Griff. Gegen Mittag habe ich den Termin zur Kernspintomographie der Halswirbelsäule. Ich bin froh, als ich wieder aus dieser Röhre heraus gefahren werde, nicht, weil es so eng ist und fast Platzangst verursacht, sondern weil man sich nicht bewegen darf und  ich mir das Husten für ca. 15 Minuten verkneifen muss. Das kann echt anstrengend sein *grins*

Zurück zu hause bereits ich das Essen vor, denn dann muss ich nochmals los. Um 15:30 Uhr habe ich nach der Grippepause wieder Krankengymnastik. Obwohl es bei meiner Schwester um die Ecke ist, schaue ich nicht bei ihr vorbei, denn das Risiko ist immer noch zu groß. Darum wird sie morgen nochmals von Freunden zur Charite gefahren.

 

Montag, 17.10.2005

Gestern habe ich nur die Zeit und das Datum im neuen Telefon eingegeben. Heute will ich Telefonnummern und Namen speichern. Bei jedem Telefon ist eine andere Menuführung. Manche haben nur wenige Einstellmöglichkeiten und sind trotzdem unheimlich kompliziert zu bedienen, andere dagegen kinderleicht und logisch aufgebaut. Beim Probieren komme ich heute durch Zufall im Menü zur Eingabe für den Namen des Mobilteils… Ich überlege nicht lange, und nun steht im Display wieder „Mama Schaf“ Nun werde ich das alte Telefon nicht ganz so sehr vermissen…

 

Sonntag, 16.10.2005

Anfangs habe ich einmal geschrieben, dass es mir sehr nah geht, wenn mir etwas kaputt gegangen ist, was auch Jana einmal in ihren Händen hielt… Damals war es ein blauer Wasserkocher, der seinen Dienst versagte. Seitdem ist einige Zeit vergangen, und durch meinen Umzug habe ich auch einiges verschenkt. Aber es waren unbedeutende Dinge. Nie hätte ich ein Nilpferd von Jana weggegeben oder Gläser, die sie mir einmal geschenkt hat. Auch bei meinen Telefonen war ein besonderes Erinnerungsstück dabei. Man konnte dem Mobilteil einen eigenen Namen geben, aber mit der Programmierung kam ich damals noch nicht klar. So machte das Jana für mich. Im Display stand seitdem „Mama Schaf“. Seit einiger Zeit geht dieses Telefon leider nicht mehr. Ich habe bei Ebay dafür nun ein neues gekauft. Es kam gestern mit der Post. Natürlich sind die Telefone inzwischen moderner und haben schönere Klingeltöne. Aber trotzdem kommt wieder Wehmut auf, als ich es heute aufstelle und programmiere… 

 

Sonnabend, 15.10.2005

Man möge mir die Pause, die ich eingelegt habe, nachsehen... Die Erkältung hält sich wacker und man hat zu nichts richtig Lust. Kaum etwas will einem so richtig von der Hand gehen. Also habe ich mich in den letzten Tagen auch nicht gerade bei der Hausarbeit überschlagen, sondern nur das Nötigste gemacht und ansonsten mal so richtig herumgegammelt...

 

Mittwoch, 12.10.2005

Mit Wick MediNait habe ich erstaunlich gut durchgeschlafen. Man steht morgens viel erholter auf, wenn man sich nachts nicht laufend wach gehustet hat. Aber nun „belle“ ich wieder, und mein Verbrauch an Papiertaschentüchern steigt kontinuierlich an. So kann ich mich also nur auf die nächste ruhige Nacht mit Wick MediNait freuen *grins*

Mittags ruft meine Schwester an. Nora hat ihre Blutbildkontrolle in der Charité hinter sich und musste heute keine Spritze bekommen *freu*. In den letzten Monaten hat man eine gewisse Bescheidenheit zurück erlangt und freut sich über Dinge, die früher eine geringere Priorität hatten oder selbstverständlich waren. Im Gegensatz dazu treten andere Dinge in den Hintergrund, die zuvor noch soooo wichtig waren… Aber wie oft übersteht man in seinem Leben solche Sturzflüge? Seit Janas Tod sind meine Antennen wesentlich sensibler. Ich höre nicht nur Worte, sondern auch Dinge, die nicht ausgesprochen werden. Aber diese Sensibilität muss ich auch schützen, denn sonst wäre ich verletzlicher denn je. Darum habe ich meine schützende „Schale“ um ein Vielfaches verstärkt. Somit hat gestern auch ein Gästebucheintag von einem Schreiber namens „Fruchtzwerg“ keine Wirkung, im Gegenteil… Durch die Veröffentlichung seiner IP- Adresse bekam ich heute sogar mehrere Hinweise auf die Herkunft dieses Telekom- Kunden. Eigentlich ein armes Würstchen, dieser kleine Fruchtzwerg…

 

Dienstag, 11.10.2005

Wie ich es mir fast dachte: Norbert hat seine Grippe noch nicht ganz hinter sich, da geht es bei mir los… na prima! Mein Hals kratzt, die Nase kribbelt und die Augen brennen. Meine Schwester hatte vor zwei Tagen bereits eine Vorahnung und wird morgen von einer Freundin zur Charité chauffiert. Es wäre verantwortungslos, wenn ich Nora mit ihrem geschwächten Immunsystem anstecken würde. Auch rät sie mir am Telefon, meine Termine für heute und Donnerstag bei der Krankengymnastik abzusagen. Ja, sie hat Recht, denn man muss ja seine Bazillen nicht unbedingt noch weiterverteilen. So habe ich heute nur einen Weg zu erledigen: den zur Apotheke…

Am frühen Abend klingelt hier das Telefon. Norbert geht ungern ran, also muss ich mal wieder… Am anderen Ende ist jemand vom Meinungsforschungsinstitut. Man erzählt mir, dass eine Umfrage über Erfahrungen mit Möbelhäusern bei Verbrauchern bis 49 gemacht wird. Ich sage ihm, dass er da bei uns falsch ist. Man entschuldigt sich für die Störung und wünscht mir noch einen schönen Abend. Prompt sehe ich schon wieder Jana grinsen, aber wenn nicht, hätte ich doch glatt etwas vermisst…  

 

Montag, 10.10.2005

Gestern Abend um halb zehn klingelte es bei uns. Es war unser Nachbar, der uns darauf aufmerksam machte, dass er beim Heimkommen verdächtige Typen gesehen hat, die auffällig an unseren Autos vorbeigingen. Ich holte gleich die Taschenlampe, um mir unsere vor dem Grundstück geparkten Autos näher anzusehen, fand aber nichts. Scheinbar wurden sie durch das Auftauchen unseres Nachbarn gestört...

Heute erkundigt sich unser Nachbar über den Gartenzaun, ob mit unseren Autos alles ok. war. Oft will man ja gar nicht Autos klauen, sondern nur Autoradios oder im Innenraum herumliegende Gegenstände. Ich entferne sicherheitshalber noch die Bedienblende vom Radio (obwohl das neue ja bereits unterwegs ist *grins*). Aber auch Einbruchsspuren sind ärgerlich und hinterlassen oft bleibende Schäden am Auto. Mit dem Gartennachbarn komme ich somit wieder einmal ins Gespräch, und ich erzähle ihm auch von dem Marderbiss an meinem Kühlwasserschlauch. Da gibt er mir den Tipp, dass es im Elektrowarenhandel etwas gegen Marder gibt. So setze ich mich abends also wieder einmal an den Computer, um bei Ebay zu stöbern, denn es gibt nichts, was man dort nicht findet. Das Suchwort „Marder“ bringt erstaunlich viele Mittel gegen diese Tierchen. Ich brauche Stunden, um die Angebote durchzusehen und zu vergleichen. Da sind bei ein und demselben Artikel manchmal bis zu 20 Euro Preisunterschied! Also braucht man viel Zeit, und dadurch ist es wieder einmal sehr spät geworden. Bestellt habe ich nun ein Gerät, welches hohe Frequenzen erzeugt, die den Marder in die Flucht schlagen. Sollte er sich auch dadurch nicht abschrecken lassen, sind zusätzlich Metallplättchen im Motorraum, die bei der Berührung Stromschläge erzeugen und ihn endgültig verjagen… Bei mir war es „nur“ der Kühlwasserschlauch, aber der Nachbar erzählte, dass bei einem anderen Grundstücksnachbarn einmal die Bremsleitung von einem Marder durchgebissen wurde. Dieser konnte nicht einmal mehr zur Werkstatt fahren, sondern musste einen Abschleppwagen bestellen…

 

Sonntag, 09.10.2005

Nach zwei Tagen „Urlaub“ vom Tagebuch melde ich mich heute zurück. Es gab auch nichts, worüber es gelohnt hätte zu schreiben.

Seit Norberts Feierabend am Freitag verbringen wir lediglich ein ruhiges Wochenende, da er bereits seit mehreren Tagen von einer heftigen Erkältung geplagt wird und nur seine Ruhe haben möchte. Ich hoffe nur, dass ich nicht als nächste dran bin, denn meist geht ja so eine Grippe quer durch die Familie. Schauen wir mal, was die nächste Woche bringt…       

 

Donnerstag, 06.10.2005

11:30 Uhr habe ich mit Suzi Termin beim TÜV, und sie erhält ohne jegliche Beanstandung die Plakette für die nächsten 2 Jahre *freu* Hätte mich auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre…

Es macht wieder richtig Spaß, mit ihr zu fahren, zumal ich nach der Inspektion auch ein richtig gutes Gefühl habe. Das Wetter ist heute ideal: nicht zu warm und nicht zu kalt… So fahre ich auch um 14 Uhr mit ihr zur nächsten Krankengymnastik. Auf dem Heimweg halte ich am Friedhof. Es geht nun langsam los, dass  die Blätter von den Bäumen fallen, und ich muss das erste Laub vom Grab absammeln…

Gegen 19:30 Uhr setze ich mich wieder an den Computer, habe aber einen richtigen Tiefpunkt und schlafe bereits im Sitzen ein. Als ich wieder einigermaßen zu mir komme, will ich nur noch kurz Tagebuch schreiben und zeitig ins Bett gehen. Dann kommt aber noch eine Email und kurze Zeit später vom gleichen Absender ein neuer Gästebucheintrag. Da es sich um eine journalistische Anfrage handelt, will ich nur kurz unter der angegebenen Rufnummer zurück rufen, um abzusagen. Dieses „kurze“ Gespräch dauert dann zwei Stunden…

 

Mittwoch, 05.10.2005

In den Kalender kommen heute drei dicke Kreuze, denn Nora bringt die sechste und somit letzte Chemotherapie hinter sich. Schon, als ich sie abhole, möchte sie nur noch in ihre eigenen vier Wände und einfach nur die Tür hinter sich zumachen...

Nachdem ich meine Schwester zu hause abgesetzt habe, habe ich direkt bei ihr um die Ecke meine erste Krankengymnastik von sechs neuen Behandlungen. Nora hat mich dorthin vermittelt, da auch sie von der Physiotherapeutin behandelt wird und immer nur von ihr schwärmt. Die Behandlung ähnelt kaum der des vorherigen Therapeuten. Ich habe bereits nach wenigen Minuten das Gefühl, hier professioneller behandelt und somit besser aufgehoben zu sein…

Nachmittags telefoniere ich noch mal mit meiner Schwester. Die letzte Chemo zeigt bereits ihre Wirkung, und es geht ihr nicht gut. Aber ich bringe sie trotzdem zum Lachen, denn wir denken das Gleiche, und das ist positiv: sie hat keine Chemo mehr vor sich, sondern alle hinter sich! Schwesterlein, es geht Dir nun wieder eine paar Tage richtig mies, aber Du freust Dich trotzdem! Die Kraft aufzubringen, so zu denken, das schafft nicht jeder… Ich bin richtig stolz auf Dich, aber nicht nur ich, sondern auch mein kleines Schaf…

 

Dienstag,04.10.2005

Der heutige Tagesablauf ist nicht ganz so wichtig, als dass ich ihn unbedingt im Detail schildern muss. Aber da sind ein paar andere Dinge, über die ich nachdenke. Ich habe seit einiger Zeit einen sehr netten und vor allem ehrlichen Email- Kontakt. Ich möchte nicht ungefragt Namen veröffentlichen, darum gebe ich ihr einfach mal den Namen „Anna“. Gestern bekam ich von ihr eine Mail, über die ich mich sehr freute, denn einige Zeit hörten wir nichts voneinander. Unter anderem schrieb Anna:   

 „ … als außenstehender Leser hat man in den letzten Monaten oft den Eindruck gehabt, du berichtest mehr über Dinge, die vorgefallen sind, als über Gefühle. Umso mehr "trifft" einen dann z.B. der Eintrag von Janas  Geburtstag Anfang September, der wieder so voller Emotionen steckte. Ich hoffe, du bekommst da jetzt nichts in den falschen Hals. Das ist  einfach so ein Eindruck…“

Ich nehme solche Zeilen nicht übel, vor allem, wenn es ehrlich gemeint und nicht gleich auf Beleidigung abzielt ist (was ich vor einiger Zeit bei einem anderen Email- Kontakt erlebt habe). Anna hat sogar irgendwie Recht, zumal mich in der letzten Zeit so viele Dinge in Trab gehalten haben, dass ich hauptsächlich darüber geschrieben habe. Aber Jana steht nach wie vor in jeder Situation und allen Lebenslagen neben mir… Habe ich es in der letzten Zeit zu selten erwähnt? In meinem Alltag ist diese ständige gedankliche Verbindung zu Jana für mich, aber nur für mich, fast schon zur „Normalität“ geworden. Niemand merkt es, ich rede auch nicht darüber, denn die meisten Menschen sind doch froh, wenn ich nicht schon wieder „davon“ anfange… Vielleicht habe ich diese Zurückhaltung inzwischen auch auf mein Tagebuch übertragen. Insofern bin ich Anna eigentlich dankbar, denn mit ihren Zeilen hat sie mich zum Nachdenken gebracht…

 

Montag, 03.10.2005

Ich bin ziemlich frustriert, denn stundenlang habe ich mich nochmals mir der Isdn- Anlage beschäftigt. Sie wird über eine Maske im Browser konfiguriert und eingerichtet, aber nach kurzer Zeit kommt immer die Anzeige, als wenn eine Internetseite nicht gefunden oder angezeigt werden kann. Meine nochmaligen Recherchen im Internet haben nur wenige und zudem unbefriedigende Ergebnisse gebracht, die dann auch nur kurzzeitig helfen. Es würde zu weit führen (und für die meisten uninteressant), wenn ich Details schildern würde.

Darum werde ich es für heute dabei belassen und mal mein derzeitiges Lieblingsspiel anklicken, um wieder etwas zu entspannen… Mein kleines Schaf auf dem Bild neben mir grinst, und ihr Blick sagt mir: „Na klar Mum, spiele mal ein wenig, dann wirst du wieder normal…“ Ja, ihr Spott kommt immer noch an, aber wäre es nicht so, würde ich es vermissen…

Sonntag, 02.10.2005

Wir haben uns heute nichts Besonderes vorgenommen. Norbert sitzt auch mal längere Zeit an seinem Computer und sucht nach Musik und Videos, um seinen kostenpflichtigen Vertrag auszunutzen.

Ich beschäftige mich mal wieder mit der Konfiguration meiner Isdn- Anlage, aber habe die gleichen Probleme wie früher. Später schaue ich mich nochmals im Ärger- Forum um und verbringe reichlich Zeit mit dem Lesen weiterer Beiträge, aber habe noch lange nicht alles über Seiler & Kollegen gelesen, es ist einfach endlos und vor allem so unglaublich… So richtig weiß ich noch nicht, was ich machen werde. Da schreibt auch jemand, dass in Heidelberg täglich zwei Anzeigen gegen diese Anwälte erstattet werden, aber alle eingestellt oder abgewiesen werden. Nichts falsch machen kann man angeblich, wenn man den Mahnbescheid abwartet und dann Widerspruch einlegt. Dann sind wohl die Anwälte in der Beweispflicht. Na gut, ein Trost ist mir das auch nicht, denn die Zeit und Nerven bekommt man von niemandem zurück…

Sonnabend, 01.10.2005

Eigentlich ein schöner Tag heute, denn da Andi heute arbeiten muss, nehme ich die zweite Dauerkarte und begleite Norbert ins Olympiastadion zum Fußballspiel Hertha gegen Bremen. Das Ergebnis ist jedoch für die Berliner weniger erfreulich…

Noch unerfreulicher ist für mich die Post, die ich heute bekomme und die mir für den Rest des Tages die Laune verdirbt: Die Kanzlei Seiler & Kollegen hat sich wieder „zu Wort“ gemeldet. Nunmehr hat sich der Betrag von anfänglich 46,23 Euro auf inzwischen 84,42 Euro erhöht (ein paar „kleine Zuschläge“), erwartet meine Zahlung bis zum 14.10.05 auf eines der Kanzleikonten und droht mir mit einem gerichtlichen Mahnverfahren. Nichts werde ich bezahlen! Nochmals gebe ich unter google den Suchbegriff „Seiler & Kollegen“ ein. Es gibt reichlich Ergebnisse zu diesem „Suchbegriff“. Was man dort unter anderem in einem Ärger- Forum über diese Rechtsanwälte zu lesen bekommt, ist haarsträubend. Es User schreibt, dass er durch die Taktik dieser Kanzlei mürbe wurde und sich auf Ratenzahlungen einließ. Als er dann bezahlt hatte, entsorgte er die ungeliebten Unterlagen… Danach war er 3 Monate im Ausland und hatte bei seiner Rückkehr einen Mahnbescheid mit weiteren Forderungen der Kanzlei Seiler & Kollegen im Briefkasten… In diesem Forum finde ich allerdings auch zwei Beiträge, in denen die User erzählen, dass sie Strafanzeige gegen diese Kanzlei gestellt haben und seitdem Ruhe haben. Besonders beeindruckt bin ich von einer Homepage eines Forumteilnehmers, der sich nicht hat unterkriegen lassen. Er hat seinen gesamten Schriftverkehr (Staatsanwaltschaft, Petitionsausschuss) sowie seine Anzeigen und Klagen auf seiner HP dokumentiert. Hut ab, kann ich da nur sagen! Aber es kostet viel Zeit und vor allem Nerven, sich gegen die ungerechtfertigten Mahnungen und mysteriösen Machenschaften dieser Anwaltskanzlei zu wehren… Aber so schnell werde ich auch nicht aufgeben. Ich weiß, dass mein kleines Schaf mir eine ganze Portion Kraft und Ausdauer schickt: „Mum, so schnell gibst du doch nicht auf, oder…?“ Nein, das werde ich nicht…

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