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Donnerstag, 30.06.2005
Heute vor 5 Jahren haben wir uns mit Norbert kennen gelernt... Somit machen wir uns einen gemütlichen Abend, nachdem Norbert von der Arbeit nach hause kommt, und es wird spät...
Mittwoch, 29.06.2005
Ich hole meine Schwester von der Charité ab, wo sie heute früh zur Blutbildkontrolle erscheinen muss. Ihre Leukozytenwerte sind zufrieden stellend, aber ihre 2 kg Gewichtsabnahme gefallen dem Arzt weniger. Von dort aus fahren wir zu einem Perückengeschäft. Nach der zweiten Chemotherapie ist mit Haarausfall zu rechnen, darum bekommt man vorher ein Rezept für eine Perücke. Die Krankenkasse bezahlt einen Anteil von rund 130,-€, jedoch bekommt man dafür noch nicht einmal die billigste Kunsthaarperücke. Uns werden die Qualitätsunterschiede erklärt. Die billigsten (ab 250,-€) kann man kaum frisieren, denn die Fallrichtung des Haares lässt sich nicht verändern. Bei der mittleren Preisklasse ist der „Unterbau“, der Tragekomfort und der Sitz besser, auch lässt sich das Haar in jede Richtung kämmen und legen. Naturhaarperücken lassen wir uns nicht zeigen, denn deren Preise liegen jenseits von Gut und Böse. Nora probiert einige Kunsthaarperücken durch und findet relativ schnell ihren Favoriten. Allerdings muss sie 250,-€ zuzahlen... Obwohl dieser Besuch im Perückenladen eine traurige Vorgeschichte hat, finde ich es unheimlich interessant, was es da alles gibt. Die Frisuren der Perücken sind so vielfältig, wie man es sich kaum vorstellen kann. Nicht nur, dass alle Farben vertreten sind, auch findet man vom braven Kurzhaarschnitt bis hin zur mehrfarbigen langen Lockenfrisur einfach alles! Eigentlich hätte ich auch gern mal probiert...
Auf der Heimfahrt halten wir mit Nora noch kurz bei Lidl, denn sie braucht einige Kleinigkeiten. Somit muss sie nicht extra losgehen und tragen...
Da meine alte Wohnung auf dem Weg liegt (eigentlich fast nur um die Ecke), gucke ich nach Post, packe ein wenig und gehe mit zwei Tüten Müll wieder runter, denn Jill wartet sicher schon auf mich...
Kaum zu hause, erfahre ich, dass ich doch keinen Arbeitsvertrag mehr bekomme. Ich habe bisher versucht, bei beiden Möglichkeiten, Arbeit oder Arbeitslosigkeit, positiv zu denken. Momentan geht mir noch zu viel durch den Kopf, als dass ich hier meine Gedanken geordnet darlegen kann...
Dienstag, 28.06.2005
Ich fahre vormittags wieder in meine alte Wohnung und packe weitere Kartons für den „großen“ Umzug. Ich hoffe nur, dass ich genügend männliche Helfer zusammen bekomme, denn für mich sind die meisten Kartons zu schwer. Ich schaffe es heute, dass im bisherigen Schlafzimmer nun alle Schränke leer sind. Im Wohnzimmer steht ohnehin nur noch die Couchgarnitur, da ich keine Schrankwand besitze und aller Kleinkram in Einzelteilen bereits hier „gelandet“ ist. Jetzt fehlt „nur“ noch der Inhalt zweier Schränke aus dem dritten Zimmer, der Küche, dem Bad und der Kammer... *stöhn* Oftmals laufe ich von einer Ecke in die andere und weiß nicht, wo und was ich zuerst einpacken soll. Drei Kreuze, wenn ich dies alles hinter mir habe!
Montag, 27.06.2005
Die letzten zwei Tage habe ich absichtlich nichts geschrieben, denn ich wollte nicht über „unfertige“ Dinge reden. Vielleicht sehe ich in den nächsten Tagen klarer, dann werde ich mich auch darüber äußern.
Nach Recherchen im Internet fahre ich heute zu einer Firma, die nur wenige Minuten von uns entfernt ist, und wo man preiswert Kartons in allen Größen bekommt. Ich habe die Nase voll von den vielen kleinen Beuteln und Klappboxen, die ich bisher aus meiner Wohnung geholt habe. Irgendwie geht es damit nicht so richtig voran, zumal ich sowieso nur leichte Sachen tragen kann. Letzte Woche „passierte“ gar nichts, da es so heiß war. Langsam rinnt mir die Zeit wie Sand durch die Finger. Ich will Ende Juli die Wohnung leer haben, um die letzten vier Wochen geforderte Schönheitsreparaturen machen zu lassen.
Nun will ich in den nächsten Tagen meine Sachen in die Umzugskartons packen. Heute schaffe ich nur wenige Kartons, da ich noch einen Termin habe und muss morgen weiter machen...
Freitag, 24.06.2005
Da meine Schwester heute früh bei uns in der Nähe einen MRT- Termin wegen ihrer ständigen Wirbelsäulenbeschwerden hat, hole ich sie ab, damit sie nicht im warmen Bus sitzen muss. Sie hat panische Angst vor der engen Röhre, in die man dabei geschoben wird. Dadurch geht es ihr richtig mies. Nachdem sie es hinter sich hat, fühlt sie sich etwas besser.
Wir fahren dann zu uns, wo ich Nora endlich mein neues "Reich" und die Ergebnisse unserer vielen Stunden im Garten zeigen kann. Aber alles ist sehr anstrengend für sie, darum bringe ich sie dann wieder nach Hause, damit sie sich ausruhen kann. Seit der ersten Chemotherapie fühlt sich nur noch schlapp und müde. Dies macht sie sehr unzufrieden, denn sonst ist Nora ein eher quirliger Typ. Aber sie wird es schaffen, denn sie hat uns, gute Freunde, und alle werden ihr weiterhin helfen, wo es nur geht...
Donnerstag, 23.06.2005
Nach dem Aufstehen setze ich mich - wie jeden Tag - an den Computer, um nach Emails und der Besucherstatistik zu sehen. Danach bleibe ich an einem neuen Spiel "hängen" und vergesse dabei etwas die Zeit. Um 10 Uhr rufe ich bei Nora an und sage ihr, dass ich mich nun auf den Weg zu ihr mache. Ihr Drucker "spinnt", und darum hatte ich ihr für heute meine Hilfe "angesagt". Meine Schwester hat gerade Besuch. Es ist ihre ehemalige Kollegin. Diese arbeitete bis zu ihrer Berentung im Beerdigungsinstitut. Sie betreute mich damals, und ich fühlte mich dort sehr gut aufgehoben. Sie ist auch sehr nett, aber in meinem Inneren läuft ein Film ab: ich vereinbarte mit ihr den Termin, an dem ich Jana noch einmal sah, um mich von ihr zu verabschieden. Ich suchte bei ihr die dunkelblaue Urne aus, den Blumenschmuck und wählte den Text für die Schleife am Blumengebinde...
Mittwoch, 22.06.2005
Heute fängt Jill zaghaft an ihr neues Futter zu fressen. Ihre zweite Mahlzeit am Abend verputzt sie in einem Zug. „Geht doch, geht doch!“ *schmunzel*
Um 10:30 Uhr hole ich meine Schwester von der Charité ab, wo sie zwei Stunden am Tropf hing und ihre erste Chemotherapie bekommen hat. Noch geht es ihr relativ gut, aber die Nebenwirkungen kommen nicht sofort und sind bei jedem Menschen anders... Ich telefoniere heute noch zweimal mit ihr, sie ist nachmittags etwas schlapp und ruht sich aus. Sie hat ja alle Zeit der Welt und eine positive Einstellung...
Nachmittags klingelt hier das Telefon, und an der Nummer sehe ich, dass es die Firma ist. Meine „große“ Chefin ist am Apparat und macht mir aufgrund des Schreibens vom Betriebsarzt einen Vorschlag: Ich bekomme keinen unbefristeten Arbeitsvertrag, sondern nochmals ab 1. Juli einen befristeten für ein weiteres halbes Jahr. Somit kann man sehen, ob ich nach meiner Behandlung wieder voll einsatzfähig bin und auch bleibe. Danach will man entscheiden, ob ich ab 2006 einen unbefristeten Vertrag bekomme. Zuerst weiß ich gar nicht so richtig, was ich sagen soll. Ich muss mich auch nicht sofort entscheiden, sondern kann meiner Chefin am Sonnabend bei der Versammlung meine Entscheidung mitteilen. Als sich bei mir alles langsam gesetzt hat, komme ich zu der Auffassung, dass es von der Firma eigentlich ein sehr faires Angebot ist und ich es darum annehmen werde. Irgendwie bin ich richtig froh und erleichtert, denn ich hatte ja bereits negativ „geplant“ und mich fast damit abgefunden... Nun kann ich nur noch hoffen, dass die teure Stoßwellentherapie wirklich auf Dauer hilft... Falls ich bis Ende des Jahres trotzdem wieder aufgrund von Beschwerden ausfallen sollte, dann hat es wohl wirklich keinen Sinn mehr und wäre auch nicht im Sinne meiner Gesundheit und uneffektiv für meinen Arbeitgeber. Nun wird sich also in den nächsten 6 Monaten meine Zukunft entscheiden. Es stimmt schon, was mein kleines Schaf sagt: „Alles im Leben hat seinen Sinn...“
Für Leser, die vielleicht das Tagebuch nicht vollständig gelesen haben und darum nicht wissen, was es mit dem „kleinen Schaf“ auf sich hat, möchte ich es nochmals verständlich machen, denn neulich stand in einer Email an mich:
„...weil kein Mensch mehr versteht was du damit meinst, wenn ein "Schaf" zu dir spricht. Mit Sicherheit denken manche, du hältst eines in der Wohnung. Und sprechen kann es auch. *Staun*“
Wenn Jana mich in der letzen Zeit um etwas gebeten hat und ich ihren Wunsch ablehnte, dann fing sie keine endlosen Diskussionen wie früher an, sondern senkte oft ihren Kopf und sagte nur „mäh“. Dann konnte ich nicht anders, als sie in den Arm zu nehmen, drückte sie und sagte immer zu ihr: „mein kleines Schaf....“
Dienstag, 21.06.2005
Wie ich neulich schrieb, macht mir Jill Sorgen, weil sie immer wieder an einigen Stellen wund wird und ein ständiges Behandeln mit der Emulsion die wahre Ursache nicht behebt. Beim ersten Allergietest wird immer festgestellt, in welcher von fünf Kategorien ein Tier positiv ist. Nach der Blutabnahme vor einer Woche erfuhr ich zwei Tage später das erste Ergebnis: Jill hat sowohl eine saisonale als auch eine Nahrungsmittel- Allergie. Danach folgte der zweite Test, um die genauen Faktoren jeder Kategorie zu bestimmen. Heute telefoniere ich nun mit der Tierärztin und erfahre das Ergebnis: Jill ist auf Soja im Hundefutter allergisch, und die saisonalen Komponenten sind Beifuss, Roggen, Wegerich und Gräser. Die Ärztin erklärt mir auch, dass Allergien oft miteinander „harmonieren“. Es könnte also sein, dass durch die Beseitigung der einen Allergie (sprich: Nahrungsumstellung auf sojafreies Futter) die saisonale Allergie abgeschwächt wird oder sogar verschwindet.
Ich fahre also heute nicht nur ins Bauhaus, um noch Einlegeböden für die Regale im Schuppen nachzukaufen... Wenige Meter weiter ist ein Futterhaus. Dort sind die Regale randvoll mit unzähligen Marken von Hundefutter. Ich kann nur leider ohne Lesebrille das Kleingedruckte nicht entziffern, wo die Bestandteile aufgeführt sind *grummel* Der Verzweiflung nahe hole ich mir einen Verkäufer zur Hilfe. Er liest die kleinen Texte, nirgendwo ist Soja aufgeführt, aber ich bin skeptisch. Dann jedoch finden wir nach einigem Suchen ein Hundefutter, wo deutlich auf der Tüte steht: „Ohne Soja, künstliche Farb- und Konservierungsstoffe“ Als ich diese Tüte zu hause öffne, ist Jill ganz neugierig. Sie glaubt wohl, dass ich neue Leckerli mitgebracht habe. Ich weiche ihr eine Portion ein und fülle es 20 Minuten später in ihren Napf. Während sie die letzte Futtersorte immer sofort gefressen hat, geht sie nun wie früher von jeder Seite an den Napf, als wollte sie überlegen, von welcher Seite sie frisst. Ich kann kaum hinsehen, denn es ist zum Lachen und nervig zugleich. Letztendlich verlässt sie die Küche und geht ins Wohnzimmer auf ihr Fell, ohne gefressen zu haben... Na gut, aber auch Leckerli wird es vorerst nicht geben. Da fällt mir der Satz vom Züchter ein: „Es ist noch nie ein Hund vor einem vollen Napf verhungert...“
Montag, 20.06.2005
Ich habe heute einen Einkaufszettel, aber nicht für Lidl, sondern für den Baumarkt und den Holländer. Also mache ich mich am Vormittag auf den Weg, um diesen „abzuarbeiten“. Bisher musste ich die Gießkanne ca. 25 Meter zu meinem Beet tragen (und dies in der letzten Zeit immer mit dem linken Arm *stöhn*) . Nun wollen wir am ca. 4- 6 qm großen Schuppen, der direkt neben meinem Beet ist, eine Regentonne aufstellen. Jedoch hat dieser Schuppen bisher keine Dachrinne. So stehe ich nun im Baumarkt, muss mich bei den Plastik- Dachrinnen zwischen drei Größen entscheiden und das passende Zubehör wie Verbindungsstücke, Endstücke, Abflussteil, Halterungen und Fallrohr zusammensuchen. Ich brauche lange, bis ich wirklich alle Teile gefunden habe und gehe dann in Gedanken alles noch einmal durch, ob wirklich nichts fehlt...
Eigentlich gehe ich gern in den Baumarkt, denn während ich dort zwischen den Regalen „schlendere“, kommen mir oft noch Ideen... Neulich sagte Norbert, dass man im Schuppen mal Regale aufstellen könnte, um den ganzen Kleinkram wie Gartenscheren, Düngerkartons etc. platzsparender unterzubringen. Da entdecke ich doch genau das Passende! Mein Auto ist nun mit Dachrinnenteilen, Regalelementen und einer 200- Liter- Regentonne randvoll!
Als Norbert von der Arbeit kommt, will er sich die Dachrinne ansehen, die wir zusammen anbringen wollen. Aber er wundert sich, dass sein Rasenmäher und andere Dinge draußen stehen. Ich musste einiges rausbringen, um beim Aufstellen der Regale Platz zu haben. Darum mache ich vor seinen Augen die Schuppentür auf und zeige ihm als Überraschung die Regale. Ich glaube, er freut sich richtig, nur ist Norbert nicht der Typ, der es durch Jubel zeigt. Nun bringen wir die Dachrinne an, dann „darf“ Norbert den Kleinkram in die Regale einräumen und somit im Schuppen eine neue und übersichtliche Ordnung schaffen. Es ist erstaunlich, denn wir holen aus dem Keller noch einige Dinge, die ebenfalls in den Schuppen gehören, und trotzdem ist im Endeffekt mehr Platz und alles viel übersichtlicher als vorher. Es ist fast 22 Uhr, als wir ins Haus gehen und noch den Rasensprenger für eine Weile anmachen. Während ich nun hier schreibe, ist Norbert vor dem Fernseher eingenickt....
Sonntag, 19.06.2005
Norbert hat noch zwei große Blumenkästen, die er mit Blumen bepflanzen und in den Garten stellen möchte, darum fahren wir nach dem Frühstück zum Holländer- Gartencenter, wo auch sonntags von 10 Uhr bis 12 Uhr geöffnet ist. Zuvor gehen wir auf den Friedhof, denn vorgestern habe ich das letzte Mal gegossen. Wir haben genau den richtigen Zeitpunkt erwischt, denn es ist noch nicht vollständig trocken. Ich freue mich über die Kerze, die ich Freitag angezündet habe, denn sie brennt noch...
Beim Holländer holen wir natürlich wieder mehr, als wir wollten *grins* So haben wir bis zum späten Nachmittag im Garten zu tun. Fürs Kochen ist heute keine Zeit, darum gibt es eine Linsensuppe aus der Dose. Auch macht es mir im Garten viel zu viel Spaß, als dass ich freiwillig das „Schippchen“ gegen den Kartoffelschäler eintauschen würde. Das kann sich auch mein kleines Schaf ein Schmunzeln nicht verkneifen...
Mit diesem Tagebucheintrag lösche ich die Seite mit den Aktualisierungsdaten von der Homepage. Als ich vor einigen Tagen meine Schwester fragte, ob sie die neuen Fotos vom Grab gesehen hat, stutzte sie. Nora liest ebenfalls jeden Tag mein Tagebuch, obwohl wir immer telefonieren, aber hat nie auf diese Seite geschaut. Darum werde ich in Zukunft Aktualisierungen anderer Seiten ebenfalls im Tagebuch ankündigen, da dies sicher effektiver ist, nicht wahr Schwesterlein? *schmunzel*
Sonnabend, 18.06.2005
Aktionstag im Haus und im Garten, so könnte man den heutigen Tag beschreiben. Als wir einkaufen, fahren wir auch zu meiner Wohnung, wo wir nach Post gucken und zwei Wandregale und deren Inhalt mitnehmen. Während Norbert sich dann um Rasen mähen und düngen kümmert, mache ich die Regale an und räume sie ein. So ist wieder ein kleiner Schritt geschafft...
Freitag, 17.06.2005
Kurz nach 9 Uhr klingelt das Telefon. Es ist meine Chefin. Sie teilt mir mit, dass am 25.06. um 9 Uhr eine Versammlung angesetzt ist, zu der ich trotz Krankschreibung erscheinen soll. An dem Tag soll auch die Einweisung an der neuen Funktechnik stattfinden, auf die unsere Busse umgerüstet werden, da der Telebus ab 1. Juli einer Taxizentrale untersteht. Ich bin total erstaunt und frage sie, was denn mit den neuen Arbeitsverträgen ist. Sie weiß darüber nichts, denn dies liegt in der Hand der „großen“ Chefin. Obwohl ich bereits vor ca. 3 Tagen von der Firma eine Zweitschrift vom Betriebsarzt- Schreiben erhalten habe, hat man sich diesbezüglich noch nicht bei mir gemeldet. Was soll ich nun davon halten? Soll ich wieder hoffen, oder wird auf der Versammlung das „Urteil“ verkündet? Nun ist nochmals dieser Schwebezustand eingetreten, der mir mittlerweile mehr zu schaffen macht, als eine endgültige Gewissheit...
Donnerstag, 16.06.2005
Um 10:40 Uhr habe ich einen Termin beim Orthopäden, wo ich mich 8 bis 10 Tage nach der ersten Stoßwellentherapie vorstellen soll. Er fragt mich, wie es mir geht. Ich erzähle ihm, dass ich die ersten Tage große Schmerzen hatte und nun wieder der vorherige Zustand eingetreten ist. Das hat jedoch nichts zu sagen, denn der Arzt, der die Stoßwelle gemacht hat, meinte, dass eine wirkliche Besserung bei den meisten Patienten erst nach der zweiten Behandlung eintritt. Diese wird aber frühestens nach 4 Wochen gemacht, meist sogar erst nach 8 bis 10 Wochen. Der Orthopäde möchte, dass ich in 14 Tagen wieder komme, und dann will er sehen, wann ich die zweite Therapie bekommen soll.
Für mich wird nun immer wahrscheinlicher, dass ich in dieser Situation wohl kaum einen neuen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen werde.
Ich merke, dass ich diese schwere Arbeit kaum noch schaffe und meine Gesundheit immer weiter bergab geht. Es wäre sicher nur eine Frage der Zeit, wann die nächsten Beschwerden und der nächste Arbeitsausfall kommen würden. Das klingt pessimistisch, aber ich würde mich nur selber belügen, wenn ich anders denken würde. Seit langem bereits habe ich auch zeitweise im linken Knie Beschwerden, womit ich in den 25 Jahren als Berufskraftfahrer immer die Kupplung betätigt habe (bei meinem eigenen Auto glücklicherweise durch die Automatik nicht mehr nötig). Nun habe ich 31 Jahre ununterbrochen gearbeitet, die letzten 15 Jahre habe ich meine Gesundheit mit dem schweren Job kontinuierlich ruiniert. Darum überlege ich langsam, ob ich traurig oder froh sein soll, wenn ich wirklich arbeitslos werde. In Gedanken rede ich ja oft mit meinem kleinen Schaf und frage sie nach ihrer Meinung. „Mum, alles im Leben hat seinen Sinn“ sagt sie zu mir...
Mittwoch, 15.06.2005
Eigentlich wollte Nora mich heute mal besuchen, aber sie meldet sich früh telefonisch und erzählt mir, dass sie sich sehr matt fühlt und schlecht geschlafen hat. Sie entschuldigt sich für die Absage, aber ich nehme es ihr doch gar nicht übel! Dafür fahre ich vormittags zu ihr, denn wir müssen ihre Arcor- Anmeldung ausfüllen. Nora hat immer noch ein Modem und guckt während des Internet- Besuches immer auf die Uhr... Nun will sie auch Arcor mit DSL- und Telefon- flatrate. Darum machen wir es als Kundenwerbung. Nachdem wir unseren Schriftkram erledigt haben, bringen wir die Post zum Briefkasten. Da ich noch zum Friedhof gießen will, frage ich Nora, ob sie Lust hat, mitzukommen. Sie hatte ja neulich mal den Wunsch geäußert, denn seit der Beerdigung war sie nie wieder dort. Dadurch kennt sie alles bisher nur von den Fotos. Ich freue mich, dass sie mitgekommen ist und dass ihr das Grab gefällt...
Als ich wieder zu hause bin, betätige ich mich im Garten mit leichter Arbeit, die ich im wahrsten Sinne des Wortes mit „Links“ machen kann. Es ist das Unkraut, dem ich zu Leibe rücke, denn nach dem vielen Regen und den nun steigenden Temperaturen wächst es besser als alles andere *schmunzel* Wer ebenfalls einen Garten hat, kennt das sicher. Es ist manchmal auch die richtige Tätigkeit, um abzuschalten, jedenfalls geht es mir so.
Gegen Abend setze ich mich wieder an den Computer und will nur mal kurz in die Konfigurationseinstellungen meiner Isdn- Anlage. Aber sie will nicht, ich komme nicht rein oder der Computer hängt sich mittendrin auf. Ich aktualisiere die Firmware, versetze die Anlage in den Auslieferungszustand, nichts nützt. Der ganze Abend ist dahin, denn die Zeit verrinnt dabei wie Sand zwischen den Fingern... Norbert „verabschiedet“ sich um 23 Uhr von mir und geht schlafen, während ich die „Stellung halte“ und nicht aufgebe. Irgendwann klappt es dann, aber warum nun doch noch, vermag ich gar nicht zu sagen. Ich bin nur stinksauer, denn nun ist es bereits nach Mitternacht, während ich hier mein Tagebuch aktualisiere. Mein kleines Schaf „tröstet“ mich mal wieder grinsend: „Mum, geht doch, geht doch!“ Danke, mein Schatz, etwas eher wäre mir lieber gewesen...
Dienstag, 14.06.2005
Gleich früh fahre ich zu meinem jetzt zuständigen Arbeitsamt, um mich umzumelden und meine aktuelle Situation darzulegen. Nach einer viertel Stunde bin ich bereits wieder draußen, denn ein Beratergespräch bekomme ich erst, wenn ich wirklich arbeitslos sein sollte.
Ich fahre direkt zur Charité, denn zuvor hatte Nora angerufen und ganz aufgeregt und erfreut „um Abholung gebeten“. Das mache ich doch gern! Unterwegs halten wir an einem Bäcker, holen noch ein Stück Kuchen und trinken dann auf ihrem Balkon gemütlich Kaffee. Ich freue mich für Nora, dass sie wieder zu hause ist! Sie hatte zwar immer erzählt, dass alle Schwestern und ihre Bettnachbarn sehr nett waren, aber in den eigenen vier Wänden fühlt sich doch jeder Mensch am wohlsten, was ihr ganz deutlich anzumerken ist.
Gegen Mittag bin ich wieder zu hause, wo ich von Jill natürlich stürmisch begrüßt werde....
Montag, 13.06.2005
Ein aktionsreicher Tag: Vormittag fahre ich mit Jill zum Tiersarzt. Dort wird ihr Blut abgenommen. Die Ärztin will einen Allergietest machen.
Als ich mit Nora telefoniere, bittet sie mich, nicht zu kommen, denn es geht ihr heute wieder besser. Auch hofft sie morgen auf Entlassung und will nicht, dass ich laufend unterwegs bin. Nun gut, Nora macht am Telefon einen wirklich wieder besseren Eindruck... So treffe ich mich mit Olav in meiner Wohnung, und er schleppt mir schwere Sachen runter, was ich nie schaffen würde. Wir schauen auch, was Olav gebrauchen kann. Somit wird auch bald eine volle Fuhre mit Dingen zu ihm gehen, die er gebrauchen kann und die wir hier sonst doppelt hätten. Ich freue mich, dass Olav mir so geholfen hat, und somit verabschieden wir uns für heute. Zu hause laden mir Norbert und Andi das Auto aus, und ich kann den Dingen in meinem Domizil ihren neuen Platz geben...
Sonntag, 12.06.2005
Da ich heute Nora besuchen will, entscheide ich nach dem Frühstück spontan, dass ich bereits vormittags hinfahre. So habe ich an der Charite vielleicht bessere Parkmöglichkeiten als nachmittags, wenn alle kommen. Auf dem Weg halte ich am Friedhof und mache die Fotos von der neuen Bepflanzung. An der Charité sieht es gut aus, ich kann mir sogar noch einen Parkplatz aussuchen *freu* Nora ist gut drauf, hat aber nach dieser zweiten OP mehr Schmerzen, als beim ersten Mal und größere Bewegungseinschränkungen. Sie ist jedoch tapfer und hat ihren Optimismus nicht verloren. Wir unterhalten uns nicht nur über ernsthafte Dinge, sondern blödeln auch herum, müssen oft lachen, aber dabei tut ihr leider alles weh. Nach einer Stunde mache ich mich wieder auf den Heimweg, halte noch kurz an meiner Wohnung, aber nur, um nach Post zu sehen.
Norbert freut sich, als ich zurück bin. Nach dem Mittagessen widmen wir uns ein paar Kleinigkeiten, die vorübergehend nur ein Provisorium waren. Danach kommt der sogenannte gemütliche Teil. Norbert guckt anfangs Fußball, danach läuft Formel 1, spannend wie lange nicht mehr...
Ich telefoniere nochmals mit Nora, aber sie ist plötzlich ganz traurig. Ihre beiden netten Bettnachbarinnen werden morgen entlassen... Dann kommen ihr am Telefon die Tränen. Es tut mir so unendlich leid. Darum telefoniere ich mit Olav und verabrede mit ihm, dass wir uns morgen zwar gegen Mittag treffen, aber zuerst Nora besuchen werden...
Mit meinem anderen Sorgenkind werde ich morgen Vormittag zum Tierarzt fahren, denn Jill hat einige wunde Stellen und erbricht ab und zu.
Nun werde ich noch die Fotos vom Friedhof von der Kamera herunter laden und sie für die Homepage bearbeiten...
Sonnabend, 11.06.2005
Als wir gemütlich am Frühstückstisch sitzen, sieht das Wetter draußen relativ gut aus. So entschließen wir uns, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und die Bepflanzung auf dem Friedhof in Angriff zu nehmen. Wir fahren also wieder mal zum Holländer. Zwei blaue Blumen habe ich bereits vor einigen Tagen von unterwegs mitgebracht. Ich schaue natürlich nochmals nach blauen Blumen und werde auch fündig. Jedoch nehme ich auch eine pinkfarbene Blume mit, denn es war Marios Lieblingsfarbe.... Während wir beim Holländer sind, fängt es an zu tröpfeln. Innerhalb von einer Minute wird es zum regelrechten Wolkenbruch, und alle Leute „flüchten“ in die überdachte Halle, wo man den Regen auf das Dach prasseln hört. Wir gucken uns mit Norbert nur an und verdrehen die Augen. Irgend etwas scheint gegen uns zu sein. Nach 10 Minuten ist der Regen vorbei, wir nehmen unsere Blumen und fahren die wenigen hundert Meter weiter zum Friedhof. Kaum habe ich die Heckklappe meines Autos offen, um die Blumen und unsere Pflanzgeräte aus dem Auto zu nehmen, fängt es nochmals an zu regnen. Wir setzen uns ins Auto und warten ab. Nach weiteren 10 Minuten ist auch dieser Schauer vorüber, und wir wagen es. Es ist nun wirklich fast fünf nach zwölf, wie man so sagt, denn die Frühjahrsbepflanzung ist verblüht und sieht nicht mehr schön aus. Wir fangen mit der Bepflanzung an, und siehe da, die Sonne kommt hervor! Ich habe das Gefühl, dass da jemand zu uns hinunter schaut und lächelt... Als wir fertig sind, sage ich zu Norbert: „Und welcher Satz kommt jetzt? Wie immer: Fotoapparat vergessen.“
Wir fahren nun weiter nach Reinickendorf im nördlichen Teil von Berlin, wo Norberts Mutter wohnt. Nur um die Ecke bei ihr ist ein Friedhof mit dem Grab von Norberts Vater. Dessen Bepflanzung haben wir ebenso übernommen, da Norberts Mutter es nicht mehr kann. Auch dort regnet es anfangs etwas, aber dann kommt nochmals die Sonne heraus...
Als wir unterwegs sind und an einer roten Ampel warten müssen, sagt Norbert zu mir: „Du, ich wollte gerade zu dir sagen: gucke mal, der Hund sieht aus wie ein Schwein, aber das ist ja auch eins!“ Da läuft doch tatsächlich ein Fußgänger mit einem kleinen Schwein an der Leine über die Straße! Als sie auf der anderen Straßenseite angekommen sind, bleibt er stehen, greift in seine Hosentasche, das Schwein springt an ihm hoch und bekommt ein Leckerli. Gern hätte ich den beiden noch länger nachgeschaut, aber unsere Ampel schaltet wieder auf grün...
Abends telefoniere ich mit Nora. Olav war inzwischen da, und darüber hat sie sich sehr gefreut. Morgen werde ich sie dann besuchen...
Freitag, 10.06.2005
Kurz nach 5 Uhr stehe ich auf, um Nora zur Charité zu bringen. Sie soll um 7 Uhr da sein. Auf dem Rückweg gucke ich in meiner Wohnung nach Post und nehme nur einen Beutel mit Klamotten mit, die mir hier fehlen.
Gegen Mittag rufe ich meine Chefin an und erzähle ihr, was sie schriftlich noch vom Betriebsarzt bekommt. Ich frage sie ganz direkt, ob sie einen neuen Arbeitsvertrag davon anhängig macht, aber ich bekomme keine eindeutige Antwort. Sie wird mich zu einem Termin bitten, wenn sie das Schreiben vom Betriebsarzt erhalten hat. Eigentlich sagt mir das bereits genug, und das Grübeln hört nicht auf.
Wenigstens habe ich später auch noch positive Telefonate, denn mein Ole- Bole ruft an. Wir wollen uns am Montag wieder mal treffen. Er hat bereits mit Nora telefoniert und will sie morgen besuchen. Da überlasse ich ihm morgen das Feld und fahre Sonntag zu Nora. Ich rufe sie ebenfalls gegen Abend an, und sie ist noch etwas down, aber sehr gesprächig...
Donnerstag, 09.06.2005
Am heutigen Nachmittag muss ich zum Betriebsarzt. Diesen Termin hat meine Chefin veranlasst, um zu erfahren, wie die Prognose mit meinem Arm aussieht. Nach der gestrigen ersten Stoßwellentherapie kann ich meinen Arm heute kaum gebrauchen, aber das ist wohl normal. Der Betriebsarzt kommt nach einem längeren Gespräch und vielen Fragen zu dem Schluss, dass eine Arbeitsfähigkeit noch nicht absehbar und eine mögliche Dauerbelastung danach nicht einschätzbar ist. Dies wird er meiner Chefin mitteilen. Auf dem Heimweg bin ich ziemlich geknickt, denn unsere befristeten Arbeitsverträge laufen am 30. Juni ab. In einer Versammlung am vorletzten Sonnabend wurde uns gesagt, dass es weitergeht und wir neue unbefristete Verträge bekommen. Meine Gedanken überschlagen sich und finden keinen Halt mehr...
Mittwoch, 08.06.2005
Zeitiges Aufstehen ist angesagt. Um 6:45 Uhr sitze ich im Auto auf dem Weg zu Nora, um sie nochmals in die Charité zu bringen. Die Parkplatzsuche dauert fast wieder länger, als alles andere... Nachdem wir die Aufnahmeformalitäten hinter uns haben, rauchen wir draußen vor dem Eingang noch ein Zigarettchen und verabschieden uns dann...
Zu hause kann ich nicht viel machen, denn ich habe nachmittags meine erste Stoßwellentherapie und nicht die innere Ruhe, um mich längere Zeit auf Dinge zu konzentrieren. So „marschiere“ ich eine Weile durch den Garten, zupfe hier und dort Unkraut und schneide kleine Zweige von Sträuchern ab, die zu weit in den Weg hinein ragen. Ein bisschen setze ich mich dann noch an den Computer...
Kurz, bevor ich losfahren will, klingelt das Telefon. Meine Schwester ist wieder zu hause und soll Freitag früh um 7 Uhr wieder auf Station sein. Der OP- Plan ist zu voll und die OP um einen Tag verschoben...
Dann fahre ich nach Neuköln zu meinem Termin. Ein sehr netter Arzt erklärt mir die Wirkungsweise der Stoßwellentherapie, die unter anderem auch zum Zertrümmern von Nierensteinen eingesetzt wird. Diese Entzündung im Ellenbogen kapselt sich ab, wenn sie schon sehr lange währt. Dann können die körpereigenen „Fresszellen“ nichts mehr ausrichten. Diese Stoßwellen wirken wie ein Erdbeben auf ein Haus, das dadurch Risse bekommt, einleuchtend und verständlich... Trotz Betäubungsspritze soll die Behandlung doch ziemlich unangenehm sein, aber für mich ist nur wichtig, dass es hilft. Ich bekomme die Spritze in den Ellenbogen und muss dann 10 Minuten im Wartezimmer verharren, bevor ich zur Behandlung aufgerufen werde. Ich will kein Held sein und wähle statt im Sitzen lieber die Möglichkeit der Behandlung im Liegen. Dann bin ich jedoch positiv überrascht. Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Diese sogenannte unangenehme Behandlung erzeugt ungefähr den Schmerz, den der Physiotherapeut mit der Massage des Schmerzpunktes erzeugt hat, nur, dass es pro Sekunde zwei sogenannte Schüsse sind. Die ganze Prozedur dauert ungefähr vier Minuten, oder anders gesagt: ich bekomme 450 bis 500 Schüsse. Die zweite Behandlung wird im allgemeinen nach ca. 4 Wochen gemacht. Auf meine Frage, wie schnell solch eine Therapie anschlägt, bekomme ich vom Arzt die Antwort, dass diese Frage unfair sei. Dabei schmunzelt er und erklärt mir, dass jeder Mensch anders reagiert... In den nächsten zwei Tagen soll ich meinen Arm kühlen und schonen. Also sind keine spontanen Aktionen möglich. Auch meine ehemalige Wohnung muss sich wohl etwas gedulden. Mein kleines Schaf hat jedoch nichts anderes zu tun, als darüber zu grinsen, denn sie weiß, dass ich nichts mehr hasse, als in meinem Tatendrang gebremst zu sein...
Dienstag, 07.06.2005
Es wird ein „fauler“ Tag. Aus meiner Wohnung hole ich nur einige CDs für den Computer, weil ich sie gerade brauche. Auf mehrmals Treppen laufen habe ich heute absolut keine Lust. Auf dem Weg mache ich noch ein paar Besorgungen und fahre dann wieder nach hause.
Mein Computer habe ich in der letzten Zeit fast nur zum Tagebuch schreiben genutzt, aber heute sitze ich auch wieder längere Zeit am Tage dran. Bei www.incredigames.com habe ich ein nettes Spiel entdeckt und heruntergeladen. Nun hat mich natürlich das Spielfieber gepackt, und mein Schaf lächelt nur: „Mum, Entspannung muss auch mal sein...“
Montag, 06.06.2005
Der Vormittag verläuft genauso wie die letzten Tage... Heute hole ich meine Lebensmittelkonserven, Gewürze und Waschmittel. Vieles fliegt in den Abfall, denn einiges ist von der Haltbarkeit her längst abgelaufen *grins* Als ich hier alles einräumen will, entsteht nochmals ein kleiner Müllberg, ebenfalls wegen abgelaufener Verwendbarkeit. Somit wische ich auch die Schränke gleich aus, räume alles neu ein und schaffe eine übersichtliche Ordnung. Dann mache ich einige Besorgungen, und als ich nach hause komme, ist Norbert bereits da. Zufrieden zeige ich ihm mein „Tageswerk“ *schmunzel*
Als ich mich abends an den Computer setze, nimmt Norbert in unserem neuen Wohnkeller vor dem Fernseher Platz. Zwar sind ja noch nicht alle Möbel da, aber trotzdem ist bereits eine gewisse Gemütlichkeit entstanden. Wieder schaue ich zur Wand, wo Janas und Marios Bild hängen, und beide strahlen mich immer noch an, als wollten sie sagen: „schön habt ihr es hier...“
Ich rufe bei Arcor an, um nachzufragen, wie es mit der Umschaltung meiner Telefonnummern aussieht. Ich hänge in der Warteschleife und höre immer die gleiche Musik.... *stöhn* Während dieser Zeit ruft Renate an, aber ich kann mich durch die Musik im anderen Hörer kaum auf unser Gespräch konzentrieren. Sie erkundigt sich hauptsächlich nach meiner Schwester. Ich berichte ihr kurz, und in wenigen Tagen reden wir wieder ausführlicher. Nach einer guten Stunde habe ich endlich einen Kundenbetreuer von Arcor am Telefon. Meine Ummeldung, die ich per Fax geschickt habe, ist eingegangen und in Bearbeitung. Na gut, das ist wenigstens eine Beruhigung.
Sonntag, 05.06.2005
Nach dem Frühstück wollen wir zum Holländer, um dann auf Janas Grab die Sommerbepflanzung zu machen. Wenige Minuten, bevor wir hier losfahren wollen, wird es draußen dunkel, und es fängt wolkenbruchartig an zu regnen. Ja, das war’s dann wohl... Nach 20 Minuten hört der Regen langsam auf, und die Sonne kommt sogar vor. Am Horizont erscheinen jedoch die nächsten dunklen Wolken... Norbert schlägt deshalb vor, dass wir die Bepflanzung in der kommenden Woche machen, wenn das Wetter besser ist und darum noch ein paar Dinge aus meiner Wohnung holen, zumal wir gestern die Fernbedienung eines „wichtigen“ Gerätes vergessen haben. Ganz so viel wie gestern nehmen wir nicht mit. Aber als wir hier wieder ankommen, müssen wir regelrecht in das Haus flüchten, denn der nächste Wolkenbruch ist gerade in vollem Gange. Eine Viertelstunde später können wir dann das Auto ausräumen, sogar die Sonne kommt hervor... So geht das den ganzen Tag. Wir haben Juni, aber Aprilwetter...
Sonnabend, 04.06.2005
Für Norbert ist endlich die Arbeitswoche vorbei, ich dagegen merke im Moment kaum einen Unterschied... Nach dem Einkaufen fahren wir nochmals in meine Wohnung und laden mein Auto so voll, bis wirklich nicht mehr hinein passt. Da ist ein Kombi sehr praktisch, weil er mit umgeklappter Rückbank fast zum Lieferwagen wird. Norbert schafft jedes mal soviel hinunter, damit müsste ich dreimal laufen. Es ist doch ein Unterschied, wenn eine kräftige Person zupackt, als ich mit meiner „Behinderung“...
Hier wird nun ausgepackt, aufgebaut und eingeräumt, das macht immer am meisten Spaß, weil ich mich über jeden kleinen Fortschritt riesig freue. Heute stelle ich ein Regal auf, in dem Bücher, blaue Gläser sowie Janas und meine Nilpferdsammlung Platz finden. Darüber hänge ich die Bilder von Jana und Mario auf. Ich hatte schon mehrmals geschrieben, dass Renate und ich oft den Eindruck haben, als schauen unsere Kinder auf den Fotos nicht jeden Tag gleich. Aber im Moment habe ich den Eindruck, als strahlen beide wie die Honigkuchen und freuen sich mit mir...

Freitag, 03.06.2005
Seit geraumer Zeit hole ich nun jeden Tag einige Dinge aus meiner Wohnung. Auch heute will bzw. muss ich wieder hin, denn die drei Monate Kündigungsfrist wird rasend schnell vergehen. Auch will ich Ende Juli die Wohnung bereits leer haben, da ich mit einigen Auflagen rechne, für die ich die letzten vier Wochen brauchen werde und einige Handwerker ordern muss. Ich habe damals in drei Räumen vom Vormieter Holzdecken übernommen, aber das ist noch lange nicht alles. Ich weiß also nicht, was mich bei der Besichtigung durch die Wohnungsgesellschaft erwartet...
Nora hat mir heute ihre Hilfe angeboten. Es ist mir fast peinlich, denn meine Schwester kann ihren rechten Arm noch nicht so belasten, also nur mit dem linken einige Kleinigkeiten herunter tragen. Irgendwie passen wir ja in der Beziehung zusammen... *schmunzel* Trotzdem ist sie mir eine große Hilfe, auch macht es zu zweit sogar etwas Spaß.... Sie hat selbstgebackenen Kuchen und Kaffe mitgebracht. So können wir eine gemütliche Kaffeepause mit leckerem Apfelkuchen einlegen. Unser „Arbeitseinsatz“ wird dadurch fast zu einem gemütlichen Beisammensein, denn wir machen keine Hektik, sondern viele Pausen. Ich gebe Nora auch einige Kleinigkeiten mit, die hier sonst doppelt und dreifach vorhanden wären. Am lustigsten ist es, als ich meinen Schuhschrank ausräume. Da kommen Schuhe zum Vorschein, von denen ich gar nichts mehr wusste, und ich sehe, wie sich mein kleines Schaf amüsiert. Aber auch Nora und ich, wir haben reichlich zu lachen. Im Endeffekt habe ich eine große Tüte voller Schuhe für den Müll...
Als wir die für heute geplanten Dinge im Auto haben, fahre ich Nora nach hause, aber auch sie hat nun reichlich Gepäck hochzubringen. Ich helfe ihr noch dabei, aber dort ist es viel einfacher, denn zu ihr in den 6. Stock fährt ein Fahrstuhl *freu*
Eine halbe Stunde, nachdem ich zu hause bin, kommt Norbert von der Arbeit, wir schwatzen eine Weile, dann bringe ich meine Sachen an ihren neuen Platz...
Donnerstag, 02.06.2005
Nach der Pleite mit dem Netzteil fahre ich heute nochmals in den Media- Markt und kaufe mir eine Steckdosenleiste mit Geräteschutz- Überspannungsfilter, um weiteren Überraschungen vorzubeugen.
Um 12 Uhr habe ich meinen letzten Akupunkturtermin. Danach fahre ich kurz in die Wohnung, um nur ein paar Ordner mit Papieren mitzunehmen. Ich habe heute keine Lust mehrmals die 5 Treppen zu laufen, denn ich will noch zu meiner Schwester. Im Briefkasten ist ein Brief von einer Anwaltskanzlei, aber darüber später mehr... Nora hatte heute Vormittag Termin in der Charité. Als ich unangemeldet vor ihrer Tür stehe, freut sie sich riesig. Ich erfahre von ihr, dass der Befund in Ordnung war, man ihr aber aufgrund der Größe des Tumors noch die anderen beiden Lymphknoten entfernen will, um wirklich sicher zu sein. So werde ich sie am nächsten Mittwoch nochmals zur Charité bringen... Danach wird sie ebenfalls zur Vorsorge viermal Chemotherapie mittlerer Stärke bekommen. Diese „Neuigkeiten“ erschrecken mich anfangs etwas, aber meine Schwester ist gewillt, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dem Krebs keine Chance mehr zu geben. Ich bin richtig stolz auf Nora, denn allein ihre positive Einstellung und ihr Wille werden einen großen Anteil daran haben, dass sie gesund wird. Da meldet sich auch wieder mein kleines Schaf zu Wort: „Mum, Nora schafft das, und mit Dir zusammen sowieso...!“
Zur Zeit habe ich hier einiges auf dem Schreibtisch, was auf Erledigung wartet, aber wofür die Zeit kaum reicht, denn momentan weiß ich oft nicht, was ich zuerst machen soll. Obwohl ich zu hause bin, reicht die Zeit kaum, denn ich will jeden Tag Kleinigkeiten aus der Wohnung holen und hier natürlich gleich an seinem endgültigen Ort unterbringen. „Nebenbei“ sind jedoch noch Haushalt, Wäsche und Garten, die alle im Moment etwas hinten anstehen. Heute nehme ich zwischendurch einfach mal eine Auszeit und schlendere durch den Garten, wo ich einige Stellen vom Unkraut befreie. Es ist richtig entspannend, dabei kann man richtig abschalten....
Wie ich schon erwähnt habe, fand ich im Briefkasten meiner Wohnung heute einen Brief einer Anwaltskanzlei. Hier ist er:

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich bin seit anderthalb Jahren bei Arcor, habe von T- Online nie Mahnungen bekommen und war bis vor zwei Tagen seit 15 Jahren unter meiner alten Adresse gemeldet. Da muss ein Anwalt meine Adresse recherchieren? Auch die angebliche Rechnung liegt weder im Original, noch in Kopie diesem Schreiben bei, ganz zu schweigen von einer Aufschlüsselung der selben. Den Rest des Tages rege ich mich über dieses Schreiben auf. Abend fange ich an, ein entsprechendes Antwortschreiben aufzusetzen, doch zuvor gebe ich unter www.google.de den Suchbegriff „Seiler & Kollegen Heidelberg“ ein. Es ist erstaunlich, was ich da zu lesen bekomme. Da gibt es Foren, wo man sich fast ausschließlich mit der „Arbeitsweise“ dieser Anwaltskanzlei beschäftigt. Auch habe ich einen Link gefunden, wo bereits das ZDF über die Machenschafteen diese Anwälte berichtete:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,2057434,00.html
Ich setze einen entsprechenden Brief auf, in dem ich zum „Frontalangriff“ übergehe und hoffe, dass er „wirkt“.... Jedenfalls gehöre ich nicht zu den Leuten, die sich so schnell einschüchtern lassen...
Mittwoch, 01.06.2005
Nach dem Aufstehen weiß ich gar nicht so richtig, was ich machen soll. Marcus, der Sohn meiner Charlottenburger Nachbarin, will sich vormittags melden. Er hat schon oft als helfender Engel Computerprobleme behoben. Mein Computer hat nach dem Anschluss der Isdn- Anlage nicht mehr gestartet und gab die seltsamsten Meldungen von sich. Im Endeffekt blieb der Bildschirm schwarz, nichts ging mehr. Hätte ich nicht den Laptop und die wichtigsten Dateien auf USB- Sticks , wäre die totale Panik ausgebrochen....
Andi bietet mir seine Hilfe an, da er heute frei hat und ich jeden Tag einige Dinge aus meiner Wohnung holen möchte. Ich freue mich und nehme sein Angebot gern an, denn Andi kann besser tragen, als ich mit meinem Tennisarm. Als wir gerade in meiner Wohnung sind, meldet sich Marcus auf meinem Handy. Wir beeilen uns, denn er ist auf dem Weg zu uns.
Marcus testet alles mögliche durch, aber nichts geht. Er tippt darum auf ein defektes Netzteil. Wir fahren zum Media- Markt, der 10 Minuten entfernt ist und holen ein neues. Kaum hat es Marcus angeschlossen, fährt mein Computer wieder hoch und startet. Ich stehe nur da und staune, mein kleines Schaf dagegen grinst wieder einmal....
Dienstag, 31.05.2005
Der Tag hat es in sich, denn ich habe mir viel vorgenommen. Zuerst rufe ich früh bei der Krankenkasse an, aber nichts zu machen, die Stoßwellentherapie muss ich selber bezahlen. Ich soll mich nach alternativen Behandlungsmethoden erkundigen oder einen weiteren Arzt konsultieren. Ich kann darin keine Logik erkennen, tut mir leid...
Da ich um 12 Uhr Akupunkturtermin habe, fahre ich eher los, denn ich will heute die Kündigung für meine Wohnung abgeben. Als ich um 11 Uhr bei der Verwaltung ankomme, sehe ich, dass erst später Sprechzeit ist. Als ich bei einer Verwalterin frage, ob ich bei ihr eine Kündigung abgeben kann, bekomme ich zur Antwort: „Ja, während der Sprechzeiten“ Ich sage ihr, dass ich dann leider einen Arzttermin habe, Ich gebe ihr also meine Kündigung und bitte auf dem Doppel um eine Empfangsbestätigung. Mit einem Posteingangsstempel bekomme ich die Zweitausfertigung zurück. Es waren insgesamt keine zwei Minuten, aber diese Dame musste mit ihrem arroganten Verhalten wohl irgendein anderes Problem überspielen...
Nun habe ich bis 12 Uhr noch genug Zeit. Beim Orthopäden ist nur wenige Meter weiter ein Bürgerbüro. Ich will nach den Sprechzeiten schauen und sehe, dass ich genau zur richtigen Zeit da bin. Also gehe ich hinein, um meine Wohnadresse umzumelden. Ich habe mein Formular noch gar nicht fertig ausgefüllt, da wird meine Wartenummer bereits aufgerufen. Der freundliche Sachbearbeiter fragt mich, ob ich auch ein Fahrzeug ummelden muss. Ja klar, aber ich habe keinen Fahrzeugbrief mit. Nein, diesen brauche ich nicht, sondern nur den Fahrzeugschein. Also hole ich die Papiere von der Suzuki und meinem Felix aus der Brieftasche. Ich bin hell begeistert, dass ich mehr erledigen kann, als ich zuvor dachte.
Es ist immer noch eine viertel Stunde vor dem Termin, als ich in der Orthopädiepraxis ankomme. Ich frage den Arzt dann nach den sogenannten alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Es gibt wohl noch eine Art Strahlentherapie, aber davon rät er mir regelrecht ab. Ich entscheide mich nun doch für die Stoßwellentherapie, obwohl es ein mächtiger Schlag in meine bereits bescheidene finanzielle Rücklage bedeutet.
Als ich die Praxis verlasse, fahre ich wieder einmal in meine (bisherige) Wohnung, denn es ist nur um die Ecke. Ich nutze jede Gelegenheit, um Dinge mitzunehmen. In mein Auto passt bei umgeklappter Rückbank eine Menge hinein, aber mein Tennisarm setzt mir Grenzen in Bezug auf Größe und Gewicht. Da ich alles mit dem linken Arm bewältige, muss ich wieder mehrmals laufen, um meinen Kofferraum einigermaßen auszunutzen. Heute laufe ich viermal die 5 Etagen hoch und runter, dann habe ich die Schnauze voll. Die Treppen schaffen einen mehr, als das Tragen! Da grinst doch schon wieder mein kleines Schaf, und ich sehe die blanke Schadenfreude in ihren Augen...
Montag, 30.05.2005
Die letzten zwei Tage war ich nur am Verkabeln. Ein Wunder, dass ich nicht davon geträumt habe *schmunzel* In einer Wohnung ist alles sehr dicht beieinander, aber hier in Norberts Haus ist es oft mit langen Strecken verbunden, die Kabel müssen in andere Etagen und durch Wände, die selbst mit einem Schlagbohrer nicht zu „knacken“ sind. Da geht alles nur mit einem Bohrhammer. Dann gab es noch technische Probleme, aber damit will ich niemanden langweilen....
Heute beginnt mein Tag kurz vor 8 Uhr mit einem richtig erfreulichen Anruf. Er kommt aus der Charité. Meine Schwester hat gerade bei der Visite erfahren, dass sie heute ab 13 Uhr nach hause gehen darf. Natürlich hole ich sie ab! Nach dieser positiven Nachricht geht mir einiges viel leichter von der Hand. Ich schaue laufend auf die Uhr, um ja nicht die Zeit zu verpassen. Kurz nach 12 Uhr fahre ich hier los, denn an der Charité muss ich 20 Minuten für die Parkplatzsuche einplanen. Diese Zeit brauche ich dann auch und bin ganz pünktlich bei Nora, die mit ihren gepackten Sachen der Entlassung entgegen fiebert. Nachdem sie sich von ihrer Lieblingskrankenschwester und ihrer Bettnachbarin verabschiedet hat, gehen wir los. Obwohl sie sich in der Charité sehr gut betreut fühlte, freut sie sich auf ihre eigene Wohnung, was man ja verstehen kann.. Die Stimmung von Nora ist nach wie vor positiv, und darüber bin ich sehr froh. Auf der Heimfahrt reden und lachen wir viel...
Wir Schwestern waren eigentlich immer so unterschiedlich, wie es kaum anders sein kann. Dadurch fehlte es uns manchmal gegenseitig auch an Akzeptanz und Toleranz dem anderen gegenüber. Jedoch hat sich in der letzten Zeit ein solch inniges Verhältnis zwischen uns entwickelt, dass wir beide einfach nur froh darüber sind. Wir sind uns sicher, dass sich von nun an nichts mehr daran ändern wird...
Als wir bei Nora ankommen, bekommen wir fast einen Hitzeschlag, denn die Wärme der letzten Tage steht noch in der Wohnung. Nora reißt zuerst alle Fenster auf, aber ihren Blumen geht es gut, denn die liebevolle Pflege hatte eine Freundin übernommen. Wir trinken noch einen Kaffee, schwatzen eine Weile und halten auch unsere Lachmuskeln in Schwung. Ich muss meine Schwester gar nicht aufmuntern, denn sie ist einfach nur gut drauf. Sie hatte zuletzt eine Bettnachbarin aus dem Berliner Umland, die seit einigen Jahren immer wieder zur OP muss, weil man jedes Mal nur „sparsam“ operierte, was aber einen wesentlich längeren Leidensweg und ewige Angst für sie bedeutet. Nora ist froh, dass sie diesen Weg nicht gehen muss...
Als ich meiner Schwester unter anderem erzähle, dass ich in den nächsten Tagen die Sommerbepflanzung auf Janas Grab machen will, sagt sie, dass sie demnächst mal mit zum Friedhof kommen möchte. Nora war seit der Beerdigung nicht mehr dort. Nie habe ich sie darum gebeten, denn für mich zählen nicht die Besuche am Grab. Jeder Mensch trauert anders. Für den einen sind die Besuche am Grab sehr wichtig, dem anderen die Gedanken und die Erinnerung. Auch bei mir stehen die Gedanken an Jana an erster Stelle, aber gern bekomme ich für die schönen Blumen auf dem Grab ein Lob von meinem kleinen Schaf...
Freitag, 27.05.200
Nach dem Aufstehen rufe ich Olav an, denn wir wollten heute morgen absprechen, wo wir uns treffen. Leider muss Ole- Bole absagen, denn er hat für kurze Zeit einen Job und muss ab 11 Uhr arbeiten, was er gestern erst noch erfuhr. Ich bin sehr traurig, dass ich meine Schwester nun nicht mit seinem Besuch überraschen kann, aber dafür will er sie gleich anrufen....
Ich bin auf dem Weg zur Charité ganz schön aufgeregt, denn ich weiß noch nicht, wie meine Schwester beim ersten Besuch drauf sein wird. Als ich ihr Krankenzimmer betrete, strahlt sie mich an. Ich bin von ihrer guten Verfassung überrascht und habe den Eindruck, dass Nora die Flucht nach vorn antritt, wie man so sagt. Sie fragt mich sogar, ob ich ihre Narbe mal sehen möchte oder ob es mir unangenehm wäre. Nein, ist es mir nicht, und ich sehe mir die Narbe an, die nach dem ersten Verbandwechsel nur noch mit einem transparenten Pflaster abgedeckt ist. Eigentlich habe ich mir diesen Anblick schlimmer vorgestellt....
Ich freue mich, dass Nora so offen mit ihrer Brustamputation umgeht und so positiv eingestellt ist. Auch sagt sie mir, dass sie eine Arm- oder Beinamputation viel schlimmer gefunden hätte, da es wesentlich mehr Einschränkungen an Lebensqualität bedeuten würde. Ich bin stolz auf meine Schwester, dass sie alles so mit Fassung trägt und positiv denkt. Wie es aussieht, braucht sie nicht einmal Bestrahlungen, denn der Lymphknoten unter dem Arm zeigte noch keinen Befund. Das endgültige Ergebnis einer umfangreichen pathologischen Untersuchung wird in etwa einer Woche erwartet...
Sichtlich erleichtert verlasse ich nach einer reichlichen Stunde das Krankenhaus, nachdem ich mit meiner Schwester nicht nur über ihre Krankheit, sondern auch über Gott und die Welt gequatscht habe...
Zu hause habe ich nun auch wieder mehr Muße, um mich der Verkabelung meines Computers und der Isdn- Anlage zu widmen...
Donnerstag, 26.05.2005
Gegen 9:00 Uhr kommt Jens mit seinem Beifahrer. Wir haben ein schönes Frühstück vorbereitet, und danach legen die beiden los. Sie sind bereits ein eingespieltes Team, denn sie haben ja auch meine Standheizung eingebaut.
Ich habe gegen Mittag Akupunkturtermin und verabschiede mich für eine Stunde. Beim Arzt erfahre ich „ganz nebenbei“, dass die Kosten für die geplante Stoßwellentherapie nicht von der Krankenkasse übernommen werden und ich diese selber bezahlen muss. Zwei Behandlungen sind üblich, eine kostet 220,-€ Mir stockt fast der Atem, als ich dies höre... Ich werde in den nächsten Tagen die Krankenkasse anrufen und mal nachfragen...
Als ich wieder nach hause komme, sind Jens und René fast fertig. In meinem zukümftigen Zimmer habe ich nun reichlich Steckdosen, die alle auf einem extra Stromkreis laufen und eine eigene Sicherung haben. Auch einen Wunsch von Norbert haben die beiden noch erfüllt. Eine weitere Leitung wurde nach außen verlegt, damit wir den Weg zum Gartentor beleuchten können. Verteiler und Schalter sind fertig. Wir müssen nun das Erdkabel „verbuddeln“, die Lampen schließt uns später dann Jens wieder an. Dann ist es langsam Zeit, Jens und René müssen zur Spätschicht...
Nach diesen erfreulichen Dingen kommt am späten Nachmittag die Ernüchterung. Gegen 17 Uhr rufe ich meine Schwester in der Charité an, um zu erfahren, wie sie ihre OP überstanden hat. Einen Satz höre ich von ihr: „Rechts ist alles weg.“ Sie hatte damit gerechnet und sah nur das Ziel wieder gesund zu werden, aber während unseres Telefonates versagt ihr mehrmals die Stimme. Sie ist so verdammt tapfer und entschuldigt sich noch für ihre Tränen. Ich versuche ihr klar zu machen, dass sie ihre Tränen zulassen muss, denn ich sehe da Parallelen... Morgen werde ich sie besuchen, sie freut sich schon sehr darauf. Sie möchte keine Blumen, sondern lieber frisches Obst...
Nach diesem Anruf stehe auch ich ziemlich neben der Spur und muss ständig an meine Schwester denken. Es tut mir so unendlich leid. Auch mein Sohn ist durch meinen Anruf völlig geschockt. Für morgen habe ich meiner Schwester einen Besuch versprochen. Olav wird mitkommen, aber das weiß sie noch nicht. Ich bin mir aber sicher, dass es für sie eine große Überraschung sein wird, denn meinen Ole- Bole liebt sie über alles. Wenn er morgen ihr Zimmer betritt, kommen bestimmt Freudentränen...
Mittwoch, 25.05.2005
Ich stehe zwar immer relativ zeitig auf, aber heute klingelt bereits um 6:00 Uhr der Wecker. Eine Stunde später stehe ich mit dem Auto bei meiner Schwester vor der Tür. Lieber würde ich sie zum Flugplatz oder zu einem Bahnhof chauffieren, aber ich muss sie zur Charité bringen. Sie wird morgen operiert... Da es sich um eine bösartige Sache handelt, wird sich alles während der OP entscheiden. Ich drücke meiner Schwester alle Daumen und wünsche ihr nur das Beste. Glücklicherweise ist sie selber zuversichtlich, positiv denkend und hat einen starken Willen, gesund zu werden. Ich wünsche es ihr von Herzen!
Dienstag, 24.05.2005
Gestern wurde noch die Decke gestrichen, was bei einer Raumhöhe von 2,05 m ohne Leiter möglich war *grins* Heute sind die Wände dran, und ich versuche so gut es geht mitzumachen, denn ich soll meinen Arm bewegen. Die Übungen des Physiotherapeuten probiere ich sehr oft, aber sie sind sehr schmerzhaft... Heute probiere ich mit einer kleinen dünnen Malerrolle lieber die schmerzfreie Methode *grins*
Mittags habe ich meinen siebten von zehn Akupunkturterminen und erzähle dem Arzt, dass die bisherige Behandlung leider noch keine Besserung gebracht hat. Manchmal komme ich mir dabei schon blöd vor, aber was soll ich denn machen? Der Orthopäde will nun nach Abschluss der Akupunktur die Behandlung mit Stoßwellentherapie fortsetzen... Ich hoffe nur, dass diese dann mal hilft. Hier zu hause bin ich fast schon zum Linkshänder geworden. Alles, was mit dem rechten Arm weh tut, mache ich mit dem linken Arm. Wie soll ich denn Rollstühle tragen, wo ich mit beiden Armen zupacken muss, aber derzeit mein rechter Arm schon schmerzt, wenn ich einen leichten Beutel oder meine Handtasche trage? Sogar morgens, wenn ich wach werde, verspüre ich als Erstes dieses schmerzhafte Ziehen im Arm und kann ihn kaum gerade machen.
Nachdem ich von der Akupunktur wieder zu hause bin, klingelt eine Weile später das Telefon. Es ist ein Kollege von mir, der in der Nähe ist und wegen stornierter Fahrten einige Weile Zeit hat. Ich freue mich über diesen Anruf, denn genau diesen Kollegen habe ich neulich telefonisch nicht erreicht. So kann ich ihm und seinem Beifahrer bei einem Kaffee erzählen, welches Problem wir haben: In meinem zukünftigen Domizil ist nur eine einzige Steckdose.... Jens als gelernter Elektriker hat natürlich eine Lösung, und diese wird er uns am Donnerstag fachmännisch verwirklichen....
Montag, 23.05.2005
Um 8:30 Uhr soll die Sperrmüllabfuhr kommen. Sie sind überpünktlich. Bereits eine viertel Stunde eher klingelt es am Gartentor. Es sind drei Leute, und sie legen sofort los. Zuerst greifen sie nach den Müll, der draußen steht, dann wird der Keller leer gemacht. Die Wendeltreppe machte es den Männern teilweise sehr schwer, die sperrigen alten Möbel hochzutragen, ohne dabei die Wände zu bekratzen. Sie geben sich echt Mühe. So haben sie sich nach dieser Schufterei einen Kaffe und ein Trinkgeld verdient....
Ich bin beim Anblick des leeren Raumes nun voller Tatendrang. Zuerst hole ich jedoch den Staubsauger...
Sonntag, 22.05.2005
Was ich gestern vergessen hatte zu schreiben: Als ich zu hause ankam, stand auf dem Küchentisch ein kleiner Strauß Rosen. Ich fand es sehr lieb und habe mich riesig gefreut. Norbert ist nicht der Typ, der viele Worte macht, aber seinen Gesten sagen oft mehr, als viele Worte....
Obwohl heute Sonntag ist, liegen wir nicht in der Sonne, sondern sind fleißig. Nach dem späten Frühstück fahren wir in meine Wohnung, denn dort muss ich nach Post gucken. Wir haben einen Merkzettel mit einigen Dingen, die ich mitnehmen will. Auch möchte ich nachgucken, was ich noch für Farben habe, damit wir zum Streichen des Kellerraumes nicht unnütz neue kaufen. Gleichzeitig messe ich von einigen Möbeln noch die Höhe aus....
Im Anschluss daran fahren wir zum Friedhof. Nach meinem Urlaub will ich sehen, wie es mittlerweile aussieht. Gießen brauchen wir nicht, da es letzte Nacht geregnet hat. Am Grab muss ich etwas schmunzeln, und auch mein kleines Schaf sehe ich grinsen. Das Moos, das als Randbepflanzung dient, hat ca. 20 cm lange Stiele getrieben, an deren Enden es blüht. Irgendwie sieht es lustig aus. Die Zeit der blauen Stiefmütterchen scheint langsam abzulaufen. Die Vergissmeinnicht und die Tausendschönchen blühen zwar noch, aber auch sie haben die schönste Zeit wohl hinter sich. Somit nehmen wir uns für die kommende Woche die Sommerbepflanzung vor. Ich hoffe, dass in den nächsten Tagen meine weitere Bestellung von einem Pflanzenversand eintrifft, denn ich möchte eine von den blauen winterharten Geranien aufs Grab pflanzen. Dabei sein wird auch eine blau- weiße Fuchsie. Es ist immer nicht einfach, Blumen in Janas Lieblingsfarbe zu finden, denn ich möchte ihr damit eine Freude bereiten, und ich weiß, dass sie sich darüber freut...
Nachmittags mache ich noch etwas Wäsche, während Norbert für die morgige Sperrmüllabfuhr einige Dinge aus der hintersten Ecke des Gartens zum Eingang vorträgt.
Andi muss heute arbeiten und kommt gegen 21:30 Uhr nach hause. Norbert hat kurz zuvor den Grill angemacht, und nun essen wir noch gemütlich....
Sonnabend, 21.05.2005
Roger Whitaker hat einmal gesungen: „Abschied ist ein scharfes Schwert, dass oft so tief ins Herz dir fährt...“ So geht es Renate und mir heute auch. Lange liegen wir uns in den Armen, dann steige ich ins Auto und trete meine Heimreise an. So lange wie ich Renate noch im Rückspiegel auf der Straße winken sehe, winke auch ich aus dem Fenster. Nach einigen hundert Metern kommt eine Kurve, danach kann ich Renate nicht mehr sehen...
Mein „Felix“ läuft wie ein Bienchen. Trotz zweier Pausen, einmal Tanken, einigen Baustellen und Stau rund um das Olympiastadion (Hertha spielt heute gegen Hannover) schaffe ich die 525 km in genau fünf Stunden und stehe um 15:10 Uhr bei Norbert vor dem Haus. Ich bin froh, dass ich meinen Schatz nach einer Woche wieder in die Arme nehmen kann. Auch Jill begrüßt ihr Herrchen sehr ausgiebig und vor allem stürmisch. Gleichzeitig muss ich an Renate denken, denn beim Abschied hatte sie Tränen in den Augen...
Nachdem ich mit meiner Mum und Renate telefoniert habe, dass ich gut angekommen bin, „inspiziere“ ich den beheizbaren Keller, den Norbert während meiner Abwesenheit aufgeräumt hat. Es ist langsam Land zu sehen. Am Montag kommt die Sperrmüllabfuhr, dann ist dieser Raum frei, wir können malern und weiter planen. Mir lässt es keine Ruhe, und ich schiebe auf dem Papier maßstabsgerecht die Möbel hin und her...
Freitag, 20.05.2005
Nach dem Frühstück nehmen wir einen zweiten Anlauf, um für Renate einen günstigen TFT- Monitor ausfindig zu machen. Dafür fahren wir nach Würzburg. Dort sind drei günstige Elektronikmärkte. Zuerst steuern wir den Top3- Markt an. Das Angebot ist sehr groß und vom Preis her sehr ansprechend. Wir finden einen topp 17 Zoll- Monitor, der gerade etwas über 200,-€ kostet. Im Gegensatz zu „Red Zac“ sind wir voll begeistert. Renate kauft sich sogar noch einen DVD- Player, und letztendlich nehmen wir noch eine neue Maus für den Computer mit. Dieses sofortige Erfolgserlebnis beim Einkauf haben wir nicht erwartet und fahren mit unseren Sachen heim.
Erst essen wir gemütlich, aber dann wird ausgepackt und angeschlossen. Der neue Monitor lässt den Computerarbeitsplatz regelrecht in neuem Glanz erscheinen!
Langsam geht meine Zeit hier dem Ende zu. Morgen früh werde ich zurück nach Berlin fahren, und ich schwanke zwischen Traurigkeit und Freude. Wir machen es uns darum noch für den Rest des Tages gemütlich...
Donnerstag, 19.05.2005
Vormittag ist Internet angesagt. Leider ist bei Renate noch kein Isdn von Arcor verfügbar, aber sie könnte mit ihrem jetzigen Isdn- Anschluss über Arcor preselect auch die Telefon- Flatrate bekommen. Wir quälen uns also durch das Anmeldemenü.
Nachmittags fahren wir nach Tauberbischhofsheim, denn Renate hat noch einen alten 15 Zoll Monitor, der sich kaum noch justieren lässt. Wir wollen ihr einen preiswerten Flachbildschirm holen. Bei „Red Zac“ ging es „ruck zuck“ *schmunzel* So schnell wie wir im Laden drin sind, verlassen wir ihn auch wieder. Jeder Supermarkt verkauft mittlerweile 17 Zoll- Flachbildschirme für 199,-€. Aber dort ist der billigste 15 Zoll- Flachbildschirm für 499,-€ zu haben. Das ist uns einfach zu heftig! In der nächsten Nähe ist kein weiterer Elektronikmarkt, darum wollen wir morgen in eine andere Richtung fahren und machen einen weiteren Stadtbummel. Na ja, ganz ohne Einkaufstüten kommen wir nicht zurück *grins*
Auf dem Heimweg tanke ich mein Auto voll und fahre in die Waschanlage. In Berlin kenne ich nur Wagenwäschen, wo man aussteigt und seine Chipkarte für das Waschprogramm einsteckt. Auch Jill wartet dann immer mit mir vor der Waschanlage. Hier können wir im Auto bleiben, während wir durch die Waschstraße rollen. Aber Jill gefällt es überhaupt nicht. Ihr sind die lauten Waschbürsten unheimlich, sie jammert regelrecht.
Als wir endlich zu hause sind, ist der Wassernapf der erste Anlaufpunkt. Auch der Hunger ist groß, Jill futtert, als hätte sie mehrere Tage nichts bekommen. Nun liegt sie träumend auf ihrem Fell und erholt sich von dem anstrengenden Tag, vor allem von dieser „Geisterbahn“....
Nun sitzen wir mit Renate gemütlich in der Wohnküche und lassen den Tag ausklingen. Im Korridor hängen Fotos von Mario und Jana. Wenn ich in den letzten Tagen an diesen Fotos vorbeikomme und hinschaue, lächeln mich beide immer an, als wollten sie sagen: “schön, dass ihr euch habt, nicht wahr?“
Mittwoch, 18.05.2005
Heute früh kommt Renates Cousine, um mir meine Haarspitzen gerade zu schneiden. Ich bin froh darüber, denn es ist genau ein Jahr her...
Danach fahren wir mit Renate zu einem Outlet Center in der Nähe von Wertheim, welches sie mir zeigen möchte. Dort gibt es Marken- Sachen zu stark herabgesetzten Preisen. Es ist architektonisch wie ein Stadtteil angelegt und hat mehrere kleine Stadttore. Aber dann werden wir an einem Zugang vom Wachschutz angesprochen und darauf aufmerksam gemacht, dass Hunde keinen Zutritt haben. Uns fällt fast die Kinnlade herunter! Nun sehen wir auch eine Tafel am Eingang, wo unter anderem das Verbot für Hunde angegeben ist. Der Mann vom Wachschutz sagt uns, dass wir unseren Hund in einer Hundebox „abgeben“ können oder er uns einen Parkplatz im Schatten geben kann. Dass man seinen Hund nicht in jeden Laden mitnehmen kann, verstehen wir, aber ein gesamtes Gelände... Dort auf dem Parkplatz stehen Autos aus allen Ecken Deutschlands. Da hat man sein Tier stundenlang im Auto, und dann muss es zur „Aufbewahrung“ in eine kleine Box oder weiter im Auto sitzen bleiben. Das ist in meinen Augen Tierquälerei! Uns langt es, wir drehen uns auf dem Absatz um und fahren wieder ab. Es kommt uns vor, als wäre dies kein Einkauf- Center, sondern ein Objekt mit militärischer Absicherung, zumal auch das Fotografieren verboten ist, einfach nur wunderlich...
Wir fahren dann direkt in die Stadt Wertheim, gehen dort essen und machen einen Bummel durch die Geschäfte – MIT Jill. Schuhe sind heute mal nicht in unseren Einkauftüten (schmunzel), dafür ein paar T- Shirts.
Während ich mich relativ schnell von meinem Ärger am Outlet Center erhole, wird Renate für den Rest des Tages ihren Groll nicht mehr los...
Dienstag, 17.05.2005
Gestern Abend wurde es sehr spät, darum fiel mein Tagebucheintrag etwas spärlich aus.
Natürlich bin ich hier gut angekommen und die Freude ist auf beiden Seiten sehr groß....
Nachdem wir richtig ausgeschlafen haben, frühstücken wir ganz gemütlich und machen dann einige Besorgungen. Unterwegs klingelt mein Handy, und Norbert ruft mich an. Er war sehr fleißig und ist mit dem Aufräumen und Aussortieren fertig. Für kommenden Montag ist die Sperrmüllabfuhr bestellt. Spätestens Sonntag fahre ich zurück, und dann fängt es langsam an Spaß zu machen, wenn man dann freie Bahn hat, malern kann und mein zukünftiges „Nest“ langsam Gestalt annimmt...
Als wir zurück sind, bekommen wir Besuch, und es findet ein Vorgespräch für die geplante Reportage statt.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir zu hause, denn der Gesprächsstoff geht Renate und mir wohl nie aus... Während ich nun mein Tagebuch aktualisiere, telefoniert Renate mit meiner Mum, damit es ihr nicht langweilig wird, während ich hier schreibe. Darum genug für heute...
Pfingstmontag, 16.05.2005
Ganz so pünktlich, wie ich es mir vorgenommen habe, komme ich nicht los. Es ist 8:40 Uhr, als ich losfahre. Ich tanke dann und ab geht es. Die Straßen sind nicht sehr belebt, ich brauche für die 430 km zu Renate genau 4 Stunden, obwohl ich dreimal mit Jill kurz angehalten habe. Mehrmals telefoniere ich während der Fahrt noch mal mit meiner Mum. Sie ist sehr traurig, dass ich nun wieder fort bin...
Pfingstsonntag, 15.05.2005
Nochmals schaue ich mich mit meiner Mum im Internet auf Seiten von Gartencentern um. Da sie Fuchsien besonders liebt, zeige ich ihr, welch ausgefallene Farben und Sorten man dort bekommt und bestelle für sie drei verschiedene... Dann finden wir noch eine neue Sorte Geranien, welche blau blühend und winterhart sind. Diese blaue Farbe hat ja auf mich immer eine enorme Wirkung, und mein kleines Schaf lächelt, als ich diese Geranien bestelle... Jedoch auch meine Mum findet sie einzigartig, telefoniert mit meiner Schwester, und dann mache ich zwei verschiedene Bestellungen, eine für meine Mum, die andere geht an die Adresse meiner Schwester. Dort hole ich mir dann meinen „Anteil“ ab, wenn ich wieder in Berlin sein werde...
Am Nachmittag sitzen wir mit meiner Mum und wälzen den Autoatlas. Die Strecke, die ich morgen vor mir habe, bin ich noch nie gefahren. Allein und ohne Beifahrer, der mal in die Karte schauen kann, möchte ich nicht unvorbereitet losfahren . Ich hatte mir in Berlin von einem Routenplaner im Internet diese Strecke ausgedruckt, es sind 15 Seiten! Wer soll denn dies bei 160 km/h oder mehr während der Fahrt lesen? Hinzu kommt, dass ich weitsichtig bin und diesen Computerausdruck sowieso ohne Lesebrille während der Fahrt nie erkennen könnte (mein kleines Schaf krümmt sich gerade vor Lachen – Schadenfreude pur!)
Die Hauptrichtung ist zwar klar, das ist die Autobahn A7, aber den Weg zur Autobahn und ab Würzburg gucke ich mir noch etwas genauer an und mache mir auf einem Zettel ein paar Stichpunkte, welche ich während der Fahrt ohne Lesebrille erkennen kann ( da lacht immer noch jemand)
Noch bevor ich selber dazu komme anzurufen, klingelt gegen Abend hier das Telefon. Renate möchte wissen, wann sie morgen mit mir rechnen kann, denn sie freut sich schon sehr. Ich will so früh wie möglich fahren, um nicht in den großen Pfingstmontag- Rückreiseverkehr zu kommen, also stellen wir den Wecker für 06:30 Uhr, damit ich nach einem gemütlichen Frühstück spätestens gegen 08:00 Uhr hier losfahren kann... Es ist schon komisch: ich freue mich auf Renate, aber bin traurig, dass ich mich von meiner Mum verabschieden muss.
Während ich hier mein Tagebuch schreibe, ist meine Mum inzwischen im Bad. Zuvor sagte sie zu mir: „...und schreibe bitte, dass es ein Gärtner nicht besser hätte machen können!“ Danke Mum, hat mir doch Spaß gemacht!
Sonnabend, 14.05 2005
Es klappt ganz gut mit der Internet- Verbindung, wie man sieht. Nur ist man vom DSL zu hause doch ganz andere Geschwindigkeiten gewöhnt *schmunzel* Da will ich meiner Mum ein paar schöne Pflanzen bei Bakker- Holland zeigen, und die Seiten brauchen ewig, um sich aufzubauen *stöhn*
Ich hole für meine Mutter heute Blumen und mache ihr die Balkonbepflanzung. Zur Zeit kann sie kaum etwas machen und versorgt sich nur mit Mühe und Not selbst. Nicht nur ihre vor wenigen Jahren durch einen Sturz ausgekugelte linke Schulter schränkt sie seitdem ein. Seit einigen Wochen plötzlich auch noch starke Schmerzen in der rechten Schulter, dass sie den rechten Arm kaum noch bewegen kann. Nun geht fast gar nichts mehr. Als ihre Balkonkästen fertig bepflanzt sind, ist meine Mum überglücklich, denn sie hatte schon die Befürchtung, dass sie dieses Jahr auf ihre geliebten Blumen verzichten muss.
Freitag, 13.05.2005
Mein Vormittag verläuft wie ich es mir vorgenommen habe. Als ich Jill abhole, rufe ich noch kurz vor meiner Abfahrt Norbert an, um mich zu verabschieden. Er hat heute an seinem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub reichlich Stress, als müsste er sich den Urlaub erst verdienen.
Von nun an verläuft nichts mehr wie geplant, denn ich bin kaum auf der Autobahn, da höre ich im Autoradio von einem Unfall und einem Stau auf meiner Strecke. Kurze Zeit später stehe ich dann hinten an *grummel* Nach einer guten halben Stunde habe ich es überstanden und kann das Gaspedal wieder „betätigen“. Für meinen Felix ist es ja die erste weite Fahrt aus Berlin raus, und ich kann ihn auch ein wenig „testen“. Es macht einfach nur Spaß, denn beim Überholen geht alles viel schneller und somit sicherer.
Meine Mum wartet bereits ungeduldig. Mehrmals haben wir bereits telefoniert, sie ist also auf dem Laufenden und musste sich keine Sorgen machen. Die Freude über das Wiedersehen ist auf beiden Seiten sehr groß, zumal der Besuch ja schon vor etlichen Wochen geplant war, aber durch das damalige Wetter von uns aufgeschoben wurde.
Inzwischen ist es sehr spät (oder fast früh) geworden. Für meine Zeilen brauchte ich etwas länger als sonst, denn man hatte auch viel zu erzählen... Nun versuche ich noch online zu gehen, mal sehen, ob es klappt...
Donnerstag, 12.05.2005
Nachdem ich gestern Abend noch in meiner Wohnung war, um eine Maschine Wäsche zu waschen und bereits einige Sachen in den Koffer zu packen, ergreift mich heute langsam das Reisefieber. Ich fahre kurz zu meiner Schwester, die ein paar Kleinigkeiten für meine Mutter mitgeben möchte. Unterwegs halte ich an der Tankstelle, wo ich den Reifendruck überprüfe und mein Auto aussauge. Dann lege ich hier noch einiges bereit, was ich auf gar keinen Fall vergessen darf. Momentan ist alles noch etwas umständlich, da ich meine Sachen noch an zwei verschiedenen Orten habe. Aber ich hoffe ja, dass es nicht mehr allzu lange dauert, denn Norbert will meine Reise nutzen, um mein zukünftiges Zimmer frei zu machen. Ursprünglich wollten wir zusammen fahren, aber wenn er solch gute Vorsätze hat, will ich ihn doch nicht davon abhalten *schmunzel*
Ob es morgen etwas mit dem Tagebuch wird, weiß ich noch nicht. Ich will bei meiner Mutter versuchen, über das integrierte Modem im Laptop online zu gehen. Ob es klappt, weiß ich noch nicht. Falls nicht, werde ich spätestens bei Renate aktualisieren, denn dort funktionierte es immer. So, nun will ich noch einiges verpacken... Morgen Vormittag werde ich in meine Wohnung fahren, den Koffer fertig packen und ins Auto laden. Mittag habe ich dann nochmals Akupunktur und Krankengymnastik. Danach werde ich nur noch Jill holen, dann geht es los...
Mittwoch, 11.05.2005
Ich habe wohl vorgestern den Tag vor dem Abend gelobt, als ich mich freute, dass nun alles gut klappt! Im Fernsehen heißt es: „Pleiten, Pech und Pannen! Nachdem ich heute wieder in die Folterkammer muss und anschließend gleich zur Akupunktur, kommt um 14 Uhr der nächste Handwerker. Unser 5- Liter-Boiler unter der Spüle in der Küche lief gestern noch aus und wird durch einen neuen ersetzt. Der Installateur ist von der gleichen Firma, die den Herd angeschlossen hat, macht seine Arbeit gut, und jetzt hoffen wir, dass der „Spuk“ endlich ein Ende hat. Da wäre in der Küche nur noch der Geschirrspüler, der jetzt noch Stress machen könnte. Mein kleines Schaf grinst wieder mal, aber ich hoffe, dass dies nichts zu bedeuten hat...
Dienstag, 10.05.2005
Da ich ab nächsten Montag eigentlich Urlaub gehabt hätte und zu Renate fahren wollte, habe ich bei der letzten Akupunktur mit meinem Arzt gesprochen. Er meinte, dass ich zwar arbeitsunfähig bin, aber nicht bettlägerig und er mir darum eine Reisetauglichkeitsbescheinigung ausstellen kann. So darf ich eine Woche wegfahren. Ich möchte mich nochmals absichern und rufe darum heute bei meiner Krankenkasse an und gebe diese Information weiter. Ich habe eine sehr nette Mitarbeiterin am Telefon. Wir unterhalten uns eine ganze Weile. Sie fragt mich unter anderem, wie es mir geht und erfährt somit auch von mir, dass ich bereits 15 Jahre diese schwere Arbeit auf dem Telebus mache. Als sie mich fragt, wohin ich denn fahren will, sage ich ihr, dass es die Mutter des Jungen ist, mit dem sich meine Tochter zusammen das Leben genommen hat. Sie ist sehr bestürzt und wünscht mir eine erholsame Woche.
Auch mit meiner Chefin telefoniere ich, um sie auf dem Laufenden zu halten. Ich möchte einfach nicht, dass irgend etwas hinten herum ankommt oder mich jemand nicht erreicht...
Somit kann ich wohl nun beruhigt am Wochenende fahren. Die ersten zwei Tage werde ich meine Mum besuchen. Es geht ihr nicht sehr gut. Von dort aus fahre ich dann weiter zu Renate.
Vor wenigen Tagen bekam ich wieder einmal eine journalistische Anfrage. Erst glaubte ich, dass es wieder die Regenbogenpresse ist, deren Anfragen ich immer konsequent abgewiesen habe. Aber es soll eine Reportage/Dokumentation werden, die sich mit dem Umgang der Eltern mit dem unfassbares Ereignis, dem Suizid von Kindern beschäftigt. Zuerst wollte man mich in den kommenden Tagen in Berlin aufsuchen. Ich machte den Vorschlag, dass man zu Renate kommt, wenn ich dort bin, zumal es von Köln aus auch näher ist. Für diesen Vorschlag war man sehr dankbar.
Ich weiß nicht, ob ich dies hier im Tagebuch schon einmal erwähnt habe. Es wurde mir einmal zugetragen, dass es Leute gibt, die glauben, dass ich mit jedem Zeitungsartikel und vor allem mit jedem Wort vor einer Kamera traumhafte Summen „verdiene“. Warum fahre ich dann „nur“ einen gebrauchten Mercedes? Mein kleines Schaf schmunzelt: „Mum, wollen wir da nicht langsam mal auf Ferrari umsteigen?" Diesen Zynismus hat sie wohl von mir geerbt...
Montag, 09.05.2005
Mein Schatz hat heute Geburtstag! So hat er aber auch dreifachen Stress: Arbeit, Geburtstagrunde für die Kollegen und nach Feierabend die Feier zu hause *schmunzel*
Da ich um 11 Uhr Krankengymnastik habe, aber ab 10 Uhr der Herd geliefert werden soll, muss Andi hier in der Zeit die Stellung halten. Glücklicherweise hat er heute frei. In dem Moment, als ich losfahre, hält vor unserer Tür ein LKW. Gleichzeitig klingelt mein Handy. Die Kripo Dortmund ruft an und will von mir noch einige Auskünfte wegen des Gästebucheintrages vom 19.04.
Als ich zurück komme, steht nun der neue Herd mitten in der Küche. Andi ist inzwischen zu seinem Papa gefahren, um ihm beim Bewirten seiner Geburtstaggäste auf Arbeit zu unterstützen. Ich suche derweil in den Gelben Seiten nach einem Elektriker, der uns den Herd anschließt. Eine gute Stunde später klingelt es, und der Herd wird angeschlossen. Das nenne ich Kundendienst vom Feinsten! Dadurch läuft der Tag heute mal richtig gut, alles klappt auf Anhieb, was ja in den letzten Tagen weniger der Fall war.
Kurz nachdem der Elektriker abgefahren ist, werde ich als Chauffeur von Norbert und Andi „angefordert“, denn Norbert ist heute ohne Auto zur U- Bahn gefahren *schmunzel* Ich hole beide dort ab, dann sitzen wir hier noch eine Weile beisammen. Es wird noch ganz lustig, allerdings auch spät. Meinem kleinen Schaf hätte die gemütliche Runde auch gefallen... Sicher war sie in Gedanken heute bei uns, denn sie mochte doch Norbert so sehr...
Sonntag, 08.05.2005
Morgens bekommt Jill eine etwas größere Portion als gestern, aber ich habe da ein Problem *grübel* Ab heute soll sie Antibiotika in Tablettenform bekommen, denn die eine Spritze wirkte nur 48 Stunden. Aber Jill spuckt die Tablette immer wieder aus, obwohl ich sie ihr mehrmals ganz weit ins Maul schiebe und sie eigentlich nur noch schlucken muss. Da fällt mir vom letzten Mal der „Leberwurst- Trick“ ein. Diese habe ich zwar nicht zur Hand, aber ich versuche es mit einer kleinen Ecke rohem Schinken, in die ich die Tablette "einwickele" – mit Erfolg! Mit Jana hätten wir jetzt gesagt: „Geht doch, geht doch!“ wie in ihrem Lieblingsvideo aus der Werbung. Immer noch ist dieser Spruch auch bei Norbert und mir allgegenwärtig. Wenn einer von uns sagt: „Geht doch!“, dann antwortet der andere nochmals mit diesem Spruch. Gleichzeitig schickt mir dann mein kleines Schaf ein Lächeln...
Am späten Vormittag gratuliere ich meiner Mum zum Muttertag. Leider kann ich sie per Telefon nur virtuell umarmen, denn uns trennen 200 km. Norberts Mutter wohnt ja in Berlin, darum besuchen wir sie und gehen beim Jugoslawen gegenüber essen. Danach gucken wir bei ihr das heutige Formel1- Rennen. Seit dieser Rennsaison gelten viele neue Regeln, teilweise etwas unsinnig: So muss das ganze Rennen mit einem Reifensatz gefahren werden, Reifenwechsel nur bei Schaden, aber dabei darf nicht getankt werden. Für unsere Favoriten sieht es dadurch teilweise ziemlich traurig aus, „Schumi“ gibt heute nach dem zweiten Reifenschaden auf. Ich weiß, dass Jana sich bestimmt ärgert, aber auch ich bin heute wieder traurig, denn ich vermisse ihre Überraschungen zum Muttertag. Als sie noch kleiner war, hat sie mir Bilder gemalt. Später dann stand ein wunderschöner Blumenstrauß auf dem Tisch oder etwas Süßes, was ich besonders mochte. Eine Überraschung hatte sie immer, und ich freute mich riesig. Aber ich weiß, dass sie bei mir ist...
Sonnabend, 07.05.2005
Jill darf heute wieder erste leichte Kost bekommen. Ich soll ihr Hühnerfleisch mit Reis geben. Wie es der Zufall will, haben wir noch ungewürztes Putenbrustfilet, welches beim Grillen nicht „zum Einsatz“ kam. Nachdem ich das Fleisch und den Reis gekocht habe und alles abgekühlt ist, gebe ich meinem Sorgenkind eine kleine Portion. Sie futtert es im Nu auf. Na klar, nach zwei Tagen muss sie ja mehr als nur Hunger haben. Abends bekommt sie noch mal eine Portion...
Freitag, 06.05.2005
Da es gestern noch sehr spät wurde, ist es heute für Norbert ein Quältag. Das hat aber weniger mit dem Vatertag zu tun... Nach unserer Pleite mit Quelle hatten wir in unserer Wut unseren Auftrag storniert. So haben wir gestern Abend noch ewig bei Otto und Neckermann nach einem vergleichbaren Angebot gesucht. Fündig wurden wir bei Neckermann, aber es hat eben seine Zeit gedauert. Hatte man die gesuchten Funktionen, dann stimmten aber die Einbaumaße nicht oder sie hatten einen zu hohen Stromverbrauch... Nun soll er am kommenden Montag geliefert werden. Mal sehen, ob Neckermann auch ein paar „Überraschungen“ für uns hat - hoffentlich nicht!
Obwohl ich heute morgen auch lieber ausschlafen würde, raffe ich mich auf, damit ich pünktlich um 9 Uhr zu Beginn der Sprechstunde bei unserer Tierärztin bin. Ich mache mir große Sorgen um Jill, denn ihr Durchfall ist seit gestern blutig gefärbt, ich habe endlose Angst... Die Tierärztin kann mich etwas beruhigen. Sie erklärt mir die Ursache des blutigen Durchfalls und dass es bei Hunden darum nicht so gefährlich ist wie es aussieht. Jill bekommt drei Spritzen. Ab morgen darf sie wieder etwas leichte Kost zu sich nehmen. Die Tierärztin erzählt mir auch, dass Jill kein Einzelfall ist. Seit einer Woche ist ihr Wartezimmer voll...
Donnerstag, 05.05.2005
Bevor Nora, Katrin und Gisela heute zu uns kommen, ist es bei uns hier noch ziemlich hektisch., Jill erbricht Schleim und hat Durchfall, und dies versetzt mich aus Sorge um meine kleine Schnecke regelrecht in Panik. Meiner Tierärztin spreche ich auf die Mailbox, dann telefoniere ich mit Jills Züchter, der auch umfangreiches veterinärmedizinisches Wissen besitzt. Nach einer Weile ruft meine Tierärztin zurück. Sie gibt mir entsprechende Anweisungen. Morgen früh werde ich mit Jill zu ihr in die Praxis fahren...
Kurze Zeit später kommt unser Besuch. Draußen ist es zum Sitzen leider zu kühl, darum grillt Norbert auf der Terrasse, aber wir essen drinnen. Es wird ein richtig schöner Nachmittag...
Mittwoch, 04.05.2005
Vormittags erledige ich einige Einkäufe, denn morgen wollen wir grillen. Dazu haben wir meine Schwester, Katrin und noch eine Nachbarin eingeladen. Also wird Norbert zum Herrentag von Frauen umschwärmt sein...*schmunzel*
Ab Mittag kann ich das Haus nicht verlassen, denn wir warten heute auf einen neuen Herd, der nachmittags von Quelle geliefert wird. Den alten haben wir bereits vor einigen Tagen bei der Stadtreinigung entsorgt. Um mir die Zeit des Wartens nicht zu lang werden zu lassen, mache ich ein paar Handgriffe im Haushalt. Als Norbert von der Arbeit kommt, ist der Herd noch nicht da. Er öffnet seine Post, auch von Quelle ist ein Brief dabei, vermutlich die Rechnung. Aber Norberts Gesichtszüge entgleiten regelrecht, dann rastet er aus...
Ich greife nach dem Brief und lese:
„...vielen Dank für Ihre Bestellung...
Sehr gern hätten wir, wie vereinbart, geliefert, doch ließ sich dieser Termin beim besten Willen nicht einhalten; bitte entschuldigen Sie. Telefonisch konnten wir Sie leider nicht erreichen. – Sie erhalten in wenigen Tagen wieder Bescheid; gedulden Sie sich bitte noch kurze Zeit.“
Auch mich erfasst nun die blanke Wut. Wir haben den Herd bei Quelle im Internet bestellt. Per Email erhielten wir die Bestätigung unserer Bestellung und die Lieferzusage für heute Nachmittag. Selbst wenn man uns telefonisch nicht erreicht hat, dann hätte uns eine Email VOR diesem Brief erreicht!
Meine größte Sorge ist der morgige Tag, denn falls es regnet, können wir nicht grillen, aber haben auch keinen Herd...
Norbert bestand darauf, bei Quelle zu bestellen, denn der Quelle- Karstadt- Konzern kann zur Zeit sicher jeden Kunden gut gebrauchen. Aber ihm fällt heute auch ein, dass er ähnliches bereits bei der Lieferung seiner Waschmaschine vor ungefähr zwei Jahren erlebte. Da wundert es mich nicht, wenn solch einem Unternehmen die Kunden weglaufen und die Pleite naht....
Dienstag, 03.05.2005
Da gestern mein Antrag auf hitzefrei abgelehnt wurde, versuche ich es heute gar nicht erst... Mein kleines Schaf grinst ganz verschmitzt...
Der Tag verläuft jedoch auch nur mit Hausarbeit, aber im Gegensatz zu gestern gibt es einen kleinen Unterschied. Mittags muss ich zur Akupunktur, am späten Nachmittag in die „Folterkammer“ zur Krankengymnastik. Vor dem Akupunkturtermin fahre ich kurz in meine Wohnung, um nach Post zu sehen. In eine Reisetasche packe ich wieder ein paar Kleinigkeiten, die ich tragen kann. Da ich unseren Hauswart ausfindig machen kann, „missbrauche“ ich ihn zum Heruntertragen meiner großen Kaffeemaschine und einem kleinen TV- Rack. Als Norbert von der Arbeit kommt, muss er gleich diese schweren Sachen aus dem Auto holen, denn der Himmel kündigt ein Unwetter an. Wenig später stürmt es, schüttet wie aus Kannen, dann kommen noch Hagelkörner – Weltuntergang pur...
Montag, 02.05.2005
Ich beantrage beim Tagebuch hitzefrei, aber mein Antrag wird abgelehnt *grins*......
Heute sind fast 30 Grad, es ist kaum auszuhalten. Ich nutze allerdings die Gunst der Stunde und lasse den ganzen Tag die Waschmaschine laufen, denn in der Waschküche liegen noch Berge von Wäsche. Es ist nicht von Norbert... Bei manchen Stücken frage ich mich, ob Andi überhaupt noch weiß, dass er dieses oder jenes Stück besitzt. Aber ich bin erstaunt, denn von einem fast zerfetzten Pullover will er sich nicht trennen. Ich bin der Meinung, dass es sich kaum lohnt, diesen noch auf dem Wäscheständer trocknen zu lassen, aber Andi besteht darauf *schmunzel*
Zwischendurch gucke ich nach neuem Unkraut und harke die abgefallenen Blütenblätter der Magnolien zusammen. Ich gieße unsere Pflanzen in den Terrakotta- Töpfen (Engelstrompeten, Oleander und diverse Gewürze) und unsere neu gesetzten Sträucher und Pflanzen... Öfter muss ich eine Pause einlegen, denn die Hitze ist einfach unerträglich, aber die Wäsche trocknet draußen rasend schnell *freu* Ich habe nichts gegen Sonne und Wärme, im Gegenteil, aber innerhalb weniger Tage ein Temperaturanstieg von fast 20 Grad macht einem echt zu schaffen! Wenn ich ins Haus zurückgehe, um eine Pause einzulegen, ist es drinnen angenehm kühl...
Am späten Vormittag fahre ich mit Andi einkaufen, denn er hat heute dienstfrei und hilft mir. Als wir in mein Auto einsteigen, kocht es fast im Innenraum, denn es steht in der prallen Sonne. Erstmals kann ich mich nun über die Klimaanlage freuen. Kaum 100 Meter gefahren, da wird es angenehm und erträglich im Auto. Als wir am Supermarkt aussteigen, kommt uns die Wärme draußen wieder wie ein Hammerschlag entgegen...
Danach mache ich in Etappen weiter mit der angefangenen Hausarbeit und mache noch mehrmals die Waschmaschine an. Aber immer lege ich reichlich Pausen ein, denn die Wärme lässt keine Akkordarbeit zu *grins*
Wenn ich nun noch einmal meine Zeilen durchlese, ist es doch ein ganz normaler, fast schon langweiliger Tag, Hausarbeit und weiter nichts, wen interessiert das denn? Da hätte mir mein Tagebuch doch wirklich hitzefrei geben können...
Sonntag, 01.05.2005
Bevor ich von heute schreibe, muss ich noch etwas Lustiges von gestern Abend bzw. gestern Nacht wiedergeben. Es war schon spät, Norbert ging schlafen, ich wollte nur wenige Minuten später nachkommen und nur ein Spiel zu ende spielen. Aber dieses „Kurzweilspiel“ hörte nicht auf, immer wieder ging noch etwas... Die Leckerli, die Jill jeden Abend von Norbert vor dem Schlafen gehen bekommt, lagen auf seinem Nachttisch. Als ich dann mehr als eine Stunde später ins Schlafzimmer kam, machte Jill vor Norberts Bett Sitz und wartete auf ihre Leckerli... Von Norbert kam jedoch keine Reaktion mehr, denn er schlief bereits tief und fest, aber Jill saß da wie bestellt und nicht abgeholt: ein Bild für die Götter, wie man so sagt.... Ich glaube, nicht nur ich habe geschmunzelt, sondern auch mein kleines Schaf. Ich nahm also die Leckerli mit auf meinen Nachttisch, Jill folgte mir ohne Kommando *grins* und bekam nun einmal die Leckerli aus meiner Hand....
Der heutige Tag beginnt wieder mit einer spontanen Aktion. Nach dem Frühstück kommt mir nämlich eine Idee, wie man auf einem Weg mehrere Dinge erledigen kann. Unsere „mediterrane“ Ecke sieht noch etwas kahl aus, darum mache ich den Vorschlag, zum „Holländer“ zu fahren. Dieser ist auf halber Strecke zwischen Norberts Haus und meiner Wohnung und fast nebenan vom Friedhof. Wir fahren also los, holen noch ein paar Pflanzen und gießen auf dem Friedhof, denn Regen ist nicht in Aussicht. Da ich in den letzten 14 Tagen alle zwei bis drei Tage auf dem Friedhof war und gegossen habe, stehen alle Blumen in voller Pracht.
Nun fahren wir noch in meine Wohnung. Auf meinem Balkon steht in einem Kübel eine Weinrebe, die wir mitnehmen, um sie in Norberts Garten umzusetzen. Des weiteren packe ich noch eine Tasche mit einigen Kleinigkeiten zusammen, nehme einen Blumentopf unter den Arm, und es geht zurück nach Spandau. Andi hat inzwischen den Grill angemacht, denn er hat heute ab 17Uhr Spätdienst. Darum ist das Grillen heute auf die Mittagszeit verlegt. Nachdem wir alle richtig satt sind, spiele ich Gärtner und setze unsere neuen Pflanzen.
In den letzten Tagen sehe ich oft mein kleines Schaf lächeln. Sie freut sich, dass ich mich hier so wohl fühle. Auch ihr gefiel es immer bei Norbert. Ich glaube, sie ist bereits hierher umgezogen....
Sonnabend, 30.04.2005
Happy Birthday, meine süße Jill! Sie wird heute 3 Jahre. Natürlich gibt es ein paar mehr Leckerlis als gewöhnlich *grins*
Jill und Janas Rottweiler Jeannie haben am gleichen Tag Geburtstag, Jeannie wird heute 5 Jahre. Von ihrem jetzigen Besitzer höre ich seit langem nichts mehr. Ich bin darüber nicht nur maßlos enttäuscht, sondern auch endlos traurig. Ich wollte immer, dass es Jeannie gut geht, was ich zwar glaube, aber auf die versprochenen Fotos von ihren ersten Welpen warte ich heute noch, ganz abgesehen von der vereinbarten Restzahlung. Ich hoffe nur, dass mein kleines Schaf eine glückliche Jeannie sieht... Manchmal habe ich das Gefühl, als wolle mich Jill mit ihrer lieben Art trösten...
Ansonsten läuft bei uns heute wieder einmal alles anders als geplant bzw. beginnt der Tag mit einen spontanen Aktion. Norberts Tochter besucht uns, da ihr Freund das ganze Wochenende Dienst hat. So trinken wir anfangs gemütlich einen Tee und unterhalten uns dabei auch über meinen langsamen Umzug zu Norbert. Vieles an Hausrat (Töpfe, Schüsseln etc.) wird dann hier doppelt existieren und vor allem kaum unterzubringen sein. Momo und ihr Freund können noch viele Dinge in ihrem neu gegründeten Haushalt gebrauchen. Wir packen hier einiges zusammen, dann fahre ich mit Momo in meine Wohnung. Dort holen wir ebenfalls Hausrat ab. Einen Teil unserer „Ladung“ bringen in ihre Wohnung, der Rest kommt hierher....
Mittlerweile ist fast alles an seinem neuen Platz, aber während ich nun hier schreibe, gucken Norbert und Momo eine Etage tiefer Bundesliga. Hertha spielt heute in Rostock, und Norbert höre ich bis hier oben ständig schimpfen. Ich hoffe nur, dass sich das Blatt noch wendet, damit ich nicht den Rest des Tages ein langes Gesicht vor mir habe *schmunzel*
Freitag, 29.04.2005
Sorry, habe mir vom Tagebuch einen Tag „Urlaub“ geben lassen *schmunzel*
Donnerstag, 28.04.2005
Bevor ich mich heute wieder in die „Folterkammer“ begeben muss, wozu man auch Krankengymnastik sagt *grins*, fahre ich kurz in meine Wohnung, um einige Kleinigkeiten mitzunehmen. Ich möchte auch meine Mikrowelle mitnehmen, denn Norbert will seine entsorgen, zumal es ein überdimensionales Gerät und sehr alt ist. Allerdings ist mir meine Mikrowelle wegen meinem rechten Arm zu schwer, darum hilft mir unser „Putzteufel“, der Hauswart.
Gestern rief er mich an, es war ein Hilferuf... Er war mit meiner Suzuki unterwegs, aber kam nicht mehr zurück. Er erzählte mir, dass die Suzi zwar anspringt, aber ausgeht, sobald den ersten Gang einlegt. Nachdem er diesen Satz noch einmal wiederholte, machte es in meinem Gehirn nur „klick“. Ich fragte, ob er den Seitenständer vergessen hat einzuklappen, denn die meisten Motorräder haben eine Sicherheitssperre und gehen aus, wenn man den Gang einlegt und der Seitenständer noch nicht eingeklappt ist. Genau dies war die Ursache! Peter war es fast unangenehm, aber ich musste nur noch lachen... Unter uns: auch ich habe diese Erfahrung bereits hinter mir.... Da lächelt auch wieder mein kleines Schaf, denn wenn es um Schadenfreude geht, ist sie sofort dabei...
Mittwoch, 27.04.2005
Ganz so zeitig wie gestern stehe ich heute nicht auf *schmunzel*
Trotzdem muss ich nochmals in meine Wohnung, denn um 10:30 Uhr kommt der Maurer, um Feinarbeiten an der Badezimmerdecke zu machen. Das Loch vom Durchstemmen war einfach zu groß, um es mit einem Mal sauber zu schließen. Danach mache ich mein Bad nun sauber und räume den ganzen Kleinkram zurück, der nicht einstauben sollte.
Meine Schwester hat heute Nachmittag einen MRT- Termin, nur wenige Minuten von Norbert entfernt. Darum hole ich sie ab und nehme sie mit in Norberts Haus. So haben wir wieder mal ein paar Stunden für uns, welche für uns sehr schön werden, denn wir lachen auch viel... Nora war bisher nur einmal hier, das ist bestimmt drei Jahre her, und damals war es dunkel. Sie hat also noch nie den Garten gesehen, den ich ihr heute voller Stolz zeige, zumal er doch durch unsere vielen Aktivitäten inzwischen sehr gepflegt aussieht *schmunzel*
Nora fällt auf, dass ich mich hier in Norberts Haus sehr wohl fühle. Als Jana noch lebte, wohnte ich bereits von März 2001 bis Januar 2002 hier. Norberts Kinder waren mir damals zu chaotisch. Ich bin ein ordnungsliebender Mensch und kam mir damals wie ein besserer Hausmeister vor, aber wollte nicht die ständig meckernde Freundin des Vaters sein. Darum zog ich zurück in meine Wohnung. Heute weiß ich, dass ich richtig gehandelt habe, denn sonst wäre meine Beziehung zu Norbert daran zerbrochen... Nach Janas Tod wollte ich zuerst alles hinter mir lassen und meine Wohnung so schnell wie möglich aufgeben und wieder zu Norbert ziehen. Dann kam aber der Punkt, als ich an allen Erinnerungen hing und mich nicht von der Umgebung trennen wollte, in der ich mit Jana 12 Jahre lebte. Anfangs waren es die greifbaren Dinge, durch die ich Jana noch spürte, ihr Zimmer, ihre Sachen, die Umgebung vom Lietzensee, was jahrelang unsere vertraute Umgebung war... In wenigen Tagen sind es zweieinhalb Jahre, die mittlerweile vergangen sind und ich ohne Jana leben muss. Es war und wird wohl eine ständige Berg- und Talfahrt der Gefühle bleiben. Die greifbaren Dinge, die mich mit Jana verbinden, gibt es heute noch, aber in den Vordergrund sind die Gedanken getreten, unsere oft erwähnte gemeinsame Antenne... Darum „bespreche“ ich nach wie vor viele Dinge mit Jana und lege großen Wert auf ihre Meinung. Lange Zeit bekam ich keine Antwort von ihr, wenn es um meinen zukünftigen Wohnort ging. Darum beließ ich alles so, wie es bisher war. In der letzten Zeit lächelt sie mir zu, als wollte sie sagen: „Mum, egal wo du hingehst, ich komme mit...“ Darüber bin ich sehr froh. Es ist, als gäbe sie grünes Licht für den endgültigen Umzug zu Norbert. Ich werde nichts überstürzen, aber mit Hilfe von Jana konnte ich mich entscheiden...
Dienstag, 26.04.200
Ich muss heute ab 7 Uhr in meiner Wohnung sein. Darum stehe ich kurz nach Norbert auf und fahre um 6 Uhr nach Charlottenburg. Dort trinke ich erst einmal meinen geliebten aromatisierten Schwarztee, mit dem ich jeden Morgen erst richtig munter werde. Nun räume ich alles Bewegliche aus meinem Bad. Dann klingelt es auch schon. Es ist ein Handwerker.
Im Dachgeschoss über mir sind Atelierwohnungen. Diese haben über die ganze Vorderfront einen ganz schmalen Balkon. Der Traps vom Fußbodenabfluss des Balkons kommt durch die Decke von meinem Bad und führt zum Fallrohr. Da der Balkon oben neu abgedichtet und gefliest wird, soll auch dieser Traps erneuert werden, denn manchmal tropfte er, wenn es stark regnete. Der Handwerker sägt ihn von der Anschlussstelle am Fallrohr ab. Dann geht er eine Etage höher und stemmt die Decke durch... Die Badewanne hat er zuvor mit einer Decke abgedeckt und eine große Plastikwanne zum Auffangen der Brocken aufgestellt. Der Krach ist kaum auszuhalten, und mein Bad sieht trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hinterher furchtbar aus! Nun wird der neue Balkonabfluss verlegt. Der Klempner gibt sich beim Saubermachen alle Mühe, dann geht er. Nach oben kann ich nun in den Himmel gucken, das Loch ist genau über meiner Toilette *schmunzel* Der Maurer kommt erst am Nachmittag... Morgen kommt er nochmals, da das Loch zum einmaligen Verschließen einfach zu groß ist bzw. war... Gegen 16:30 Uhr kann ich dann endlich zurück zu Norbert fahren.
Ich habe jedoch nur knapp zwei Stunden Zeit, denn um 19:15 Uhr (komische Zeit) habe ich meinen ersten Termin bei der Krankengymnastik. Der Physiotherapeut quält mich regelrecht, denn er massiert mit dem Daumen neben dem Ellenbogen die schmerzhafteste Stelle an meinem Arm. Er will damit die Durchblutung anregen, aber ich muss schon sagen: er lebt ganz schön gefährlich *grins*, denn am liebsten würde ich mich dagegen wehren (mild ausgedrückt) Die Bewegungen, die ich machen muss, sind alle sehr schmerzhaft, denn sonst vermeide ich genau diese! Dann bekomme ich noch 10 Minuten Ultraschall auf die Stelle, die er anfangs massiert hat. Ich muss dieses Teil mit ganz kleinen kreisenden Bewegungen selber halten... Am liebsten würde ich es fallen lassen und einfach weglaufen, denn das Ziehen im Arm ist kaum auszuhalten! Als ich gehen darf, habe ich das Gefühl, als wäre ich aus einer Folterkammer entkommen. Der nächste Termin ist übermorgen, gleich nach der Akupunktur... Aber selbst mein kleines Schaf ist heute nur „bedingt“ schadenfroh und hat ein wenig Mitleid mit mir...
Montag, 25.04.2005
Für Norbert fängt eine neue Arbeitswoche an, ich hüte derweil das Haus und surfe vormittags im Internet auf Seiten von Gartencentern... Es gibt doch unendlich viele schöne Pflanzen *schmunzel* Mittags schwinge ich mich auf, um einige Einkäufe zu erledigen. Ich bin jeden Tag aufs Neue froh, dass mein "Felix" Automatik hat, es ist wie Medizin für meinen rechten Arm, denn er hat seine Ruhe. Ansonsten bin ich ja mittlerweile fast zum Linkshänder geworden. Ich staune manchmal schon, welche Kraft und Geschicklichkeit ich in der letzten Zeit im linken Arm entwickelt habe... Man muss halt aus der Not eine Tugend machen, wie man immer so sagt. Ich würde verrückt werden, wenn ich gar nichts mehr tun könnte und tatenlos herumsitzen müsste. Leider kann ich aber keine Rollstühle nur mit der linken Hand tragen... Ob man es mir glaubt oder nicht, geregelte Arbeit wäre mir im Moment sogar lieber, denn diese verstreuten Krankengymnastik- und Akupunktur- Termine empfinde ich stressiger als einen normalen Arbeitstag...
Als ich unterwegs bin, fahre ich auch wieder zum Friedhof, denn es hat immer noch nicht geregnet. Rechts neben Janas Grab ist eine scheinbar abgelaufene Grabstelle ohne Stein, die total verwildert ist. Auf dem Grab links daneben wird auch nur sehr selten oder fast gar nichts gemacht. So kommt von beiden Seiten das Unkraut... Zwischen den Grabstellen ist jeweils nur ein schmaler Pfad, etwas mehr als eine Schuhbreite. Ich nehme mir heute einmal die Zeit und zupfe alle kleinen bis winzigen Unkrautpflänzchen am Grabrand und auf diesem schmalen Pfad... Es ist sehr mühsam, und ich sehe mein kleines Schaf wieder einmal grinsen. Ja, ich sehe noch immer, wie sie gerade denkt. Aber ich bekomme auch ein Lob, als das ganze Unkraut beseitigt ist. Nun gieße ich nochmals reichlich, und ohne Einbildung ist es wie immer die schönste Grabstelle von allen rundherum...
Ich habe eine neue Kerze mitgebracht, aber die wir am Sonnabend angezündet haben, brennt noch...
Sonntag, 24.04.2005
Garten, Garten, Garten.. Das ist heute unsere Hauptbeschäftigung. Ich gebe Norbert die „Anweisungen“, er ackert, und ich mache wieder als „einarmiger Bandit“ ein paar leichte Handgriffe. Norbert muss eine ganze Hecke entfernen, denn diesen Platz habe ich für unsere neuen Büsche ausgewählt, die vor zwei Tagen von dem Gartenversand geliefert wurden. Aber davon nicht genug. Dann muss Norbert nochmals Sträucher zum Nachbarhaus abroden, um dort ein fast mediterranes Ensemble zu schaffen. Diese Ecke hatte mir noch nie gefallen. Norbert ist nach dem Entfernen der alten Pflanzen und deren hartnäckigen Wurzeln ziemlich erschöpft, denn allein das Zuschauen hat mich fast ebenso geschafft. Aber ich bin einfach nur begeistert und falle ihm um den Hals! Wir pflanzen einen so genannten Essigbaum (Hirschkolbensumach, lateinisch: Rhus Typhina), der zwar noch ganz winzig ist, aber zu einer wunderschönen Solitärpflanze mit roten Blütenständen heranwachsen wird. Davor stellen wir unsere Terrakotta- Töpfe mit Oleander, Engelstrompeten und verschiedenen Gewürzen. Norbert empfindet es nun etwas kahl. Das ist klar, denn er hatte jahrelang immer nur dieses bisherige dunkle Gestrüpp vor Augen *schmunzel*
Was heute erstaunlich ist: Formel1 kann uns erst in den letzten zehn Minuten des Rennens aus dem Garten vor den Fernseher locken. Die beiden Fußballspiele der Bundesliga ab 17:30 Uhr nimmt Norbert nur akustisch wahr. Der Fernseher im Wohnzimmer wird laut gestellt, und Norbert buddelt während dessen neben der Terrassentür diese hartnäckigen Wurzeln aus...
Sonnabend, 23.04.2005
Am Wochenende darf mein Wecker nicht klingeln, sonst gibt es Ärger mit Norbert *schmunzel* Er fragt mich am Abend zuvor, wann ich denn aufstehen will. So stupst er mich heute morgen um 8 Uhr an. Ich weiß nicht, wie er seine innere Uhr stellt, aber es klappt immer! Mein Wecker klingelt jedoch nach 9 Minuten nochmals. Ich drehe mich also nur noch mal kurz auf die andere Seite... Bei Norbert habe ich diese Weckwiederholung jedoch vergessen zu programmieren *grins* Dann ist es inzwischen kurz vor 10 Uhr, als ich die Augen wieder öffne und bemerke, dass Norbert gerade im Bad ist...
Bevor wir nach unserem Tee und einem kleinen Frühstück bei Lidl unseren Wochenendeinkauf tätigen, fahren wir zum Friedhof. Ich habe diese Woche jeden zweiten Tag gegossen. Es tut den Pflanzen sehr gut, denn es ist trotz des relativ kühlen Wetters sehr trocken, weil es lange nicht geregnet hat. Der Friedhof ist ja gegenüber dem Olympiastadion, und als wir dort wieder abfahren, stehen wir gegen 12:30 Uhr bereits im totalen Stau. Um 15:30 Uhr ist heute das Fußballspiel von Hertha BSC gegen Schalke 04. Um diese Zeit haben wir noch nicht mit solch einem Verkehrsaufkommen gerechnet. Aber dieses Spiel ist ausverkauft, und man sieht Autokennzeichen aus allen Richtungen. Es ist uns jedoch unverständlich, warum alle Leute mit ihrem Auto möglichst dicht am Olympiastadion parken wollen. Jede Eintrittskarte berechtigt zum kostenlosen Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Durch den großen Andrang und das Verkehrschaos kann das Spiel heute auch erst mit zehn Minuten Verspätung angepfiffen werden. Hertha gewinnt mit 4:1 gegen Schalke, somit sind wir als Fans von der Berliner Mannschaft zufrieden...
Freitag, 22.04.2005
Gestern war ich von einem Kurzweilspiel so gefesselt, dass ich kaum aufhören konnte. Somit habe ich den gestrigen Abend im wahrsten Sinne des Wortes verspielt. Dann war es mir zum Schreiben auch irgendwann zu spät, denn ich versuche trotz Krankschrift eine gewisse Disziplin zu halten, was das Schlafengehen und Aufstehen betrifft. Mein Wecker klingelt jeden Morgen um 6:30 Uhr...
Heute habe ich nun den ersten Termin zur Akupunktur. Sechs Nadeln sticht mir der Orthopäde in den rechten Arm. Damit muss ich eine halbe Stunde ausharren. Hinterher kann ich keine Änderung feststellen. Nach etwa einer weiteren halben Stunde bemerke ich plötzlich, dass mir bei einigen Bewegungen nichts mehr weh tut. Ich „teste“ natürlich gleich alles mögliche und bin einfach nur erstaunt, denn alle Beschwerden sind wie weggeblasen. Meine Freude währt jedoch nicht lange. Genauso plötzlich wie sie Schmerzen weg waren, kommen sie kurze Zeit später wieder und verlassen mich seitdem auch nicht mehr. Wäre ja auch zu schön gewesen... Nun gut, sicher hat es schon seinen Sinn, dass man mir zehn Akupunktur- Behandlungen verschrieben hat, sonst hätte ja eine gereicht...
Mittwoch, 20.04.2005
Nach unserer kleinen "Siegesfeier" gestern Abend klingelt der Wecker heute natürlich viel zu früh, aber trotzdem stehe ich gern auf, denn ich freue mich auf Steffi! Viel mehr hat mir jedoch der Schrecken und die Angst des gestrigen Tages zugesetzt. Ich frage mich, was das für Menschen sind, die sich bei solchen Zeilen nichts denken und damit einen ganzen Polizeiapparat in Bewegung setzen. Gestern konnte ich nach der erlösenden Nachricht, dass in dieser Familie weder der eine noch der andere Selbstmord passiert ist, meine Gefühle kaum noch ordnen. Heute bin ich nur noch wütend... Was ist denn, wenn ein echter Hilferuf kommt und man diesen nun auch als Fake einstuft? Dann kann sich der Hilfesuchende beim gestrigen Absender bedanken... Bei der Polizei sagte man mir, dass der Absender wahrscheinlich strafrechtliche Folgen zu erwarten hat, falls es sich um einen Fake handelt. Darum überlege ich, ob ich zusätzlich noch Strafanzeige erstatte. Ich kenne zwar diese Familie nicht, aber die Polizei und das LKA...
Auch mit Steffi rede ich heute nochmals über dieses Thema. Sie ist ebenso sprachlos, geschockt und hat kein Verständnis für diesen Fake im Gästebuch. Sie hat jedoch noch ganz andere Sorgen... Ich hoffe, dass ich ihr durch Zuhören und Diskutieren helfen kann. Ob ich es geschafft habe, weiß ich nicht. Aber ich bin immer ehrlich zu ihr und sage, was ich denke. Wir reden sehr lange über Probleme, aber dann lassen wir irgendwann mal alles hinter uns und haben auch noch einiges zu lachen.
Als ich Steffi zurück zum S- Bahnhof Charlottenburg bringe, halten wir auf dem Weg kurz am Holländer (Gartencenter). Der Kundenparkplatz ist auf der anderen Straßenseite. Auf dem Weg zurück zu meinem Auto müssen wir noch einige Fahrzeuge abwarten, aber eines der herankommenden Autos bzw. sein Kennzeichen kommt mir verdammt bekannt vor! Ich winke, Norbert fährt auf den Kundenparkplatz vom Gartencenter. Steffi freut sich riesig über diesen Zufall, denn sie hat sich bereits damit abgefunden, Norbert heute nicht zu sehen, obwohl sie ihn sehr gut leiden kann. Wenn ich Steffi sehe, wie sehr sie sich über dieses unverhoffte (wenn auch kurze) Treffen freut, sehe ich in Gedanken Jana, denn auch sie mochte Norbert sehr...
Dienstag, 19.04.2005
Es ist heute bereits später Vormittag, als ich nach Emails schaue. Wie immer, bekomme ich bei Gästebucheinträgen zuerst eine Benachrichtigungsmail und muss den Eintrag dann frei schalten. Was ich jedoch heute lese, verschlägt mir die Sprache und versetzt mich nicht nur in Panik, sondern auch in endlose Angst. Hier eine Kopie des Gästebucheintrages:
Datum: 19.04.2005 / Zeit: 0:56
Alias: -.-'
eMailadresse: gerda@gmx.de
Homepage: http://
Adresse:
Telefon:
Text:
Also,ihr solltet alle in der hölle verrecken... meine tochter hat sich umgebracht und die lezte page die sie 2 stunden vor ihrem tod aufgerufen hat war diese...ihr habt das leben meiner tochter auf dem gewissen und meins in wenigen momenten auch. ich sehe einfach keinen sinn..........................................................
Ich will mit jemandem reden und rufe bei Renate an, aber sie ist ja in der Schule... Steffi erreiche ich auch nicht und mache mir somit noch schlimmere Gedanken. Aber wenige Minuten später ruft Steffi zurück. Ich bin so froh, aber weiß immer noch nicht, was ich nun machen soll, fühle mich wie gelähmt und habe große Angst. Als ich auch einen Bekannten nicht sofort erreiche, der bei der Polizei ist, gucke ich im Internet nach der Homepage von der Kripo Berlin und rufe dort an. Man rät mir, mich an die nächste Polizeidienststelle zu wenden. Ich drucke diesen Gästebucheintrag aus und fahre zum nächsten Polizeirevier. Von dort aus werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Die Daten werden zur Kripo geschickt. In der Zwischenzeit unterhalte mich mit einer sehr netten Beamtin, die meine Anzeige aufgenommen und weitergeleitet hat. Sie fragt anfangs nur zaghaft nach Jana und Mario, aber merkt bald, dass mir das Reden nicht schwer fällt, und so wird unser Gespräch immer lockerer.... Sie hat ebenfalls Kinder, zwei Töchter. So reden wir bestimmt eine gute Stunde. Dann kommt vom LKA eine Rückmeldung. Man hat aufgrund der IP- Adresse des Absenders bereits den Internet- Provider und den Wohnort des Absenders ermittelt. Weitere Schritte werden eingeleitet, um die eindeutige Adresse zu ermitteln. Ich fahre nun nach hause und frage zuvor, ob man mich über das Ermittlungsergebnis unterrichten kann. Ca. 19:45 Uhr kommt ein Anruf. Es ist die nette Polizistin. Sie erzählt mir, dass man die Familie ausfindig gemacht hat und alle wohlauf sind....
Soll ich nun froh, traurig oder wütend sein?
So schlimm dieser ganze Tag verlief – am späten Abend kommt das Lächeln auf mein Gesicht zurück. Während ich in der oberen Etage hier am Computer schreibe, gucken Norbert und Andi unten im Wohnzimmer das dritte Spiel im Play- off- Finale mit den Berliner Eisbären (Eishockey). Wenige Minuten vor Ende gehe ich runter, denn es steht 4:1 für die Eisbären, und „meine beiden Männer“ platzen fast vor Spannung. Nun ist es endlich überstanden, die Berliner sind Meister! Andi, der sonst immer einen auf cool macht, ihm kullern die Freudentränen... Ich habe einen guten Draht zu Andi, aber das macht ihn mir noch viel sympathischer, darum nehme ich ihn mal richtig in die Arme.... Norbert öffnet eine Flasche Sekt, und ich muss wohl kaum erklären, worauf wir anstoßen...
Nun werde ich wieder zur Siegesfeier runter gehen, auch freue ich mich schon auf morgen, denn ich werde mich mit Steffi treffen. Ich kann es kaum erwarten, sie wieder einmal in die Arme zu nehmen...
Montag, 18.04.2005
Da ich um 10:30 Uhr meinen Termin beim Orthopäden habe und dieser in der Nähe meiner Wohnung ist, fahre ich bereits zwei Stunden vorher nach Charlottenburg in meine Wohnung. Dort lasse ich eine Waschmaschine durchlaufen, gieße meine Blumen und packe einige Dinge ein, die ich noch brauche...
Nachdem ich dann eine knappe halbe Stunde im Wartezimmer des Arztes sitze, werde ich aufgerufen. Der Orthopäde ist von meinem „Besuch“ nicht überrascht und stellt mir zwei Möglichkeiten der Behandlung zur Auswahl. Die eine ist, das ich wieder Spritzen in den Ellenbogen bekomme. Diese betäuben und ich wäre schnell wieder arbeitsfähig. Jedoch prophezeit er mir, dass ich nach weiteren vier Wochen wieder in seinem Wartezimmer sitzen würde.... Die zweite Behandlungsmöglichkeit dauert etwas länger, ist aber langfristig erfolgreicher und somit effektiver. Es ist Krankengymnastik und Akupunktur. Da mir ein andauernder Behandlungserfolg wichtig ist, entscheide ich mich für die zweite Methode. Ich bekomme die ersten vier von zehn Akupunkturterminen und eine Verordnung für Krankengymnastik....
Als ich die Praxis verlasse, bin ich irgendwie unzufrieden. Ich hasse Arzt- und Behandlungstermine, weil ich sie durch ihre Unregelmäßigkeit als noch stressiger empfinde, als die normale Arbeit. Da wäre mir meine Arbeit doch lieber...
Meine Laune steigt wieder etwas, als ich bei meiner Rückkehr von Jill begrüßt werde und sie vor lauter Freude wie eine Verrückte durch Norberts Garten flitzt...
Den restlichen Frust baue ich dann mit Unkrautentfernung ab, als „einarmiger Bandit“, um meinen Arm zu schonen...
Sonntag, 17.04.2005
Im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen wäre es langweilig, wenn ich von diesem stinknormalen Sonntag berichten würde.
Norbert verbringt ca. 2 Stunden im Bad. Im Gegensatz zu mir sitzt er gern lange im heißen Wasser, während ich gern nur schnell dusche... Aber wen interessiert das? Dann ist wieder Eishockey, und Norbert fiebert vor dem Fernseher, während ich hier meine „Hausaufgaben“ mache. Mein Glück: die Eisbären gewinnen nochmals gegen Mannheim, also ist die Stimmung hier im Haus nicht in Gefahr *schmunzel*
Sonst gibt es nichts Neues, darum wünsche ich nur noch allen Lesern einen angenehmen Wochenanfang!
Sonnabend, 16.04.2005
Am 16. April 1951 wurde Raimund geboren, heute wäre er 54 Jahre alt geworden... Wie würde er wohl heute aussehen? Am 18.Dezember 1981 verstarb er an den Folgen seines Fenstersturzes – wenige Tage vor Weihnachten und 11 Tage vor unserem ersten Hochzeitstag... Jana war gerade 3 Monate alt... Sie war damals mein großer Halt, sie war für mich ein Teil von Raimund, meiner großen Liebe....
Manchmal kam Olav dadurch etwas zu kurz, was mir aus heutiger Sicht unendlich leid tut. Nun ist unser Verhältnis inniger denn je. Aber warum habe ich manche Dinge erst erkannt, seitdem Jana nicht mehr lebt? Solche Gedanken zerreißen mich innerlich...
Am späten Vormittag setze ich mich ins Auto und fahre zum Flughafen Schönefeld. Um 13 Uhr landet eine Maschine aus Valencia. Olav war eine Woche in Spanien, um einiges für einen mehrmonatigen Job zu regeln, denn in Berlin sind all seine Aktivitäten bei einer Jobsuche erfolglos geblieben. Einmal hat man ihm sogar drei Stunden vor Beginn eines Probetages abgesagt.
Als mein Ole- Bole mit seiner großen Reisetasche durch die Ankunftsschleuse kommt, ist die Freude groß. Am Telefon bat Olav darum, dass ich Jill mitbringe, weil er die kleine Schnecke so gern hat. Sie drängelt sich bei der Begrüßung natürlich vor *grins* So muss ich eine Weile warten, bis ich meinen Sohnemann in die Arme nehmen kann. Auf dem Weg zu Olavs Wohnung im Stadtbezirk Friedrichshain gibt es viel zu erzählen. Nachdem wir bei Olav noch einen Tee getrunken haben, mache ich mich langsam auf den Heimweg, denn Olav ist hundemüde. Er muss noch eine Runde schlafen, bevor er heute Nacht mit Platten auflegen ein kleines Taschengeld verdient...
Als ich nun wieder allein im Auto sitze, gehen mir tausend Dinge durch den Kopf. Ich halte auf dem Weg zu Norbert am Friedhof, gieße die Blumen auf dem Grab und stelle eine neue Kerze in die Laterne. Dabei sind meine Gedanken bei Jana und Raimund....Ich hoffe so sehr, dass sie sich gefunden haben, denn Jana war davon überzeugt, dass sie ihren Vater spätestens „dort“ kennen lernt.
Ich weiß, dass die beiden sich bestimmt über das heutige innige Verhältnis zwischen Olav und mir freuen und auch darüber, dass ich in Norbert eine zweite große Liebe gefunden habe und mit ihm alt werden möchte. Aber zum ganz großen Glück fehlt mein kleines Schaf... Ich vermisse sie wie am ersten Tag!
Freitag, 15.04.2005
Um 4:30 Uhr klingelt nicht nur mein Wecker – mein rechter Arm schmerzt bereits, ohne dass ich ihn bewege. Ich stehe trotzdem auf, schalte die vorbereitete Teemaschine an, mache mich im Bad frisch und ziehe mich an. Während dessen grüble ich, was ich machen soll. Als ich dann meine Jumbotasse nur mit Unterstützung der linken Hand heben kann, merke ich, dass es keinen Sinn hat... Ich rufe Jens an, der zur Zeit unsere kranke Chefin vertritt. Eigentlich wollte er heute nochmals in der Werkstatt arbeiten, aber nun wird er meine Tour übernehmen, damit der Bus nicht ausfällt.
Am Vormittag rufe ich beim Orthopäden an, um zu fragen, wann ich hinkommen kann. Dabei erfahre ich, dass er heute gar nicht da ist, bekomme aber kurzfristig für Montag einen Termin.
Da ich weiß, dass auf meiner Tour die Pause heute in meiner Nähe ist, rufe ich Jens nochmals auf Handy an und mache den Vorschlag, dass er mit meinem Beifahrer José auf einen Kaffee vorbei kommt. Meine Einladung wird gern angenommen. Es wird ein gemütlicher Plausch. Ganz nebenbei bittet mich Jens, mal bei Ebay nach einer Antennenanlage für seinen Wohnwagen zu gucken. Ein Angebot gefällt ihm dann so gut, dass ich es für ihn per Sofortkauf erwerbe...
Als Jens und José sich verabschieden, gehe ich noch mit zum Bus und verbinde es mit der Gassi- Runde von Jill. Dabei treffen wir unseren Hausmeister, manchmal auch Putzteufel genannt *schmunzel* Jill freut sich, denn es ist doch ihr neuer Hunde- Sitter! Er war meine letzte Rettung, nachdem die Zeit in der bisherigen „Huta“ beendet war und hat nicht einen Moment gezögert, als ich ihn um diese Hilfe bat. Peter kümmert sich ja auch um das Motorrad und hatte es im Winter untergestellt. Dafür hatte ich ihm den Zweitschlüssel gegeben, damit er jederzeit fahren kann. Letztes Jahr hatte ich immer Jill mit und konnte nie mit dem Bike zur Arbeit fahren. Darum war ich sogar froh, dass die Suzi von Peter „bewegt“ wurde, aber ich glaube, das schrieb ich damals schon einmal...
Ich möchte hier einmal vor allen Lesern einfach DANKE sagen! Es gibt nicht viele Menschen, die so spontan helfen...
Als Norbert von der Arbeit kommt, packen wir unsere „sieben Sachen“ und fahren zu ihm. Es ist einfach schön, wenn man nicht fünf Treppen laufen muss, damit Jill ihr Geschäft machen kann...
Abends sitzen Norbert und ich beisammen, ich allerdings am Laptop, und Norbert guckt ein ganz wichtiges Eishockeyspiel. Es ist eine der wenigen Sportarten, mit denen ich mich nicht so richtig anfreunden kann. Eishockey- Fans mögen mir dies verzeihen...
Ich will nach einiger Zeit wieder mal sämtliche Passworte von Internetzugängen und –Anwendungen zu ändern, was ganz schön aufwendig ist. Jedoch zucke ich dabei des öfteren zusammen, denn Norbert brüllt anfangs mehrmals Schei..., aber genauso laut später Tooooor. Als die Berliner Eisbären gewinnen, bin sogar ich froh, denn sonst wüsste ich nicht, wie ich meinen Schatz trösten sollte...
Donnerstag, 14.04.2005
Bei unseren Dienstfahrzeugen wird in diesen Tagen die Winter- gegen die Sommerbereifung getauscht. Das macht der Kollege, der mir auch die Standheizung eingebaut hat. Heute hat er mir auch an meinem PKW die Sommerreifen montiert. Ich freue mich, denn diese sehen viel schöner aus, weil sie schöne Alu- Felgen haben. Die Winterräder sind auf Stahlfelgen, die mit Zierkappen bedeckt sind. Diese Radkappen nehme ich mit nach hause, um sie mal richtig sauber zu machen. Mit einem Intensivreiniger bekomme ich sie richtig blitzblank. Nun stehen sie auf dem Balkon zum Trocknen. Wenn sie nächsten Winter auf den Rädern sind, werden sie fast so gut wir die Alufelgen aussehen *freu* Allerdings habe ich nach dieser Putzaktion momentan aufgeweichte Hände wie eine Waschfrau. Ja, und da grinst schon wieder jemand vor lauter Schadenfreude...
Mittwoch, 13.04.2005
Langsam tritt wieder die Gewöhnung ein. Norbert erzählt mir, dass ihm heute im Gegensatz zu den letzten zwei Tagen auch alles etwas leichter gefallen ist.
Mein Beifahrer erzählt mir heute, dass er gern selbst gebackenes Brot isst, aber er macht es ohne Maschine von Hand. Ich dachte immer, dass man dies nur mit diesem Brotbackautomaten machen kann. Den Rest des Tages muss ich an leckeres frisches Brot denken – und hole nach Feierabend eine Brotbackmischung bei Lidl. Hätte nie gedacht, dass es so einfach ist. Man muss wirklich nur mit Wasser anrühren und ziehen lassen. Nach dem Einfüllen in die Backform muss der Teig nochmals einige Zeit stehen, und dann wird gebacken. Ich kann es natürlich nicht abwarten, und unsere Abendbrotstullen sind noch warm... Es ist einfach lecker! Ich sehe wieder mein kleines Schaf lächeln, sie hat früher frisches warmes Bäckerbrot immer angeknabbert...
Dienstag, 12.04.2005
Viel leichter komme ich heute früh auch nicht aus dem Bett, zumal ich im Gegensatz zu gestern noch eine halbe Stunde eher Dienst habe. Somit klingelt der Wecker bereits um 4 Uhr *stöhn*
Aber ich bringe auch diesen Tag über die Runden. Dafür freue ich mich, dass ich durch den zeitigen Beginn dann bereits um 14:30 Uhr Feierabend habe. Die Stadtautobahn ist zu dieser Zeit noch ohne Stau, und so kann ich Jill bereits um 15 Uhr begrüßen, oder umgekehrt? *schmunzel*
Nach einigen Handgriffen im Haushalt genieße ich meinen Feierabend in vollen Zügen und spiele mal wieder am Computer. Beim letzten Besuch im Media- Markt hatte ich mir drei billige CDs mitgenommen, worauf ich einige nette Spielchen für zwischendurch entdeckt habe. Es sind Logik- und Denkspiele, die wir früher auch gern mit Jana gespielt haben. Wenn sie mich im Ergebnis übertraf, kam dann wieder ihre Schadenfreude zum Vorschein. Nun ist es manchmal Norbert, der dann ein Spiel probiert und nach dem ersten Versuch ein Ergebnis hat, was ich nach unzähligen Versuchen noch nicht erreicht habe *grins*
Als mein „Spieltrieb“ für heute befriedigt ist, schaue ich im Internet beim Angebot von Bakker- Holland. Ich habe da gestern endlich eine Pflanze gefunden, von der ich bisher nicht den Namen wusste, die ich aber unbedingt haben möchte, weil sie so hübsch aussieht und sehr lange blüht. Sie nennt sich Wunderblume (Mirabillis jalapa). Es gibt aber noch so viele schöne andere Blumen und Pflanzen. Da kann ich es mir nicht verkneifen, noch einige für Norberts Garten zu bestellen....
Montag, 11.04.2005
Das Aufstehen fällt mehr als nur schwer, denn die Nacht war natürlich viel zu kurz, wenn man den ersten Tag wieder arbeiten muss *schmunzel*
Ich bin einfach nur K.O. und belasse es heute dabei.....
Sonntag, 10.04.2005
So, nun ist die Urlaubswoche endgültig zu ende...
Wir machen Vormittag noch ein paar Handgriffe im Garten, dann wird gepackt. Gegen 12 Uhr ist unser „Gepäck“ im Auto, und Jill nimmt auf ihrem schönen neuen Fell im Heck des Autos Platz. Obwohl es nur 14 Tage waren, kommt es mir vor, als wäre ich wesentlich länger bei Norbert gewesen. Wir müssen jedoch in meine Wohnung, denn ab morgen wird Jill vom neuen „Hunde- Sitter“ zur Gassi- Runde immer aus meiner Wohnung geholt. Ich habe wieder einen helfenden Engel gefunden, ein anderes Mal vielleicht mehr darüber... Mein kleines Schaf freut sich für mich: „Siehst du Mum, es gibt immer Menschen, die dir helfen...“
Sonnabend, 09.04.2005
Wir haben heute noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Bevor wir losfahren klingelt mehrmals das Telefon, unter anderem ruft auch meine Nachbarin Katrin an. Sie will noch in den Media- Markt (wenige Minuten von hier) und wollte sich mal bei uns sehen lassen. Ich freue mich! Als wir ebenfalls noch im Media- Markt sind, laufen wir bereits Katrin in die Arme.... Eine halbe Stunde später sitzen wir hier gemütlich, plaudern und tauschen Neuigkeiten aus. Katrin hatte gestern Scheidungstermin, also gibt es doch so einiges zu erzählen. Ich stehe nebenbei am Herd und brate Gulasch. Dazu gibt es Kartoffeln und Rotkohl. Als das Essen fertig ist, beginnt wenige Minuten später die Bundesliga, also auch das Spiel von Hertha gegen Freiburg. Somit setzen sich Norbert und Andi mit ihren Tellern im Wohnzimmer vor den Fernseher, wo sie auf Premiere die Bundesliga sehen können. Katrin und ich, wir bleiben gleich in der Sitzecke in der Küche und können weiter quasseln, ohne die Fußballfans zu stören *schmunzel*
Freitag, 08.04.2005
Im Gegensatz zu gestern stehen wir heute richtig zeitig auf, nämlich kurz nach 9:00 Uhr, aber eigentlich auch nur, weil das Festnetz- Telefon unaufhörlich klingelt... Andi ist bei seinem zukünftigen Arbeitgeber, um dort seinen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, aber er fragt mich nach dem Namen seiner zukünftigen Krankenkasse, wo ich ihn online angemeldet habe...
Den Rest des Tages zu beschreiben, wäre sicher fast langweilig, zumal Norbert noch einige Experimente mit dem Fernseher in der Küche und dessen Empfangqualitäten macht, da alle Programme mit einer kabellosen Anlage empfangen werden. Im Fernsehen wird fast ausschließlich von der Trauerfeier und Beisetzung des Papstes berichtet. Obwohl ich keiner Religion angehöre, es ist beeindruckend, aber bald kenne ich fast alle Berichte auswendig, da alles ständig wiederholt wird...
Als ich abends den Computer wieder einschalte, bastele ich nach langer Zeit wieder einmal an meiner privaten Homepage, denn da ist vor einigen Tagen eine sehr lustige Begebenheit gewesen, die ich unbedingt auf der Hundeseite einbauen wollte... Aber seht selbst....
Hier der Link: -----> http://www.evero.de
Auch an anderen Seiten habe ich noch etwas „gefeilt“... Darum soll es für heute genug sein, denn es ist bald 23:00 Uhr....
Donnerstag, 07.04.2005
Nachdem wir gestern alle ziemlich sauer über den vermurksten Tag waren, haben wir unsere Laune abends gemeinsam etwas aufgefrischt. Somit wurde es wieder sehr spät...
Als wir dann heute richtig ausgeschlafen haben, bekomme ich fast einen Schreck, als ich auf die Uhr schaue. Na gut, wir haben ja Urlaub...
Mittags fahre ich in meine Wohnung, um nach dem Rechten zu sehen, Wäsche zu waschen und wieder frische Sachen zu holen. Norbert war in der Zwischenzeit unter anderem einkaufen und hat die Küche etwas „umgeräumt“. Dort, wo die Mikrowelle stand, hat er einen Fernseher hingestellt, der zuvor im Keller stand, da er nicht mehr gebraucht wurde. Ich bin richtig überrascht, es gefällt mir. Manchmal kam ich mir bei der Küchenarbeit ziemlich einsam vor. Ich finde nun richtig gemütlich und koche gleich für uns alle ein leckeres Essen...
Mittwoch, 06.04.2005
Gerade guckt Andi um die Ecke und fragt mich, ob er mir “helfen“ soll. Oh danke, nicht nötig *grins* Meine Nerven sind heute genug strapaziert, aber der Reihe nach:
Norberts Mutter hat heute die zweite Nachuntersuchung in der Augenklinik des Virchow- Klinikums. Ich fahre früh mit Norbert und Andi zur Oma. Die beiden Männer wollen dann zum Friedhof, der nur um die Ecke ist, um auch das Grab von Norberts Vater zu bepflanzen. Ich fahre mit Oma derweil zum Arzttermin. Da jeder mit dem Auto auf das Klinikgelände fahren kann, sind die Parkflächen knapp, und ich muss lange suchen. Dann stelle ich mich auf eine Zick- Zack- Linie, jedoch behindere ich niemanden und stehe auch vor keiner Einfahrt. So sind wir kurz vor 11 Uhr in der Augenklinik, also wenige Minuten vor dem Termin. Der Wartebereich ist sehr voll. Nachdem wir bereits 40 Minuten sitzen und warten, gehe ich mal auf eine Zigarette nach draußen – bloß gut! Ich sehe einen Abschleppwagen ankommen, bin neugierig, gehe gucken, wen es da „erwischen“ wird... Der Fahrer steigt aus und fotografiert mit einer Kamera mein Auto! Mir bleibt fast das Herz stehen! Ich gehe zu ihm und erzähle, dass meine Schwiegermutter um 11 Uhr einen Termin hat, nicht weit laufen kann und ich gerade das Auto umparken will *schmunzel* Man hat Verständnis für mich, fährt weiter und hält beim nächsten Falschparker, der dann aufgeladen wird, denn es gibt genug davon. Ich kann mein Glück kaum fassen! Kaum vorstellbar, wie ich geguckt hätte, wenn mein Auto weg gewesen wäre! Wäre ich nur 10 Minuten später raus gegangen, ich mag gar nicht daran denken: Großer Schreck, Herzrasen, Angst, Panik - und später noch eine „nette“ Rechnung vom Abschleppdienst... Ich finde nach einigen Runden auf dem Klinikgelände dann irgendwann einen legalen Parkplatz und berichte Norberts Mutter von meinem aufregenden Erlebnis. Nun ist bald eine gute Stunde vergangen, aber Oma wurde immer noch nicht aufgerufen. Ich könnte jetzt schreiben, wie oft ich noch nach draußen rauchen gehe, aber es würde Seiten füllen, darum lasse ich es lieber.... Nach reichlich 3 Stunden Wartezeit „erlauben“ wir uns, mal nachzufragen, aber werden nur damit vertröstet, dass es hier immer sehr lange dauert. Man hat ja viel Verständnis, dass vielleicht Notfälle Termine verzögern können, aber sollte man dann aufgrund von Erfahrungswerten nicht mal das Bestellsystem überdenken? Es kommt aber noch „besser“. Endlich – nach fünfeinhalb Stunden Wartezeit (!!!!!!!) – wird Oma um 16:25 Uhr aufgerufen. Man macht mit ihr einen Lesetest, danach soll sie für weitere Untersuchungen Tropfen in die Augen bekommen. Sie beschwert sich beim Arzt über die Wartezeit und vermutet, dass es nun ja bestimmt nochmals 2 Stunden dauern wird. Zur Antwort bekommt sie: „Eher noch länger...“ Jetzt reicht es meiner Schwiegermutter endgültig. Sie verzichtet aufgrund der Wartezeit auf eine weitere Behandlung, zumal sie vor wenigen Tagen schon bei ihrem behandelnden Augenarzt war und den heutigen Termin ohnehin für unnötig empfand. Der Arzt ist erstaunt über Omas Entscheidung: „Aber sie sind doch gekommen, um von unserem Professor untersucht zu werden.“ Ich glaube langsam, ich bin im falschen Film gelandet....
Um 16:40 Uhr sitzen wir in meinem Auto und verlassen das Gelände des Virchow- Klinikums. An der Ausfahrt müssen wir dann noch 12,-€ Parkgebühr bezahlen, damit sich die Schranke hebt...
Eigentlich ist diese Geschichte etwas für die Presse....
In Omas Wohnung sitzen Norbert, Andi und Jill und warten seit Stunden geduldig auf uns. Auch sie können es kaum fassen...
Dienstag, 05.04.2005
Heute ist so ein Tag, an dem alles anders läuft.... Wir haben nichts speziell geplant, darum nutzt Norbert jedoch die Zeit vor dem angesagten Regen, um den Rasen das erste Mal zu mähen. Hinterher streut er Kalk, um den Boden von den Nadelgehölzen zu neutralisieren. Es ist windig, der Kalk staubt.... Norbert sieht hinterher im wahrsten Sinne des Wortes aus wie eine Kalkleiste *schmunzel*
Ich nutze die Zeit und mache mich im Haus mit einigen Putzarbeiten nützlich. Dann bellt plötzlich Jill.... Momo kommt und erzählt, dass sie und ihr Freund noch einen Schrank für seine Wohnung kaufen müssen. Letztendlich wird in dem beheizbaren Kellerraum der Kleiderschrank ausgeräumt... In diesem Raum herrscht sowieso seit einiger Zeit bereits das blanke Chaos, da wir dort im Winter angefangen haben, alte und mittlerweile unnütze Dinge zu entsorgen und somit Platz zu schaffen. Nun waren wir in der letzten Zeit meist bei mir, dadurch sind wir in diesem Raum noch nicht viel weiter....
Während ich hier schreibe, gucken mir laufend Norbert und Andi über die Schulter und blödeln am laufen Band herum. Eigentlich sind wir nur am Lachen, aber zum Schreiben reicht meine Konzentration kaum noch.... Ich höre lieber auf. Andi soeben zu mir: „Eva, du willst schon aufhören? Das ist aber deinen Lesern gegenüber sehr unhöflich“ Wo bin ich hier nur hingeraten? Gleichzeitig kommen „Drohungen“: „Wir werden demnächst immer neben dir sitzen....“
Montag, 04.04.2005
Während Norbert gestern zeitig im Bett war, weil es ihm nicht so gut ging, saß ich noch lange hier und habe mich unter anderem auch noch eine ganze Weile mit Andi unterhalten. Spät war es, da kam Norbert blinzelnd aus dem Schlafzimmer, und dann quasselten wir zu dritt weiter....
Heute ist es dann schon später Vormittag, als wir aufstehen....
Wir fahren heute in ein Gartencenter, um eigentlich Blumen für Balkonkästen zu holen. Aber wir bekommen nichts, was unseren Vorstehllungen entspricht, ist wohl noch zu früh. Dafür finde ich aber passende Blumen für die Frühjahrsbepflanzung vom Grab. Wieder nehme ich blaue Vergissmeinnicht und dunkelrote Tausendschönchen. Obwohl ich bisher nie Stiefmütterchen pflanzte, weil sie auf fast jedem Grab stehen, nehme ich heute drei Stück mit, denn sie sind in Janas Lieblingsfarbe, einem tollen einmaligen Blau...
Dann fahren wir zum Friedhof, denn ich möchte die Blumen gleich pflanzen. Die Besenheide ist in den letzten Tagen regelrecht vertrocknet, beim Entfernen fallen die Blüten wie Krümel ab. Dieses Mal lohnt es nicht, sie in Norberts Garten mitzunehmen. Ich pflanze die neuen Blumen etwas asymmetrisch, Norbert und Andi finden es auch gut. Die Osterglocken im Blumentopf stehen noch in voller Blüte, darum stelle ich sie wieder dazu. Da das Wasser inzwischen angestellt ist, kann ich alles schön angießen. Dann zünden wir eine Kerze an und stellen sie in die Laterne. Ein Satz fehlt noch: Ich habe wie immer die Kamera vergessen und werde es nachholen...
Sonnabend, 02.04.2005
Ich fahre mittags in meine Wohnung, um mir andere Sachen zu holen. Norbert hat ja seine Sachen fast gleichmäßig auf seine und meine Wohnung verteilt, aber mir würde sicher immer etwas fehlen. So hätte ich dann nur die braune Handtasche zur schwarzen Hose oder umgekehrt... Bei Frauen ist das eben viel komplizierter *schmunzel*
Während die Waschmaschine läuft, packe ich saubere Sachen zusammen, springe schnell unter die Dusche, wasche Haare und gieße meine Blumen. An Post ist außer Rechnungen nichts Wichtiges gekommen... Bevor ich zurück zu Norbert fahre, melde ich mich noch bei meiner Nachbarin Katrin. Kurz nachdem sie zu mir auf einen Schwatz hochgekommen ist, klingelt das Telefon. Ich denke, dass es Norbert ist, der vielleicht fragt, wann ich komme, da wir heute das erste Mal den Grill anmachen wollen. Aber es ist nicht Norbert, es ist Renate. Zuerst freue ich mich, ihre Stimme zu hören, aber dann fehlen mir fast die Worte. Vor wenigen Stunden ist die Oma, Renates Mutter, ganz friedlich für immer eingeschlafen. Renate macht einen ziemlich gefassten Eindruck. Seit einigen Wochen verschlechterte sich Omas Zustand zusehends, und sie wusste, dass nicht mehr viel Zeit bleibt... Jahrelang hat Renate ihre alzheimerkranke Mutter zu hause gepflegt. Auch Mario betreute früher seine Oma sehr oft und wollte, dass sie nie in ein Heim kommt. Renate hat Wort gehalten und hat mit großen Einschränkungen ihres Privatlebens und mit Hilfe von guten Freunden Oma bis zuletzt zu hause betreut...
Freitag, 01.04.2005
Auf dieses Wochenende freue ich mich besonders, denn daran „hängt“ eine Woche Urlaub. Als ich nach hause komme, gibt es zudem noch eine gute Nachricht, denn Norberts Sohn Andi hat heute einen positiven Bescheid bekommen. Nachdem er einem Tag zur Probe in einer Videothek gearbeitet hat, wird er eingestellt und kann dort auch eine Ausbildung machen. Natürlich ist das ein Grund zum Feiern, also holen wir noch etwas schönes zu essen und stoßen dann auf Andis Zukunft an. Glücklicherweise ist dies alles KEIN Aprilscherz!