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  Tagebuch Oktober - Dezember 2004

 

Freitag, 31.12.2004

Es ist „früh“ am Tage, meine Uhr zeigt 1:15 Uhr. Nun ist der letzte Tag des Jahres angebrochen. Norbert schläft nebenan wieder vor laufendem Fernseher...

Ich kann noch nicht so richtig abschalten, sitze am Computer und schreibe unter anderem noch eine Email an Steffi ... Während dessen kommt ein neuer Gästebucheintrag. Noch vor einem Jahr hätte ich solche Zeilen wahrscheinlich gelöscht...

Fortsetzung folgt heute im Laufe des Tages... 

Es ist 21:00 Uhr geworden, in drei Stunden beginnt ein weiteres neues Jahr. Es ist der dritte Jahreswechsel in meiner neuen Zeitrechnung, die ich ohne Jana verbringen muss. Nach gut zwei Jahren ist es nicht leichter geworden. Vieles macht man jedoch inzwischen mit sich selber ab... Man möchte nicht irgendwann auch noch als Sonderling dastehen.

Manchen Mitmenschen merke ich immer noch ihre Hilflosigkeit mir gegenüber an. Sie können damit nicht umgehen und haben regelrecht Angst, dass ich „darüber“ reden könnte. Also bin letztendlich ich diejenige, die Rücksicht nimmt und mit meiner oft erwähnten Maske anderen gegenüber trete. Es kostet viel Kraft, denn nach dem Tod eines Kindes möchte man es nicht auch noch totschweigen... Darum ist dieses Tagebuch für mich auch ein Platz, an dem ich meine Gedanken und Gefühle unzensiert aussprechen kann. Wer mich nicht versteht, muss es nicht lesen, aber die Resonanz zeigt mir, dass es viele Menschen gibt, die mich verstehen oder zumindest ein gewisses Verständnis für meine Art Trauerbewältigung zeigen. Dafür allen ein großes Dankeschön!

Der Jahreswechsel kommt immer näher... Ich wünsche den Menschen, die in den vergangenen 12 Monaten Leid erfahren haben, dass ihnen das neue Jahr wieder Glück bringt! Allen, denen es im letzten Jahr gut ging, wünsche ich, dass es so bleibt....

Allen treuen und auch den zufälligen Lesern der Homepage wünsche ich Gesundheit und alles Gute für das Jahr 2005! Eure Eva mit Jana im Herzen....   

 

Donnerstag, 30.12.2004

Ruhigen Gewissens kann ich heute sagen, dass ich dieses Jahr das letzte Mal arbeiten gehe, aber das können sicher viele... Ich bin froh, dass ich Silvester nicht fahren muss. Es ist für mich der blanke Horror, wenn es auf der Straße laufend knallt. Auch habe ich immer Angst, dass mir beim Aussteigen aus dem Bus irgendwelche Knaller vor die Füße geworfen werden. Mir reichen schon die Tage zuvor...

Auch Norbert hat morgen frei. Wir werden wohl in meine Wohnung fahren, ich muss nach Post schauen und einige Dinge aufarbeiten. Abends werden wir es uns dort gemütlich machen und ruhig ins neue Jahr rutschen. Ich bin kein Freund von großen und lauten Feiern, auch an das Brandenburger Tor würden mich keine zehn Pferde bekommen. Gut, dass die Ansichten darüber verschieden sind, sonst wäre es dort noch voller oder ganz leer...*grins*

 

Mittwoch, 29.12.2004

Auf dem Weg zum Dienst nehme ich Norberts Sohn Andi mit und setze ihn bei Oma ab. Zu Weihnachten bekam sie ein Kombigerät, mit dem sie DVDs und Videos abspielen kann. Andi will ihr das Gerät heute anschließen und startklar machen.

Auf Arbeit scheint diese Woche die absolute Flaute zu sein. Wir haben ganz wenig Aufträge, und kurz nach 20 Uhr setzen wir bereits den letzten Fahrgast ab. Aber unser Dienst geht bis 22 Uhr und wir müssen bis dahin verfügbar sein...

 

Dienstag, 28.12.2004

Wenn ich von der Spätschicht nach hause komme, muss Norbert bereits auf die Uhr schauen, denn sein Wecker klingelt sehr zeitig. So teilen wir uns die wichtigsten Dinge des Tages im Schnelldurchlauf mit... Nun liegt Jill neben meinen Füßen, und Norbert guckt vom Bett aus noch Fernsehen, aber meist nicht lange, denn es wirkt auf ihn immer wie eine Schlaftablette *grins* Ich sitze noch etwas am Computer, denn kurz nach der Arbeit bin ich viel zu aufgekratzt, um sofort schlafen zu gehen. Auch muss ich doch nach Emails schauen und meine „Hausaufgaben“ machen. Ja, so ist das, wenn der eine früh und der andere spät arbeiten muss...

 

Montag, 27.12.2004

Da Jills „Huta“ Weihnachtsurlaub hat, bleibe ich diese Woche bei Norbert. So ist Jill nicht zu lange allein. Da ich Spätschicht habe, ist es auch angenehm, denn zu hause muss ich um diese Zeit lange nach einem Parkplatz suchen. Bei Norbert steht mein Auto neben dem Gartentor... *freu*

Auf dem Heimweg ist nichts Vernünftiges im Radio. So lege ich eine CD ein. Es ist „Out of Afrika“ von Helmut Lotti. Oft haben wir sie mit Jana im Auto in voller Lautstärke gehört und mitgesungen. So bin ich während der Heimfahrt wieder einmal mit meinen Gedanken ganz weit weg und muss ab und zu lächeln... 

 

Sonntag, 26.12.2004

Das Arbeiten an den Feiertagen hat so seine zwei Seiten. Einerseits sind die Straßen frei, es gibt keinen Stau und somit keinen Zeitstress, das Fahren macht Spaß... Aber dafür ist an solchen Feiertagen bei uns Hochkonjunktur. Viele Leute, die in Pflegeheimen wohnen und das Jahr über von ihren Verwandten Besuch erhalten, werden an solchen Feiertagen zur Familie geholt. Für uns heißt das, dass wir überdurchschnittlich viele Leute Treppen hoch oder herunter tragen müssen. Gestern hatten wir insgesamt 15 Etagen zu tragen, heute waren es nicht viel weniger. Aber da habe ich es fast noch gut gehabt, denn mein heutiger Beifahrer erzählte mir, dass er am Heiligabend insgesamt 26 Etagen Rollstühle getragen hat!            

 

Sonnabend, 25.12.2004

Das ist nun das dritte Weihnachtsfest ohne Jana... Das letzte Weihnachten, das wir zusammen verbrachten, freute sie sich riesig über ein süßes Nilpferd aus blauem Plüsch. Ich hatte das gleiche in rot, und sie fand es immer so niedlich. Als sie es in blau auspackte, traute sie ihren Augen nicht. Ich sehe ihre freudigen Augen, vergessen werde ich sie nie...

Ich muss heute und morgen arbeiten, bin fast froh darüber, denn ich bin dadurch etwas abgelenkt und Weihnachten vergeht schneller, denn solche Feiertage sind besonders schwer zu ertragen...      

 

Heiligabend, 24.12.2004

Mittags fahren Norbert und ich zu seiner Mutter, um sie abzuholen. Nun sind wir hier im Kreise der Familie, aber für mich wird sie nie mehr vollständig sein...

Allen Lesern der Homepage wünsche ich ein gesundes und besinnliches Weihnachtsfest!

 

Donnerstag, 23.12.2004

Um 10 Uhr fahren wir mit einem Taxi zum Bahnhof. Bis Hannover sitzen wir im gleichen Zug, dann trennen sich die Wege von Renate und mir. Der Abschied auf dem Bahnhof von Hannover fällt uns nicht leicht. Nur mühsam können wir die Tränen unterdrücken. Kurz nach 15 Uhr nehme ich mir nach meiner Ankunft am Bahnhof Zoo ein Taxi, denn es ist so ein richtig ungemütliches Nieselwetter! Außerdem ist mein Koffer durch den Laptop richtig schwer... In meiner Wohnung angekommen ist es bedrückend, denn niemand begrüßt mich, die Heizung ist herunter gedreht, 17 Grad sind für mich absolut ungemütlich... Ich packe meine Sachen aus, schließe den Laptop an und gehe als Erstes online. Das Email- Postfach ist voll. Ein Drittel sind Spam und infizierte Mails, die mein Antivirus- Programm immer sofort löscht. Aber auch einige Gästebucheinträge sind freizuschalten.  Aufgrund des Spiegel- TV- Beitrages sind ebenso etliche Emails eingetroffen, wovon ich einige beantworte, aber alle zu beantworten, ist einfach nicht zu schaffen. Ich hoffe, dass man mir das verzeiht... 

Um 18 Uhr setze ich mich ins Auto und fahre zu Norbert. Ich habe nicht nur zu Jill, sondern auch zu ihm richtig Sehnsucht! Mir kommen diese drei Tage mittlerweile wie eine Ewigkeit vor. Jill ist vor Wiedersehensfreude kaum zu bremsen. Ich komme kaum dazu, Norbert zu begrüßen! Ich bin froh, dass ich wieder hier bin....

 

Mittwoch, 22.12.2004 

Um 8:30 Uhr ist unser Frühstück fertig. Wir sind erstaunt, es gibt eine große Auswahl. Eigentlich wollten wir am Vormittag noch einem Stadtbummel machen, um uns abzulenken, aber draußen stürmt und regnet es. Wir bleiben also in der Pension und bestellen uns für 13 Uhr ein Taxi. Es geht zum Amtsgericht Leer. Ich bin als Zeuge vorgeladen. Renate ist mitgekommen, um mir beizustehen. Wir schauen nun zum ersten Mal dem Menschen in die Augen, der vermutlich Jana die Waffe verkauft haben soll. Unsere Gefühle kann man kaum beschreiben. Als ich zu meiner Zeugenaussage aufgerufen werde, zittere ich am ganzen Körper. Ich bin froh, als ich nach meinen ersten Sätzen wieder ruhiger werde. Richter und Staatsanwalt machen auf mich einen kompetenten und engagierten Eindruck. Vom Pflichtverteidiger habe ich jedoch den Eindruck, als komme er ins Schwimmen. Als man trotz seines Widerspruches eine Aussage von einer nicht anwesenden Zeugin verlesen will, ist es ganz aus. Er beantragt sofortige Unterbrechung. Danach stellt er einen Befangenheitsantrag gegen den Richter. Somit wird die Verhandlung vertagt, bis der Antrag geprüft ist. Das heißt also, dass dies nicht unser letzter "Besuch" in Leer war....  

Abends sitzen Renate und ich mit mit den Wirtsleuten im Raucherzimmer, was wie eine kleine Gaststätte ist, denn dort ist eine Theke, und es gibt frisch gezapftes Bier vom Fass. Ich muss zu meiner Überraschung feststellen, dass die "Fischköpfe" gar nicht so unnahbar und reserviert sind, wie ihnen oft nachgesagt wird, im Gegenteil! Wir sind im Laufe des gemütlichen Abends ohne irgendwelche "Formalitäten" beim DU angekommen. Beide sind Motorradfreaks und unternehmen lange Reisen auf dem Bike. Es kommt keine Langeweile auf, Gesprächsstoff gibt es reichlich, und wir müssen sogar langsam auf die Uhr schauen, um morgen rechtzeitig aus den Federn zu kommen. Für Renate und mich ist dieser Abend sehr angenehm, er lenkt uns von der nervlichen Anspannung des vergangenen Tages etwas ab, aber beim Einschlafen drängeln sich die Ereignisse vor Gericht wieder in den Vordergrund...    

 

Dienstag,21.12.2004

Ich stehe zeitig auf, denn drei von meinen vier freien Tagen werde ich nicht zu hause sein. Um 7 Uhr setze ich Jill ins Auto und bringe sie zu Norbert. Es ist das erste Mal, dass ich meine kleine Maus allein lasse.

Ab 9:57 Uhr sitze ich im ICE 942. Vor der Abfahrt treffe ich auf dem Bahnsteig den Redakteur von Akte (Sat1), der damals über die erste Begegnung von Renate und mir berichtete. Wir sind beide erfreut über diese Begegnung und wollen uns später noch einmal sehen. So gehe ich kurz vor Hannover zu ihm in seinen Wagon, und wir reden noch eine Weile miteinander. Er fährt weiter nach Köln, ich muss nun in Hannover umsteigen. Dort treffe ich im Anschlusszug Renate und werde mit ihr die Reise fortsetzen. Nein, ein Urlaub wird es nicht, auch wenn es nach Ostfriesland geht....

In Hannover habe ich eine Viertelstunde Zeit. Auf dem anderen Bahnsteig fährt ein Zug ein, aber es ist noch nicht meiner, denn vorher soll noch ein anderer dort abfahren. Ich gucke nach dem Wagenstandsanzeiger und laufe zum anderen Ende. Plötzlich ruft jemand nach mir. Es ist Renate! Ich bin völlig verwirrt, denn der Zug ist doch noch nicht da! Ja, und dann erklärt mir Renate, dass dieser Zug hier geteilt wird. Der vordere Teil fährt nach Hamburg, der hintere nach Bremen. Darum standen zwei verschiedene Züge und Zeiten auf der Anzeige! Muss ja einem Dummen gesagt werden *schmunzel*

Um 14:15 Uhr kommen wir in Leer (Ostfriesland) an und fahren mit einem Taxi zu einer Pension, wo wir ein Doppelzimmer gebucht haben. Dann machen wir einen Stadtbummel und  wollen gemütlich essen. Aber hier haben alle Gaststätten von 14 bis 17 Uhr geschlossen. Wir haben kalte Nasen und kalte Ohren, aber es ist erst 16 Uhr! Wir finden ein Cafe, was zu einer Backstube gehört und offen hat. Alle Leute dort trinken Tee oder Kaffee und essen Kuchen. Renate und ich, wir essen jeder eine Gulaschsuppe und trinken ein Bier *grins* So wird uns wieder etwas warm. Danach kaufen wir in einem Teeladen mehrere Teesorten, denn von hier kommt der bekannte Bünting- Tee. Nun ist es endlich 17 Uhr durch, und die Gaststätten haben wieder geöffnet. Wir haben beide Appetit auf Fisch und essen Zanderfilet auf Blattspinat, einfach lecker! Dick und satt laufen wir zur Pension zurück. Nun sitzen wir hier mit meinem Laptop, in dem einzigen Raum des Hauses, wo man rauchen darf *knurr*

Noch sind wir guter Dinge, aber morgen haben wir einen schweren Tag vor uns...  

 

Montag,20.12.2004

Da gestern Abend in Spiegel-TV der Beitrag kam, für den man auch mit Renate und mir im August gedreht hatte, ist heute mein Postfach fast wieder überfüllt. Ich habe viele Emails, kann aber nicht auf alle antworten, weil es einfach nicht zu schaffen ist. Auch muss ich etliche Gästebucheinträge frei schalten. Darum auf diesem Weg allen ein Dankeschön für die vielen Zeilen!  

 

Sonntag, 19.12.2004

Was macht man am Sonntag, wenn man eine stressige Woche hinter sich hat? Da auch der Sonnabend  noch keine Erholung brachte, ist man froh, zu hause zu sein. Das Wetter lädt auch nicht gerade dazu ein, vor die Tür zu gehen, also mache ich mit Jill nur die Gassi- Runden.

Norbert hat volles Sport- Programm im Fernsehen und lässt sich nichts entgehen, es fängt mit Fußball an, dann ist Wintersport und später Basketball...

Während dessen setze ich mich gemütlich in die Badewanne, obwohl ich sonst lieber dusche. Ich hoffe, dass das warme Bad meinem Rücken hilft, denn ich habe mich am Freitag bei einem Fahrgast verhoben und seitdem ständige Rückenschmerzen. Da auch das warme Bad nicht viel Besserung bringt, rufe ich nachmittags meine Chefin an und bitte darum, dass sie mir morgen zwei Beifahrer mitschickt, damit ich nicht total ausfalle. Dann habe ich vorerst bis Heiligabend frei, muss aber dafür an beiden Feiertagen arbeiten.    

 

Sonnabend, 18.12.2004

Sonst ist Norbert immer derjenige, der abends vor dem Fernseher einschläft, wenn ich am Computer sitze. Gestern war ich es und schlief auf meinem Drehsessel am Computer ein... *schmunzel*

Heute sind wir mit Norbert den halben Tag unterwegs, um einige Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Überall ist es dermaßen voll, dass es sogar mich nervt, die sonst so gern bummelt. Ich bin froh, als wir am späten Nachmittag wieder zu hause sind...    

 

Donnerstag, 16.12.2004

Morgens schaue ich immer nach Emails und in die Statistik. Heute probiere ich auch, ob die evero- Homepage auf dem neuen Server zu erreichen ist und staune, dass es klappt. Jedoch ist das Gästebuch nicht erreichbar. Dann werde ich total konfus, denn auch auf Janas HP wird das Gästebuch nicht angezeigt, obwohl ich bisher nur mit evero auf dem neuen Server bin. Somit weiß ich schon, was ich heute Abend zu tun habe....

Kaum bin ich von der Arbeit zu hause, da klingelt das Telefon. Norbert ruft an, denn er ist seit Montag bei sich zu hause. Er hat eine Angina, und soll sie am besten auch für sich behalten *grins* Nebenbei probiere ich die beiden Jeans an, die heute im Paket gekommen sind. Die eine hat eine topp Passform, aber auf dem Foto im Online- Shop war nicht u sehen, dass „used“ auch bedeutet, dass einige Nähte wie durchgescheuert und ausgefranst aussehen. Ich kleide mich zwar gern modern und sportlich, aber dafür bin ich wohl doch einige Monate zu alt und würde ungepflegt oder schlampig wirken. Schade! Die zweite Jeans ist leider zu eng, obwohl es die gleiche Weite ist. Es ist also nicht gerade der große Einkaufserfolg. Nachdem ich meinen Plausch mit Norbert beendet habe, rufe ich in dem Online- Shop an. Man ist sehr kulant, wird mir mein Geld zurückbuchen, wenn die Retoursendung angekommen ist. Sogar das Porto wird erstattet...    

Kurz darauf klingelt es. Ich freue mich über meinen Besuch, denn es ist mein Ole- Bole! Wir wollen uns vor Weihnachten noch einmal sehen, denn ab Montag ist er nicht hier. Olav verdient sich manchmal nebenbei etwas Geld als DJ und hat nächste Woche an einem Abend einen Job in Spanien! Dort trifft er auch alte Freunde wieder und bleibt gleich über Silvester. Wenn ich an unser Wetter hier denke, könnte ich ihn fast beneiden. Aber nicht nur ich freue mich für ihn, denn ich sehe auch sein Schwesterlein lächeln...      

 

Mittwoch, 15.12.2004

Per Email bekomme ich heute die Bestätigung zum Providerwechsel. Ich habe beim neuen Server einen vorübergehenden Account mit einer anderen Adresse, bis die Freischaltung erfolgt. Dort kann ich bereits die Dateien hoch laden, und mir im Internet auch ansehen. Ich habe damit fast den ganzen Abend verbracht, nun ist es wieder spät geworden...

 

Dienstag, 14.12.2004

Da ich gestern um 6 Uhr zur Arbeit fuhr und erst gegen 20:15 Uhr zu hause war, will ich heute einiges nachholen, was ich gestern nicht mehr geschafft habe. Macht ja auch nichts, denn niemand nimmt mir meine Hausarbeit weg *ha, ha* Ich glaube, da grinst noch jemand... Darum fasse ich mich heute wieder einmal kurz, oder soll ich ausführlich meine Waschmaschine beschreiben, wie ich aufräume und dann noch einige Post beantworte? Muss nicht sein....

 

Montag, 13.12.2004

Wie immer, wenn man verabredet ist, hat man nicht pünktlich Feierabend! Zweimal versuche ich, Steffi über Handy Bescheid zu sagen, aber nur die Mailbox geht an. Eine Viertelstunde bin ich zu spät an unserem Treffpunkt. Steffi hat geduldig auf mich gewartet. Als ich ihr sage, dass ich sie auf Handy nicht erreicht habe, flucht sie, weil sie es vergessen hat, was ihr sonst nie passiert *schmunzel* Bis zum Termin beim Psychologen haben wir noch eine knappe Stunde Zeit und wärmen uns bei einem Bummel durch Karstadt etwas auf.

Dann sitzen wir 20 Minuten vor dem Termin im Wartezimmer und müssen uns noch eine Weile gedulden. Obwohl wir vorher wussten, dass nur eine Therapie- Beratung stattfindet, macht Steffi nach dem Gespräch beim Psychologen auf mich einen ziemlich bedrückten Eindruck. Er möchte sie zu einem Kollegen vermitteln, der mit ihr eine entsprechende Therapie macht, auf die er selber nicht spezialisiert ist. Sie bekommt eine Adresse und Telefonnummer. Sollte es nicht gleich klappen, ist er bereit, sie vorerst zu betreuen. Für Steffi ist dies alles sehr unbefriedigend, denn sie sieht kein greifbares Ufer... Kurz bevor wir uns verabschieden, kommen dann bei ihr die Tränen. Ich nehme sie in den Arm und versuche sie zu trösten. Ich glaube nämlich, dass wir heute trotzdem einen kleinen Schritt gemacht haben, denn Steffis bisheriger Psychologe hatte sie weggeschickt mit der Begründung: „ich kann ihnen nicht mehr helfen...“ 

 

Sonntag, 12.12.2004

Man glaubt es kaum, aber ich verbringe mehrere Stunden im Internet, um eine Jeans zu bestellen. Sonst haben wir mit Norbert oft bei „Maingott“ gute und preiswerte Jeans bestellt. Aber ich will eine ganz bestimmte, ganz dunkelblau und gerade geschnitten, und diese gibt es bei Maingott zur Zeit nicht in meiner Größe und Länge. So suche ich über google nach anderen Jeans- Shops. Ich muss wohl nicht erklären, wie man sich dabei verzetteln kann *schmunzel*. Ich entdecke auch schicke graue Jeans... Da meint Norbert, dass diese Farbe auch etwas für ihn wäre. Also suche ich für Norbert graue Jeans. Ich finde nach endlosem Suchen graue Kordjeans, aber die gefallen ihm nicht... Stunden später: Ich habe eine dunkelblaue und eine graue Jeans für mich bestellt, bei der Suche für Norbert muss ich passen...

Vom neuen Provider bekomme ich heute bereits meine Zugangsdaten. So kann ich im Menü stöbern und mich damit vertraut machen. Das Gute ist, dass ich bei diesem Provider auch Subdomains einrichten kann. Dann stellt man vor den Homepagenamen einen weiteren, und dieser funktioniert wie eine eigenständige Webseite. Nun muss ich noch vom bisherigen Provider die Freigabe bekommen, dann kann die evero- HP „umziehen“. Da man mit diesem Tarif zwei Domains betreiben kann, werde ich später auch mit dieser HP wechseln, aber ich will nicht beides auf einmal machen...

Nachdem ich am späten Nachmittag meine Dienstzeit abgefragt habe, rufe ich Steffi an. Ich habe für morgen Nachmittag bei meinem Psychologen einen Termin für sie bekommen. Da ich eigentlich mit Spätschicht dran wäre, habe ich mit einem Kollegen die Schicht getauscht. Steffi möchte gern, dass ich sie begleite. Sie freut sich, dass es klappt, und wir machen für morgen Nachmittag einen Treffpunkt aus...

Während ich noch mit Steffi rede, klingelt ein weiteres Telefon bei mir, und auf dem Display steht: Renate. Ich verabschiede mich schnell von Steffi, nehme das Gespräch von Renate an und richte ihr liebe Grüße von Steffi aus. Renate berichtet mir, dass die Oma ihr einen riesigen Schrecken eingejagt hat, denn sie ist mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Man wollte sie bereits ans Sauerstoffgerät anschließen, und Renate traute sich am nächsten Tag kaum ans Telefon, um sich nach Oma zu erkundigen. Aber Oma hatte wohl das Schlimmste überstanden und nahm gerade ihr Frühstück zu sich, als Renate anrief. Nun ist es langsam absehbar, dass Oma gesund wird und vielleicht bald nach hause kann...

 

Sonnabend, 11.12.2004

Ich fasse mich heute kurz, denn es ist spät... Den gestrigen Abend habe ich bei mobile.de vertrödelt... *schmunzel*

Heute bin ich seit Stunden im Internet und suche einen günstigeren Provider für Webhosting. Es ist nicht so einfach, denn Angebote gibt es genug, aber es muss alles passen: Speicherplatz, Traffic, Funktionen und natürlich der Preis... Ich bin fündig geworden und habe als erstes meine evero- HP umgemeldet, also mal sehen....

 

Donnerstag, 09.12.2004

Auch diesen Arbeitstag habe ich geschafft und blicke langsam dem Wochenende entgegen. Im Tagebuch fasse ich mich heute kurz, denn mein Postfach ist voll, und ich will einige Emails beantworten. 

Auch von Kathleen, der wir gestern noch 30,-€ als Spende für die Aktion "Jessica im Herzen" überwiesen haben, hat geschrieben: 

Liebe Eva und lieber Norbert,

ich danke euch, dass ihr mir helft!! Vielen DANK!!! Ich hoffe, es gibt mehr Menschen wie euch!

Alles Liebe und eine friedliche Vorweihnachtszeit, Kathleen

Solche Zeilen tun gut, auch sehe ich wieder ein Lächeln auf Janas Gesicht....

 

Mittwoch, 08.12.2004

Manchmal gibt es wichtigere Dinge, als die lapidaren Kleinigkeiten des Arbeitsalltags. Darum möchte ich heute nichts dergleichen von mir geben, denn ich habe eine Email im Postfach, die ich hier veröffentlichen möchte:

Hallo ihr Lieben,

wieder einmal erreicht euch eine E-Mail von mir. Erst einmal wünsche ich euch allen eine friedliche Vorweihnachtszeit und viel Kraft für all die schweren Stunden, die euch ab und an einholen.

Mein Anliegen? "Bei Geld hört die Freundschaft auf!", ja, dieser Spruch ist mir nur zu gut bekannt, aber ich möchte dennoch versuchen, euch mit meinen Worten zu erreichen.

Wie schon so oft geht es wieder einmal und die Aktion "Jessica im Herzen", die Unterschriftenaktion mit der wir versuchen durchzusetzen, dass Sexualstraftäter für immer ins Gefängnis müssen - denn sie sind definitiv nicht therapierbar.

Diese Aktion kostet sehr viel Geld. Bisher wurde alles privat bezahlt. Aber ich möchte Ramona, Jessicas Mama, nun helfen. Was ist jedem Einzelnen der Schutz unserer Kinder wert? Diese Mail wird an über 200 Menschen gehen. Wenn jeder von euch bereit wäre, 5 Euro zu spenden, ... weiter mag ich gar nicht denken, das wäre einfach nur wunderschön!

Ich weiß, vielen von euch geht es sehr schlecht, nicht nur finanziell, auch physisch und psychisch... ich hoffe, dass ich euch dennoch erreich kann, mit meinem Worten.

Wer bereit ist zu spenden, und ich hoffe, dass das sehr viele sind, überweißt das Geld bitte an:

Inhaber: Kathleen Karl

Kontonummer: 4083065724

BLZ: 850 50 200

Kreissparkasse Riesa-Großenhain

Betreff: "Jessica im Herzen"

Ich hoffe, dass wir so viel Geld zusammen bekommen können, welches ich dann dem Verein "Kinder im Herzen" überweisen werde - im Namen von kinder-schicksale.de - und ihr alle gehört da dazu! Wer auch namentlich genannt werden möchte, kann mir ja einfach noch eine E-Mail schreiben! Das werde ich dann berücksichtigen.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, auch der Nächstenliebe und ich hoffe, ihr helft mir alle in meinem Vorhaben!

Ich danke euch im Voraus, nicht nur für das Spenden, sondern auch für alle lieben Mails, die mich in den letzen Monaten ereilt haben, für so viele liebe Kontakte, die zustande gekommen sind und für die Zusammenarbeit gegen das Vergessen!

Alles Liebe und vielen Dank,

Kathleen Karl

www.kinder-schicksale.de

Ich habe vor einiger Zeit schon einmal im Tagebuch über Jessicas Schicksal berichtet und bei Fahrgästen Unterschriften gesammelt. Hier noch einmal der Link zur Homepage von Jessica: http://www.jessicapopp-metzels.info  Nach der Aktualisierung des Tagebuches werden Norbert und ich auch eine Spende überweisen...  

 

Dienstag, 07.12.2004

Für einige Tage habe ich zwei Beifahrer. Das kommt heute früh ziemlich unverhofft, aber böse bin ich darüber nicht *schmunzel* Da beide schon einige Zeit dabei sind, wissen sie Bescheid, und ich muss „nur“ noch fahren. Ich empfinde den Tag dadurch angenehm, denn für mich entfällt ja die Schlepperei.

 

Montag, 06.12.2004

Früher war für mich an diesem Tag immer Nikolaus, seit zwei Jahren ist es der Tag von Janas Beisetzung...

Nach dem Dienst treffe ich mich mit Norbert am Friedhof, und wir gehen gemeinsam zum Grab. Ich denke daran, wie ich vor zwei Jahren mit Familie und Freunden dort stand und die Urne versenkt wurde... Die Bilder sind vor mir, als wäre es gestern gewesen, obwohl man diesen Tag wie in Trance erlebte... 

 

Sonntag, 05.12.2004

Ein schöner ruhiger Sonntag! Die erste Gassi- Runde machen wir zu dritt. Wir gehen zum Bäcker, um frische Brötchen für ein gemütliches Frühstück zu holen. Im Fernsehen ist ein reichliches Angebot von Sport, und Norbert lässt sich kaum etwas entgehen. So habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich am Computer sitze *schmunzel* Mittags gibt es nochmals mit Hackfleisch gefüllte Zucchini, denn davon habe ich gestern gleich reichlich zubereitet, damit sich die Arbeit auch lohnt. Wir machen sie zusammen mit dem Kartoffelbrei in der Mikrowelle warm. Es ist auch beim zweiten Mal unheimlich lecker!

Kurze Zeit später ist Norbert auf der Couch eingeschlafen...

Ich verbringe fast den ganzen Nachmittag damit, um im Internet bei mobile.de nach gebrauchten Autos zu schauen und Preise zu vergleichen. Ich möchte irgendwann den Mondeo Kombi weggeben, denn ich konnte dieses Auto vom ersten Tag an nicht leiden, zumal uns der Händler damals ein Auto mit 85KW  verkaufte, was bei der Abholung nur noch 65KW hatte. Wenn ich zu Renate fahre, quält er sich auf leichten Autobahnsteigungen und wird immer langsamer, obwohl ich das Bodenblech fast durchtrete... Manch einer mag nun sagen: „man, die hat Sorgen!“ Aber ich weiß, dass es jemanden gibt, der mich versteht und einfach nur lächelt.....      

 

Sonnabend, 04.12.2004

Norbert und ich, wir telefonieren morgens und ändern unseren „Plan“ für heute. Er möchte mir das Hin- und Herfahren ersparen. So fahre ich nicht zu ihm, und Norbert kommt mittags zu mir, denn ursprünglich wollten wir ohnehin abends zurück in meine Wohnung...

Mir wird es nicht langweilig, bis Norbert kommt, denn ich suche bei Ebay einen USB- Hub, da am Laptop nur zwei Steckplätze sind. So kann ich aus einem Steckplatz vier machen. Ich werde auch fündig und suche mir das preiswerteste Angebot aus.

Als Norbert kommt, ist es bis zur Bundesliga nur noch eine Stunde. Ich mache mit Hackfleisch gefüllte Zucchini, denn vor 14 Tagen war Norbert ganz begeistert von diesem Gericht, als ich es das erste Mal gemacht habe. Ich habe auch richtigen Appetit darauf, dadurch ist mir die Arbeit auch nicht zuviel...

Dann verputzen wir unsere leckeren Zucchini, und Hertha spielt gegen Gladbach. Es ist kaum zu glauben, Hertha gewinnt beim Heimspiel 6:0!

 

Freitag, 03.12.2004

Die Woche wäre geschafft! Norbert fährt heute nach der Arbeit zu sich nach hause. Ich möchte etwas Zeit haben, um einiges in meiner Wohnung zu machen und Wäsche zu waschen. Morgen Vormittag werde ich dann zu Norbert fahren.

Abends versuche ich wieder einmal Steffi anzurufen. Ich freue mich, als ich ihre Stimme höre... Sie klingt irgendwie traurig, aber erzählt nicht viel, fragt mich jedoch, ob ich von Olav gehört habe, denn sie liest auch immer mein Tagebuch. Leider hat Olav sich bisher nicht gemeldet, und ich werde jeden Tag trauriger. Ich sage ihr, dass ich noch heute versuchen werde ihn anzurufen, um vielleicht etwas zu erfahren... Nachdem wir aufgelegt haben wähle ich gleich die Nummer von Olav und hoffe, dass ich ihn erreiche. Ich bin froh, als er abhebt... Ich frage ihn, was denn los sei und dass ich mir sehr viele Gedanken mache und einfach nur traurig bin. Mein Ole- Bole hatte ungeplant in seinen Geburtstag hinein gefeiert und war an dem Tag dann zu nichts mehr in der Lage *grins* Auch die Einladung zum Mittagessen bei meiner Schwester, seiner Tante, hatte er nicht wahrgenommen... Auch sie hatte einiges vorbereitet. Meine Email hat er erst gestern oder heute gelesen und sich vorgenommen, sich zu melden, aber wie  das mit den Vorsätzen und der knappen Zeit so ist... Ich bin unendlich froh, dass ich nicht mehr grübeln muss. Am liebsten würde ich ihn durch die Telefonleitung umarmen! Ich kann ihm nicht böse sein.....

 

Donnerstag, 02.12.2004

Letzte Nacht um 3 Uhr klingelte hier das Telefon. Ich ging nicht ran, da ich mich nicht nur über die Zeit wunderte, sondern auch erschrak, denn es klingelte das Telefon, auf dem die damalige persönliche Nummer von Jana geschaltet ist... Heute morgen gucke ich dann auf das Telefon und sehe im Display eine Handynummer. Ich schaue in der Liste nach, wo ich mir damals alle gespeicherten Namen und Nummern aus Janas Handy abgeschrieben habe und werde fündig. Es ist die Nummer eines Studenten, den Jana auch mal durch das Internet kennen gelernt hat. Manchmal chatteten sie über den Messenger, dann schrieben sie sich SMS, dann kam mal Post von ihm. Irgendwann wollten sie sich mal treffen... Ich dachte immer, dass er durch die vielen Medienberichte bestimmt gehört hat, was passiert ist. Ich rufe ihn heute Nachmittag an und stelle mich zuerst nur als Eva vor. Dann frage ich ihn, ob er letzte Nacht jemanden anrufen wollte - ob er Jana anrufen wollte. Nachdem er dies zaghaft bejaht, erzähle ich ihm, dass ich Janas Mutter bin und was passiert ist. Er ist völlig sprachlos und geschockt, er wusste es noch nicht... Ich merke, wie hilflos er nach Worten sucht, er tut mir sehr leid. Ich gebe ihm die Adresse der Homepage und biete ihm an, sich bei mir zu melden, falls er mit mir reden möchte. Den Rest des Tages muss ich immer an dieses Telefonat denken. Auch Renate ist sehr bestürzt, als ich ihr abends davon am Telefon erzähle...       

 

Mittwoch, 01.12.2004

Durch Zufall habe ich gestern Abend auf der Internetseite von Spiegel- TV einen Programmhinweis entdeckt. Heute kommt um 20:15 Uhr auf dem Sender „XXP“ ein Beitrag mit dem Titel „Begegnung mit dem Tod“. Es ist eine BBC- Dokumentation. Es geht um Nahtoderfahrungen und die Frage, ob unser Bewusstsein weiter existiert, auch wenn das Gehirn nicht mehr arbeitet. Ich verfolge diesen Beitrag sehr interessiert und nehme ihn auch auf, denn dieses Thema beschäftigt mich schon seit Jahren...

Gerade haben wir mit Norbert auch noch etwas zum Lachen. Ich erzähle ihm, dass ich heute 10 Minuten vor seiner Mittagspause mit meinem Telebus bei seiner Arbeit vorbeigefahren bin. Oftmals geht er nämlich mit einem Kollegen zu einem Imbiss. Nun erzählt er mir, dass er heute am Ostbahnhof war, dort stehen mehrere Imbissbuden, die sich gegenseitig Konkurrenz machen und dadurch preiswert sind. Ja, genau von dort kam ich mit meinem Bus. Wir hatten einen Fahrgast abgesetzt und dort unsere Pause gemacht... Nun erzählt er mir, dass er am Chinaimbiss gegessen hat. Ja, und genau am selben Stand habe ich mir eine Chinapfanne geholt! Wir lachen nur noch... 

 

Dienstag, 30.11.2004

Nun habe ich auch den zweiten Arbeitstag überstanden... Ich befürchte, dass diese Woche für das Tagebuch ziemlich langweilig wird... So werde ich es nicht übermäßig quälen, sondern mir wieder etwas Zeit für die Neugestaltung meiner eigenen Homepage nehmen.  

 

Montag, 29.11.2004

Das frühe Aufstehen ist nicht ganz so schlimm wie ich dachte...

Es ist komisch, man kommt auf Arbeit an und hat gar nicht das Gefühl, als hätte man vier Wochen Urlaub gehabt. Mir kommt es vor, als hätte ich gestern das letzte Mal in meinem Bus gesessen. Unter den Kollegen gibt es momentan fast nur ein Thema: wie viel Geld verdienen wir ab Januar weniger? Jeder hat sich etwas anderes ausgerechnet...

Jill erkennt ihre „Huta“ sofort wieder und begrüßt auch meine Kollegen, die zur gleichen Zeit Dienstbeginn haben. Es gibt eigentlich niemanden, der sie nicht mag, alle finden sie einfach nur niedlich und vor allem drollig.

Eine Neuigkeit gibt es allerdings für mich. Mein bisheriger Beifahrer ist nicht mehr in unserer Firma, leider durch eigenes Fehlverhalten... Nun habe ich wieder einen Zivi bei mir auf dem Bus. Ich kenne ihn noch nicht, er hat erst vor kurzer Zeit angefangen. Aber er erzählt mir etwas, worüber ich echt schmunzeln musste: Kurz vor seinem Zivildienst fuhr er mit einem Freund mit dem Auto zu unserem Garagenhof, um zu sehen, wo es ist und um die Fahrzeit zu kalkulieren. Als sie das Grundstück gefunden hatten, saß Jill draußen, und sie glaubten, dass da ein Porzellanhund steht. Sie fanden es einfach nur kitschig. Dann plötzlich bewegte sich die "Porzellanfigur"....

Als ich bereits wieder in meinem eigenen Auto sitze und auf dem Heimweg bin, klingelt mein Handy. Es ist der RBB, der mir mitteilt, dass nun heute der Beitrag bei „zibb“ ausgestrahlt wird. Also rufe ich, als ich zu hause bin, Norberts Mutter an und hoffe, dass sie nicht nochmals vergeblich wartet. Auch mit Renate telefoniere ich, obwohl ich denke, dass sie diesen regionalen Sender vielleicht gar nicht empfangen kann. Dann kommt ein Rückruf, dass sie ihn gefunden hat. Kaum ist der Beitrag zu ende, klingelt Renate nochmals an, und wir reden noch eine Weile miteinander...      

 

Sonntag, 28.11.2004  

Als ich um 10 Uhr aufstehe, ist mein erster Gedanke, dass ich mich morgen wohl 6 Stunden eher erheben muss...*stöhn*

Mittags fahren wir mit Norbert in meine Wohnung. Auf dem Weg halten wir am Friedhof. Nun nehme ich die letzten Blumen aus der Vase. Auf dem Grab sammeln wir das  Birkenlaub ab, es scheint das endgültig letzte zu sein. Das Moos und die Besenheide sehen richtig gut aus. Ich freue mich und sehe auch Jana zufrieden lächeln...

Zu hause mache ich noch einige Handgriffe, um morgen mit einem guten Gefühl zur Arbeit zu gehen. Inzwischen habe ich auch meine Dienstzeit abgefragt, ich fange um 6:30 Uhr an, also wird mein Wecker um 4:30 Uhr klingeln....

 

Sonnabend, 27.11.2004

Vor genau 33 Jahren früh um 3:45Uhr kam mein Ole- Bole auf die Welt. Wo ist die Zeit geblieben? Früher lachte ich, wenn diese Worte aus dem Munde meiner Eltern kamen....

Gestern Abend waren wir mit Norbert lange auf und riefen nach 24 Uhr noch Olav an, um ihm zu gratulieren. Er war richtig überrascht und freute sich sehr. Da Olav für heute bereits bei meiner Schwester zum Mittagessen eingeladen ist, verabredeten wir, dass er danach zu uns kommt. So fahren wir heute Vormittag einkaufen, holen leckere Erdbeer- Sahne- Torte und freuen uns auf den Geburtstagskaffee. Ab 15 Uhr ist dann der Tisch gedeckt, und ich freue mich auf meinen Großen. Wir haben zwar keine genaue Zeit vereinbart, aber kurz nach 16 Uhr fange ich langsam an zu stutzen, mache die Kaffeemaschine an und „vergreife“ mich an dem Kuchen, der mich schon über eine Stunde anlächelt. Ich hoffe, dass es klingelt, wenn ich den ersten Happen Kuchen im Mund habe. Nun ist es fast 19 Uhr geworden, von Olav nichts zu sehen, auch kein Anruf... Ich bin ziemlich traurig und hoffe, dass ich noch einen positiven Nachtrag machen kann...    

 

Freitag, 26.11.2004

Mein letzter Urlaubstag ist nun angebrochen. Ich bin froh, dass ich die unliebsame Hausarbeit gestern hinter mich gebracht und somit den Rücken frei habe.

Nebenbei laufen zwar noch zwei Maschinen Wäsche, aber ich setze mich schon mal an den Computer und will für meine Kollegen und mich mit Excel den Dienstplan ab Januar erstellen. Ich habe einmal ein System heraus gefunden, bei dem alle Kollegen alle Schichten in einem bestimmten Rhythmus durchlaufen. Jedoch blicke nur ich so richtig durch *schmunzel*. Darum kommt in regelmäßigen Abständen ein Hilferuf von meiner Chefin, wenn der bisherige Dienstplan dem Ende zugeht und ein neuer gemacht werden muss. Dann soll es immer sehr schnell gehen, am besten schon gestern *grins*. Um anzufangen, brauche ich die alten Dateien, damit ich das Schichtsystem nahtlos fortführen kann. Ich suche und suche, dann ergreift mich fast schon eine gewisse Panik, als ich auf keiner von meinen vielen Daten- CDs diese Dateien finde. Letztendlich sind sie auf einer Diskette, die ich bis dahin nicht beachtet habe... ;-) Nachdem ich eine halbe Stunde mit Suchen verbracht habe, kann ich nun loslegen. Es ist immer ein ziemliches Puzzle, Flüchtigkeitsfehler könnten verheerend sein. Aber nach gut zwei Stunden habe ich es geschafft und schicke meiner Chefin die Dateien per Email. Eigentlich wollte ich heute Vormittag mal in aller Ruhe an meiner evero- Homepage weiter machen....

Mittlerweile ist es Mittag geworden, also Zeit für die zweite Gassi- Runde mit Jill. Sie freut sich und schnüffelt fast jeden Zentimeter ab, aber mir ist einfach nur kalt. Von November bis Februar bin ich über jeden Monat froh, den ich „abhaken“ kann. Auch macht im Winter das Auto fahren wenig Spaß, früh Scheiben kratzen oder Schnee abfegen, kaltes Lenkrad, kalte Hände und auf den ersten Metern beschlagene Scheiben... Vor den glatten Straßen habe ich eigentlich keine Angst, nur vor Leuten, die ihre Fähigkeiten überschätzen und andere in Gefahr bringen. Aber der erste Wintermonat ist ja fast geschafft...

Norbert kommt nicht allzu spät von der Arbeit, wir quasseln noch etwas und fahren dann zu ihm. Nun lassen wir das Wochenende ruhig auf uns zukommen...    

 

Donnerstag, 25.11.2004

Für Norbert ist heute der letzte Urlaubstag, er muss morgen bereits wieder arbeiten, während ich erst am Montag ins Arbeitsleben zurückkehre. Nach diesen unverhofften vier Wochen wird es ganz schön hart für mich, denn morgens komme ich immer schwerer aus dem Bett, abends wird es dafür immer später. Ab Montag habe ich Frühschicht...

Wir wollen heute einen ruhigen stressfreien Tag verbringen, ohne Einkaufen, ohne Keller... *schmunzel* Norbert entscheidet sich zuerst für „Wellness“, also sehe ich ihn mehrere Stunden nicht, die er nun im Bad verbringt (das sagt man immer, dass nur Frauen so lange brauchen).

Ich verbringe die Zeit mit meinen „Hausfreunden“, die auf die Namen Staubsauger und Staubtuch hören. Aber leider machen sie nichts allein, alles muss man ihnen zeigen! Als ich diese Runde geschafft habe, beschleicht mich wie immer so eine innere Zufriedenheit. Norbert kommt fast zeitgleich aus dem Bad, ein Schelm, der ihm Absicht unterstellt... Aber ich mache eigentlich lieber allein meine Wohnung sauber, denn da ich bin sehr eigen...

Dann stürze ich mich ebenso in die „Fluten“ (aber nicht so lange!), und nun bin ich nicht nur zufrieden, sondern fühle mich auch erfrischt und sehr wohl! Also können wir zum gemütlichen Teil übergehen und bestellen beim Chinesen etwas zu Essen. Nun sitze ich hier, fühle mich nicht nur satt, sondern fast gemästet, und das Denken fällt schwer, da der Magen dem Gehirn fast alle Energie wegnimmt...  

 

Mittwoch, 24.11.2004

Den Vormittag vergammeln wir, aber dann geht es nochmals zu Norbert, und im Keller kommen wir wieder etwas weiter. Es wird ein alter Schrank ausgemistet. Norbert staunt selber, was alles zum Vorschein kommt und was er aufgehoben hat. Na ja, in einem Haus hebt man wohl mehr auf, als in einer Wohnung, weil man mehr Platz hat, aber irgendwann wird auch dieser knapp... Es entstehen heute neue Müllberge, die wiederum zum Problem werden, was die Entsorgung betrifft *grübel, grübel* Zur Zeit steht dieser Schrank in dem einen beheizbaren Kellerraum. Dann wollen wir ihn in den neu gefliesten Vorratskeller stellen, um noch einiges unterzubringen. Allzu lange machen wir jedoch nicht.

Gegen 17:30 Uhr sind wir zurück in meiner Wohnung und essen gemütlich Abendbrot. Dann will ich den Beitrag von „zibb“ auf RBB aufnehmen. Aber ich sitze umsonst vor dem Fernseher. Mir ist es ja egal, aber einige Leute wollten den Termin der Ausstrahlung wissen, denen habe ich gestern telefonisch Bescheid gesagt.... Kaum ist die Sendung zu ende, klingelt das Telefon und Norberts Mutter fragt verwundert nach... Sorry, aber ich kann nichts dafür! Ist ja nicht das erste Mal, dass Sendetermine kurzfristig geändert werden. Darum kündige ich eigentlich auch nicht mehr gern so etwas an, ist dann einfach nur peinlich. Ja, und es ist typisch, dass ich prompt wieder dieses schelmische, schadenfrohe Grinsen sehe: „tut mir leid Mum, schreib’ es doch einfach ohne Gewähr...“ Da kann ich mir ein Schmunzeln auch nicht mehr verkneifen...

Übrigens hatte ich gestern folgenden Gästebucheintrag:

„Kümmer Dich nicht um irgendwelche Leute hier, die vom Versuch der Wiedergutmachung irgendwelcher alten Fehler sprechen, kümmer Dich nicht um irgendwelche Verwandten, die Dir Selbstdarstellung unterstellen. Wichtig ist, dass Dir das Ganze hier hilft.

liebe Grüße

Olli"

Danke für diese Zeilen, Olli! Ich weiß ja, dass ich es nicht allen Recht machen kann, aber muss man das überhaupt? Nein, ich bin ICH! Ich lasse mir mein Leben nicht noch schwerer machen von Menschen, die nicht verstehen wie ich heute bin und was ich mache. Auch Norbert akzeptiert mich, auch wenn er nicht immer alles nachvollziehen kann. Aber für sein Verständnis liebe ich ihn noch mehr! Einfach nur DANKE an Dich, Norbert, ich kann mir vorstellen, mit Dir alt zu werden...  

 

Dienstag, 23.11.2004

Spät ist es gestern geworden, aber wir haben ja auch Urlaub. Heute morgen ziehe ich mir darum immer wieder die Decke über den Kopf... Es ist fast 10:30 Uhr, da erhebt sich Norbert, also muss ich wohl auch langsam... Wir frühstücken gemütlich – andere Leute kochen sicher bereits ihr Mittagessen *schmunzel*

Für heute haben wir uns vorgenommen, in Norberts Keller weiter auszumisten und zurückzuräumen. Nach einem Anruf von Norberts Tochter Momo verzögert sich unser Aufbruch noch etwas. Ich packe einiges Geschirr und Hausrat zusammen, denn sie fragte ihren Papa, wo man preiswert Geschirr und anderen Hausrat bekommt. Momos Freund hat eine Wohnung bekommen und gründet einen neuen Haushalt. Man hat so viel, was man sowieso nicht benutzt oder doppelt hat, was aber gut und zum Wegwerfen viel zu schade ist. So freue ich mich, dass ich den beiden nicht nur helfen, sondern auch eine Freude bereiten kann... Ich selber bin auch froh, denn die Schränke waren viel zu voll *grins*

Im Keller schaffen wir dann auch noch etwas, aber fahren am späten Nachmittag zurück in meine Wohnung. Kaum sind wir hier, klingelt das Telefon. Es ist die Redakteurin vom RBB, die am letzten Freitag mit einem Kamerateam hier war. Morgen um 18:30Uhr soll der Beitrag in der Sendung „zibb“ ausgestrahlt werden.  

Der Abend wird noch aufregend, Norbert fiebert vor dem Fernseher beim Fußballspiel Real Madrid gegen Bayer Leverkusen. Selbst ich kann mich beim Tagebuch schreiben kaum konzentrieren und brauche die doppelte Zeit, denn dieses Spiel ist echt spannend...      

 

Montag, 22.11.2004

Meine letzte Urlaubswoche beginnt, nun hat auch Norbert frei. Früh hole ich unseren Hausmeister, denn in meinem Badezimmer habe ich an der Decke Wasserflecke. Über mir macht jedoch niemand auf...

Ich fahre dann mit Norbert zu seiner Mutter, denn sie hat einen Augenarzttermin. Sonst wurde sie von ihrem Nachbarn Thomas zu solchen Terminen begleitet, dem wir vor kurzem die letzte Ehre erwiesen haben...

Das Untersuchungsergebnis ist auch nicht gerade berauschend, denn eine Augenoperation ist unumgänglich. Norberts Mutter ist ziemlich deprimiert. Wir gehen noch zusammen essen, bleiben dann noch eine Weile bei ihr, damit sie etwas Ablenkung hat. Nachdem wir heimfahren, bekommt sie nochmals Gesellschaft, denn sie sitzt in letzter Zeit oft mit der Lebensgefährtin von Thomas zusammen, was sicher beiden gut tut.    

 

Sonntag, 21.11.2004

Da gestern Abend noch einige spannende Sportübertragungen kamen, wurde es sehr spät. Nun fällt uns das Aufstehen nicht gerade leicht...

Also ein spätes Frühstück, dann sitzen wir noch ewig am Tisch. Norbert „studiert“ die Zeitung und einen Stapel Werbung, ich habe meinen Laptop vor mir, um nach Emails und Gästebucheinträgen zu sehen. Man könnte auch sagen, dass wir den Vormittag etwas vergammeln, aber muss auch mal sein.... Dann ist bald Mittagszeit. Ich wärme die mit Hackfleisch gefüllten und mit Käse überbackenen Zucchini in der Mikrowelle auf, dazu den Kartoffelbrei. Habe gestern von beidem reichlich gemacht, damit wir heute nur aufwärmen müssen. Ich musste sogar schmunzeln, denn Norberts Sohn Andi mag keine Zucchini, aber er war von dem Essen ganz begeistert. Letzte Nacht hat er sogar noch von den anderen genascht... Ich sah es heute früh, denn in zwei Zucchinihälften fehlte etwas Hackfleisch *grins*

Nach dem Essen packen wir einige Sachen zusammen und fahren dann in meine Wohnung. Auf dem Weg halten wir am Friedhof, denn heute ist Totensonntag. Noch immer bringe ich es nicht fertig, die Blumen vom Todestag zu entsorgen. Ich entferne von den Lilien nur verwelkte Blüten, denn immer noch sind nicht alle aufgeblüht. Auch drei von den roten Rosen belasse ich in der Grabvase.

 

Sonnabend, 20.11.2004

Ich stehe zeitig auf, packe Laptop und Futter für Jill ein und fahre zu Norbert. Nach dem Frühstück wollen wir den neu gefliesten wieder Keller einräumen. Es wird also ein aktionsreicher Tag. Nachmittag lassen wir uns dann überraschen, ob Hertha heute Rostock „wegputzt“ (schmunzel)

 

Freitag, 19.11.2004

Heute ist mieses Wetter, der erste Schneematsch liegt auf der Straße und den Autos. Vormittag fahre ich zum Friedhof. Eigentlich möchte ich die Lilien und Rosen vom Todestag nun endgültig entsorgen. Aber ich bin überrascht, wie gut sie bei meinem erneuten Besuch immer noch aussehen. Ich bringe es nicht über das Herz, sie wegzuwerfen. Auf den Blumen und der Grabbepflanzung ist der erste Schnee noch nicht weggetaut, es sieht richtig winterlich aus. Ich bin nicht allein am Grab. Es begleitet mich ein Kamerateam vom RBB. Ich bin überrascht, dass man sich immer wieder an mich wendet, um von meiner Trauerarbeit und meinem Gang in die Öffentlichkeit zu berichten und darüber, was ich mit der Homepage bewirkt habe.

Ich weiß ganz genau, dass es jetzt auch wieder Leute gibt, die ihre Augen verdrehen und glauben, ich sitze gern vor der Kamera und sehe mich gern im Fernsehen... Sogar aus meiner eigenen Verwandtschaft hörte ich bereits den Vorwurf der Selbstdarstellung, als es um die Homepage und das Tagebuch ging. Warum gibt es Menschen, die meine Art der Trauerarbeit nicht einfach akzeptieren, auch wenn sie es nicht verstehen? Manchmal schon komisch, dass man von fremden Leuten besser verstanden wird... Würde denn nur ein einziger Mensch mit mir tauschen wollen? Gern würde ich auf Kamera, Mikrofon oder schreibende Presse verzichten, wenn ich es nicht als meine Aufgabe sehen würde, andere Menschen für dieses Tabu- Thema Suizid zu sensibilisieren. Wäre Jana noch bei mir, wäre meine Welt in Ordnung. Ich bräuchte keine Homepage, keine Kamera, kein Mikrofon und wäre eine glückliche Mutter...

 

Donnerstag, 18.11.2004

Verfluchte Technik! Aber der Reihe nach: Da nun meine Nachbarin Katrin hellhörig geworden ist und auch zu Arcor wechseln will, bekommt sie meine ISDN- Anlage. Ich habe mir eine neue bestellt, denn ich habe sechs verschiedene Rufnummern, aber an der bisherigen Anlage nur vier mögliche Anschlüsse. Nun kam gestern die neue ISDN- Anlage für acht Anschlüsse. Diese hat aber keine TAE- Stecker, sondern man muss an der Anlage Kabel anschließen und an diese Kabel Telefondosen. Also bin ich zuerst zum Media- Markt gefahren, um für die acht möglichen Anschlüsse acht Telefondosen und das nötige Kabel zu holen. Beim Abisolieren der dünnen Drähte bin ich bald verzweifelt... Gegen 22:30 Uhr hatte ich alle acht Telefondosen auf einer Holzleiste fertig verkabelt und es dann endlich geschafft! Natürlich war ich dann total entnervt und hatte keine Lust mehr auf Schreiben....

Heute muss ich mal wieder einen „Haushaltstag“ machen. Wäsche ist zu waschen, muss mal mit dem Staubsauger die Runde machen, will Haare waschen und in die Badewanne... Ungefähr 8:15 Uhr klingelt mein Telefon. Ich bin froh, dass ich abhebe, obwohl keine Rufnummer angezeigt wird. Steffi ist dran... Sie möchte zu mir kommen. Ich freue mich einfach nur, denn ich mache mir in der letzten Zeit schon große Sorgen, weil ich sie nicht erreichte. Gegen 10 Uhr klingelt es dann, und Jill läuft Steffi auf der Treppe freudig entgegen. Es dauert eine Weile, bis ich Steffi in die Arme nehmen kann, denn Jill drängelt sich ganz schön vor *grins*

Gesprächsstoff gibt es genug, wir haben beide viel zu erzählen... Steffi will noch zu ihren Eltern, darum ist nach ca. 2 Stunden unsere Zweisamkeit beendet. Ich bin traurig, denn ich mache mir um Steffi große Sorgen... Sie tut immer, als ginge es ihr gut, aber ich habe da diese „Antenne“, die mir etwas anderes sagt... Jedoch weiß sie, dass sie sich jederzeit melden kann und meine Arme immer offen sind. Steffi, ich hoffe, dass Du das liest, denn ich habe Dich sehr lieb!

Nach dieser unverhofft schönen Unterbrechung meiner „Tagesordnung“, geht mir alles schnell von der Hand. Dann springe ich unter die Dusche, wasche Haare und fühle eine innere Zufriedenheit.

Auch rufe ich dann meine Chefin an. Auf der Versammlung, die ich im wahrsten Sinne des Wortes neulich verschlafen hatte, wurde den Kollegen ein neuer befristeter Arbeitsvertrag für die Zeit vom 01.01 bis 30.06.2005 angeboten. Ich habe die letzten Tage hier gesessen und gerechnet... Es wird weniger Geld geben, aber trotzdem mehr, als das Arbeitslosengeld wäre. So nimmt man das geringere Übel in Kauf...

Eigentlich  wollte ich die Segel streichen, denn viele Fahrgäste haben mir in der letzten Zeit ziemlich zugesetzt, vor allem solche, die sich seit 10 Jahren und länger im Rollstuhl  4 Etagen hoch oder runter tragen lassen und dies als Normalität ansehen. Andere dagegen ziehen um, weil sie nur 5 Stufen zu überwinden haben. Meine körperliche Konstitution ist im Laufe der letzten 14 Jahre nicht besser geworden, eigentlich mache ich die ganzen Jahre Männerarbeit...

 

Dienstag, 16.11.2004

Um 11 Uhr bin ich mit Norberts Mutter verabredet, um sie zu einigen Einkäufen zu begleiten. Es wird ein gemütlicher Einkaufsbummel, aber trotzdem sind wir froh, als wir ihn hinter uns haben...

Als ich wieder zu hause bin, telefoniere ich lange mit Norbert. Wir brechen unser Gespräch eigentlich nur ab, da es auf der zweiten Leitung klingelt. Es ist Petra aus Flensburg, wir quasseln auch fast eine Stunde...  Dann meldet sich Katrin bei mir, die heute einen neuen Job über eine Zeitarbeitsfirma angetreten hat. Wenn ich so höre, wie man mit den Leuten umspringt, erinnert es mich einzig und allein an Sklavenhandel...

Dem folgt seit langem wieder einmal ein Telefonat mit Bea... Mein Apparat zeigt 175 Minuten, als wir auflegen. Wir haben aber auch lange nichts voneinander gehört. Somit habe ich fast den ganzen Abend am Telefon verbracht... „Muss auch mal sein, Mum...“, höre ich als Kommentar von meinem kleinen Schaf...    

 

Montag, 15.11.2004

Heute Vormittag kommt ein Anruf von meiner Chefin. Als ich ihre Nummer auf dem Display sehen, zucke ich zusammen, und alle meine Sünden fallen mir ein. Am Sonnabend war in der Firma Versammlung, ich habe sie total verschwitzt! Freitag Abend wurde es spät, Sonnabend haben wir lange ausgeschlafen, die Versammlung war um 9 Uhr. Dann drehte sich an dem Tag alles um Fußball- Bundesliga und Riverdance im ICC. Aber wer denkt im Urlaub schon an eine Dienstversammlung? Ist zwar peinlich, aber ich sage ihr, wie es ist. Somit erfahre ich telefonisch die Neuigkeiten. Aber die ganze Zeit sehe ich, wie jemand so richtig schelmisch grinst...   

Abends sitze ich wieder einige Zeit mit meiner Nachbarin Katrin zusammen. In der Zeit ruft Renate an, ich stelle das Telefon auf Raumton, und wir telefonieren über eine Stunde zu dritt... 

 

Sonntag, 14.11.2004

Es ist ein ruhiger Sonntag. Nachmittags besucht uns meine Nachbarin Katrin. Ich fahre nach unserem Kaffeeklatsch mit nach hause, denn ich muss wieder mal in meine eigenen vier Wände... Es machte bei mir heute einfach nur plötzlich „klick“ und ich wollte nach hause. Ich möchte niemandem die Schuld geben, aber manchmal ist es mir bei Norbert durch seine Kinder einfach zu stressig... Ich war gute zwei Wochen dort, fühlte mich sehr wohl, aber dann kann ich plötzlich nicht mehr. In der letzten Zeit habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, ob ich nicht doch meinen Wohnsitz verlege. Nun bin ich wieder am Zweifeln und froh, dass ich noch eine Rückzugsmöglichkeit habe...

 

Sonnabend, 13.11.2004

Eigentlich ein ruhiger Sonnabend, aber nachmittags wird es aufregend. Ich sitze mit Norbert und Andi vor dem Fernseher und gucke Bundesliga. In der Zeitung stand früh zu lesen, dass Hertha bei Auswärtsspielen gegen Schalke04 vor 34 Jahren das letzte Mal gewonnen hat. Somit machen wir uns nicht viele Hoffnungen – aber Hertha gewinnt!!! Die Stimmung ist somit gerettet *schmunzel* Nun mache ich mich mit Norbert fertig, denn wir haben Karten für Riverdance im ICC...  

Fortsetzung nach 23 Uhr:

Wir sind wieder zu hause. Norbert ist zwar nicht so ein Fan von Riverdance wie ich, aber auch ihm gefällt es, obwohl er eine andere Vorstellung hatte. Ich bin ganz hin und weg, denn etwas live zu sehen, ist wesentlich beeindruckender, als im Fernsehen oder aus der „Konserve“. Vor fast einem halben Jahr habe ich die Karten über das Internet gekauft und freue mich seitdem darauf. Auch Jana schwärmte immer für diese Stepptänzer. Ich muss heute immer daran denken und habe das Gefühl, als wäre sie dabei und freut sich mit mir...

 

Freitag, 12.11.2004

Ich muss heute nochmals nach hause, denn Katrin sagte mir gestern Abend am Telefon, dass ein Päckchen für mich da ist. Darauf warte ich bereits brennend, denn ich habe mir für den Laptop eine Trackball- Maus bestellt, da ich diese Art am liebsten mag. Jana schenkte mir mal eine ergonomisch geformte mit einem großen roten Trackball. Darüber freute ich mich damals wie ein Kind. Diese habe ich zu hause am großen Computer und bin immer noch froh, dass ich sie habe. Während ich die neue Trackball- Maus heute auspacke und am Laptop anschließe, sehe ich in Gedanken Janas Augen funkeln, denn während des Bewegens leuchtet die glasige Kugel - und das in ihrer Lieblingsfarbe blau...

 

Donnerstag, 11.11.2004

Vor einigen Tagen habe ich meine eigene evero- Homepage gelöscht, denn ich will mal wieder etwas neues machen. Außerdem hat mir der Fotograf, der mit der Redakteurin der Bildzeitung mitgekommen war, einige Fotos geschickt. Ich finde selten Fotos von mir gut, aber von diesen bin ich ganz angetan. Gestern habe ich ihn dann gefragt, ob ich diese auf meiner HP verwenden darf, und er hat zugestimmt *freu* Natürlich gebe ich die Quelle an und setze einen Link zu seiner HP!

Nun habe ich gestern Abend etwas „gebastelt“ und die ersten Ansätze ins Netz gestellt. Darum habe ich mal das Tagebuch ausgelassen...

Heute ist nun ein trauriger Tag, denn Norbert, seine Kinder und ich fahren zur Beerdigung von Thomas... Der Friedhof ist nur um die Ecke von Norberts Mutter, und wir holen sie ab, damit sie untergehakt den Weg besser schafft. Ich finde es gut, dass der Redner Thomas persönlich kannte. Darum geht seine Trauerrede auch allen sehr nah. Als die Urne versenkt wird, ist es mit meiner Fassung aus. Als ich seiner Lebensgefährtin, mit der er 25 Jahre zusammen lebte, kondoliere, nehme ich sie in den Arm und sage ihr, dass es mir so unendlich leid tut. Die Tränen kann ich schon seit der Trauerrede nicht zurückhalten... 

 

Dienstag, 09.11.2004

Am Vormittag fahre ich in meine Wohnung, denn ich muss Sachen holen. Es sind schwarze Sachen, denn leider ist übermorgen eine Beerdigung. Norberts Mutter hatte einen Nachbarn, der ihr immer geholfen hat, er ging einkaufen, begleitete sie zum Arzt und war immer da, wenn er gebraucht wurde. Thomas ist nach kurzer schwerer Krankheit mit nur 59 Jahren gestorben. Wir sind alle noch total geschockt. Ich kannte ihn nur flüchtig, aber er war ein sympathischer sehr großer Mann mit einer extrem tiefen Stimme. Auf mich wirkte er immer wie ein riesiger Teddy...

 

Montag, 08.11.2004

Es ist ja schön, dass ich am ersten Arbeitstag nicht ganz so zeitig aufstehen muss... Ich bin wie immer ca. 20 Minuten vor Arbeitsbeginn in der Garage, gucke nach meinem Tourenplan, schreibe die Fahrtenschreiberscheibe und lege sie ein. Dann fahre ich den Bus aus der Garage und schalte als erstes die Standheizung ein, denn es ist unangenehm kalt geworden. Ich bin doch so eine „Frostbeule“... Vor Jahren hatte ich mal einen Beifahrer, der erzählte mir, dass er sich feuerfeste Schuhe bei der NASA bestellen wird, da ich immer so sehr heize *schmunzel*

Nun warte ich noch auf den Beifahrer. Dann steht plötzlich Arne vor mir. Er ist Student mit P-Schein und fragt mich, was ich hier mache, denn er soll doch für mich fahren. Zuerst lache ich ihn fast aus, denn er muss sich geirrt haben. Arne erzählt mir, dass ich doch zwei Wochen Urlaub habe. Nee, nee, ich hatte eine Woche Urlaub und bin nun wieder da! Nun rufen wir meine Chefin im Büro an und fragen nach. Da erfahre ich auch etwas von zwei Wochen Urlaub... Langsam zweifle ich an mir selber! Gleichzeitig sagt man mir, dass ich bis 26.11. noch meinen Resturlaub und Überstunden abbummeln soll. Nun gut, ich lasse Arne mit dem Bus abfahren, denn um Arbeit „schlagen“, nein, das gehört sich nicht *grins*

Ich fahre in meine Wohnung, denn dort liegt mein Urlaubsschein. Ich bin doch noch nicht senil, denn darauf steht Urlaub vom 1.11. bis 5.11.! Dann telefoniere ich nochmals mit meiner Chefin. Wer nun hier Bockmist gebaut hat, ist nicht 100%ig nachvollziehbar, aber ich nehme den Urlaub gern an, auch das Abbummeln der Überstunden bis 26.11. Somit habe ich also noch drei freie Wochen vor mir. Langsam freue ich mich sogar darüber...

Als ich in meiner Wohnung bin, melde ich mich auch beim Hausmeister, denn er versuchte vorhin bereits mich zu erreichen, aber ich fuhr ohne Headset und wollte nichts riskieren. Er wollte mir sagen, dass er die Suzuki heute unterstellen will, damit ich mich nicht wundere, wenn sie im Hof „verschwunden“ ist. Wir trinken zusammen noch einen Kaffee, plaudern etwas. Wenn das Motorrad in den “Winterschlaf“ geschickt wird, ist mir immer etwas komisch. Vor allem dieses Jahr bin ich so selten gefahren, weil ich Jill immer mit zur „Huta“ nahm. Darum war ich dankbar, dass Suzi von einem anderen Motorrad- Fan ab und zu bewegt wurde....  

 

Sonntag, 07.11.2004

Norbert und ich, wir fahren vormittags in meine Wohnung, denn einige Kleinigkeiten habe ich am Freitag vergessen.

Ab 12 Uhr haben heute einige PLUS- Märkte geöffnet und verkaufen alles mit 10% Rabatt. Natürlich wollen wir mal gucken. Es ist voll, die Leute warten auf frei werdende Einkaufswagen. Wir gehen ohne hinein, um nur mal so zu schauen... Es ist gerammelt voll. Ich entdecke ein preiswertes Soundsystem für den Computer, Norbert bleibt an einem Tresor hängen, der mal 70,-€ gekostet hat und nunmehr für 20,-€ im Angebot ist. Letztendlich bezahlt Norbert für den Tresor nur noch 18-€, da es ja die 10% Rabatt auf alles gibt. Trotzdem sind wir froh, als wir den PLUS- Markt verlassen, denn diese vielen drängelnden Menschen und die langen Schlangen an allen Kassen sind Stress pur...

Nun sind wir froh, dass wir zurück sind, besonders Jill freut sich, als wir heimkommen. Wir sind ausgehungert, darum mache ich gleich Essen, dann gehen wir zum gemütlichen Teil über. Norbert verschwindet in der Badewanne und guckt danach die Sonntagsspiele der Bundesliga. Derweil rufe ich bei Arcor an, da es neue günstige Tarife gibt, auf die ich uns ummelde. Das dauert seine Zeit, denn mindestens 20 Minuten Warteschleife muss man immer rechnen. Als ich Norbert und mich auf die neuen Tarife umgemeldet habe, bin ich richtig happy, denn eine DSL- Flatrate für 9,95€ und eine bundesweite Telefon- Flatrate für 19,95€ sind wohl absolute Spitze! Sicher werden nun die anderen Anbieter demnächst nachziehen...          

Langsam muss ich daran denken, dass ich morgen wieder arbeiten muss. Sonntags, wenn die Einsatzzeiten unserer Busse für Montag per Fax in der Garage ankommen, spricht Klaus, der nebenan wohnt, diese immer auf einen Anrufbeantworter. Auf diesem können wir dann unsere Dienstzeiten abhören. Gerade habe ich angerufen, aber ich wählte ein zweites Mal, da ich dachte, dass ich mich verhört habe. Es stimmt jedoch, ich habe morgen wirklich nur von 10:45 bis 16:45 Uhr Dienst!

 

Sonnabend, 06.11.2004

Seit gestern Abend bin ich nun wieder bei Norbert und werde auch kommende Woche hier sein...

Als ich aufstehe, zeigt mein Wecker bereits 9:30 Uhr, und ich ärgere mich schon wieder ein wenig, dass man den halben Vormittag verschlafen hat. Dann im Bad setzte ich meine Kontaktlinsen ein, schaue nebenbei auf meine Armbanduhr und fange an zu stutzen. Es ist eine Stunde früher! Aber Norbert geht es ähnlich, denn die Wecker auf unseren Nachttischen zeigen beide noch die Sommerzeit! *grins*

Nach dem Frühstück vertrödeln wir noch etwas die Zeit, denn eigentlich muss der inzwischen fertig geflieste Keller wieder eingeräumt werden. Keiner hat die richtige Lust dazu... Dann gucken wir erst einmal auf Premiere die Bundesliga, natürlich das Spiel von Hertha gegen Bremen. Es ist wieder haarsträubend, was auf dem Fußballfeld passiert. Im letzten Moment rettet sich Hertha mit einem Ausgleichstor ins Unentschieden... Dann ist wieder der Keller dran...

 

Freitag, 05.11.2004

Nun ist heute mein letzter freier Tag, aber genießen konnte ich diese Urlaubswoche nicht. An den ersten Tagen im November läuft zum zweiten Mal alles nochmals wie ein Film vor mir ab: am 1.11. mein Streit mit Jana, am 2.11. mein letzter Blickkontakt mit ihr, als ich ins Auto einstieg und sie am Fenster stehen sah – zu dieser Zeit saß ich dieses Jahr beim Arzt und wartete auf meinen Test, aber war in Gedanken zwei Jahre zurück... Am 3.11. fragt man sich, wann es passierte, denn genau wissen wir es nicht, nur, dass Jana und Mario um 11:20 Uhr tot im Auto aufgefunden wurden. Um 18:30 Uhr stand die Polizei vor meiner Tür. Den ganzen Tag spürte ich bereits, dass etwas nicht stimmt. Hat man als Mutter einen siebten Sinn? Bereits bei Norbert am Frühstückstisch (es war ein Sonntag) empfand ich eine innere Unruhe, mich zog es nach hause in meine Wohnung. Ich fuhr zu der Zeit heim, als man Jana und Mario fand...

Heute wundere ich mich manchmal, wie ich die Zeit „danach“ überstanden habe. Eigentlich habe ich sie nur überlebt...    

 

Donnerstag, 04.11.2004

Anfangs wollte ich mich gestern bei jedem für Gästebucheinträge und Emails bedanken, aber es waren zu viele... Ich hoffe, dass Jürgen, Bea, Bente, Steffi, Petra, Tanja, Tina, Anna, Sabine und alle nicht genannten dies hier lesen... Weder die Reihenfolge, noch die Nennung sollen eine Wertung darstellen. Ich möchte - auch im Namen von Renate - einfach allen DANKE sagen! Es ist überwältigend, wenn man nach nunmehr zwei Jahren erfährt, dass Jana und Mario nicht vergessen sind und viele Menschen in Gedanken auch bei uns Müttern verweilen....

 

Mittwoch, 03.11.2004

Mein liebes Mäuselchen - so nannte ich dich oft – es zerreißt mich innerlich, wenn ich daran denke, dass du nun schon zwei Jahre nicht mehr bei uns bist.

Ich kann meine Gedanken nur schwer ordnen...

Der 3. November 2002 hat meine Welt in Stücke gerissen, hat alles bisherige in Frage gestellt. Nichts ist mehr wie es einmal war...

Ich musste meine Welt neu aufbauen, eine neue Zeitrechnung hat begonnen, das Leben ohne dich... Es ist so unendlich schwer, denn du fehlst überall! Was geblieben ist, ist unsere „gemeinsame Antenne“, denn ich weiß immer was du gerade denkst und bespreche viele Dinge mit dir.

Jede Erinnerung an dich ist für mich eine Kostbarkeit. Ich habe es geschafft, dass ich lächeln kann, wenn ich an dich denke, dann aber überfällt mich wieder diese endlose Traurigkeit und Sehnsucht. So schwebe ich ständig zwischen Dankbarkeit, Freude und Trauer.

Mit dieser Homepage wollte ich anfangs dich und dann auch Mario unvergessen machen. Ich erahnte nicht, dass ich solch eine große Anteilnahme erfahren würde und sogar auch einigen Menschen mit diesen Seiten geholfen habe.

Auch wenn nicht jeder meinen Weg als den richtigen ansieht und akzeptiert, aber ich habe ihn für mich gewählt. Du lächelst mir dabei zu, und das gibt mir Kraft!

Mein kleines Schaf, du bist so nah bei mir, aber doch so fern... Ich hoffe, dass es dir gut geht, dort, wo du jetzt bist.

In ewiger Liebe, deine Mum

 

Dienstag,02.11.2004

In der letzten Zeit ist in meiner Wohnung viel liegen geblieben, darum nutzte ich den gestrigen Tag, um einiges nachzuholen und wollte mit derartigen Erläuterungen niemanden langweilen.

Heute bin ich den halben Tag unterwegs.

Es fängt um 8 Uhr mit dem Arzttermin an. Es gibt nur wenige Ärzte, die einen Funktions- und Leistungstest für den P-Schein machen. Ich weiß gar nicht, wie das ablaufen soll und bin etwas aufgeregt. Dann sitze ich wie am Computer vor einem Bildschirm, nur, dass die Tastatur aus fünf verschiedenfarbigen (blau, weiß, gelb, rot, grün) Knöpfen besteht, darunter eine Reihe mit Zifferntasten und dazwischen ein schwarzer. Anfangs muss ich die Zifferntasten benutzen, um von sehr kurz eingeblendeten Bildern anzukreuzen, was ich darauf gesehen habe. Danach erscheinen auf dem Bildschirm an verschiedenen Stellen die Farben als Kreise, und man muss die dazugehörigen Tasten so schnell wie möglich drücken. Bei einem weiteren Testabschnitt ertönt ab und zu noch ein Summton, bei dem dann die schwarze Taste gedrückt werden muss. Alles geht immer rasant schnell. Man muss sich wirklich konzentrieren, um die Fehlerquote so niedrig wie möglich zu halten. Die Krönung ist dann, dass alle Farben in ungeordneter Reihenfolge erscheinen, zwischendurch der Summton, aber zusätzlich ein linkes und rechtes Fußpedal angezeigt wird, die ich nun ebenfalls unter dem Tisch betätigen muss. Das Gemeine ist, dass ich die rote und grüne Taste bei Erscheinen der Farben auf dem Bildschirm nicht mehr betätigen darf! Dieser Test läuft 4 Minuten. Das ist mehr als nur verwirrend, darum breche ich hier mit meinen Ausführungen ab, denn danach musste ich 200 mal in kürzester Zeit Übereinstimmungen von Strichzeichen mit ja oder nein bestätigen... Gut jetzt! Es reicht, sonst wird man allein vom Lesen ganz meschugge...

Zusammenfassung: ich habe den Test mit gutem Ergebnis bestanden - die Schwestern sind erstaunt... Nun schreibt der Doktor die Bescheinigung, und ich darf 70,-€ bezahlen *stöhn*  

Trotzdem bin ich froh, dass ich die Angelegenheit erfolgreich hinter mich gebracht habe. Die erste „Hürde“ ist heute geschafft.

Ich muss nur wenige Schritte gehen und bin im Amtsgericht Charlottenburg, wo ich den Erbschein beantragen muss, damit ich die Angelegenheit mit Mühlhausen klären kann. Man schickt mich von einem Zimmer zum anderen. Ich „lande“ bei einer Rechtpflegerin, die den Antrag auf einen Erbschein ausfüllt. Als ich ihr die Geburts- und Sterbeurkunden von Jana und Raimund vorlege, ist sie sehr betroffen und kann es gar nicht fassen... Unser Gespräch wird persönlicher, und ich erzähle darum auch einige Dinge, die über den Fragebogen hinausgehen.... Mir sitzt nun eine Rechtspflegerin gegenüber, der die Worte vor Betroffenheit fehlen... Ich bedanke mich, dass ich nicht nochmals kommen muss, denn jeder andere hätte heute „nur“ einen Termin erhalten...

Nun kann ich meinen zweiten „Punkt“ auf meiner Erledigungsliste von heute erfolgreich abhaken...

... und ich fahre zum Landeseinwohneramt, um meinen Funktions- und Leistungstest vorzulegen, damit ich endlich meine Verlängerung für meinen Personenbeförderungsschein bekomme... Ab 11 Uhr ist geöffnet. Ich gucke im Auto auf meine Uhr, sie zeigt 10:39 Uhr, aber ich muss mehrere Runden drehen, um einen Parkplatz zu bekommen. Kurz, bevor ich die Nerven verliere, wird vor mir eine Parklücke frei – Glück für mich!

Im LEA muss ich nicht warten, nach 15 Minuten habe ich meinen neuen Führerschein und im P-Schein die eingetragene Verlängerung. Ich bin happy, denn somit habe ich mein heutiges Pensum „vorbildlich“ erledigt...

Als ich das LEA verlasse, greife ich in meine Tasche, um das seit mehreren Tagen ausgeschaltete Handy anzuschalten. Kaum zeigt es Netz an, da klingelt es... Eine SMS von Nicole kommt an. Nicole ist Redakteurin bei der Bild- Zeitung. Wir haben in den letzten zwei Jahren ein sehr persönliches Verhältnis. Gestern erst erhielt ich eine Email von ihr, dass sie in diesen Tagen in Gedanken bei mir ist... Sie hat mehrfach über Jana und Mario berichtet, über die Homepage, auch über die erste Begegnung von uns Müttern... Nicole ist eine ganz Liebe, nicht der typische Sensationsreporter... Wir trafen uns auch zwischendurch mal einfach so, nur, weil wir uns auch privat gut verstehen... Nicole möchte gern an Jana und Mario erinnern, ich freue mich darüber. So verabreden wir uns für Donnerstag...

Abends telefoniere ich auch noch über eine Stunde mit Renate...

Nun ist es wahnsinnig spät geworden, ich mache einfach Schluss und aktualisiere morgen...

 

Sonntag, 31.10.2004

Insgesamt gesehen ist dieses Wochenende ziemlich stressig. Gestern der Fliesenkauf und die Schlepperei, heute „geistige“ Arbeit. Norbert muss nach nunmehr 15 Jahren für sein Haus neue Hypotheken verhandeln. Da er wegen günstigerer Zinsen die Bank wechseln will, muss er viele Nachweise einreichen und wälzt etliche Ordner, um alle Papiere zusammenzubringen. Norbert ist total genervt, ich irgendwann auch, denn ich kopiere stundenlang alle möglichen Dokumente und Verträge... Erst am späten Nachmittag sind wir fertig und fahren in meine Wohnung...

Nun sortiert Norbert hier noch einmal alle Unterlagen. Es wäre ja alles nicht so stressig, wenn die Termine und Fristen nicht so knapp wären. Mir tut nur Norbert leid, ich habe ab morgen Urlaub, er muss für drei arbeiten. Ursprünglich hätte er laut Plan ebenfalls Urlaub gehabt, aber dieser wurde wegen der Kur seiner Vertretung kurzfristig gestrichen, eine weitere Kollegin ist krank geworden..

Die kommende Woche sollte eine ruhige werden... Nicht nur, dass Norbert trotz Urlaubsplan arbeiten muss, auch ich musste alle Pläne umstellen. Der Arzttermin von Norberts Mutter hat sich auf später verschoben, jedoch muss ich nun zum Amtsgericht wegen des Erbscheines und außerdem zu einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung für die P-Schein- Verlängerung, von der man mir vorher nichts sagte. So kann eben nie Langeweile aufkommen... Ich sehe da jemanden grinsen... Muss ich sagen, wer es ist.....?

 

Sonnabend, 30.10.2004

Auch diesen Sonnabend haben wir uns etwas vorgenommen. Wir fahren zum Baumarkt, um für den einen Kellerraum die Fußbodenfliesen zu besorgen. Die uns am besten gefallen, sind jedoch nicht in ausreichender Menge da. Nun „irren“ wir zwischen mehreren Alternativen hin und her und können uns nur schwer entscheiden.

Wir sind mit beiden Autos zum Baumarkt gefahren, um das Gewicht der Fliesen, des Klebers und der Fugenmasse auf beide Fahrzeuge aufzuteilen. Aber selbst für beide erscheint es uns zu schwer, und ich fahre zweimal. Als wir alles hier haben, stelle ich mit Andy eine Packung Fliesen auf die Waage, und sie zeigt 23,5 kg an! Davon haben wir 11 Pakete und mehrere 25kg- Säcke. Unsere Autos fuhren wie tiefer gelegt...

 

Freitag, 29.10.2004

Das Aufstehen fällt nach dem gestrigen langen Abend und der kurzen Nachruhe nicht gerade leicht, aber der Freitag muss noch geschafft werden!

Mein Dienst ist heute sehr kurz (nur 7 Stunden), trotzdem will Norbert vor mir da sein, aber er schafft es nicht *grins* Um 17 Uhr mache ich mir dann jedoch langsam Sorgen und rufe auf seinem Handy an. Er sitzt noch an seinem Schreibtisch... Nach unserem Gespräch macht er sich auf den Weg und kommt dann gegen 18 Uhr bei mir an. Wir genießen es, dass ein Wochenende vor uns liegt, quasseln noch eine Weile und fahren dann zu Norbert nach Spandau...

Wir freuen uns, denn Norberts Kinder haben Decke und Wände vom  ausgeräumten Keller gestrichen. Nächste Woche kommt nun nochmals Andis Kumpel, der Fliesenleger, und wird den Fußboden in diesem Keller fliesen. 

Jill freut sich scheinbar auch, dass sie in den nächsten Tagen zum Gassi gehen nicht 5 Treppen laufen muss. Sie fühlt sich hier immer sehr wohl.

Vor einigen Tagen hatte ich jedoch riesige Angst um Jill, denn sie war völlig apathisch, reagierte nicht einmal auf Leckerli, die sie einem sonst ganz aufgeregt abnimmt. Heute kenne ich nun die Ursache. Es war wohl ein Unwohlsein, denn mittlerweile habe ich festgestellt, dass bei Jill die Hitze einsetzt. Nun bin ich beruhigt und froh, denn ich hatte totale Panik, und merkte wieder einmal, wie sehr ich an ihr hänge...  

...allen ein schönes Wochenende!

 

Donnerstag, 28.10.2004

Nach der Arbeit bleibt nicht viel Zeit, denn heute ist ja um 20 Uhr das Konzert von Andrea Berg im ICC. Wir können zu Fuß hinlaufen, ein Vorteil, denn so muss man keinen Parkplatz suchen. Wir sitzen weit vorn und können auch gut sehen. Es ist eine super Stimmung im großen Saal vom ICC, der bis zum letzten Platz besetzt ist. Bei vielen Titeln steht das Publikum auf und singt mit. Neben uns sitzt ein Ehepaar, die nie aufstehen. Auch mit dem Klatschen sind sie sehr sparsam, und gucken vor sich hin, zeigen keinerlei Regungen. Ob sie „im falschen Film“ gelandet sind? Ich kann irgendwann nicht mehr vor Lachen und sage zu Norbert, dass diese Leute die Eintrittskarten bestimmt gewonnen oder geschenkt bekommen haben *grins*

Nach mehreren Zugaben machen wir uns gegen 22.30 Uhr auf den Heimweg. Nun sitzen wir noch etwas hier, denn nach solch einem Abend kann man nicht gleich „abschalten“...   

 

Mittwoch, 27.10.2004

Kaum hat man irgendwelche Dinge erledigt, flattert wieder Post ins Haus, und man „darf“ die nächsten Aufgaben erledigen. Manchmal möchte ich rufen: „Ich bin ein Mensch, lasst mich hier raus!“ *schmunzel*

Jana war zusammen mit den vier Schwestern ihres Vaters Raimund Mitglied dieser fünfköpfigen Erbengemeinschaft. Das Grundstück und das Haus von Raimunds Eltern  (Baujahr 1936) wurde von einer Schwester übernommen, die damals die anderen auszahlte. Davon hatte Jana ihre Fahrschule und einige andere Dinge finanziert. Es gab noch ein zweites Grundstück schräg gegenüber, einen Garten, der noch allen fünf Erben gehört. Nun bin ich ungewollt in diese Erbengemeinschaft aufgerückt und habe Post von der Stadt Mühlhausen (Thüringen). Man hatte Anfang 2002 bereits Jana angeschrieben, aber keine Antwort erhalten. Es geht um die Erschließung und damit verbunden eine Abtretung von einigen Quadratmetern an die Stadt. Alle anderen Erben haben bereits zugestimmt, aber von mir erwartet man nun einen Erbschein, den ich bisher nicht brauchte. Auch glaubt man, dass Olav ebenfalls Erbe ist, der anstelle des verstorbenen Elternteils tritt. Aber Olav ist nicht Raimunds Sohn. Ich werde an der deutschen Bürokratie wohl noch verzweifeln! Kommende Woche habe ich zwar Urlaub wegen Janas Todestag, dachte, dass ich Ruhe habe, aber es wird wohl eine Woche der Ämter...              

 

Dienstag, 26.10.2004

Als ich kurz nach 17 Uhr zu hause ankomme, mache ich für Norbert und mich erst einmal eine leckere China- Pfanne. Als wir dann gemütlich speisen, klingelt es und Norberts Kinder kommen. Sie wollen heute beide zum Hertha- Spiel und brauchen noch eine kleine finanzielle „Beihilfe“ *grins* Norbert muss auch nicht aufessen, denn Momo gibt ihrem Papa zu verstehen, dass er ruhig etwas übrig lassen kann... *zwinker* In solchen Situationen sehe ich oft Jana grinsen, denn auch sie wusste immer, wie sie mich um den Finger wickeln konnte...     

 

Montag, 25.10.2004

Nach drei Wochen bei Norbert mit nur kurzzeitigen Aufenthalten in meiner Wohnung komme ich mir in meinen eigenen vier Wänden nach so langer Zeit fast etwas fremd vor. Man lebt sich wieder ein, aber ich denke in der letzten Zeit viel nach und höre auch oft Jana, was sie mir mitteilt...

Jill ist nun auch nach drei Wochen wieder das erste Mal in ihrer „Huta“, denn bei Norbert hatte sie fast den ganzen Tag Gesellschaft. Vergessen hat sie nichts *schmunzel* und läuft zielgerichtet auf das Grundstück.

Abends telefoniere ich mit Renate. Es ist schade, sie kann nächste Woche zum Todestag unserer Kinder nicht nach Berlin kommen. Sie hat zwar Schulferien, aber die Betreuung der Oma ist nicht abgesichert. Auch ich kann nicht hinfahren, denn Norberts Urlaub ist durch eine kurzfristige Kur seiner Vertretung gestrichen worden. Gleichzeitig muss Norberts Mutter zu Arztterminen, die sie nicht allein schafft. Ein lieber Nachbar von ihr, der sich viel um sie gekümmert hat, für sie einkaufte und sie oft chauffierte, ist vor einigen Tagen für uns alle überraschend im Alter von 59 Jahren verstorben. So will ich in der nächsten Woche, wenn ich Urlaub habe, diese Fahrten mit Norberts Mutter übernehmen.   

        

Sonntag, 24.10.2004

Heute wird es mit dem Frühstück nicht ganz so spät wie gestern. Ich bepflanze zwei Blumenkästen mit winterharten Pflanzen, die wir gestern vom Holländer mitgebracht haben. Im Bad bringen wir danach noch drei Handtuchhalter an, die ich vor wenigen Tagen im Bauhaus geholt habe. Bisher war mit den Handtüchern immer ein Chaos: Klebehaken halten nie lange, dann ist der Heizkörper mit Handtüchern vollgepackt, oder der Badewannenrand dient als Ablage. Ich stehe mit der Bohrmaschine auf dem Rand der Badewanne und lasse mir von Norbert Dübel und Akkuschrauber zureichen. Zwischendurch kommt Momo verschlafen aus ihrem Zimmer und fragt ihren Papa, warum er nicht er, sondern ich mit der Bohrmaschine arbeite. Norbert sagt zu ihr: „Weil sie mich nicht lässt!“   

Letztendlich rückt Norbert noch mit Hilfe von Momos Freund einige schwere Möbel aus dem Keller, der zum Fliesen leer geräumt werden muss. Dann fahren wir in meine Wohnung nach Charlottenburg. Ich betätige mich gleich weiter auf meinem Balkon und mache den sogenannten Herbstputz. Eine Menge Laub liegt auf dem Balkon, was ich aufsammle. Verblühte und verwelkte Pflanzen entferne ich und pflanze in zwei Blumenkästen immergrüne Hebe, die ich ebenfalls gestern vom Holländer mitgebracht habe, um es nicht ganz so kahl aussehen zu lassen. Die Blumenkästen sehen nun wieder ordentlich aus, der Balkonrasen ist sauber, ich freue mich darüber und bin zufrieden.

Die nächsten Tage werde ich wieder hier verbringen, auch Norbert wird hier sein. Morgen geht es wieder auf den Krankenwagen, also unregelmäßiger Dienst ohne Rahmenzeiten.

Übrigens: ich bekam Anfragen wegen des Beitrags von Spiegel- TV. Inzwischen habe ich Rückantwort von der Redakteurin. Sie war selbst überrascht, hatte aber keine Möglichkeit mir kurzfristig Bescheid zu geben, da sie an diesem Tag selbst nicht in der Redaktion war. Ich bekomme Bescheid, sobald ein neuer Sendetermin festgelegt wird und werde diesen dann hier auch mitteilen.

Ich wünsche allen Besuchern der Homepage einen guten Start in die neue Woche!   

 

Sonnabend, 23.10.2004

Der gestrige Tag war nicht so umwerfend , dass man hätte darüber schreiben müssen. Gut, ich gebe es zu, ich war nach der Spätschicht zu faul, freute mich nur noch, dass endlich Wochenende ist... *schmunzel* Aber selbst aus heutiger Sicht wüsste ich nicht, was ich von gestern nachtragen soll, denn ich will mein Tagebuch nicht langweilen.

Dass wir heute richtig ausschlafen, brauche ich wohl kaum zu schreiben. Nach einem späten und ausgiebigen Frühstück fahren wir zum Holländer, denn bei meinen letzten Besuchen auf dem Friedhof musste ich feststellen, dass es höchste Zeit für die Herbst- und Winterbepflanzung ist. Wir holen wie voriges Jahr Besenheide, die der Erika sehr ähnlich sieht, jedoch winterhart ist. An den Ecken setze ich sie in rot, eine weißblühende kommt in die Mitte. Da es sehr große Pflanzen sind, brauche ich wirklich nur fünf Stück, sonst würden sie zu dicht stehen. Der Rand mit dem neuen Moos sieht nach wie vor sehr gut aus und ich bin zuversichtlich. In meinem Blumenkasten auf dem Balkon hatte es ja auch schon einen Winter hinter sich und hat sich gut vermehrt. Jetzt kommt wieder ein Satz, den ich fast jedes Mal hier schreibe: Kamera vergessen... Dieses Mal habe ich zwar daran gedacht, aber sie liegt bei mir zu hause, und ich bin ja derzeit bei Norbert. Als wir mit der Bepflanzung fertig sind, stehen wir vor dem Grab und freuen uns darüber, dass es wieder so schön geworden ist. Ich sehe Jana lächeln, als wollte sie sagen: „Mum, das habt ihr schön gemacht, danke!“

Vor ungefähr zwei Wochen hatte ich mehrere Tage einen Studenten als Beifahrer. Mit ihm konnte ich mich gut unterhalten, auch über Jana... Er erzählte mir, dass ein Freund von ihm bei der Kripo ist und damals zum Tatort musste. Er darf zwar nichts erzählen, aber hat angedeutet, dass es schlimm war... Seitdem er mir das gesagt hat, komme ich aus dem Grübeln nicht mehr heraus. Ich sehe Jana zwar wie immer in allen möglichen Situationen schmunzeln, lächeln oder auch schadenfroh grinsen, aber mehr denn je grüble ich darüber nach oder versuche mir vorzustellen, was in den letzten Minuten geschah. Wie war ihr zumute? Worüber haben Jana und Mario zuletzt geredet? Hat sie etwas gemerkt, hat sie gelitten? Diese Gehdanken zermürben mich!

Oft reißt mich die Arbeit aus meinen Gedanken zurück in die Gegenwart. Auch die Gesellschaft von Norbert und seinen Kindern lenkt mich viel ab, aber diese Gedanken kommen immer wieder. Nun kommt auch der zweite Todestag immer näher, und alles ist sowieso, als wäre es gestern gewesen. Dass es bereits zwei Jahre werden, kann ich kaum begreifen. Der Schmerz ist nicht weniger geworden, im Gegenteil... Meine Sehnsucht nach Jana wird jeden Tag größer!   

 

Donnerstag, 21.10.2004

Heute Vormittag ist eine „Sonderaktion“ geplant. Da Norbert derzeit in Etappen einen Keller frei räumt, damit der Fußboden gefliest werden kann, wird natürlich auch viel Müll entsorgt, unter anderem alte Schränke. Norberts Sohn hat diese zerlegt. Nun klappe ich heute die hintere Sitzbank um, damit im Kombi ein großer Laderaum entsteht. Dann lege ich eine alte Decke unter und lade mit Andi die ganzen Teile ein. Wir bringen den Sperrmüll zur Stadtreinigung, wo man bis zu einem Kubikmeter kostenlos abliefern kann. Vorher hatte ich mir die ganze Aktion schlimmer vorgestellt, aber es ging alles schnell und reibungslos. Auf dem Rückweg holen wir frische Brötchen und belohnen uns mit einem gemütlichen Frühstück. Nun bleibt mir noch etwa eine Stunde, dann geht es wieder zur Spätschicht. Als ich kurz nach 22.30 Uhr bei Norbert eintreffe, hält er sich bereits mühsam wach. Inzwischen träumt er bestimmt, aber auch ich muss bald schlafen gehen, denn Norbert will mich um 7.15 Uhr telefonisch wecken. Also werde ich auch langsam vom Drehstuhl zum Bett wechseln.....

 

Mittwoch, 20.10.2004

Meinen Wecker ignoriere ich, dafür klingelt um 8.20 Uhr das Telefon, und ich muss mich aus dem Bett schwingen. Norbert ist dran und fragt mich, ob ich schon bei Ebay eingeloggt bin. In vier Minuten endet eine Auktion, wo ich für ihn Konzertkarten ersteigern soll. Ich überschlage mich fast, bin schlagartig wach. Während der Computer hochfährt, setze ich schnell meine Kontaktlinsen in die Augen, denn sonst sitze ich mit meiner Weitsichtigkeit hier wie ein Maulwurf (schmunzel) Alles auf den letzten Drücker, aber ich schaffe es wenige Sekunden vor Ablauf, puuuuuuh... Ja, nun haben wir am 28.10. Konzertkarten für das Konzert von Andrea Berg im ICC, und mein Norbert ist einfach happy, denn das Konzert ist ausverkauft!

 

Dienstag, 19.10.2004

Mein Wecker klingelt gegen 6.30 Uhr, Norberts Bett ist bereits leer... Ist immer blöd, wenn ich Spätschicht habe, man sieht sich kaum.

Ich mache noch einige Handgriffe im Haushalt, trödele auch etwas vor mich hin. mache ein Schwätzchen mit Katrin... Um 11 Uhr nehme ich meine gepackte Tasche mit Sachen und fahre zu Norberts Haus, wo ich wieder den Rest der Woche verbringen werde. Jill freut sich und verschwindet erst einmal in Norberts Garten... Ich habe noch eine gute Stunde Zeit – ich packe meine Sachen aus, gucke noch mal kurz nach Emails und sitze noch einige Zeit mit Norberts Tochter Momo zusammen...

Um 12.15 Uhr setze ich mich in mein Auto, denn nun „ruft“ die Arbeit. Diese ist heute erträglich. Ich gucke am Anfang immer, in welchen Gegenden ich mich „herumtreiben“ muss. Da gibt es Stadtbezirke, die für mich wie ein rotes Tuch sind, aber heute geht es. Meine Pause verbringe ich bei Norbert, weil wir wenige Ecken weiter den nächsten Fahrgast abholen müssen.

Nun ist endlich Feierabend, Norbert ist hundemüde, ich aber auch...    

 

Montag, 18.10.2004

Nun bin ich gestern umsonst lange aufgeblieben, um Spiegel- TV nicht zu verpassen... Schon mehrmals hat man wegen Wahlen oder aktuellen Ereignissen das Programm umgestellt, vielleicht dieses Mal wegen der extrem späten Sendezeit. Ich werde per Email mal bei der Redakteurin nachfragen. Anfang letzter Woche war der Beitrag bereits für gestern auf der Spiegel- TV- Seite im Internet angekündigt...

Gut, dass ich heute nicht so extrem zeitig aufstehen muss, aber langes Ausschlafen gibt es trotzdem nicht, denn ich will um 8 Uhr beim Arbeitsamt sein. Um 9 Uhr kann ich dieses ungeliebte Gebäude wieder verlassen und habe einen Haufen Formulare in den Händen...

Auf dem Heimweg fahre ich zu Lidl, denn ich will mir heute eines von den Sonderangeboten holen. Es ist ein USB- Memory- Adapter mit 256 Megabyte Speicher. Dieser ca. 6 cm lange Speicherstift ist für mich wie ein kleines Wunder. Man kann wichtige Dateien darauf speichern, er wird am Computer an einen USB- Port gesteckt und wird als Wechseldatenträger erkannt, sozusagen eine Festplatte zum Mitnehmen in der Hosentasche... Jedoch kommt bei dieser Freude über neue Technik auch etwas Wehmut auf. Jana war mindestens genauso ein Computerfreak wie ich und freute sich auch über alles Neue. Gern hätte ich heute meine Freude mit ihr geteilt...  

 

Sonntag, 17.10.2004

Heute stehen wir zu einer „anständigen“ Zeit auf *grins* Ich hole wieder an der Tankstelle Brötchen und die Zeitung...

Gegen Mittag kommt Marcus, das ist der Sohn von Katrin. Ich hatte ihn gebeten, noch einige Dinge an Norberts neuem Computer einzustellen, die für mich böhmische Dörfer sind, vor allem am Router. Marcus macht das auch sehr gut, und wir sind ihm sehr dankbar dafür! Wir nehmen Marcus im Auto mit nach hause, als wir am späten Nachmittag in meine Wohnung fahren. Wir werden bis Dienstag hier bleiben. Ich habe ja morgen frei und ab Dienstag Spätschicht auf dem Telebus. Darum bin ich dann wieder bei Norbert, denn Jills „Huta“ hat wieder einige Tage Urlaub.

Ich versuche abends Steffi anzurufen, aber erreiche sie nicht...   

 

Sonnabend, 16.10.2004  

Wir stehen sehr spät auf und frühstücken zu einer Zeit, wo andere Leute bereits das Mittagessen auf dem Tisch haben. Norbert will dann mit Andi noch einkaufen, und ich möchte zu Steffi fahren. Kurz vorher will ich sie mit dem Handy anrufen und bemerke in diesem Moment, dass ich eine ungelesene SMS habe. Die SMS ist von Steffi. Sie schreibt mir, dass sie zu hause ist und ihre Therapie abgebrochen hat. Ich bin erst einmal sprachlos...

Daraufhin fahre ich dann mit Norbert einkaufen. Kurz vor der Bundesliga sind wir mit unseren Besorgungen fertig und setzen uns vor den Fernseher, um Hertha die Daumen zu drücken. Alles hofft heute auf den ersten Heimsieg in dieser Saison. Hertha siegt, nicht nur die Fußballspieler sind am Ende des Spiels fertig, auch Norbert ist von 90 Minuten Aufregung völlig geschafft *schmunzel*

Den ganzen Tag geht mir jedoch Steffi nicht aus dem Kopf. Ich kann mir vorstellen, dass sie nicht besonders gut drauf ist. Morgen werde ich versuchen, sie anzurufen...

 

Freitag, 15.10.2004

Ich lasse mich von Norbert um 5.30 Uhr wecken, als er zur Arbeit geht, aber drehe mich dann noch einmal um... So wird es fast 7 Uhr, als ich mich aus dem Bett quäle. Nachdem ich die Morgentoilette hinter mir habe und Jill ihr Geschäft auf Norberts Wiese verrichtet hat *grins*, fahre ich mit ihr in meine Wohnung, um den unverhofft freien Tag zu nutzen. Ich wasche Wäsche, spiele Friseur und färbe meine Haare. Auch als Buchhalter betätige ich mich, denn ich muss meine Post aufarbeiten und wichtiges von unwichtigem trennen. Aber es ist nicht nur „Pflichtprogramm“. Ich mache mit dem Hausmeister einen Kaffeeklatsch. Er hat sich während meiner Abwesenheit um mein defektes Thermostat am Heizungskörper im Wohnzimmer gekümmert. Auch fährt er ab und zu das Motorrad, denn ich bin diesen Sommer kaum zum Fahren gekommen und war dankbar, dass die „Suzi“ ab und zu bewegt wurde.

Mit Katrin sitze ich ebenfalls eine Weile zusammen, denn sie kümmert sich immer um meine Blumen und ruft mich bei Norbert an, wenn wichtige Post kommt.

Ich bin unendlich dankbar für solche Nachbarschaftshilfen und möchte beiden einfach nur DANKE sagen!

Kurz nach 15 Uhr setze ich mich mit Jill ins Auto, fahre wieder zu Norbert, denn er will so gegen 15.30 Uhr von der Arbeit zu hause sein...

Auf dem Weg von Charlottenburg nach Spandau sehe ich Jana lächeln, und ich weiß  auch, warum. Sie freut sich über meinen positiven Tag, und ich gebe ihr Recht...

 

Freitag, 15.10.2004

Ich lasse mich von Norbert um 5.30 Uhr wecken, als er zur Arbeit geht, aber drehe mich dann noch einmal um... So wird es fast 7 Uhr, als ich mich aus dem Bett quäle. Nachdem ich die Morgentoilette hinter mir habe und Jill ihr Geschäft auf Norberts Wiese verrichtet hat *grins*, fahre ich mit ihr in meine Wohnung, um den unverhofft freien Tag zu nutzen. Ich wasche Wäsche, spiele Friseur und färbe meine Haare. Auch als Buchhalter betätige ich mich, denn ich muss meine Post aufarbeiten und wichtiges von unwichtigem trennen. Aber es ist nicht nur „Pflichtprogramm“, ich mache mit dem Hausmeister einen Kaffeeklatsch. Er hat sich während meiner Abwesenheit um mein defektes Thermostat am Heizungskörper im Wohnzimmer gekümmert. Auch fährt er ab und zu das Motorrad, denn ich bin diesen Sommer kaum zum Fahren gekommen und war dankbar, dass die „Suzi“ ab und zu bewegt wurde.

Mit Katrin sitze ich ebenfalls eine Weile zusammen, denn sie kümmert sich immer um meine Blumen und ruft mich bei Norbert an, wenn wichtige Post kommt.

Ich bin unendlich dankbar für solche Nachbarschaftshilfen und möchte beiden einfach nur DANKE sagen!

Kurz nach 15 Uhr setze ich mich mit Jill ins Auto, fahre wieder zu Norbert, denn er will so gegen 15.30 Uhr zu hause sein...

 

Donnerstag, 14.10.2004

Da es auf dem Krankenwagen keine Zeitgrenzen gibt, in denen man Dienst hat, schwanken die Zeiten sehr. Gestern musste ich um 7.15 Uhr anfangen, heute erst um 9.30 Uhr. Ich stehe trotzdem zeitig auf und fahre in meine Wohnung, um Wäsche zu waschen und saubere Sachen mitzunehmen. Dann geht es zur Arbeit. Unser Tourenplan ist heute randvoll, die Fahrzeiten knapp bemessen, Stress ist somit vorgeplant...

Kurz nach Dienstbeginn ruft mich meine Chefin an und übermittelt mir eine gute Nachricht. Sie hat eine Vertretung für mich gefunden, und ich bekomme am Montag meinen beantragten freien Tag, denn ich will zum Arbeitsamt, wo ich mich ab Mitte Oktober wieder melden sollte.

Am Nachmittag kommt ein weiterer Anruf. Meine Chefin fragt mich, ob ich morgen frei nehmen möchte, um Überstunden abzubummeln, denn unsere Zentrale hat nicht genug Aufträge. Ich bin überrascht, aber sage sofort zu. Nun habe ich ein schönes langes Wochenende *freu*

Bevor ich heute mein Tagebuch schließe, eine Information für alle interessierten Leser: am Sonntag kommt auf RTL in Spiegel- TV der Beitrag über Suizid von Kindern und Jugendlichen, wozu man Renate und mich ebenfalls um Mitwirkung gebeten hatte. Ich kenne den fertigen Beitrag noch nicht, bin also gespannt...        

 

Mittwoch, 13.10.2004

Meine Gedanken schweifen heute teilweise so ab, dass ich Probleme habe, mich auf die Arbeit und meine Fahrstrecken zu konzentrieren. Mir gehen in den letzten Tagen so viele Dinge durch den Kopf, hauptsächlich Begebenheiten mit Jana. Einerseits sehe ich sie ausgelassen und fröhlich, aber ich habe auch unsere Streitereien vor Augen. Gern würde ich viele Auseinandersetzungen rückgängig oder ungeschehen machen, denn sie erscheinen mir heute einfach nur lapidar. Es waren sicherlich „Machtkämpfe“ wie sie überall zwischen Eltern und Kindern stattfinden. Man wollte konsequent sein, sich nicht vom eigenen Kind „unterbuttern“ lassen. Was wäre heute, wenn man einiges anders gemacht hätte? Diese Gedanken quälen einen wohl ewig...      

 

Dienstag, 12.10.2004

Sorry, ich war gestern faul und habe nichts geschrieben. Eigentlich doch, aber ich habe es wieder gelöscht, denn es erschien mir zu lapidar. Es gibt halt Tage, die kaum erwähnenswert sind - so war es auch gestern: aufstehen, arbeiten gehen, Feierabend, einkaufen, usw. Nun gut, heute ist es auch nicht viel anders.

Als ich Feierabend habe und zu Norbert fahre, bin ich wieder mit meinen Gedanken ganz weit weg. Im Autoradio läuft Musik – bei jedem Titel, der im Radio kommt, überlege ich immer, ob ihn Jana noch kannte. Mit den Namen und Titeln von Gruppen und Interpreten habe ich schon immer Schwierigkeiten, aber Jana wusste ja immer Bescheid... Ich weiß heute auch nicht, wie der Titel oder Interpret heißt, aber ich weiß genau, dass wir ihn zusammen gehört haben... Wenn wir beide im Auto saßen und während der Fahrt Musik hörten, tat sie manchmal, als würde sie selber singen. Sie gestikulierte, und ich lachte mich kaputt... Ich sehe in Gedanken wieder ihre Nachahmungsversuche, lächele vor mich hin...

Im Vorwort dieser Homepage habe ich Jean Paul zitiert: „Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Es ist wirklich ein Paradies, wenn ich mich an Jana erinnere, denn dann kann ich lächeln......

 

Sonntag, 10.10.2004

Es ist gestern noch sehr spät geworden... Der Computer startet, aber braucht mit der angeschlossenen Isdn- Anlage zwei bis drei Minuten, um hochzufahren. Nun gut, Norbert muss sich damit abfinden, aber ansonsten funktioniert alles vorbildlich. Nun sitzen wir hier nebeneinander, Norbert testet seinen neuen Computer, ich sitze an meinem Laptop und schreibe Tagebuch...

Ich werde noch zwei oder drei Tage bei Norbert bleiben, fühle mich momentan auch sehr wohl hier...  

Sonnabend, 09.10.2004

Da habe ich nun wieder den Tag vor dem Abend gelobt! Ich formatiere nochmals und fange von vorn an, weil der Computer nach der Installation der Isdn- Anlage nicht mehr neu startet. Gegen Mittag lasse ich alles stehen und liegen, weil ich einfach nicht herausfinde, woran es liegt.

Ich fahre in die Klinik nach Motzen, um Steffi zu besuchen. Ich hatte ihr vorige Woche versprochen, dass ich heute nochmals komme. Sie freut sich wie ein Kind, und ich nehme sie wie immer zuerst in die Arme... So richtig gut geht es ihr nicht, denn sie hat sich mehr von der Therapie versprochen. In ihrer Gruppe sind nur zwei Borderline- Patienten, wovon die eine diese Woche entlassen wurde. Fragen, die sie hat, werden vom Therapeuten an die Gruppe weiter gegeben. So richtig befriedigend empfinde auch ich nicht, was sie mir erzählt. 

Steffi fragt mich, ob ich ihre Grüße an alle ausgerichtet habe, und ich kann ihr guten Gewissens erzählen, dass ich die Grüße über das Tagebuch weitergegeben habe, stimmt’s?

Wieder zurück bei Norbert geht die Tortour am Computer weiter, aber ich will mein Tagebuch nicht langweilen...

 

Freitag, 08.10.2004

Der liebste Tag der Woche ist doch der Freitag! Man steht morgens ganz anders auf, denn das Wochenende ist in Sicht. Ich werde vor dem Dienst noch einige Programme installieren. Für die Isdn- Anlage muss ich noch einen aktuellen Treiber suchen. Ansonsten ist Norberts Computer einsatzfähig, auch klappt der Internetzugang.

 

Donnerstag, 07.10.2004  

Den Vormittag verbringe ich wieder an Norberts neuem Computer. Bis man wirklich alles fertig hat, dauert es doch eine Weile. Es ist immer blöd, wenn man die Zeit im Nacken hat. Man kann sich nicht so konzentrieren, guckt immer wieder auf die Uhr, um die Zeit nicht zu verpassen. Darum ist die Freizeit vor der Spätschicht auch weniger effektiv.

Unser Dienst ist heute mehr Erholung als Stress *freu* Schon nach dem ersten Fahrgast haben wir eine Stunde Zeit. Da wir nur eine Straße von meinem Ole-Bole entfernt sind, rufe ich ihn an und freue mich, denn er ist zu hause. Wir fahren die paar Meter  und trinken bei ihm einen Kaffee. Ich bin richtig glücklich, dass ich ihn wieder einmal in den Arm nehmen kann und drücke ihn ganz doll...

 

Mittwoch, 06.10.2004

Ich lasse mich telefonisch von Norbert wecken, damit ich vor dem Dienst noch einiges an seinem Computer schaffe. Nun läuft hier neben mir seit einer Stunde die Formatierung, und es wird wohl noch 30 Minuten dauern. Also nutze ich die Zeit für das Tagebuch, denn abends nach dem Dienst ist es einfach zu spät. 

In den letzten Tagen habe ich das Gefühl, als falle ich in das nächste tiefe Loch. Ich sehe so oft Jana fröhlich vor mir, aber weiß, dass es nie wieder Gegenwart sein wird. Es tut so verdammt weh! Ich glaube, je stärker einen der Alltag in Anspruch nimmt und ablenkt, desto heftiger ist die wiederkehrende Traurigkeit...  

 

Dienstag, 05.10.2004

Es ist schön bequem bei Norbert, Terrassentür öffnen, Jill läuft in Garten und macht ihr Geschäft – keine 5 Treppen, keine Hundeleine...

Vormittags klingelt der Paketbote und bringt zwei große Kartons. Es ist Norberts neuer Computer. Ich packe den Tower und den Flachbildschirm aus, schließe beides an und mache eine Funktionsprobe. Es ist nichts auszusetzen, aber ich werde ihn trotzdem neu einrichten, weil zu viel unnutzer Kram vorinstalliert ist. Vor meinem Dienst werde ich jedoch nicht mehr viel schaffen, denn eine 160 GB- Festplatte wird mindestens 90 Minuten brauchen, bis sie formatiert ist.

 

Montag, 04.10.2004

Als mein Wecker um 7.30 Uhr klingelt, ist Norbert bereits auf Arbeit. Ich muss noch geschlafen haben wie ein Stein, denn ich habe nichts gehört...

Obwohl ich erst um 13.30 Uhr Dienst habe, bin ich etwas hektisch, denn ich muss für die Woche bei Norbert einige Sachen zusammen packen... Diese und meinen Laptop bringe ich vor dem Dienst zu Norbert, auch Jill lasse ich gleich hier, obwohl sie heute noch in die „Huta“ könnte.

Als ich um 22.30 von der Arbeit komme, bleibt Norbert und mir nur noch wenig Zeit, denn seine Nacht ist um 5 Uhr zu Ende. Norbert geht dann schlafen, und ich schreibe hier mein Tagebuch...      

 

Sonntag, 03.10.2004

Das Wetter ist heute wie geschaffen, um bei Norbert endlich die Giebelwand fertig zu streichen. Das hatten wir uns aufgrund des Wetterberichtes auch vorgenommen.  Die schwierigsten Stellen haben wir jedoch noch vor uns. Die am schwersten zugänglichen Stellen müssen noch gestrichen werden. Dann stehe ich irgendwann im 2. OG auf dem Fensterbrett von Momo’s Zimmer, halte mich am Fensterrahmen fest und streiche mit einer kleinen Rolle an einer Teleskopstange die Spitze der Giebelwand... Norbert hält mir immer den Farbeimer, hat jedoch vor lauter Angst um mich schon feuchte Hände *schmunzel* Nachdem diese letzten und schwer zugänglichen Stellen geschafft sind, zittern mir regelrecht die Knie... Aber nun sind wir endgültig fertig, und dann bringt der Pizza- Service etwas zum Essen...

Nun richte ich Momo noch den drahtlosen Internetzugang über einen Router ein ein, denn wir haben den Computer zu ihr ins Zimmer gebracht, weil sich Norbert einen neuen bestellt hat.

Dann wird es Zeit, wir fahren zu mir... Ich habe ab morgen seit langer Zeit wieder einmal Spätschicht und werde die Woche bei Norbert verbringen, muss also einige Sachen zusammen packen. Jill wird von Norbert und seinen Kinder betreut, denn sie kann mehrere Tage nicht in die „Huta“. Mein Kollege hat einige Tage frei und fährt mit seiner Frau Eva weg, also „Huta- Ferien“, so musste ich mir etwas einfallen lassen. Eigentlich freue ich mich auf die Woche bei Norbert, denn auch mein kleines Schaf lächelt mir zu...  

 

Sonnabend, 02.10.2004

Das Wochenende verbringe ich wieder bei Norbert, zuerst ist Ausschlafen angesagt. Gegen 9 Uhr hole ich frische Brötchen, wir frühstücken gemütlich. Dann gesellt sich Andi zu uns, später Norberts Tochter Simone, die von allen nur Momo genannt wird.

Gegen Mittag fahre ich nach hause, hole Katrin ab und fahre mit ihr zu Steffi in die Fontane- Klinik nach Motzen. Katrin hat im Internet bei einem Routenplaner eine Strecke ausgedruckt, aber durch eine blöde Baustelle müssen wir von der Strecke abweichen und kommen mächtig ins „Rudern“, denn mein Autoatlas liegt zu hause *schmunzel* Dadurch brauchen wir natürlich etwas länger, aber kommen trotzdem ans Ziel *freu*

Es ist ein großes Gelände, wir wollen zum Empfang, um uns zu Steffi durchzufragen. Dabei laufen wir ihr direkt in die Arme... Sie traut ihren Augen kaum, denn wir hatten unseren Besuch nicht „angemeldet“. Die Zeit vergeht wie im Fluge, zumal sich zu uns noch weiterer Besuch von ihrer Verwandtschaft gesellt. Wir sind eine richtig lustige Runde...

Kurz vor 18 Uhr verabschieden wir uns und treten den Heimweg an. Ich verspreche Steffi, dass ich nächstes Wochenende wiederkomme. Sie bittet mich, alle Leser der Homepage zu grüßen, was ich hiermit tun möchte. So lange ich Steffi im Rückspiegel sehe, winke ich ihr aus dem Autofenster...

Die Rückfahrt schaffen wir ohne Umweg! Ich setze Katrin zu hause ab und fahre zu Norbert...     

 

Freitag, 01.10.2004

Die Woche ist geschafft! Ich habe heute während der Arbeit weitere Unterschriften gesammelt. Es ist mühsam, aber ich freue mich über jede einzelne. Die meisten sind bisher von meinen Fahrgästen. Heute war ich einmal richtig mutig und klopfte in einer Tagesklinik am Schwesternzimmer an. Dort war gerade morgendliche Arbeitsbesprechung, und es war mir fast peinlich, da so herein zu platzen. Ich entschuldigte mich für die Störung und trug kurz das Anliegen der Unterschriftensammlung vor. Man hatte vollstes Verständnis, und einige Minuten später waren fünf neue Unterschriften auf der Liste... Ich war froh über meinen Mut und sah im gleichen Moment wie sich Jana darüber freute: „Mum, das hast Du gut gemacht, mach weiter.....“ 

 

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