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  Tagebuch Juli - Sptember 2004

 

Donnerstag, 30.09.2004

Während der Arbeit sammle ich heute die ersten Unterschriften. Kein Fahrgast lehnt es ab, im Gegenteil! Niemand überlegt lange, denn jeder ist der Meinung, dass solche Täter viel härter bestraft werden müssen. Zum Feierabend treffe ich auf dem Garagenhof einen von meinen Kollegen, der ebenfalls sofort unterschreibt, er hat auch zwei kleine Kinder... Die erste Unterschrift bekam ich heute morgen von Eva, als ich Jill in ihrer „Huta“ abgab.

Ich habe erst um 17.15 Uhr Feierabend, komme auf die letzte Minute in der Firma an. Als ich mit Jill nach hause fahren will, kommt ein Herrchen mit seinem Boxer vorbei. Ich lasse Jill noch einmal aus dem Auto, denn die beiden sind sehr angetan voneinander und spielen eine Runde...

Auf der Stadtautobahn ist es für diese Zeit immer noch extrem voll, so komme ich erst kurz vor 18.30 Uhr zu hause an. Norbert ist schon lange da und erwartet mich bereits. Eine viertel Stunde später meldet sich meine Nachbarin Katrin. Sie kommt noch auf einen Schwatz hoch, auch trägt sie sich sofort in die Unterschriftenliste ein. Am Wochenende werde ich mit Katrin zusammen Steffi besuchen...          

 

Mittwoch, 29.09.2004

Über die Arbeit gibt es heute nichts zu berichten, es wäre nur langweilig.

Aber als ich nach hause komme, habe ich Post von Steffi im Briefkasten. Ich bin ganz aufgeregt, lasse alles fallen und öffne zuerst den Brief, denn seit dem 15.09. ist Steffi in der Fontane- Klinik zur Borderline- Therapie. Ich hoffte schon jeden Tag auf eine Nachricht von ihr und machte mir Sorgen. Ich kann ihre Zeilen nicht ganz klar einordnen, sie klingen teilweise etwas traurig, aber auch voller Energie und Zuversicht.

Nachdem ich den Brief gelesen habe, mache ich meinen Computer an, um nach Emails zu schauen. Ich habe Post, in der ich um Hilfe gebeten werde. Kathleen betreibt eine Homepage, in der sie Kinderschicksale aufzeigt. Auch Jana und Mario sind auf dieser Homepage zu finden. Ich werde darum gebeten Unterschriften zu sammeln, um eine strengste Bestrafung für Sexualtäter zu erreichen. Es geht um die 6-jährige Jessica, die am 22.06.2004 von einem mehrfach vorbestraften Sexualtäter während seiner Bewährungszeit missbraucht, erwürgt und durch Stiche mit einem Schraubenzieher brutal ermordet wurde. Kathleen setzt sich für diese Unterschriftensammlung ein. Ich habe mir daraufhin die Homepage von Jessica angesehen und bin einfach nur betroffen. Ich habe mir nun die Forderungen und  Unterschriftenliste mehrfach ausgedruckt und werde so viele Unterschriften sammeln wie ich kann und an Jessicas Mama senden. Als ich zwischendurch mit Renate telefoniert habe und ihr davon erzählte, bat sie sich mich, ihr auch Listen zu schicken, um Schüler, Lehrer und Eltern unterschreiben zu lassen.

Ich weiß, dass ich die treuen Leser dieser Homepage nicht darum bitten muss, aber trotzdem: bitte helft Jessicas Mama, denn jede Unterschrift zählt!  

Hier nochmals die Adresse der Homepage: 

Aufruf: http://www.jessicapopp-metzels.info/Aufruf.htm

Link zur Unterschriftenliste: http://www.jessicapopp-metzels.info/Liste.htm

 

Dienstag, 28.09.2004

Heute wäre Mario 18 Jahre alt geworden. Ich rufe morgens Renate an und sage ihr, dass ich in Gedanken bei ihr bin…   

 

Montag, 27.09.2004

Nach der Telebus- Woche nun wieder Krankenwagen, also keine Dienstzeit- Grenzen. Heute klingelt mein Wecker „erst“ um 6 Uhr, morgen wird er bereits um 4 Uhr meine Nachtruhe beenden.

Mein zukünftiger Stammbeifahrer hat fünf Tage lang eine Schulung, also muss ich mich diese Woche wieder auf andere Beifahrer einstellen. Diese sind zwar auch sehr nett, aber ein eingespieltes Team ist durch nichts zu ersetzen, zumal man acht Stunden auf dem engen Raum eines Autos zusammen arbeiten muss.   

 

Sonntag, 26.09.2004

Norbert weckt mich rechtzeitig, denn wir wollen um 8 Uhr das Formel1- Rennen in China sehen. Ich beeile mich und schaffe es auch noch Brötchen zu holen. Das Rennen ist heute sehr spannend, und wir hoffen, dass Schumi uns wieder überrascht. Aber heute ist er vom Pech verfolgt. Es tut mir leid, vor allem auch für unsere beiden Ferrari- Fans…

Gegen Mittag fahren wir zu mir. Norbert ist nicht so gut drauf, denn seit gestern plagen ihn Zahnschmerzen. Also verbringen wir einen ruhigen Nachmittag…  

 

Sonnabend, 25.09.2004

Dadurch, dass wir zeitig im Bett waren, werde ich gegen 6 Uhr das erste Mal wach. Aber ich finde es zu früh und drehe mich noch mal um *schmunzel* Um 7.30 Uhr stehe ich dann auf, gehe mit Jill Gassi und fahre frische Brötchen holen.

Während wir frühstücken, läuft im Fernsehen die Qualifikation für die morgige Startaufstellung beim Formel1- Rennen. Es ist das erste Mal, dass ein Rennen in China stattfindet, die Rennstrecke ist völlig neu erbaut. Die beiden Ferraris „landen“ auf dem ersten und letzten Startplatz, denn Schumi dreht sich und rutscht in einer Kurve im Kiesbett... Es tut mir leid, denn ich weiß, dass auch Mario und „mein kleines Schaf“ darüber sehr traurig sind. Hoffen wir mal, dass sich morgen alles noch zum Guten wendet, denn Schumi ist ja für Überraschungen immer bereit... 

Eigentlich wollten wir nun noch die Giebelwand fertig streichen. Ich weiß nicht, wie oft schon irgend etwas unseren „Plan“ über den Haufen geworfen hat. Heute ist es genauso, denn der Einbaukühlschrank macht uns einen Strich durch die Rechnung. Zwei von drei Türscharnieren sind gebrochen, die Kühlschranktür hängt nur noch an einem einzigen. Entsprechende Ersatzteile sind bei einem 15 Jahre alten Gerät wohl kaum erhältlich, eine Reparatur von Bosch stünde wohl in keinem Verhältnis. Also fahren Norbert, Andi und ich in den Media- Markt. Zuvor baue ich in meinem Auto das Hundegitter aus, um eine lange Ladefläche zu haben, aber umsonst... Wir sind vom Angebot im Media- Markt enttäuscht, auch gibt es nichts in den Maßen, die wir brauchen. So fahren wir frustriert zurück und gucken im Internet bei Quelle, Otto und Neckermann. Die Entscheidung fällt nicht leicht, letztendlich verschieben wir sie auf morgen oder übermorgen und hoffen, dass die Kühlschranktür nicht vorher abfällt...

 

Freitag, 24.09.2004

Das Wochenende ist in Sicht, aber dies müssen wir uns heute regelrecht verdienen. Man sagt doch immer: „Das dicke Ende kommt bestimmt“ Na ja, wir nehmen es locker, und um 15 Uhr haben wir unsere Arbeitswoche geschafft...

Ich habe schon alles dabei, um nicht noch einmal nach hause zu müssen und fahre gleich zu Norbert. Meine Wochenend- Aufgabe steht bereits fest, denn Norberts Computer muss neu eingerichtet werden. Die ersten Schritte mache ich noch heute Abend, aber bereits um 21 Uhr fällt mir fast der Kopf auf die Tastatur...

 

Donnerstag, 23.09.2004

Der heutige Tag verläuft nicht anders, als die voran gegangenen, darum will ich mein Tagebuch nicht langweilen.

Ich habe heute Post im Briefkasten, in der man mir die Kündigung einer Versicherung bestätigt. Ich habe neulich alles durchgeforstet, um festzustellen, was ich in Zukunft nicht unbedingt brauche, denn die bevorstehende Arbeitslosigkeit wird immense finanzielle Engpässe zur Folge haben. Bei allen Kündigungen muss man auch noch die Kündigungsfristen beachten. Die Kündigung von Premiere habe ich knapp verpasst. Aber Norbert machte mich vor einigen Tagen darauf aufmerksam, dass man ein Programmangebot gestrichen hat (DEL – Eishockey), somit versuchte ich es nochmals mit einem außerordentlichen Kündigungsgrund und erhoffe nun die entsprechende Antwort.

Ich schaue mich heute im Internet nach günstigen Direktversicherungen um. Als ich nach einer günstigen Hausratversicherung und einer Tierhaftpflicht suche, lese ich bei HUK24, dass für aufgeführte Hunderassen keine Onlineverträge abgeschlossen werden. In dieser Liste steht doch unter anderem wortwörtlich: „Chinesischer Kampfhund (Shar Pei)“! Zuerst muss ich zwar lachen, aber dann frage ich mich, wer solche Listen erstellt. Einen Sharpei als Kampfhund zu bezeichnen, wo doch ein typisches Charaktermerkmal seine Ängstlichkeit gegenüber Fremden ist… Vielleicht sollte ich mal mit Jill bei der HUK24 vorbei schauen *grins*

Diese „Listen“ von den so genannten „Kampfhunden“, oder “gefährlichen Rassen“ ist sowieso von Menschen erstellt, die scheinbar nicht mehr wissen, als dass ein Hund vier Beine und zwei Ohren hat. In der Beißstatistik stehen nach wie vor Mischlinge an erster Stelle. Es regt mich einfach auf, wenn nur pauschal geurteilt wird. Noch nie habe ich in der Zeitung gelesen, dass ein Dackel, Pudel oder irgendein Mischling jemanden gebissen hat. Nein, auf der Titelseite von Tageszeitungen sind nur Rottweiler oder andere „Kampfhunde“ zu sehen, die ihre Zähne zeigen. Es wird eine regelrechte Euphorie gegen bestimmte Rassen erzeugt. Nicht vergessen sollte man jedoch die Rolle der Menschen, die doch viel zu dem Ruf einer Hunderasse beitragen. Auch hat mir der Züchter von Jill einmal erzählt, dass man bei JEDER Hunderasse in zwei bis drei Generationen durch Selektion die Reizschwelle wegzüchten kann. Das heißt, man kann jede Rasse zum „Kampfhund“ machen. Glücklicherweise ist die Mehrzahl der Züchter verantwortungsbewusst und züchtet mit den Hunden, die die besten Eigenschaften vererben. Eigentlich tun mir die Hunde leid, die sehr lieb und gut erzogen sind, aber aufgrund der „Liste“ einem Maulkorb tragen müssen…    

 

Mittwoch, 22.09.2004

Ich muss allein aufstehen, der Wecker nervt. Aber im Hinterkopf ist nicht das Gefühl der Sicherheit… Also quäle ich mich aus dem Bett…

Der Tag ist wieder stressfrei, also werde ich diesen nicht weiter beschreiben, sonst wird es langweilig.

Nach Feierabend springe ich zu hause unter de Dusche, wasche Haare und fühle mich dann einfach nur noch wohl…

Ich mache noch einige Handgriffe, um meinen Ordnungssinn zu befriedigen. Eigentlich will ich dann mit Jill eine Gassi- Runde machen, aber rufe zuvor noch kurz meinen Ole-Bole an. Wir haben wieder eine Weile nichts voneinander gehört. So reden über alles Mögliche, und es werden fast eineinhalb Stunden… Wieder einmal wird mir klar, wie froh ich doch sein kann, dass ich ihn habe!  Danach melde ich mich bei Petra in Flensburg, die ich zwischendurch schon auf später vertröste…

Nach 20.30 Uhr lege ich nun endgültig Jill das Halsband und die Leine an, und wir machen eine gemütliche Runde …           

 

Dienstag, 21.09.2004

Heute weckt mich nochmals Norbert, als ich das Weckerklingeln fast ignoriere. Wenn er da ist, brauche ich mir keine Sorgen machen, dass ich verschlafen könnte. Aber morgen muss ich mir wohl mehrere Wecker stellen…

Mein Arbeitstag ist wieder angenehm und stressfrei. Sicher liegt das auch zum Teil am Beifahrer, denn momentan sind wir ein gutes Team. Mein derzeitiger Beifahrer ist kein Zivi, sondern kommt von einer anderen sozialen Einrichtung und ist für längere Zeit zu uns abgestellt. Er ist im Gegensatz zu den Zivis nur 10 Jahre jünger als ich, und ist wesentlich umgänglicher mit den Fahrgästen. Mit nur wenigen von den vielen Zivis habe ich in den letzten Jahren so gut zusammen gearbeitet. Bisher ist dieser Beifahrer bei mehreren Kollegen mitgefahren. Heute macht er den Vorschlag, dass wir doch mal meine Chefin fragen könnten, ob wir weiterhin als Team fahren können. Ich freue mich sehr darüber, denn ich dachte auch schon daran, wusste nur nicht, ob er genauso denkt.    

 

Montag, 20.09.2004

Das Aufstehen fällt uns heute nicht gerade leicht… Ich bringe Norbert mit dem Auto zur U- Bahn und fahre dann auch zur Arbeit. Vorige Woche Krankenwagen, nun bin ich wieder auf dem Telebus. Unsere Tour ist human, es wird ein lockerer Tag – zum Glück! Auch sind wir bereits eine gute Stunde vor Feierabend auf dem Garagenhof, da der letzte Fahrgast storniert hat. So kann sich auch Jill schon eher freuen…

Heute kommt Norbert nach der Arbeit nochmals zu mir, ab morgen will er nach hause, da noch reichlich zu tun ist. Wir wärmen uns von gestern einen Rest Essen auf und erzählen uns unsere heutigen „Erlebnisse“. Ich setze mich dann an den Computer, Norbert sucht sich im Fernsehen ein passendes Programm... Auf meiner evero- Homepage richte ich ein neues Gästebuch bei einem Gästebuchanbieter ein. Das bisherige war auf einem Server, der „umgezogen“ ist. Ich habe zwar eine Datei, weiß aber nicht, wie ich die alten Einträge übertragen soll. Nun gut, ich kann zwar viel, aber lange noch nicht alles…

 

Sonntag, 19.09.2004

Da es gestern Abend noch reichlich spät bzw. früh geworden ist, kommen wir früh kaum aus dem Bett. Ich kann kaum die Zeit auf meiner Armbanduhr erkennen, es ist scheinbar 10 Uhr. Dann bin ich im Bad, mache die Kontaktlinsen in meine Augen und staune – es ist bereits 11 Uhr! Na ja, kein Wunder, dass Jill bereits drängelt und in Norberts Garten ihr Geschäft verrichten will…

Ich fahre schnell zur Tankstelle, hole frische Brötchen, und wir frühstücken zu einer Zeit, wo andere Leute bereits das Mittagessen zubereiten. Dann „planen“ wir unseren heutigen Tag. Es ist Regen angesagt, draußen zieht es sich auch immer mehr zu, also ist weiteres Streichen der Giebelwand wohl nicht so günstig. So mache ich draußen noch einige andere Handgriffe, während Norbert mal schnell unter die Dusche geht…

Am Nachmittag fahren wir dann in meine Wohnung. Um 17.30 Uhr, spielt Hertha gegen Stuttgart, und Norbert guckt sich das Spiel auf Premiere an. Ich schaue nebenbei auch etwas zu, sitze aber derweil am Computer. So lassen wir das Wochenende ruhig ausklingen, bei mir ist kommende Woche Frühschicht angesagt. Abends frage ich telefonisch meine Dienstzeit ab, meinen Wecker muss ich auf 4 Uhr stellen…  

 

Sonnabend, 18.09.2004

Ich stehe ziemlich zeitig auf, setze mich um 8 Uhr ins Auto und fahre zu Norbert. Auf dem Weg hole ich Brötchen für das Frühstück. Als Norbert mein Auto hört, kommt er mir schon am Gartentor entgegen.

Nach unserem gemütlichen Frühstück fahren wir ins Bauhaus, um Farbe zu holen. Geplant waren zwar die Dachüberstände aus Holz, aber wie so oft, kommt alles anders. Norberts Sohn Andi hatte die vordere Fassade gestrichen. Die Giebelwand sollte nicht gemacht werden, da sie einfach zu hoch ist (3 Etagen). Aber Andi hat einfach um die Ecke weiter gestrichen, bis die Farbe alle war. Nun müssen wir auch weiter machen, denn der Farbunterschied zum ehemaligen Weiß ist umwerfend! Ich streiche auf einer ganz langen Leiter mit einer Rolle an der ausgezogenen Teleskopstange. Andi hängt aus den oberen Fenstern und streicht von dort aus so weit, wie er reichen kann. Norbert streicht unten, wo man keine Leiter braucht. Wir schaffen eine ganze Menge, aber haben morgen trotzdem noch zu tun.

Ich habe Norbert heute von Katrins Satz im gestrigen Eintrag erzählt, er hat sich reichlich amüsiert. Eben sagt er doch zu mir: „Du, wir haben ganz vergessen, den Sonnenuntergang zu beobachten...“  

 

Freitag, 17.09.2004

Habe ich ein Glück! Mein Dienst beginnt früh um 7.15 Uhr und endet bereits um 14.30 Uhr. Das ist doch der ideale Einstieg in das Wochenende!

Da Norbert heute das Gießen vom Grab übernommen hat – er parkt immer am Friedhof und fährt mit der U- Bahn weiter – bin ich zeitig zu hause und kann noch etwas im Haushalt machen. Morgen früh will ich zu Norbert fahren, und wir wollen das schöne Wetter noch für einige Arbeiten am Haus und im Garten nutzen. Wir wollen morgen die Dachüberstände in einem freundlichen Mahagoniton streichen und da nochmals so schönes Wetter sein soll, werden wir den Sonnenuntergang genießen.

*schmunzel* also, den letzten Satz hat gerade Katrin geschrieben, denn sie sitzt hier neben mir am anderen Computer. Ich habe ihr einige Dokumente für Online- Bewerbungen eingescannt und auf CD gebrannt. Wir müssen ab und zu die Plätze tauschen. Da fragt sie mich nach der Holzfarbe und tippt dann... Wir lachen viel, und es ist ein schöner Abend. Ich weiß, dass sich da noch jemand freut, weil ihre Mum wieder einmal richtig lustig sein kann...

 

Donnerstag, 16.09.2004

Dienstbeginn ist heute erst um 9.15 Uhr, dafür natürlich auch der Feierabend später. Ansonsten wird es ein Arbeitstag wie alle anderen auch, mal mehr, mal weniger Stress. Als ich Feierabend habe, überlege ich auf dem Heimweg, ob ich mein Auto zu hause abstelle, Jill nach oben bringe und mich dann noch einmal auf das Bike setze, um das Grab zu gießen. Aber dann fahre ich gleich mit dem Auto durch und gehe auf den Friedhof. Die Lilien sind immer noch nicht ganz verblüht. Ich entferne nur verwelkte Blüten, schneide sie neu an und gebe frisches Wasser in die Grabvase. Auch gebe ich dem Moos und den Blumen viel Wasser. Die blauen Astern sind wieder verblüht, auch die kleinen Minirosen kündigen den Herbst an… Die weiß blühende japanische Scheinmyrthe ist die einzige, der man das Ende des Sommers noch nicht ansieht. Als ich darunter Kiefernnadeln und Laub entferne, entdecke ich zwei große Pilze. Ich muss schmunzeln, und plötzlich sehe ich Jana so richtig schelmisch lachen… das erste Mal, dass ich auf dem Friedhof in Gedanken mit ihr verbunden bin. Sonst hatte ich immer nur das Gefühl, als sagt sie zu mir: „ich bin nicht hier, sondern überall…“

 

Mittwoch, 15.09.2004

Gut, dass ich erst um 8.15 Uhr Dienstbeginn habe, denn allein aufstehen ist für mich immer mit der großen Angst verbunden, dass ich verschlafen könnte. Wir fahren heute den halben Tag der Zeit hinterher, erst gegen Ende des Dienstes wird es entspannter, und wir kommen auch noch zum Einkaufen *grins*

Jill überschlägt sich wieder vor Freude, als ich mit meinem Bus auf den Hof fahre. Auf dem Heimweg ist auf der Stadtautobahn solch ein Stau, dass ich abfahre und lieber einen Umweg in Kauf nehme. Auf diesem Weg ist ein Laden, wo ich auch mit Renate war, er nennt sich „Mac Geiz“. Dort gibt es Dinge ab 50 Cent zu kaufen. Ob es Mülltüten sind oder Gewürze, alles ist als Schnäppchen zu haben. Ich bezahle an der Kasse 9,-€ und habe einen vollen Einkaufsbeutel, für dessen Inhalt ich anderswo wahrscheinlich 20,-€ bezahlt hätte… Dann ist es fast 18 Uhr, als ich mit Jill zu hause eintreffe.

Als ich meine Post aus dem Briefkasten nehme und öffne, ist jedoch Ärger angesagt. Also sitze ich zuerst wieder am Computer und schreibe einen bösen Brief an eine Versicherung…

Nun ist es für heute genug, aber damit es nicht so spät wie gestern wird, werde ich nun mit Jill die letzte Runde machen, am Müllcontainer vorbei gehen und dann die horizontale Lage einnehmen…

 

Dienstag, 14.09.2004

Ist schon blöd, wenn man am Montag Geburtstag hat und feiert, denn heute Morgen sind wir nicht gerade in Bestform... Ich bin darum froh, als Feierabend ist und ich den Heimweg antreten kann. Norbert fährt heute zu sich nach hause, denn es ist ein Schrank geliefert worden, den er mit seinem Sohn zusammen aufbauen will. Ich nutze dann die Zeit, um etwas aufzuräumen, auch klingelt das Telefon mehrmals. So wird es doch wieder später, als ich mir vorgenommen hatte…

 

Montag, 13.09.2004

Der Wecker klingelt 5.15 Uhr, ich drücke die Pausentaste und drehe mich nur noch mal kurz auf die andere Seite… Dann irgendwann kniet Norbert vor meinem Bett und sagt „happy birthday“, da mache ich langsam die Augen auf. Stimmt ja, ich habe heute Geburtstag…

Mein erster Arbeitstag verläuft glücklicherweise relativ ruhig, bin ganz froh darüber. Jill ist nach vielen Wochen wieder in ihrer „Huta“.  

Als ich von der Arbeit komme, ist Norbert schon da. Er hat mir noch einen wunderschönen Blumenstrauß mitgebracht (freu) Ich mache Kaffee, schneide Kuchen  auf, dann machen wir es uns gemütlich. Zu uns gesellt sich etwas später dann noch Katrin, und es wird ziemlich spät…

 

Sonntag, 12.09.2004

Wieder ist es ganz schön spät, als wir aufstehen. Morgen ist mein erster Arbeitstag, wie ich da um 5.30 Uhr aus dem Bett kommen soll, weiß ich noch nicht…

Gegen Mittag fahren wir mit Norbert zu mir. Heute kommt wieder Formel 1. Da sitzen wir natürlich vor dem Fernseher. Für die roten Ferraris sieht es in Monza beim Heim- Grand Prix anfangs nicht so sehr gut aus, aber dadurch ist es spannend wie lange nicht mehr. Es ist kaum zu glauben, die „Roten“ fahren letztendlich auf die ersten beiden Plätze! Ich sehe Jana wieder jubelnd aufspringen und freue mich mit ihr. Renate geht es sicher ebenso, denn auch Mario war großer Ferrari- Fan…

Gegen Abend hänge ich wieder längere Zeit am Telefon, rede über eine Stunde mit Petra in Flensburg. Dann rufe ich Renate an. Ich freue mich, als ich erfahre, dass Oma gut drauf ist, hoffentlich bleibt es noch lange so! 

 

Sonnabend, 11.09.2004

Da es gestern noch ziemlich spät wurde, wachen wir erst gegen 10 Uhr auf. Für mich wird es fast etwas knapp, denn ich will noch kurz nach hause und dann zum Sharpei- Treffen fahren. Dies ist in Biesdorf (am anderen Ende der Stadt), wo der Züchter von Jill wohnt. Da brauche ich mit dem Auto über eine Stunde. Zu dem Treffen kommen dieses Mal ca. 10 Hundebesitzer. Wir gehen wie immer auf eine Wiese in der Wuhlheide, wo sich unsere Hunde reichlich austoben. In mir kommen wieder Erinnerungen hoch, denn auch Jana war mal mit Jeannie zum Sharpei- Treffen mitgekommen...

Um 16 Uhr fahren wir alle in eine nahe gelegene Gaststätte, wo wir draußen in gemütlicher Runde sitzen und plaudern. Ich gehöre zu den letzten, die sich verabschieden. Nun muss ich wieder durch die ganze Stadt und freue mich, als ich kurz nach 21 Uhr wieder bei Norbert ankomme...  

 

Freitag, 10.09.2004

Auch heute starten wir nochmals eine größere Aktion. Bei Norbert ist nur an der Haustür eine Klingel, aber nicht am Gartentor. An Norberts Gartentür hängt seit einiger Zeit eine Tafel mit einem Sharpei- Aufkleber. Darauf steht: „Ich brauche 5 Sekunden bis zur Tür und Du?“ *grins* Die abschreckende Wirkung ist ja gut, aber dadurch wird manchmal nur noch eine Benachrichtigungskarte von Paketzustellern eingeworfen...

Nun mache ich heute eine Parallelschaltung vom Klingelknopf an der Haustür. Dann verlegen wir in der Erde über 20 Meter Kabel bis zur Gartentür. Dort bringe ich einen zweiten Klingelknopf an. Es funktioniert auf Anhieb! Jedes Mal, wenn wir die Klingel testen, bellt Jill, als stehen zehn Einbrecher in der Tür...    

 

Donnerstag, 09.09.2004

Um 10 Uhr komme ich bei Norbert an und habe frische Brötchen mitgebracht. Also frühstücken wir erst einmal ganz gemütlich...

Als auch Norberts Sohn Andi irgendwann sein Schlaflager verlassen und sich gestärkt hat, nehmen wir im Garten eine Aufgabe in Angriff, zu der wir nicht gerade große Lust haben. Es muss ein Regenabflussrohr ausgegraben werden, welches scheinbar verstopft ist, denn bei jedem Regen entsteht im Boden ein Loch, aus dem das Wasser hoch gedrückt wird. Andi spricht dann immer vom Vulkanausbruch *grins* Dieses Regenabflussrohr ist gleichmäßig perforiert und mit Gefälle verlegt, damit das Regenwasser versickern kann. Die Ursache des Rückstaus finden wir: Das perforierte Rohr ist nach nunmehr 15 Jahren zugesetzt mit Sand. Wir machen es sauber.

Norbert und ich, wir fahren zum Baumarkt, holen Regenrohre aus Kunststoff und Kies. Mit mehreren 20kg- Kies- Säcken  fährt mein Auto wie tiefer gelegt.

Wir ummanteln das gesäuberte perforierte Rohr nochmals mit einem Regenrohr, in das ich abermals etliche Löcher bohre. Dann verlegen wir es in einem Kiesbett. Bevor wir jedoch den Graben wieder zuschütten, wird etwas für das leibliche Wohl getan. Andi macht den Grill auf der Terrasse an und legt Fleisch und Bratwürste auf den Rost. Bevor wir nach dem guten Essen träge und müde werden, schippen wir das ausgehobene Erdreich zurück, ebenen es und wässern, damit es sich wieder verdichtet. Nun dämmert es auch langsam, draußen wird es kühler, und wir ziehen uns in das Haus zurück. Norbert sitzt unten im Wohnzimmer mit seinen Kindern, ich momentan mit meinem Laptop eine Etage höher, wo Norberts Computer steht. Das Kabel von seinem DSL- Modem habe ich mir kurz „ausgeborgt“...

 

Mittwoch, 08.09.2004

Man, wenn ich so auf den Kalender schaue, dann wird mir ganz komisch. Nun war ich seit dem 15.7. krank geschrieben, bin dann nahtlos in den Urlaub gegangen. Nun ist auch dieser in wenigen Tagen zu Ende. Montag muss ich wieder „schaffe gehe“, wie man in Baden- Württemberg sagt. Alles ist mittlerweile so weit weg von mir, die Motivation ist gleich null. Was soll auch noch sein, wenn man die Tage bis zur Arbeitslosigkeit fast schon zählen kann? Am letzten Sonnabend auf der Versammlung wurde uns kaum etwas Positives mitgeteilt. Wir können zwar noch ein halbes Jahr weiter beschäftigt werden, aber mit einer Neueinstellung und für weniger Lohn. Ob nach diesem halben Jahr eine Weiterbeschäftigung möglich ist, kann uns heute noch niemand versichern. Werden wir dann arbeitslos, fällt natürlich unser Arbeitslosengeld noch geringer aus, als wenn wir bereits zum 1. Januar ohne Job sind. Wie es aussieht, nehmen die meisten Kollegen ihre Kündigung zum 01.01.2005 an. Was ist das nur für ein Staat…?

Ich bleibe heute in meiner Wohnung und spiele Hausfrau: ich mache sauber und „beschäftige“ die Waschmaschine. Leider hängt sie die Wäsche nicht auch noch auf und legt sie zusammen… Auch rufe ich Norbert an, er ist auch noch voll beschäftigt und hat keine Langeweile…

Gegen Mittag telefoniere ich mindestens eine halbe Stunde mit Eva, der Frau meines Kollegen, die in der letzten Zeit Jill betreut hat. Auch sie sieht in der Weiterbeschäftigung für ein halbes Jahr nur eine Verschlechterung des nachfolgenden Arbeitslosengeldes... Aber ich kann mich ein wenig freuen, denn ab Montag darf Jill wieder in ihre „Huta“… Danke Eva!!!

Am Nachmittag nicke ich ungewollt auf der Couch ein. Es ist höchste Zeit für Jills Gassi- Runde, als ich um 18.30 Uhr wach werde und ziemlich erschrecke. Eigentlich wollte ich zu dieser Zeit auf den Friedhof sein, um zu gießen. Heute spielt im neuen Berliner Olympiastadion Deutschland gegen Brasilien, der Friedhof ist am Olympiastadion… So werde ich dies morgen früh nachholen, wenn ich zu Norbert fahre…

 

Dienstag, 07.09.2004

Schön, dass wir heute besser drauf sind als gestern… So fahren wir nach dem Frühstück zu Norbert und schaffen auch einiges am Haus und im Garten. Trotzdem ist noch lange nicht alles getan. Ein Haus mit Garten lässt eben nie Langeweile aufkommen. Abends will Norbert noch die Pflanzen und Sträucher wässern. So fahre ich allein in meine Wohnung, denn ich muss nach Emails und Gästebucheinträgen schauen. Auf dem Heimweg halte ich wieder am Friedhof, um zu gießen, denn es ist reichlich warm und Regen ist nicht in Sicht…

Zu hause angekommen melde ich mich zuerst bei Katrin, die ich für heute zum nochmaligen Grillen auf dem Balkon eingeladen hatte. Ich mache noch ein paar Handgriffe, dann machen wir es uns unter dem Sonnenschirm gemütlich. Kaum haben wir uns abends verabschiedet, ruft Renate an. Nachdem wir eine Weile gequatscht haben, will ich nun Tagebuch schreiben. Jedoch klingelt das Telefon abermals. Ich kann die angezeigte Rufnummer nicht gleich zuordnen, aber dann freue ich mich, dass es Bärbel aus Florida ist! Ich frage sie als Erstes, ob sie den Hurrikan gut überstanden hat, aber außer zwei kaputten Fenstern hat sie keinen größeren Schaden. Allerdings hat sie bis heute noch keinen Strom. Nachdem wir ungefähr eine Stunde telefoniert haben, gehe ich mit Jill die späte Gassi- Runde und schreibe nun Tagebuch…           

 

Montag, 06.09.2004

Wir machen uns einen ruhigen Tag, denn wir sind heute irgendwie etwas antriebslos. Norbert und ich, wir fahren am späten Vormittag zu ihm und dann mit seinen Kindern Lebensmittel einkaufen.

Auf der Rückfahrt zu mir halten wir am Friedhof, um zu gießen. Das Wasser in den Grabvasen ist von gestern zu heute bereits viel weniger geworden. Wir füllen es auf, und ich gieße wieder reichlich das neue Moos, damit es bei der Wärme nicht noch mal eingeht…

Als wir wieder bei mir zu hause sind, mache ich auf dem Balkon den Elektrogrill an, denn wir haben uns Grillfleisch mitgebracht und lassen es uns schmecken… 

 

Sonntag, 05.09.2004

Janas 23. Geburtstag – es gibt keine Worte, mit denen ich nur annähernd meine Gefühle beschreiben könnte…

Um 10 Uhr kommt Steffi. Eine halbe Stunde später fahre ich mit Norbert, Katrin und Steffi zum Friedhof. Wir holen  Blumen, vor allem Lilien. Es waren immer unsere gemeinsamen Lieblingsblumen. Auch blaue Blumen nehmen wir mit…

Ich habe auch noch etwas ganz besonderes. Renate hatte sich nach der Entsorgung der verwitterten roten Grablaterne nach einer neuen umgesehen. Beim Steinmetz, der Janas Gedenktafel anfertigte, fand sie eine und überraschte mich damit. Während meines Aufenthaltes in Zimmern kam der Steinmetz, nahm die Laterne noch mal mit und befestigte sie auf einem weißen Marmorstein. Heute zu Janas Geburtstag haben wir sie auf das Grab gestellt. Ich habe zum ersten Mal nicht die Kamera vergessen und kann somit Janas Blumen und die neue Grablaterne fotografieren.

Wir stehen alle vor dem Grab, es fallen nur wenige Worte. Aber unausgesprochen denken wir wohl alle das Gleiche: Es ist immer noch unfassbar, und wir vermissen Jana so sehr! Aber ich sehe sie lächeln…    

 

Sonnabend, 04.09.2004

Ich habe mir den Wecker gestellt, damit ich die Versammlung nicht verschlafe. Das „pünktliche“ Aufstehen fällt mir nicht gerade leicht… Letztendlich wird es doch etwas eng mit der Zeit, aber ich schaffe es noch. Jill nehme ich mit, denn danach will ich direkt zu Norbert fahren.

In der Versammlung erfahren wir eigentlich nur, dass man noch nichts weiß – hätte ich mir also fast sparen können. Neu ist nur, dass wir ab 01.01.2005 für ein halbes Jahr weiter für die Zentrale fahren können, aber für weniger Lohn. Dann will man an der Neuausschreibung teilnehmen. Das heißt also, wenn es nach diesem halben Jahr nicht weitergehen sollte, unser Arbeitslosengeld aufgrund des geringeren Verdienstes noch niedriger ausfallen würde…  

Nach einer Stunde ist die Versammlung beendet, wir Kollegen stehen noch eine Weile vor der Tür und diskutieren, alle sind irgendwie frustriert…

Ich weiß noch nicht, wie ich mich entscheiden werde. Nun fahre ich erst einmal zu Norbert und freue mich sehr auf ihn. Norbert hat letzte Nacht bis ca. 3 Uhr mit seinem Sohn neue Badschränke zusammen gebaut und ist nicht gerade sehr ausgeruht. Norbert hat zu nichts Lust, aber leistet mir Gesellschaft, als ich bei ihm mein Auto per Hand wasche, denn es ist lange überfällig. Eine „normale“ Wagenwäsche an der Tankstelle hätte wahrscheinlich nicht allzu viel gebracht…

Gegen 16.30 Uhr setzen wir uns in mein frisch gewaschenes Auto und fahren zu mir. Auf halber Strecke halten wir am Friedhof, um nochmals zu gießen, vor allem wegen dem Moos.

Abends meldet sich meine Nachbarin Katrin bei mir, die morgen an Janas Geburtstag mit zum Friedhof kommen möchte. Auch Steffi ruft an. Sie kommt morgen auch. Ich freue mich…    

 

Freitag, 03.09.2004

Die Nacht war wirklich etwas kurz, und das Aufstehen kurz nach 8 Uhr fällt mir nicht allzu leicht, aber ich muss ja mit Jill runter… Später höre ich dann von Katrin, dass es ihr nicht besser erging, also ein kleiner Trost…

Heute schaue ich mal im Internet nach Rezepten. Renate hat mir soviel Zucchini mitgegeben, dass ich für eine Großfamilie kochen könnte, habe darum auch schon Katrin einige abgegeben. Ein Zucchini hat fast die Größe eines Baseball- Schlägers. Davon koche ich eine leckere Suppe mit Hackfleischklößchen und Sahne. Habe es noch nie gemacht, aber wird superlecker! Ich hole nochmals Katrin zu mir und lade sie zur Zucchinisuppe ein. Auch sie ist ganz begeistert…

Nachdem ich mit Jill um 18 Uhr die Gassi- Runde gemacht habe, packe ich die Gießkanne in den Rucksack, nehme meinen Helm und fahre mit dem Motorrad zum Friedhof. Während ich bei Renate war, hatte Katrin die Grabpflege übernommen. Nach dem vielen Regen ist es heute den zweiten Tag sehr sonnig, und ich mache mir Sorgen um das Moos, welches ich mit Renate neu eingesetzt hatte. Es sieht noch gut aus, und ich gieße es reichlich.

Nach dem Besuch auf dem Friedhof möchte ich nicht gleich nach hause fahren, denn es macht auf dem Bike wieder Spaß. Ich fahre zu Norbert. Er ist überrascht und freut sich. Auch zeigt er mir, warum er gestern nicht mehr kommen konnte. Er hatte etwas angefangen, aber wie so oft, kam alles anders… Dann kann man auch nicht einfach alles stehen und liegen lassen, das kenne ich nur allzu gut. Nach einer halben Stunde setze ich mich wieder aufs Bike und fahre nach hause. Morgen sehen wir uns wieder, jedoch muss ich zuerst um 9 Uhr in die Firma zur Versammlung. Ich weiß zwar nicht, was man uns nach der Kündigung noch wichtiges zu sagen hat, aber mal sehen… Fast alle Kollegen sind beim Arbeitsgericht gewesen, unsere (lächerlichen) Abfindungen sind ausgehandelt. Ich weiß nicht, was man uns noch mitteilen will. Eigentlich habe ich ja noch Urlaub, müsste also gar nicht hingehen, wenn da nicht diese Neugier wäre…*grins*…  

 

Donnerstag, 02.09.2004

Als ich aufstehe, merke ich schon, dass meine Stimmung im Keller ist. Ich würde so gern länger bei Renate bleiben, aber freitags oder am Wochenende wollte ich nicht fahren, und am Sonntag ist Janas Geburtstag…    

Meine Psyche legt sich wie immer auf den Magen, und ich habe einen fürchterlichen Würgereiz, obwohl ich noch nichts zu mir genommen habe. Essen kann ich nichts, meinen Tee trinke ich noch. Renate geht es ähnlich… Am Frühstückstisch herrscht eine ziemlich traurige Stimmung. Gerda und Ludwig kommen, um bei der Oma zu sein, denn Renate will mich über eine günstige Strecke zur Autobahn lotsen. Bei unserer letzten Umarmung kullern Renate die Tränen, auch mir steht das Wasser in den Augen.

Wie in Trance fahre ich auf die Autobahn, Renates Auto fährt geradeaus weiter… Ich bin sehr traurig. Nach 270 km mache ich mit Jill auf einem Parkplatz eine kleine Pause. Ich rufe mit dem Handy Renate an, dass ich bisher gut durchgekommen bin. Dann melde mich bei Norbert, der da sein will, wenn ich komme. Die restlichen 250 km fahre ich durch bis Berlin. Punkt 16 Uhr komme ich an und finde zu meinem Glück direkt vor dem Haus einen Parkplatz. Da muss ich mein Gepäck und vor allem die Kürbisse nicht so weit tragen *grins*  

Schnell rufe ich nochmals bei Renate an, dass ich gut „gelandet“ bin. Dabei entdecke ich eine SMS von Norbert, dass leider etwas dazwischen gekommen ist… Als ich aus dem Auto aussteige, kommt im gleichen Moment meine Nachbarin Katrin aus der Haustür. Wir fallen uns vor Wiedersehensfreude in die Arme. Katrin ist mein wachsamer und helfender Engel, wenn ich nicht da bin. Sie hat sich auch um meine Blumen gekümmert. Als sie abends nach hause kommt, meldet sie sich nochmals bei mir, und wir quasseln bis spät in die Nacht…

 

Mittwoch, 01.09.2004

Ich habe letzte Nacht nochmals unten bei Renate geschlafen. Ich werde kurz nach 8 Uhr wach und bemerke, dass Renate bereits die Oma versorgt. Also stehe ich auch auf und gehe zuerst mit Jill Gassi. Wir brauchen nur aus der Haustür, denn das Grundstück ist riesig und liegt an einem Hang. Jill läuft immer hoch bis an die Grundstücksgrenze und macht ganz am Rand ihr großes Geschäft.

Am späten Vormittag kommt Gerda, um die Oma für einige Stunden zu betreuen. Renate und ich, wir fahren in dieser Zeit nach Bad Mergentheim, um noch einiges zu erledigen. Ja, wir bummeln auch etwas durch die Läden, aber kaufen heute weder Schuhe noch andere Klamotten *schmunzel* Aber bei Aldi füllen wir unsere Einkaufsbeutel und haben somit genug zu tragen.

Nachmittag holt Renate aus dem Garten einen riesigen Kürbis, den sie mir mitgeben will. Ich stöhne schon, wenn ich an meinen 5. Stock ohne Fahrstuhl denke. Dann pflückt sie Zucchini für mich und packt noch einen kleineren Kürbis dazu. Ja, leider ist morgen Abschied...       

 

Dienstag, 31.08.2004

Nachdem wir gestern Abend noch den Notarzt für die Oma holen mussten, war unsere Nachtruhe nicht die Beste. Ich schlief in der unteren Etage bei Renate, da sie große Angst um Oma hatte.

Durch die ganze psychische Anspannung und Dauerbelastung bricht Renate heute morgen vor Erschöpfung zusammen. Sie kann sich nicht mehr auf den Beinen halten, hat Magen- und Kreislaufprobleme. So lasse ich sie sich ausruhen und kümmere mich vormittags um Oma. Ich füttere sie, gebe ihr zu trinken und schaue ständig nach ihr... Ich bin froh, dass Renate derweil auch etwas Schlaf aufholt. Gegen Mittag geht es ihr dann langsam etwas besser, und sie steht wieder auf.

Wir holen dann Oma aus ihrem Bett und bringen sie in die Wohnküche, wo ihr schöner Sessel steht. Oma kann nur noch laufen, wenn sie von beiden Seiten gehalten wird, ihre Schritte sind nur etwa 10 cm lang... Ich mache mit Oma etwas „Gymnastik“, denn sie hält ihre Arme nur noch angewinkelt, und die Hände sind fast ständig zur Faust gemacht. Ich strecke ihre Arme und Finger und mache mit ihr Greifübungen.

In den letzten Tagen wird mir klar, dass die Altenpflege auch ein Arbeitsgebiet für mich wäre. Jedoch fehlt mir dazu der Berufsabschluss. Die 14 Jahre Umgang mit Behinderten würden wohl kaum angerechnet werden. Vielleicht kann ich trotzdem ab meiner Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr Renate etwas unterstützen...  

 

Montag, 30.08.2004

Auch heute kommt Jill nach dem Aufstehen heil die Wendeltreppe hinunter. In der Küche steht das Frühstück bereit. Auch Gerda ist schon da, um die Oma zu betreuen, damit wir mit Renate nach Tauberbischhofsheim einkaufen fahren können. Wir müssen einige Lebensmittel einkaufen, aber schauen uns natürlich auch in anderen Läden um. So haben wir letztendlich jeder wieder einen Schuhkarton unter dem Arm (grins)

Gegen Ende unseres Einkaufsbummels wird aus anfänglichem Nieseln starker Regen. Jill ist froh, als sie ins Auto springen kann, denn jeden Wassertropfen von oben empfindet sie scheinbar als Tierquälerei (schmunzel)

Obwohl wir bei Renate keine Parkplatzsuche wie bei mir haben, und es nur wenige Schritte zum Haus sind, müssen wir zuerst unsere nassen Sachen ablegen, denn es gießt mittlerweile in Strömen... Jill schüttelt sich fast ununterbrochen...

Nun ist gemütliches Mittagessen angesagt. Dann hole ich den Laptop, denn Renate gibt mir aus ihrer Schultasche eine Fortsetzung von Marios Lebensweg. So erscheint nunmehr ein weiterer Abschnitt von Marios Geschichte.   

 

Sonntag, 29.08.2004

Heute will ich Jill wieder die Wendeltreppe heruntertragen, aber sie möchte allein laufen. Sprungbereit stehe ich da, um aufzupassen, dass sie nicht noch einmal abrutscht, aber sie kommt gut hinunter. Dafür bekommt sie ein ganz großes Lob von mir!

Nach dem Frühstück holen Renate und ich die Oma wieder aus dem Bett in die Wohnküche, wo der verstellbare Sessel steht. Ganz kleine Schritte macht sie, wenn sie an beiden Armen gehalten wird. Am späten Vormittag treffen Gerda und Ludwig ein, mittags kommt Gerdas Sohn mit Familie. Wir essen in der großen Runde Mittag, später sitzen wir alle noch gemeinsam am Kaffeetisch. Dann wird es irgendwann wieder leerer und ruhiger.

Gerda und Ludwig sind noch da, bleiben auch noch einige Zeit als Oma- Sitter. So können Renate, Werner und ich mal nach Königshofen in eine Gaststätte fahren, vor allem für Renate mal eine Möglichkeit, um aus dem Dauerstress herauszukommen. Eins muss ich auch mal bemerken: Hut ab vor Leuten wie Renate, die ihre pflegebedürftigen Verwandten zu hause versorgen und nicht ins Heim geben!              

 

Sonnabend, 28.08.2004

Da ich in der oberen Etage von Renates Haus schlafe, höre ich nichts und verschlafe regelrecht... Gegen 9 Uhr erschrecke ich beim Blick auf die Uhr und springe ins Bad. Nach unten führt eine teilweise gewendelte Holztreppe. Jill läuft sie zwar schnell hoch, aber hinunter...??? Voriges Jahr ist sie einmal abgerutscht, das muss sie sich bis heute gemerkt haben. Sie steht oben und jault, also trage ich sie runter *schmunzel*

Dafür hat Jill von Renate einen neuen Spitznamen bekommen. Sie ist unsere „kleine Krankenschwester“. Warum? Ja, wenn wir Oma im Bett oder im elektrisch verstellbaren Sessel füttern oder ihr zu trinken geben, sitzt Jill daneben und hebt ein Pfötchen in Richtung Oma. Es ist ein herzzerreißender Anblick!

Mittags kommt Ludwig auf einen kurzen Besuch vorbei. So können wir mit Renate mal zum Friedhof fahren. Jill bleibt hier, als Trost bekommt sie ein Schweineohr. Sie freut sich, flitzt damit los und legt sich zu Knabbern neben Omas Bett...  

Ich bin schon sehr neugierig auf den Friedhof, denn seit kurzem steht nicht mehr die Gedenktafel aus Holz für Jana, sondern eine neue aus Granit. Ich sehe sie nun zum ersten Mal und finde sie sehr schön. Also fotografiere ich auch, zumal ich sowieso aktuelle Fotos von Marios Grab machen möchte. Als wir zurück sind, lade ich die Fotos sofort von der Digitalkamera auf den Computer. Die besten bearbeite ich und setze sie auf die Seite von Marios Grab. Ludwig ist noch eine Weile da, schaut mir zu und staunt, was mit dem Computer heutzutage alles möglich ist...        

 

Freitag, 27.08.2004

Renate muss vormittags zur Apotheke, um für Oma ein Rezept einzulösen. Dieses Medikament kommt aus England und muss bestellt werden. Ich bleibe in der Zeit bei Oma, damit sie nicht allein ist. Sie hat zwar nun ein Pflegebett, aus dem sie nicht herausfallen kann, aber allein lassen kann man sie nicht mehr. Die Zimmertüren stehen offen, so dass ich Oma höre. Ich sitze in Marios Zimmer am Computer, um die Zugangsdaten von Renates Internetzugang auf den Laptop zu übertragen. So kann ich auch mal kurz online gehen und vor allem das Tagebuch aktualisieren und Emails abrufen.

Auch werde ich in den nächsten Tagen Renates Computer mal soweit aktualisieren, dass Firewall und Virenschutz aktualisiert sind und Renate auf der sicheren Seite ist. Ich hatte ihr vor einiger Zeit abgeraten online zu gehen, da leider wieder so „einiges“ im Umlauf war.

Mittags holen wir den Hausarzt, denn Oma macht auf uns den Eindruck, als hätte sie Fieber. Aber glücklicherweise kann er uns beruhigen, es ist alles o.k. Nachmittags kommen Gerda und Ludwig auf ein Stündchen vorbei. Renate und ich, wir nutzen die Zeit, um nochmals zur Apotheke zu fahren und ein neues Fieberthermometer zu kaufen. Renate stellt mich dem Apotheker vor, auf dem Land kennt man sich eben... Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile über Jana und Mario...   

 

Donnerstag, 26.08.2004

Zeitiges Aufstehen ist angesagt. So klingelt um 7 Uhr der Wecker. Gassi- Runde mit Jill, gemütliches Frühstück, letzte Absprachen mit Nachbarin Katrin. Gegen 10 Uhr sitzen Renate, Jill und ich im Auto und fahren ganz gemütlich in Richtung Baden- Württemberg. Nach zwei Stunden legen wir eine Pause ein und essen in einem netten Gasthof. Jill trifft dort einen anderen Hund. Mehrere Gäste sind von den Neckereien der beiden ganz angetan. Fast eine Stunde vergeht, dann fahren wir weiter. Nachdem wir wenige Kilometer vor dem Ziel noch ein paar Lebensmittel eingekauft haben, treffen wir gegen 16.30 Uhr hier ein.

Empfangen werden wir von Gerda und Ludwig, die Renates Mutter während ihrer Abwesenheit betreut haben. Die Oma leidet an Alzheimer und wird zu hause betreut. Bei unserem letzten Besuch räumte sie noch den Tisch ab und machte einige Handreichungen. Nun war sie zweimal hintereinander im Krankenhaus und hat mächtig abgebaut. Allein aufstehen kann sie auch nicht mehr...

Ich melde mich kurze Zeit nach unserer Ankunft bei Norbert und bei Katrin, um Bescheid zu sagen, dass wir gut angekommen sind. Gerda und Ludwig bleiben noch eine Weile, wir essen Abendbrot, hier sagt man allerdings vespern...   

 

Mittwoch, 25.08.2004

Heute Mittag gehen wir nochmals zu Renates Lieblingsgriechen und lassen es uns schmecken. Dann machen wir mit Jill einen längeren Spaziergang. Unser Ziel ist der Tierarzt, denn Jill muss geimpft werden. Auch lassen wir Krallen schneiden und die Ohren sauber machen.

Als wir wieder zu hause sind, sammeln wir langsam unsere Sachen zusammen, denn morgen wollen wir zu Renate fahren. Renate muss ja nur einpacken was sie mitgebracht hat. Aber ich muss überlegen, was ich mitnehme, und das ist nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung...

 

Dienstag, 24.08.2004

Gestern erzählte Katrin, dass sie mit ihren Eltern, die gerade zu Besuch sind, heute nach Polen fahren wird. Es muss ungefähr 9 Jahre her sein, dass ich mit Jana mal in Polen einkaufen war. Katrin fragte auch, ob wir nicht Lust haben mitzukommen und gab uns „Bedenkzeit“ bis heute zur Abfahrt gegen 10 Uhr. Renate war noch nie in Polen, also entscheiden wir uns mitzufahren. So folgen wir dem Renault von Katrin. Als ich bei der Ankunft in Hohenwutzen an der Tankstelle einen Preis von 92 Cent für Super sehe, freue ich mich, dass ich nicht schon vor Tagen getankt habe, denn mein Tageszähler zeigt nun knapp 400 km. Auf dem Polenmarkt nur wenige Meter hinter der Grenze gibt es so gut wie alles zu kaufen, aber auch viel minderwertiges Zeug. Man muss schon gucken, was man kauft. Auf jeden Fall freut sich jeder Raucher, wenn er eine Stange Zigaretten für 10,-€ erstehen kann. Aber leider darf man ja pro Person nur eine Stange über die Grenze mitnehmen… An einem Marktstand entdecken Renate und ich Nilpferde aus Keramik als Sparbüchse. Renate möchte mir eine Freude machen und kauft für mich solch ein Nilpferd, um meine Sammlung zu vervollständigen. Aber zu hause angekommen packt sie leider etwas zu hektisch aus, das Nilpferd rutscht ihr weg und „landet“ auf dem gefliesten Küchenboden in unzähligen Scherben…         

 

Montag, 23.08.2004

Das erste Mal schaue ich um 7.30 Uhr auf den Wecker, bin aber noch zu faul zum Aufstehen. Gegen 8 Uhr raffe ich mich auf, gehe ins Bad. Dann schleiche ich mich zu Renate ins Zimmer. Sie schläft noch. Aber Jill freut sich sehr und weckt Renate auf ihre Art. Wenn man eine Hundenase im Gesicht hat, wird man sehr schnell wach…

Nach der Mittags- Runde mit Jill fahren wir zu einem kleinen Einkaufsbummel nach Siemensstadt. Gegen 16 Uhr sind wir zurück, Jill freut sich, als wären wir eine Woche weg gewesen…

Wir machen uns einen faulen Rest- Nachmittag, denn Einkaufsbummel macht müde. Dann kommt noch Nachbarin Katrin, die ein paar Bewerbungen bei mir ausdrucken will, weil ihr Sohn gerade am Computer bastelt und dieser nicht einsatzbereit ist. Kein Problem, Katrin druckt ihre Bewerbungen, auch nutzen wir die Zeit für einen Schwatz zu dritt…  

 

Sonntag, 22.08.2004

Heute haben wir eine Verabredung mit einer Redakteurin, zu der wir immer noch rein privaten Kontakt haben. Wir wollen zu dritt einen ausgiebigen Kaffeeklatsch machen. Aber wieder einmal kommt alles ganz anders… Gestern Abend haben wir nach einem Anruf unser Konzept für heute total über den Haufen geworfen, denn ein Redakteur vom ZDF rief an. Er hatte damals mit mir einen Beitrag für „Hallo Deutschland“ gemacht. Eigentlich wollte er mich darum bitten, zu erzählen, wie es mir inzwischen geht. Ich erzählte ihm von der Homepage, die er noch nicht kannte, und dass Renate gerade da ist. Na ja, und nun kommt er heute zusammen mit einem Kameramann und macht mit uns beiden einen weiteren Beitrag für diese Sendung. Wir sind beeindruckt und froh, dass man sich immer noch an unsere Kinder erinnert und sie mit diesem Beitrag erneut in die Erinnerung vieler Menschen zurückruft. Wir haben zwar ein schlechtes Gewissen, dass wir unsere Verabredung absagen mussten, aber man ist uns nicht böse und versteht uns…   

Während unseres Termins klingelt das Telefon. Als ich merke, wer am anderen Ende ist, freue ich mich riesig. Es ist der jetzige Besitzer von Janas Rottweiler Jeannie. Er war im Krankenhaus, darum hatte ich ihn in der letzten Zeit nicht erreicht, worüber ich mich bereits wunderte. Jeannie hat am letzten Montag Welpen bekommen. Demnächst bekomme ich Fotos. Die liebe Jeannie ist nun also Hundemama! Ich weiß, dass sich darüber noch jemand sehr freut und sehe Jana lächeln...          

 

Sonnabend, 21.08.2004

Heute weckt mich Renate, gestern war es umgekehrt… Nach der Gassi- Runde mit Jill frühstücken wir ganz gemütlich. Am späten Vormittag fahren wir zum Holländer und dann zum Friedhof. Das vertrocknete Moos entfernen wir, pflanzen dafür anderes ein und hoffen, dass es wird…

Unser Mittagessen nehmen wir bei Renates Lieblingsgriechen ein, es ist wie immer superlecker! Wir sind nach dem Essen satt und faul, gehen mit Jill in den Park und setzen uns auf eine Bank in der Sonne. Dann  wechseln wir die Bank, denn vor der evangelischen Kirche stehen viele geschmückte Hochzeitsautos, also findet in der Kirche gerade eine Trauung statt. Als wir vor der Kirche ankommen, ist das Brautpaar bereits draußen, ein Fotograf macht gerade die Fotos für das Album. Auch nachdem die Hochzeitsgesellschaft bereits abgefahren ist, bleiben wir noch eine Weile in der Sonne sitzen, Jill legt sich mitten auf den Fußweg…

Gegen 15.30 Uhr laufen wir langsam zu meinem Auto und fahren zu Norbert. Renate freut sich sehr, auch Norbert zu sehen, wir trinken Kaffee, bleiben eine Weile, fahren dann zurück…

Abends kommt ein Anruf aus Florida. Ediths Schwester Bärbel ruft an, weil sie sich Sorgen macht. Bei Edith ist seit Stunden das Telefon besetzt. Auch ich versuche es, aber ebenfalls ständig ein Besetztzeichen… Renate und ich, wir versuchen es immer wieder. Wir würden uns ins Auto setzen und hinfahren, aber haben beide bereits ein Glas Wein getrunken. Dann suchen wir im Telefonbuch die Nummer von Nachbarn und bitten darum, dass sie bei Edith klingeln. Man sagt uns, dass niemand aufmacht und es dunkel wäre. Unsere Sorgen um Edith sind unermesslich. Letztendlich rufen wir die Polizei an, um Klarheit zu bekommen. Dann erfahren wir, dass Edith geschlafen hat und den Hörer nicht richtig aufgelegt hatte. Gegen 23 Uhr ist wieder ein Freizeichen im Telefon, ich erreiche endlich Edith! Sie beschwert sich darüber, dass wir die Polizei geschickt haben, sie habe doch nur geschlafen. Sie ist noch völlig verstört, weil die Polizei in ein angelehntes Fenster eingestiegen ist. Ich bin einfach nur froh, dass ich Edith am Telefon höre und erzähle ihr, welche Sorgen wir uns gemacht haben…   

 

Freitag, 20.08.2004

Ein kleiner Nachtrag über den gestrigen Abend: Um 21.17 Uhr sollte der Zug ankommen. Mit 5 Minuten Verspätung fuhr der ICE in den Bahnhof… Meine Augen suchten zwischen den vielen Menschen auf dem Bahnsteig nach Renate. Aber Renate war es, die zuerst Jill sah und zielstrebig auf uns zukam… Meine Nachbarin Katrin war mit auf dem Bahnhof, dann fuhren wir nach hause und tranken zu dritt noch eine Flasche Sekt zur Begrüßung…

Die morgendliche Gassi- Runde gehen wir mit Jill zum Bäcker, holen Brötchen zum Frühstück. Um 11 Uhr bekommen wir Besuch. Es ist ein Kamerateam von Spiegel- TV, die einen Beitrag über Suizid von Kindern und Jugendlichen drehen. Vor etwa 10 Tagen bekam ich per Email die Anfrage. Als ich sagte, dass Renate in wenigen Tagen hier ist, haben wir den Termin auf heute gelegt…  

Nachmittag fahren wir noch etwas einkaufen und zum Friedhof. Meine Hoffnung, dass sich das Moos noch mal erholt, gebe ich nun endgültig auf. So wollen wir morgen mal zum Holländer fahren und schauen, ob wir einen Ersatz für das Moos bekommen.

 

Donnerstag, 19.08.2004

Seit Tagen habe ich das gepolsterte aber noch unfertig eingepackte Bild aus Deko- Sand hier stehen, aber mir fehlten bis jetzt große Pappen. Nun habe ich von dem gestern gelieferten Schrank sogar mehr Pappe, als ich gebrauchen kann. Also packe ich das Bild fertig ein, verklebe reichlich mit Paketklebeband und schreibe Aufkleber „Vorsicht Glas!“, damit es schonend transportiert wird. Dann fahre ich schnell mit dem Auto zur Post und gebe es auf. Als ich zurück bin, rufe ich Petra in Flensburg an und sage ihr, dass das Bild nun unterwegs ist. Petra freut sich sehr auf das Bild…

Gegen Mittag bleibe ich für eine Weile am Computer hängen und bastele wieder ein wenig an meiner evero- Homepage. Ich überarbeite einige Seiten. Auch ein paar neue Fotos sind dabei, sowie ein neues lustiges Video auf der Humorseite mit dem Titel „Abwasch“.

Den Rest des Tages mache ich noch hier und da ein paar Handgriffe, wie das so ist, wenn man Besuch erwartet. Ich habe auch zu nichts mehr richtig Ruhe, denn ich bin regelrecht aufgeregt. Im diesem Moment klingelt das Telefon und Renate meldet sich über Handy, dass der Zug planmäßig ist und keine Verspätung hat. Eine gute Stunde noch, dann können wir uns begrüßen. Also Schluss mit Tagebuch schreiben, jetzt ist es mit meiner Konzentration gänzlich aus…

 

Mittwoch, 18.08.2004

Die Mittags- Gassi-Runde verlege ich zeitlich etwas vor, denn ab 12 Uhr soll endlich der kleine Schrank geliefert werden. So gehe ich mit Jill bereits um 11 Uhr runter. Unser Weg führt zur Apotheke, um mein Medikament abzuholen. Vor der Apotheke steht ein Fahrradständer, die einzige Möglichkeit, um Jill anzubinden. Drinnen wird gerade eine alte Dame bedient, ich muss also etwas warten. Mit einem Auge gucke ich ab und zu nach draußen zu Jill. Plötzlich sehe ich sie nicht mehr, sondern nur den Fahrradständer, der dann auch noch ruckartig aus meinem Blickfeld verschwindet. Ich stürze aus der Apotheke… Ich habe Jill relativ kurz angebunden. Als sie zog, kam der Fahrradständer natürlich mit, sie ist jedes Mal erschrocken, dass das blöde Ding ihr „folgt“ und zog wieder. Somit hat sie ihn nunmehr fast zwei Meter weiter gezogen. Sie ist total verstört, ich habe Mühe, den Knoten von der Leine aufzubekommen, da sie einfach nur weg will von dem „Ding“. Dann stelle ich den ursprünglichen Zustand wieder her, rücke den Fahrradständer an seinen alten Platz und warte, dass die alte Dame den Laden verlässt. Die Apothekerin ruft mir zu, dass ich doch den Hund mit hinein bringen soll. Ich bin froh, dass ich Jill nun mit hinein nehmen kann, bekomme mein Medikament, bezahle meine Rezeptgebühr und gehe dann mit meinem kleinen Angsthasen nach hause…

Es vergeht nicht viel Zeit, gegen 12.30 Uhr klingelt es, und der Schrank wird geliefert. Selbstaufbau heißt es immer, also Akkuschrauber raus und los geht es… Es ist jedoch schon wieder so schwül, dass jeder Handgriff regelrechte Schweißausbrüche verursacht. Also mache ich ganz langsam und viele Pausen. Dann ist das gute Stück irgendwann fertig, und ich kann endlich einräumen. Dieser eigentliche Schuhschrank ist für diese Korridorecke wie maßgeschneidert! Ich bin einfach nur happy! Nun sind die letzten Handgriffe getan, endlich ist alles an seinem Platz!

Nun muss ich nur noch mit Renate telefonieren, um zu erfahren, wann ich sie morgen vom Bahnhof Zoo abholen muss. Ja, sie kommt morgen Abend, und ich freue mich schon so sehr… Telefonisch erreiche ich sie momentan noch nicht zu hause. Aber nun klingelt es…                 

 

Dienstag, 17.08.2004

Den Vormittag vertrödele ich etwas, denn ich habe heute um 16 Uhr meinen Termin beim Psychologen und bin ziemlich angespannt. Dann gucke ich ständig auf das Wetter. Laut Internet soll es heute den ganzen Tag in Berlin regnen, aber nichts… Dann überlege ich, ob ich per Auto oder Motorrad zum Arzttermin fahre, denn die Parkmöglichkeiten sind mit dem Bike immer besser. Aber nein, ich traue dem Wetter nicht und fahre mit dem Auto…

Das Gespräch mit dem Psychologen ist für mich immer wie eine Krücke, die mir beim Laufen hilft. Zuerst fragt er jedes Mal, wie es mir seit dem letzten Gespräch ergangen ist. Ich erzähle ihm, dass ich wenige Tage nach Einnahme des zweiten Medikaments wie aufgezogen und voller Power war… Er fragt mich, wie sich das „ausgewirkt“ hat. Als ich ihm erzähle, dass ich meine Wohnung renoviert habe, muss er lachen. Er staunt, denn die Dosierung war nicht allzu hoch. Aber ich erzähle ihm auch, dass ich zwei Tage nach Aufbrauchen des Medikaments wieder „heruntergefallen“ bin und momentan noch dabei bin, mich wieder aufzurappeln. Er gibt mir noch ein paar Tage, damit ich nahtlos in den Urlaub gehen kann.

Jill freut sich riesig, als ich vom Arztbesuch zurück bin, denn sie ist ja in der letzten Zeit nur selten mal allein gewesen. Nun fahren wir zu Herrchen, denn gestern wurde er ebenfalls auf Arcor umgestellt, hat aber Schwierigkeiten mit dem Anschließen der neuen Endgeräte. Vater und Sohn sehen kein Land mehr und ich muss helfen… Für mich ist die Verkabelung kein Problem, auch richte ich dann den Internetzugang über Arcor ein. Mein lieber Norbert ist richtig glücklich, als alles wieder geht…

Glücklich sind wir eigentlich beide, dass wir uns nach mehreren Wochen wieder sehen. Ich hatte mich ziemlich zurückgezogen, unser Kontakt beschränkte sich in der letzten Zeit auf wenige Telefonate und Emails. Manchmal sind wir allerdings auch Weltmeister in Missverständnissen… *zwinker*   

 

Montag, 16.08.2004

Ich stehe außergewöhnlich zeitig um 6.45 Uhr auf, und meine Schwester erschreckt regelrecht, als ich bei ihrem Weckruf um 7.30 Uhr sofort am Hörer bin. So beginnt der Tag für mich doch relativ lustig…

Ansonsten wird es ein ziemlich fauler Tag. Am späten Vormittag nicke ich vor dem Fernseher nochmals für ein Stündchen ein. Ich weiß nicht, ob es an meiner Müdigkeit oder dem Fernsehprogramm liegt… Um 14 Uhr fahre ich mit dem Motorrad zum Friedhof. Das Moos am Rand sieht nicht aus, als würde es sich noch einmal erholen. Renate sagte mir schon neulich am Telefon, dass dieses Moos auch auf Marios Grab steht und scheinbar sehr empfindlich ist. Aber die Blumen machen wieder einen besseren Eindruck. Die langen Triebe der Minirosen habe ich nicht mehr abgeschnitten, denn an dessen Enden blühen sie nun wieder…

 

Sonntag, 15.08.2004

Na, heute hätten Jana und Mario wieder gejubelt! Doppelsieg für Ferrari und die Konstrukteurs- WM bereits sicher! Den Tag an sich vertrödele ich fast ein wenig, muss auch mal sein…

Nachdem ich Freitag bereits am späten Abend gegen 23.30 Uhr einen Anruf aus Florida von Ediths Schwester bekommen habe, klingelt heute erneut das Telefon, und ich sehe diese lange Nummer auf dem Display… Hier ist es 18.40 Uhr, in Florida sechs Stunden früher… Bärbel erzählt mir, dass es ihr gut geht, der Orkan hat ihr nichts getan, denn er zog über die Südwestküste, sie wohnt an der Ostküste. Inzwischen hat sie sich sowohl Janas als auch meine Homepage angesehen, aber noch nicht alles gelesen.

Es klingt fast lustig, wenn Bärbel deutsch spricht. Sie sagt immer noch wie ein Berliner „ick“, aber hat nach 30 Jahren Amerika langsam Schwierigkeiten mit der deutschen Grammatik und würfelt alles durcheinander. Es ist ein deutsches Englisch bzw. englisches Deutsch *grins*

Etwas später rufe ich noch Renate an. Unser „Talk“ dauert auch immer so seine Zeit…         

 

Sonnabend, 14.08.2004

Ich gebe mir heute sozusagen selber einen Tritt, um „in die Gänge“ zu kommen. So kürze ich die Scheibengardinen vom kleinen Zimmer, denn das neue Fenster ist nicht so hoch. Es sind halt noch einige Dinge, die man nach wenigen Tagen kaum noch sieht, weil man die großen Dinge getan hat, aber die kleinen kaum noch auffallen.

Auch habe ich einen zweiten Spiegel, der in einer Ecke im Korridor hing, wo nun jedoch der neue Schrank stehen soll. Ich habe lange überlegt, wo ich ihn aufhängen könnte. In das kleine Zimmer passt er nicht, da dort kiefernfarbige Möbel stehen und dieser Spiegel einen dunklen Rand hat. Ich habe ihn heute passend gemacht, den Rand mit gelbem Deko- Sand beklebt (mittlerweile eine meiner Lieblingsbeschäftigungen), und nun passt er hervorragend an die goldgelbfarbene Wand *freu*

Aber insgesamt habe ich irgendwie wieder das Gefühl, als stehe ich neben mir, sehe alles nur durch eine Glasscheibe. Ich ersehne den Termin beim Psychologen…     

 

Freitag, 13.08.2004

Bevor ich hier anfange zu schreiben, lese ich, was ich so in der letzten Zeit geschrieben habe. Ich war so voller Power, aber irgendwie habe ich heute das Gefühl, dass mir wieder alles schwerer fällt und ich mich zu einigen Dingen regelrecht aufraffen muss. Heute Nachmittag weckt mich kein klingelndes Telefon, als ich auf der Couch einschlafe, so werden es gute zwei Stunden… Ich weiß nicht, ob es damit zusammen hängt, dass Anfang der Woche das zweite Medikament aufgebraucht war. Na ja, ich werde es am Dienstag beim nächsten Termin mit dem Psychologen besprechen…

 

Donnerstag, 12.08.2004

Ja, gestern war es etwas zu spät geworden. Ich hatte morgens ein zweites „Wandbild“ angefangen. Abends hatte ich dann den Ehrgeiz, es fertig zu bekommen. Heute sind mein Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand vom vielen Anrücken des Deko- Kies’ regelrecht geschwollen, morgens kann ich sie kaum krumm machen. Vom langen Sitzen auf dem Teppich, mal das eine Bein angewinkelt, dann das andere, habe ich heute Rückenschmerzen vom Feinsten. Ich krieche hier durch die Wohnung, als hätte mich jemand verprügelt… Zweimal nicke ich auf der Couch ein, jedes Mal werde ich durch das Telefon geweckt…

Aber die zweite mit Deko- Sand beklebte Pinnwand ist sehr schön geworden! Ich habe in gelb ein chinesisches Schriftzeichen aufgebracht, der Hintergrund ist blau. Dieses Schriftzeichen (Bedeutung: Liebe) habe ich von einer Seite im Internet. Habe es abgespeichert, ausgedruckt, nochmals gescannt, vergrößert, mit einer Klinge ausgeschnitten und dann auf der Pinnwand die Konturen vorgezeichnet.

Es hängt jetzt an der Stelle, wo ich vorher das erste Deko- Sand- Bild hatte, denn das mit dem Schmetterling und der Sonnenblume bekommt Petra in Flensburg. Als ich ihr vorgestern am Telefon sagte, dass ich ein weiteres Bild mache, fragte sie mich, wo ich es denn aufhängen will. Es sollte natürlich an die gleiche Stelle. Ja, und dann fragte ich, ob ich ihr mit dem ersten Bild vielleicht eine Freude bereiten könnte, indem ich es ihr schicke. Petra war total überrascht und fing vor Freude an zu weinen. Nun habe ich es bereits mit reichlich Haushaltsrolle und Noppenfolie eingewickelt, damit es ja keinen Schaden nimmt, aber mir fehlen noch zwei große Pappen, die ich dann mit Paketklebeband verbinden will. Auch liegen zwei Tüten Polierwatte (eigentlich fürs Auto) daneben, um nochmals abzupolstern. Petra, ich weiß, dass Du seit eineinhalb Jahren täglich hier liest, darum an Dich liebe Grüße – in ein paar Tagen bekommst Du das Bild!

 

Dienstag, 10.08.2004

Ach, liebes Tagebuch, es ist so warm und schwül, das schwitzt man fast schon beim Tippen!

In der Mittagshitze – wann sonst auch *grins*-  bringe ich mit dem Hausmeister die Glasvitrine in seine Kellerräume, wo reichlich Platz ist. Vielleicht findet sich ja irgendwann ein „Liebhaber“ für dieses Möbelstück. Zumindest bin ich froh, dass es bei mir raus ist. Nun kann aber langsam Neckermann mal liefern, dann könnte ich den letzten Kleinkram und meine Gläser endlich unterbringen!

Inzwischen sind seit der letzten Zeile fast zwei Stunden vergangen, denn ich hatte ein langes Telefonat mit einer sehr treuen Leserin dieser Homepage. Petra wohnt in Flensburg, wir haben uns noch nie gesehen, aber telefonieren sehr offen und ehrlich, als kennen wir uns schon lange Zeit. Irgendwann werden wir uns auch einmal persönlich kennen lernen, denn Petra ist großer Berlin- Fan…

 

Montag, 09.08.2004

In der Wohnung ist nun so gut wie alles fertig. Ich warte lediglich auf die Lieferung des Schränkchens von Neckermann und auf einen „Interessenten“ für die Glasvitrine. Am Freitag wollte jemand die Glasvitrine für einen Gebrauchwarenhandel abholen, aber hat sich nicht gemeldet. Ich will ja nicht einmal etwas dafür haben, die Hauptsache, das Ding steht hier nicht mehr im Weg herum. Gleichzeitig hatte ich mich auch mit unserem Hausmeister unterhalten, der sich mal umhorchen wollte. Eigentlich lief der Countdown am Freitag ab, dann wollte ich die Vitrine „zerlegen“ und Teil für Teil in den Müll bringen. Heute treffe ich den Hausmeister bei der morgendlichen Gassi-Runde. Er hat bereits drei Leute angesprochen, aber diese wollten sich noch melden. Nun sind wir so verblieben, dass wir morgen dieses Glasteil in den Hausmeisterräumen unterstellen, somit ist bei mir erst einmal der Platz frei.

Am späten Vormittag raffe ich mich auf, nehme einen Eimer mit Spülmittelwasser und putze das Motorrad. Am 2. Juli habe ich das letzte Mal auf dem Bike gesessen, als ich wegen der P-Schein- Verlängerung zum LEA gefahren bin…  Dann konnte ich ja nur noch mit dem Auto zur Arbeit, weil ich immer Jill dabei hatte. In der letzten Zeit traute ich mich nicht, da ich selbst mit dem Auto total unsicher war. Nun will ich es mal wieder versuchen, denn seit einigen Tagen merke ich, dass es mit mir etwas bergauf geht. Nach dem Putzen fahre ich jedoch nicht gleich los, sondern grille zusammen mit Katrin auf dem Balkon, denn die Bratwürste und das Grillfleisch waren gestern doch etwas reichlich… Es reicht noch massig für uns beide. Somit speisen wir zusammen in der Mittagssonne. Wenn der Sonnenschirm nicht wäre, würde ich es kaum aushalten. Trotzdem brennt noch die Sonne auf meinem Rücken… 

Gegen 14.30 Uhr wird es dann spannend. Ich starte das Bike, und mein Ziel ist der Friedhof. Na ja, ich fahre zwar nicht besonders gut, aber besser, als mit dem Auto, komischerweise… Im Auto ist scheinbar zu viel Routine, ich bin mit meinen Gedanken überall, nur nicht auf der Straße… Auf dem Motorrad muss ich mich immer noch wie ein Anfänger konzentrieren und habe keine Zeit für andere Gedanken. Das ist mir heute klar geworden, denn es war irgendwie ein Phänomen für mich, und eine andere Erklärung finde ich nicht…

Auf dem Friedhof sieht es ziemlich trostlos aus. Zuerst ist alles durch die Nässe fast verfault, nun ist in den letzten Tagen die absolute Dürre eingetreten. Ich habe die Gießkanne mit, aber anfangs perlt das Wasser regelrecht ab. Nur langsam nimmt die Erde die Feuchtigkeit an. Janas Grab hat auch die volle Sonne bis zum Nachmittag. Somit werde ich morgen nochmals mit dem Bike diese Kurzstrecke fahren und wieder gießen…

Gegen Abend telefoniere ich mit Edith. Sie ist die Frau eines ehemaligen Kollegen, eine langjährige Freundschaft von mir. Ihr Mann Peter starb zwei Monate nach Jana an den Folgen eines langen Krebsleidens. Wir hatten lange mit uns selber zu tun, nun wollten wir uns morgen wieder einmal treffen. Edith hat jedoch starke Nierenschmerzen und muss morgen zum Arzt, darum verschieben wir unsere Verabredung. Edith berichtet mir, dass sie ihrer in Florida lebenden Schwester am Telefon von mir erzählt hat, auch von meinen Erzählungen über Janas Homepage. Edith kennt jedoch die Adresse der HP nicht, bittet darum um meine Erlaubnis, ihrer Schwester meine Telefonnummer geben zu dürfen, da diese sehr interessiert wäre. Auch gibt sie mir gleich die Tel.-Nr. ihrer Schwester in Florida. Kurz nach 23 Uhr rufe ich in Florida an, dann ist es dort 17 Uhr, und sie müsste von der Arbeit zu hause sein. Am Telefon höre ich ein typisch amerikanisches „hallo“, die Stimme könnte von Edith sein, also fast identisch… Jedoch hat Bärbel, so heißt sie, in ihrer Wohnung einen Wasserschaden und gerade die Monteure da. Sie meldet sich am Wochenende. Es ist schon komisch, wenn man nach Florida telefoniert, es klingt wie um die Ecke, aber die Vorstellung, wie weit es wirklich ist, ist schon beeindruckend…         

 

Sonntag, 08.08.2004

Ganz ruhig und gemütlich verbringe ich diesen Sonntag, denn man schwitzt ja schon, wenn man sich gar nicht bewegt. Gegen Mittag nicke ich auf der Couch ein. Jill scheint die Wärme auch ganz schön zuzusetzen. Bei den Gassi- Runden tobt sie zwar mit jedem anderen Hund, aber dafür liegt sie dann hier wie ein Eierkuchen, der beim Wenden an der Decke kleben geblieben und dann herunter gefallen ist. Manchmal gucke ich schon, ob sie noch atmet. Oft kann ich es gar nicht erkennen. Dann mache ich ein Geräusch, das ihre Aufmerksamkeit hervorruft… Wenn dann ein Ohr zuckt, bin ich beruhigt…

Als ich meinen uneingeplanten Mittagschlaf beendet habe, kommt der „kleine Hunger“. Ich hole wieder einmal den Elektrogrill hervor und lasse es mir schmecken. Den anderen Teil werde ich morgen grillen. Abends sehe ich Katrin auf ihrem Balkon unter mir. Ihr Bruder war einige Tage zu Besuch und ist heute abgefahren. Somit holen wir umgehend unser Kommunikationsdefizit auf (klingt gut!), das heißt in hochdeutsch: wir schwatzen miteinander. Dann gehe ich mit Jill die letzte Gassi- Runde, und nun sitze ich wieder hier am PC. Zuvor musste ich jedoch ein Riesenvieh von Wespe verscheuchen, wenn es nicht sogar eine Hornisse war! Zwei Etagen unter mir wohnt Claudia. Sie erzählte neulich, dass sie bereits mehrmals Hornissen in ihre Wohnung kamen. Musste mir erst einmal erklären lassen, wie diese aussehen, nämlich wie riesige Wespen. Ja, und so riesig war dieses Biest eben auch. Als Claudia davon erzählte, sagten Katrin und ich noch: „Nein, bei uns nicht“, und grinsend fügte ich dann hinzu: „Die fliegen wahrscheinlich nur bis zum dritten Stock!“ Irgendwie erinnert mich das an die Fledermaus…     

 

Sonnabend, 07.08.2004

Fast den ganzen Tag bin ich „schöpferisch tätig“ *grins* Mein „Wandbild“ auf der ersten Pinnwand (50x65cm) bringe ich am Nachmittag zu Ende. Ganz schön mühsam, Klecks für Klecks mit der Klebepistole aufzutragen und Deko- Sand, Glassteine oder Muschelgranulat anzudrücken. Immerhin ist es ein Drittel Quadratmeter, den ich lückenlos zu bekleben habe. Danach wende ich mich einer anderen gestalterischen Tätigkeit zu. Ich habe von IKEA noch ein paar Kleinigkeiten mitgebracht, wo ich schon eine ziemlich genaue Vorstellung der Gestaltung hatte. Ich fädle Korbkugeln auf Schur, lege Sonnenblumenranken darum und hänge dies an die Holzdecke im Korridor. Ich weiß auch nicht, früher hatte ich eine absolute Abneigung gegen Kunstblumen, aber vielleicht, weil sie damals auch auf 50 Meter Entfernung schon künstlich aussahen. Heute ist es ja teilweise verblüffend, wie verwechselbar echt sie teilweise anzusehen sind. In eine Vase, der ich mit Sand zu mehr Standfestigkeit verhelfe, stelle ich weitere künstliche Sonnenblumen. Ich weiß nicht, aber diese Sonnenblumen haben es mir irgendwie angetan. Ich kann es nicht einmal erklären. Dann nehme ich mir kleine Bilderrahmen vor, die unbehandelt sind. Ich streiche sie wieder mit der dunklen Beize, damit sie zum Gesamtbild im Korridor passen. In der Sonne auf dem Balkon sind sie wieder in kürzester Zeit trocken, und ich kann weiter machen. Ich will sie mit besagten Materialien gestalten und an einer kleinen Korridorwand gruppieren. Ja, nun habe ich auch dies geschafft, etwas aufgeräumt und bin irgendwie happy *mir selber auf die Schulter klopf* Meine „Kunstwerke“ von vorgestern habe ich erst einmal beiseite gestellt. Ich finde sie zwar originell, aber die jetzigen Materialien passender… Und hier ein Blick durch das Schlüsselloch...

 

Freitag, 06.08.2004 

Meine „kreative Phase“ scheint anzuhalten, denn ich hatte gestern beim Einschlafen noch so eine Idee… Ich habe ein Glas mit farbigen Glassteinen als Schmuck stehen. Da kam mir der Gedanke, dass man auch Glassteine und farbigen Deko- Kies aufkleben und damit Wandbilder gestalten könnte. Mir kribbelt es regelrecht in den Fingern... Hole darum bei IKEA drei ganz billige Kork- Pinnwände und lege dann los... 

Als ich gegen Mittag die Post aus dem Briefkasten nehme, stutze ich. Seit einem Jahr bin ich bei Arcor, aber bekomme Post von T-Online. Erst auf den zweiten Blick sehe ich, dass der Brief an Jana adressiert ist. Jana hatte mal einen eigenen T-Online-Zugang, während ich mehrere Monate bei Norbert wohnte. Als ich zurück in meine Wohnung zog, kündigte Jana ihren T-Online-Zugang, da sie ab diesem Zeitpunkt wieder über meinen Anschluss ins Internet ging. Das war im Januar 2002! Hier das Schreiben von T-Online:

Hat da jemand zweieinhalb Jahre geschlafen? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast darüber lachen...     

 

Donnerstag, 05.08.2004

Nun sitze ich wieder zu später Stunde hier, um meine „Erlebnisse“ in Schriftform zu bringen und hoffe, dass ich heute von nächtlichem Besuch verschont bleibe! Einen ängstlichen  Blick zur offenen Balkontür kann ich mir jedoch nicht ganz verkneifen…

Den Tag habe ich wieder mit „Arbeitstherapie“, aber ohne Stress verbracht. Heute habe ich mir in der Küche einen Schrank vorgenommen, der nie von Unordnung verschont bleibt. Darin sind drei Fächer, eins mit Medikamenten, die anderen beiden mit allen möglichen Behältnissen aus Plastik. Von den Medikamenten musste ich den größten Teil entsorgen, da die Verwendbarkeit lange abgelaufen war. So wurde alles wesentlich übersichtlicher. Die Plastikdosen habe ich auch um fast die Hälfte reduziert, denn nur maximal ein Drittel von dem „Bestand“ wird noch verwendet. Die nächste Gassi- Runde mit Jill führte dann am Müllcontainer vorbei…

Dann habe ich das Bedürfnis, wieder einmal etwas Kreatives zu tun, denn das ständige Aufräumen bringt zwar eine gewisse Zufriedenheit, aber ist auch nicht alles… Ich möchte noch irgendetwas im Korridor machen, wodurch er einzigartig wird. Im Wohnzimmer habe ich ja über der Couch einen selbst gestalteten Rahmen, wo ich mit Makramé (eine Knotentechnik) und Perlen, Ketten, Schnallen und Knöpfen eine Art Wandbild gestaltet habe. Dies ist Jahre her, aber immer noch einzigartig. In dieser SOS- Sendung auf Pro7 haben sie oft mit einer Klebepistole irgendwelche Dinge aufgeklebt. Das schwirrt mir seitdem im Kopf herum. So habe ich auch die entsprechenden Ideen. Zuerst nehme ich eine Pinnwand, die ich nicht mehr brauche. Sie ist 40cm breit und 30cm hoch. Ich suche alle möglichen Utensilien zusammen. Dann klebe ich mit der Klebepistole Knöpfe, Perlen, ein leeres Feuerzeug, Schrauben, Dübel, einen Löffel und anderes auf. Es sieht originell aus. Aber es reicht mir nicht, meine Kreativität ist noch nicht erschöpft. Ich finde in der Kammer noch ein Brett, welches 30cm breit und 90 cm lang ist, dieses beize ich dunkel und stelle es auf den Balkon in die Sonne, damit es schnell trocknet. In der Zwischenzeit suche ich weitere Utensilien zusammen, die ich auf dieses Brett kleben werde. Bei dem Wetter dauert es nicht lange, das Brett steht schnell wieder zur weiteren Bearbeitung zu Verfügung. Ich lege alles vorher auf, schiebe, rücke, wechsle aus, bis mir das Gesamtbild gefällt. Dann ist die Klebepistole wieder im Einsatz. Ich kann gar nicht alles aufzählen, was ich da auf dieses Brett klebe. Es ist ein alter Lippenstift, es sind Wäscheklammern, ein Teelicht, Würfel, alte Schlüssel, Batterien und, und, und… Man kann es schlecht beschreiben, darum habe ich soeben die Digitalkamera in die Hand genommen und fotografiert. Auf meiner HP unter Details werde ich diese Fotos zugänglich machen. Alles in Allem, heute bin ich mit mir zufrieden. Ich habe auch das Gefühl, dass es mit mir langsam wieder berauf geht. Wie sagte mein Psychologe einmal? „Sie haben eine sagenhafte Art, sich selber zu helfen…“  Mag sein, aber trotzdem bin ich froh, dass ich diesen Psychologen gefunden habe, denn ich habe mittlerweile ein ziemliches Vertrauensverhältnis zu ihm aufgebaut. Bei meinem letzten Besuch habe ich ihm etwas anvertraut, was ich bisher nur gedacht habe…       

 

Mittwoch, 04.08.2004

Heute wasche ich die restlichen Gläser ab, verstaue einen Teil im kleinen Zimmer, damit die Küche nicht länger voll gestellt ist. Auch nehme ich mir ein paar Hängeschränke in der Küche vor, wische sie aus, schaffe neue Ordnung. Einiges fliegt in den Müll, denn das Haltbarkeitsdatum ist reichlich überschritten. So kann man auch Platz schaffen *schmunzel* Na ja, und man findet immer wieder Ecken, wo etwas zu tun ist. Gegen Abend nehme ich mir die beiden Schubladen von der Glasvitrine vor, die ich nur herausgezogen und im kleinen Zimmer abgestellt hatte. Schübe sind ja immer Orte, wo sich „schnell mal“ etwas ablegen lässt, was einem dann nicht mehr im Wege ist. Dabei bleibt es jedoch meistens. Vieles wandert in den Mülleimer: alte Feuerzeuge, Überweisungsvorlagen (als ich noch keine Onlinebanking hatte) und anderes mehr…

Dann mache ich eine Entdeckung, die mich schmunzeln lässt. Ich finde etwas, wonach ich neulich stundenlang gesucht habe und ganz verzweifelt war, weil ich es nicht fand. Renate hatte mir mal Wachsplatten mitgegeben, aus denen man Muster ausschneiden und  damit Kerzen verzieren kann. Die ausgeschnittenen Teile werden an die Kerze angedrückt und halten… Es sieht sehr schön aus. Ich habe ja täglich eine Kerze für Jana brennen und wollte wieder mal einige etwas verzieren… Da habe ich mehrere Tage diese Wachsplatten gesucht, es ließ mir keine Ruhe, aber ich fand sie nicht. Ich rufe natürlich sofort Renate an und berichte ihr erfreut, dass ich sie nun endlich gefunden habe, denn langsam zweifelte ich an mir selber…    

Aber in diesen Schubladen sind auch Dinge, die mich erstarren lassen, auch davon erzähle ich Renate: es sind Janas erste Milchzähne, mit dem Datum versehen, an dem sie sie verloren hat…

Während ich hier schreibe, ist zweimal hinter mir ein komisches Geräusch. Anfangs dachte ich, es wäre Jill, aber sie guckt sich auch nur um, woher es kommt. Dann sehe ich einen Schatten an der Decke und vermute wieder so einen ekligen fetten Falter, weil die Balkontür breit offen ist. Aber weit gefehlt, denn dieses Tier verschwindet hinter einem Regal und ist auf keinen Fall eine Motte, denn es ist um ein Vielfaches größer. Es kann nur eine Fledermaus sein! Ich weiß, dass sie nichts tun, aber ich „flüchte“ ins kleine Zimmer nach nebenan, um nach unten zu schauen, ob bei Katrin noch Licht brennt. Schei…, alles dunkel! Im Moment ist wieder Ruhe, ich weiß nicht, ob die Fledermaus noch hinter dem Regal sitzt oder bereits wieder draußen ist. Ich „flattere“ schon bei diesen dicken fetten Faltern, aber eine Fledermaus? Ich sitze hier und bin völlig unruhig, weiß nicht, ob ich werde schlafen können… Das Verrückte ist nur, dass ich gerade heute im Radio in einem Berliner Sender einen Bericht über Fledermäuse gehört habe, auch gab man eine so genannte Notrufnummer durch, die ich jedoch ignorierte nach dem Motto: Fledermaus bei mir, das gibt es nicht! Na dann Gute Nacht!   

Nachtrag um 23.40:

War noch mit Jill Gassi, dann plagte mich plötzlich Hunger… Sitze am Couchtisch, esse noch drei Toast, da kommt plötzlich etwas von unten herauf geflattert und verlässt über die offene Balkontür das Wohnzimmer… Ich hoffe, dass damit meine Nachtruhe gerettet ist…       

      

Dienstag, 03.05.2004

Was ich nun heute den ganzen Tag gemacht habe kann ich gar nicht genau sagen. Überall habe ich einige Handgriffe gemacht, z.B. hat diese Glasvitrine noch andere Fächer, wo ich aussortiert und „entsorgt“ habe. Man sammelt ja manchmal ganz schön viel Müll, solange man den Platz dafür hat *grins* Dieses Glasteil ist eigentlich ein Überbleibsel einer billigen Schrankwand. Ich möchte sie am liebsten entsorgen. So verbringe ich auch mehrere Stunden mit dem Neckermann- und Otto- Katalog auf dem Schoß. Es soll gut aussehen, passen, aber auch nicht teuer sein. Da braucht man schon eine Weile! Einen Favoriten habe ich, eigentlich ist es ein Schuhschrank, der von den Maßen her gut in eine kleine Korridorecke passen würde. Das Gute ist, dass er nicht diese schrägen Stäbe für Schuhe, sondern richtige Einlegebretter hat. Da könnte ich alle Gläser wie in einem Geschirrschrank unterbringen, auch würden sie mir wahrscheinlich nicht mehr so einstauben. Ich bin mir lange nicht 100%ig sicher, aber gegen 17.30 Uhr rufe ich bei Neckermann an und bestelle. Ja, nun stehen immer noch die ganzen verstaubten Gläser in der Küche, habe mich bisher mit anderen Tätigkeiten erfolgreich um diesen Abwasch „gedrückt“. Aber nach meinem Anruf bei Neckermann habe ich wieder etwas Auftrieb und mache mich an diesen Riesenabwasch. Die Hälfte habe ich nun sauber, aber noch keinen Schrank dafür *schmunzel*, also steht alles noch in der Küche. Ja, das war’s wohl für heute, nun ist es 22 Uhr, schnell noch mit Jill die Späte Gassi- Runde, dann in das geliebte Bett…    

 

Montag, 02.08.2004

Weckdienst gab es nur Donnerstag und Freitag, so stehe ich erst wieder um 8.30 Uhr auf. Aber geht ja noch… Gassi- Runde, Futter für Jill, mein Schwarztee (das ist mein Frühstück), dann schaue ich nach Emails. So ist jeden Morgen die Reihenfolge. Ich telefoniere dann mit meiner Schwester, richte ihr eine Email- Adresse bei meiner HP evero.de ein, damit sie ihre gmx- Adresse löschen kann. Gestern erzählte ich ihr nämlich, dass gmx- Adressen von keinem für voll genommen werden, da sich dort jeder anonym anmelden kann. 

Gegen 11 Uhr fahre ich zur Domäne, um nochmals Abtönfarbe zu holen, damit ich für den Korridor ein kräftigeres Orange mischen kann. Auch brauche ich neue Rollen Kreppband zum Abkleben der Türrahmen. Dieses Abkleben dauert länger als das eigentliche Streichen, aber macht keinen Spaß. Darum bummele ich dann ziemlich lange damit herum. Auch klingelt mehrmals das Telefon... So wird es 22.15 Uhr, als ich fertig mit Streichen bin. Nun ist der Korridor auch orange, aber wesentlich kräftiger, wodurch die nicht mehr ganz (schnee-) weißen Türrahmen wieder sehr gut aussehen. Wenn morgen alles schön trocken ist, kann ich Spiegel und anderes wieder aufhängen und zurück schieben. Eine umfangreiche Aufgabe wartet jedoch noch auf mich. Im Korridor steht eine Vitrine mit sehr vielen Gläsern und Vasen. Diese musste ich zum Abrücken ausräumen. Vitrinen sind bekanntlich nie ganz dicht. Also werde ich diese verstaubten Gläser und Vasen morgen alle abwaschen, nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Im Moment steht die ganze Küche voll mit Glas. Auch sehe ich schon wieder jemanden grinsen: „Mum, das tut mir aber leid“…  

 

Sonntag, 01.08.2004

Olympiastadion – Neueröffnung ist heute ausgefallen, jedenfalls für mich. Hatte gestern mit Norbert telefoniert, und er fragte mich, ob ich überhaupt auf diese Veranstaltung Lust habe. Es klang, als hätte Norbert selber keine Lust und würde nur auf eine Bestätigung meinerseits warten. Ich war ehrlich, sagte ihm, dass ich ansonsten das Malern des kleinen Zimmers durchziehen würde, aber mich ja keiner hetzt, wir also hingehen können. Dann freute ich mich sogar drauf, aber gegen Abend kam eine Email, dass er keinen Bock (mehr) habe. Ich versuchte daraufhin sofort, ihn anzurufen, aber niemand ging ans Telefon… Auch ein zweiter Versuch etwas später war umsonst. Meine Email mit riesengroßen Fragezeichen wurde nicht beantwortet. Da muss ich wohl irgendein falsches Wort gesagt haben… Man, sind Männer anstrengend!

Somit habe ich heute meine gesamte Energie verwendet, um nun auch das kleine Zimmer fertig zu bekommen. Gestern hatte ich bereits zwei Wände weiß gestrichen, die anderen beiden sollten orange werden. Als ich heute soweit war und orange in die weiße Farbe mischte, sah es gut aus. Aber jede Farbe wird beim Trocknen heller. Somit ist zwar nicht das Orange entstanden, das ich mir vorstellte, aber trotzdem sieht es super aus! Es ist ein Zwischending zwischen Gelb und Orange, ein Farbton, wie wenn die Sonne vor dem Untergehen nur noch zur Hälfte am Horizont zu sehen ist, sehr warm und gemütlich. Ich bin angenehm überrascht, auch wenn ich es mir vorher anders vorstellte.

 

Freitag, 30.07.2004

Wieder weckt mich meine Mum per Telefon, nochmals ein ganz liebes Dankeschön! Nun sitze ich hier am Computer und kann endlich die drei ersehnten Kreuze machen: XXX Es ist geschafft, auch im kleinen Zimmer ist das neue Fenster drin, welches ich natürlich gleich schön blank geputzt habe! Bei diesem dreiteiligen Fenster sind  auch zwei Flügel zum Kippen. Eingeräumt habe ich das Zimmer noch nicht, denn der „Schaden“ ist großflächiger. In Küche und Bad muss nur der Fenstersturz neu gestrichen werden, denn beides hatte ich auch erst 2002 mit Jana (natürlich in einer Hau- Ruck- Aktion) renoviert, ist also sonst noch in Ordnung. Im kleinen Zimmer ist beim Entfernen des alten Fensters reichlich Putz mit abgebröckelt, wodurch die Tapete beschädigt wurde. Der Tischler hat es neu verputzt, aber es muss halt gestrichen werden. Darum habe ich mich entschlossen, auch dieses noch zu malern. Ich hatte auch schon vorher mit diesem Gedanken gespielt, denn fällig wäre es sowieso bald gewesen, also was soll’s… Darum lasse ich den Kleinkram noch draußen, damit ich mehr Platz habe. Mal sehen, wie meine Arbeitswut sich entwickelt, vielleicht fange ich auch erst Montag an. In diesem kleinen Raum ist ebenso wie im Wohnzimmer eine Holzdecke, also wird es ja relativ schnell gehen. Das anstrengendste war eigentlich das Zimmer von Jana, mein jetziges Schlafzimmer. Die Decke habe ich mit einer kleinen Rolle gestrichen, damit es nicht so kleckert. Ich fing abends um 21 Uhr an und war um 1 Uhr nachts fertig...*stöhn*   

Morgen treffe ich mich auf ein Stündchen mit meiner Schwester bei „Romiosini“. Das ist der Grieche um die Ecke, wo es Renate immer so gefällt und schmeckt. Für Sonntag hat Norbert Karten für eine Veranstaltung zur Neueröffnung des Olympiastadions. Ich will mir jedenfalls keinen Stress machen, die letzten zwei Tage haben gereicht. Wie ich mich kenne, werde ich nach dem Streichen vom kleinen Zimmer nur noch ein „ganz kleines Problem“ haben: der Korridor – das „Tor zum Heim“ – wäre dann das hässliche Entlein, denn seine Renovierung liegt 6 bis 7 Jahre zurück. Im Korridor ist auch eine Holzdecke, es würde also ebenfalls relativ schnell gehen…(sogar mein kleines Schaf schmunzelt jetzt...) 

 

Donnerstag, 29.07.2004

7.00 Uhr aufstehen, lieben Dank an meine Mum fürs Wecken! Zwischen 8.30 Uhr und 9.00 Uhr kommt der Tischler. Er möchte eigentlich heute das Fenster im kleinen Zimmer als Erstes wechseln. Aber ich bitte ihn, dass er zuerst die zusammenhängenden Fenster von Küche und Bad macht, denn durch die Abdeckfolie an allen Küchenschränken sind Küche und Bad total blockiert. Es lässt sich von mir überzeugen, zumal er bemerkt, dass ich für jeden Kaffee, den ich ihm mache, unter die Abdeckplane kriechen muss. Um 16 Uhr ist die erste Hürde geschafft, Küchen- und Badfenster sind fertig! Ich bin einfach nur happy, zumal sich die Fenster auch kippen lassen. Das Saubermachen ist durch die Freude für mich fast ein Vergnügen.  Gegen 18.00 Uhr ist die Küche tiptop. In diesem Moment klingelt es auch, und meine Nachbarin Katrin kommt gerade nach hause... Na ja, ich führe stolz meine neuen Fenster vor. Nach einem Schwätzchen mache ich nun das Bad sauber. Während dessen klingelt das Telefon, Renate ruft an. Wir quatschen fast eine Stunde, dann führe ich meine Putzarbeiten im Bad zu Ende...

Gegen 22.00 Uhr ist nun auch der „Putzteufel“ fertig, geht die späte und letzte Gassi- Runde mit Jill und schreibt dann ein paar Zeilen in sein Tagebuch. Aber ich bin mit Jill nicht allein, denn mein kleines Schaf freut sich mit uns über die neuen Fenster...  

 

Mittwoch, 28.07.2004

Langsam kann ich wohl an den Anfang eines jeden Tages einen Standardsatz stellen: „Eigentlich wollte ich viel früher…“ Aber ich lass es, sonst wird’s langweilig!

Den halben Tag habe ich am Computer vertrödelt. Obwohl, so kann man es eigentlich gar nicht sagen, denn vertrödeln klingt negativ. Ich habe mit den Fotos von der Wohnung angefangen eine neue Seite zu basteln und konnte dann nicht eher aufhören, bevor ich nicht fertig war. Auch ist es immer so spannend, wenn man etwas Neues in der Gestaltung ausprobiert. Ich habe Vorher- und Nachher- Fotos in eine Tabelle gesetzt. Beim Anklicken der Fotos erscheinen sie in voller Größe in einem neuen Fenster. Na ja, da kann man doch nicht einfach mittendrin aufhören, jedenfalls nicht ich! Falls nun jemand neugierig geworden sein sollte *grins, grins*, hier der Link   

Ich hätte halt zuerst meine Vorbereitung für morgen machen sollen, nämlich die Zimmer ausräumen, wo die neuen Fenster eingesetzt werden. Habe auf den letzten Drücker damit angefangen, dadurch ist es mit der Zeit knapp geworden und etwas hektisch. Alles, was nicht rauszuräumen war, also Schränke, habe ich regelrecht in Abdeckfolie eingewickelt und mit Tesafilm und Malerkrepp abgedichtet. Ich will ja nicht im Kleiderschrank staubige Klamotten haben und knirschende Zähne, wenn ich wieder einen Teller benutze. Da bildet sich bei mir doch gerade eine Gänsehaut...

Ja, ich werde echt drei Kreuze machen, wenn ich das hinter mir habe! Vor allem sieht nun mein so schön frisch gestrichenes Schlafzimmer aus wie eine Rumpelkammer, denn dort habe ich alles abgestellt, was ich rausräumen konnte. Könnte es nicht einfach „klick“ machen, und alles ist fertig?

… und damit ich morgen diesen einen Satz gar nicht erst denken muss, geschweige denn schreiben, holt mich meine Mum zur rechten Zeit mit dem Telefon aus dem Bett…   

 

Dienstag, 27.07.2004

Als erstes ärgere ich mich heute wieder. Statt früh aufzustehen, drehe ich mich nur noch mal „kurz“ um, dann schrecke ich um 10.30 Uhr hoch!

Nach meiner Anlaufphase ist es somit bereits Mittag. Ich räume weiter auf und bringe die letzten Dinge zurück an ihren Ort. Ich freue mich, denn es ist sehr schön geworden. Auch Katrin kommt zwischendurch wieder gucken und schwärmt.

Abends fotografiere ich, um meiner Mum und Renate ein paar Eindrücke von meinem Arbeitsergebnis zu vermitteln. Auch werde ich in den nächsten Tagen ein paar Fotos auf meiner Homepage einbauen. So, schon wieder so spät, also ab mit den Zeilen ins www…

 

Montag, 26.07.2004

Früh muss ich nun nochmals zum Baumarkt, da ich mich mit der Farbmenge verschätzt habe. Dort komme ich trotz erfolgreichen Einkaufs jedoch nicht so schnell weg, denn ich habe Jill wieder mit *schmunzel* Es gibt oft Leute, die mich auf sie ansprechen und von Jill ganz angetan sind…

Auf dem Weg zurück nach hause halte ich am Friedhof, um nach dem Rechten zu sehen. Die blauen Astern sind vollständig verblüht, aber es scheint, als treiben sie neu aus… Die kleinen lachsfarbenen Rosen haben lange wilde Triebe, nur habe ich leider die Gartenschere nicht dabei. Insgesamt bin ich etwas enttäuscht, denn das ewig schlechte Wetter gibt den Pflanzen kaum eine Chance. Wenn ich da an voriges Jahr denke, alles wuchs und blühte unaufhörlich. Somit entferne ich die vertrockneten und mittlerweile matschigen Blüten und ziehe Unkraut, das sich scheinbar von keinem Wetter beeindrucken lässt…

Auf dem letzten Stück Heimweg verursache ich fast einen Unfall. Ich bemerke zu spät, dass in meiner Spur vor mir jemand links abbiegen oder wenden will. Ich schaffe es gerade noch so zu bremsen, dass ich meinem Vordermann nicht drauf fahre. Alles im Auto fliegt bis zum nächsten Hindernis. Im Innenspiegel sehe ich Jill hinter dem Hundegitter, wie sie gegen ihre Gleichgewichtsprobleme ankämpft. Ich merke wieder einmal, dass ich momentan wohl nicht der beste Autofahrer bin. Ich fahre ja nur kurze Strecken, aber bin mir derzeit selbst unheimlich, weil ich merke, dass mir trotz meiner Routine die Konzentration fehlt…

Zu hause holt mich meine Nachbarin Katrin zum Mittagessen zu sich, damit ich etwas Warmes in den Magen bekomme: Blumenkohl und Schnitzel… superlecker, aber mit vollem Magen wird man doch so faul und träge!

Ich raffe mich jedoch auf, dann streiche ich die letzte Wand zweimal weiß, denn da klebt eine Strukturtapete, die nach dem ersten Anstrich besch… aussieht, der zweite bringt dann ein gutes Ergebnis. Nun bin ich auch mit dem Schlafzimmer fertig. Ich mache die ersten Aufräumarbeiten, den Rest werde ich mir für morgen „aufheben“.

 

Sonntag, 25.07.2004

Eigentlich ist es Sonntag, aber nicht mehr lange… Es kam schon eine Email, dass man sich Gedanken um mich macht, weil das Tagebuch nicht aktuell ist. Somit möchte ich nun auch schreiben, damit sich nicht noch mehr Leute Sorgen machen. Aber ich muss zuvor noch einmal sagen, dass ich unheimlich gerührt bin, wenn ich solche Zeilen bekomme…

Nun, meine „Faulheit“ ist eigentlich gar keine, denn ich habe hier richtig geackert, darum auch das Tagebuch etwas vernachlässigt. Das Aufstehen früh fällt mir zwar immer noch schwer, aber nach Einnahme der Medikamente werde ich ein bis zwei Stunden später aktiv. Ich muss dann etwas tun. Mit der Hau- Ruck- Aktion und den Malerfarben habe ich mir wohl das Richtige ausgesucht. Ich bin happy, denn mein Wohnzimmer ist richtig toll geworden. „Mut zur Farbe“ heißt es doch immer. Diese SOS- Sendung auf Pro7 hat mich dermaßen inspiriert, dass ich Sonnabend früh um 4 Uhr das Zimmer fertig hatte. Aber typischer Fall von „denkste“! Ich war nochmals im Baumarkt, um auch das ehemalige Zimmer von Jana aufzufrischen, was jetzt Schlafzimmer ist (wo jedoch tagsüber keine Betten zu sehen sind). Ich hatte es ja nach dem Umräumen im Stil von Jana belassen, auch jetzt möchte ich daran nicht allzu viel ändern, im Gegenteil. Die Farb- Ideen aus der SOS- Sendung habe ich auch in diesem Zimmer umgesetzt, aber natürlich anders. Im Wohnzimmer ist der Farbtupfer in ocker, im anderen Zimmer natürlich in blau, Janas Lieblingsfarbe, mittlerweile auch meine… Was ich da mit den Farben genau gemacht habe, kann ich schlecht erklären, aber im Zeitalter der Digitalfotografie ist es ja ein Leichtes, dies mit Fotos zu zeigen. Ich werde auf meiner evero- Homepage demnächst eine neue Seite einrichten. Vielleicht nenne ich sie „mein Heim“ oder so ähnlich. Dann kann jeder sehen, was ich hier geschafft habe. Aber bitte nicht drängeln, habe eine stressige Woche vor mir, denn vor wenigen Tagen habe ich eine Benachrichtigung bekommen, dass die neuen Fenster für das kleine Zimmer und Küche/Bad fertig sind und am kommenden Donnerstag und Freitag eingebaut werden. Habe regelrecht Horror vor dem Staub und Dreck. Will darum auch mit den Malerarbeiten fertig sein. Um jedoch Missverständnissen vorzubeugen: die neuen Fenster werden nicht in den Zimmern gewechselt, wo ich jetzt gemalert habe bzw. noch dabei bin…. Ich bin doch nicht blöd… *grins*

Während einer „Arbeitspause“ heute Nachmittag telefonierte ich mit meiner Schwester, und es gelang mir, sie zu einem Spaziergang zu mir zu überreden, um ihr stolz mein derzeitiges Arbeitsergebnis „vorzuführen“. Nora hat es sehr gut gefallen, auch haben wir so richtig gemütlich gequatscht.

Aber apropos gequatscht: heute am späten Vormittag wählte ich eine Telefonnummer. Es war die von einer sehr guten Freundin. Eigentlich heißt sie Edeltraud, aber so nennt sie niemand, es ist einfach immer nur Traudchen… Wir haben uns das letzte Mal gesehen, es war zur Beerdigung… Traudchen gehört zu meinen besten Freunden, ich kann mit ihr reden, sie würde mir auch nachts um 2 Uhr zuhören. Ich kenne sie seit dem Jahr 1976, damals waren wir Kolleginnen… Traudchens Tochter Anika wurde im März 1981 geboren, damals war ich ganz stolz mit Jana schwanger. Unsere Töchter hatten immer einen guten Draht zueinander, obwohl wir uns nur in relativ großen Zeitabständen sahen. Ich kann auch nicht einmal sagen, warum wir seit der Beerdigung nichts mehr voneinander gehört haben. Aber das macht wohl eine echte Freundschaft aus: selbst wenn man ewig oder lange nichts voneinander gehört hat, kann man miteinander reden, als wäre es gestern das letzte Mal gewesen. Danke Traudchen, Du gehörst zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben!

Auch sehe ich heute Jana, wie sie sich freut. Wenn ich mich früher „beschwerte“, dass sich jemand lange nicht meldete, dann sagte sie immer zu mir: „Warum beschwerst du  dich, kannst ja auch selber mal anrufen…“ Man, wie oft sie doch Recht hatte… Wenn ich doch nur ein einziges Mal die Möglichkeit hätte, um ihr dies zu sagen…

 

Donnerstag, 22.07.2004

Wieder stehe ich erst eineinhalb Stunden nach dem Klingeln des Weckers auf, mir fehlt jeglicher Antrieb. Ich ärgere mich sogar schon, weil ich mich so selber nicht leiden kann…

Also erst einmal das Übliche, Gassi- Runde mit Jill, derweil läuft meine Teemaschine… Dann bekommt meine kleine Schnecke ihr Futter, ich meinen Tee und meine Medikamente. Ich schaue, ob Gästebucheinträge frei zuschalten sind und nach Emails. Meine Nachbarin Katrin sagt mir, dass sie gegen 13 Uhr zu Lidl einkaufen fährt. Ich wollte heute mit ihr mitfahren, da ich noch nicht weiß, ob das neue Medikament meine Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt.

Den Nachmittag sitze ich vor dem Fernseher und lasse mich „berieseln“. In den letzten Tagen sehe ich oft auf Pro7 eine Sendung, die heißt „SOS“. Dort werden Leute typgerecht angezogen und frisiert, aber man zeigt auch jeden Tag Ideen zur Wohnraumgestaltung. Ich bin immer wieder beeindruckt, was man mit wenig Geld alles machen kann. Heute hat man eine kleine vier Quadratmeter große Kammer zu einem Arbeitszimmer gestylt. Es ist einfach beeindruckend! Da macht es bei mir „klick“! Ich habe eine Idee für das Wohnzimmer, setze mich ins Auto, fahre zum Baumarkt und hole Farbe. Ich verordne mir somit eine Arbeitstherapie, um mich zu motivieren, ein  Ziel zu haben und ein Erfolgserlebnis…

Ja, aber es fehlt jemand bei dieser Hau-Ruck-Aktion: Jana! Wir haben früher fast nur auf diese Art und Weise unsere Wohnung verändert oder renoviert, von einem Moment auf den anderen. Wir hatten eine Idee, dann ging es los, Vorplanung gab es nicht. Aber es war immer lustig, wir waren von unseren spontanen „Eingebungen“ so fasziniert, dass wir sofort loslegten und Jana half tatkräftig mit. Nun muss ich zwar alles allein machen, aber mein kleines Schaf lächelt und grinst zu mir herunter: „Mum, das schaffst du, und mach es ja ordentlich, denn ich schaue dir zu!“           

 

Mittwoch, 21.07.2004

Um 7 Uhr klingelt mein Wecker, aber erst um 8.30 Uhr stehe ich auf… Es muss wohl auch an meiner blöden Stimmung liegen, dass ich zurzeit früh so schlecht aus dem Bett komme. Sonst bin ich immer sehr motiviert, früh aufzustehen, auch wenn ich z.B. Spätschicht habe. Ich empfinde Zeit als kostbar, oft ist der Tag für mich sowieso viel zu kurz. Wäre Jill nicht da, wäre ich die letzten Tage vielleicht gar nicht aufgestanden, denn mir fehlt jegliche Motivation. Aber gut, dass meine kleine Schnecke, wie ich oft zu ihr sage, da ist. Ich muss dann aufstehen, um mit ihr Gassi zu gehen, denn sonst habe ich ein schlechtes Gewissen.

Heute führt uns unsere morgendliche Gassi- Runde zur Apotheke, um mein Rezept vom Psychologen einzulösen. Wie ich mir fast schon dachte, muss das Medikament erst wieder bestellt werden. Ab 13 Uhr kann ich es abholen. Also mittags zweite Gassi- Runde ebenfalls zur Apotheke. Danach nehme ich brav die erste Pille von meinem neuen Medikament…

Nachmittag kommt meine Nachbarin Katrin zu mir, um an meinem Computer nach Emails zu gucken, weil ihr Sohn derzeit am Bauen und Basteln ist.

Kurz bevor Katrin wieder gehen will, klingelt mein Telefon. Ich traue meinen Augen kaum, denn ich erkenne auf dem Display die Nummer von meinem Sohn, meinem Ole- Bole. Ende Mai haben wir das letzte Mal voneinander gehört, er war sauer, ich war sauer… Meine letzte Email hatte er dann nicht mehr beantwortet. In den letzten Tagen habe ich oft gegrübelt, ob ich ihm einfach erst einmal schreibe, um unseren Kontakt wieder herzustellen, aber nun ist er am Telefon. War es Gedankenübertragung? Ich freue mich einfach nur! Wir reden, aber nicht über die Vergangenheit, sondern über die Gegenwart. Schon an seiner Stimme höre ich, dass er sich mächtig etwas „eingefangen“ hat. Nach 14 Tagen war er wohl endlich beim Arzt und bekommt nun Antibiotika gegen eine Nebenhöhlenentzündung. Wir hören in Kürze wieder und wollen uns auch sehen… Dass sich Olav gemeldet hat, ist Balsam für meine Seele. Auch kann ich Jana plötzlich lächeln sehen… Aber eine kleine Kritik hat sie noch für mich: „Mum, hättest auch selber anrufen können… mäh“ Ja, mein kleines Schaf, Du hast Recht…     

      

Dienstag, 20.07.2004

Mittags schlafe ich ungewollt auf der Couch vor dem Fernseher ein – bis ich kurz vor 15 Uhr durch Telefonklingeln hochschrecke... Es st meine Chefin, die mich fragt, ob ich weiter krankgeschrieben werde. Was soll ich antworten? Ich weiß es doch selber nicht. Aber ich wollte sowieso ab 15 Uhr bei dem Psychologen anrufen, um zu erfahren, ob er noch im Urlaub ist. Ich habe sogar Glück, er ist da, ich kann um 18 Uhr hinkommen. Gott sei Dank! Am Steuer meines Autos komme ich mir wieder vor, als hätte ich vorgestern die Fahrschulprüfung mit Mühe und Not und zwei zugedrückten Augen des Prüfers bestanden. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren... Ich bin erleichtert, dass ich nun endlich reden kann. Ich habe mit der Zeit ein ziemlich gutes Vertauensverhältnis zu dem Psychologen aufgebaut und kann ihm ohne Hemmungen erzählen, was derzeit in mir vorgeht. Er gibt mir das Gefühl, verstanden zu werden und sogar einige Tipps, wie ich mich verhalten soll. Aber er ist auch der Meinung, dass ich zur Stabilisierung ein weiteres Medikament brauche...  Nun gut, ich bin ein folgsamer Patient und werde morgen brav zur Apotheke gehen und das Rezept einlösen...   

 

Sonntag, 18.07.2004

Nachdem ich in der vergangenen Nacht gegen 2.45 Uhr von einem heftigen Gewitter mit taghellen Blitzen und wolkenbruchartigem Regen wach wurde, sieht es morgens wieder sehr freundlich aus.

Im Laufe des Tages geht die Temperatur nochmals in Richtung 30 Grad. Ich verbringe den Tag auf den Balkon, spanne den Sonnenschirm auf, habe meinen Laptop vor mir und mache es mir gemütlich. Ich genieße das Alleinsein, denn ich brauche dies ebenso wie die Zweisamkeit.

Zweimal telefoniere ich heute mit Renate. Während unseres zweiten Gesprächs verschwindet von einem Moment auf den anderen die Sonne, und es sieht schlagartig aus, als würde das nächste Unwetter nicht mehr lange auf sich warten lassen... Also fassen wir uns kurz, ich bringe den Laptop vom Balkon ins Wohnzimmer, gehe noch schnell mit Jill Gassi, denn im Regen ist sie ja nicht vor die Tür zu bekommen *schmunzel* Ich bin kaum mit Jill wieder oben, da biegen sich die Bäume und der „Weltuntergang“ beginnt...

 

Sonnabend, 17.07.2004

Die letzten zwei Tage schaue ich ab 4 Uhr alle halbe Stunde auf meinen Wecker, es ist wohl die innere Uhr... Wenn es dann 8 Uhr ist, bin ich wie gerädert und würde am liebsten gar nicht mehr aufstehen.

Gestern habe ich es total verpasst, mich nochmals bei Norbert zu melden. Nun haben wir für dieses Wochenende nichts verabredet, jeder sitzt bei sich zu hause... Ich bin jedoch dermaßen mit mir selber beschäftigt, dass ich auch lieber allein bin. Den ganzen Tag grüble ich, ob ich Norbert anrufe... Je mehr Zeit vergeht, desto größer wird die Schwelle für mich. Gegen Abend schreibe ich ihm eine SMS und bitte ihn um Verständnis, dass ich einfach nur allein sein möchte. Ich hoffe, er versteht mich, denn schon oft sind wir über Missverständnisse gestolpert...             

 

Freitag, 16.07.2004

Ich müsste heute zum Landeseinwohneramt, um meine Bescheinigung von der P-Schein-Untersuchung abzugeben, wollte ich eigentlich schon gestern machen. Aber zum LEA muss ich quer durch die Stadt fahren… Norbert sagt mir am Telefon, dass ich es doch im Brief hinschicken soll, hätte ich auch selber darauf kommen können! So fahre ich nur die kurze Strecke zum Bürgerbüro, um mein Führungszeugnis, das ich auch noch brauche, zu beantragen. Ich hasse Behördengänge! Ich bin auch  froh, als ich zu hause aus meinem Auto aussteigen kann. Momentan kann ich mich am Steuer kaum konzentrieren. Der Mittwoch auf dem Telebus war für mich die Hölle, denn ich bekam regelrecht Angst, dass ich meiner Verantwortung gegenüber meinen Fahrgästen nicht gerecht werden kann. Meine Gedanken sind ständig in der Vergangenheit, die Gegenwart nehme ich nur verschwommen wahr...

Am späten Nachmittag sitze ich hier am Computer, da kommt durch die offene Balkontür ein leckerer Geruch. Mein erster Gedanke ist, dass Katrin sicher auf ihrem Balkon (unter mir) grillt. Kaum habe ich diesen Gedanken gedacht, da klingelt das Telefon und Katrin fragt mich, ob ich schon gegessen habe. Ich muss schmunzeln… Sie erwartet Besuch und fragt, ob ich Lust hätte… Na ja, so gut wie das riecht, kann ich die Einladung kaum ablehnen. Ich finde es einfach nur lieb von ihr, sicher möchte sie mir etwas Ablenkung verschaffen. Allzu lange bleibe ich jedoch nicht, denn ihr Besuch ist zwar nett, aber es ist für mich heute sehr mühsam, meine Maske aufzubehalten.

Oft bin ich gern allein, dann muss ich niemandem ein freundliches Gesicht vorspielen, kann meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Als ich mit Jill zur letzten Gassi-Runde runter gehe, fällt mir auf, dass wieder einmal Sternenhimmel ist. Dann schaue ich immer nach oben und frage mich, wo sie denn nun ist… Plötzlich sehe ich sie wieder lächeln, als ich ihr zeige, dass Jill am Straßenrand stehen bleibt und sogar „Sitz“ macht. Aber als ich an der Stelle über die Straße gehe, wo ich Janas Freund auf dem Fahrschulmotorrad gesehen habe, bricht die „Verbindung“ ab...

 

Donnerstag, 15.07.2004

Ich rufe gleich früh um 9 Uhr beim Psychologen an, um darum zu bitten, heute noch kommen zu dürfen. Ich erfahre leider, dass er Urlaub hat, aber eine Vertretung ist da. Ich weiß nicht so recht, einer neuen Person wieder alles erzählen? Ich weiß nicht, was ich machen soll…

Dann gehe ich erst einmal zu meinem Termin zwecks Untersuchung für die P-Schein-Verlängerung. Ich habe insofern Glück, dass einer von zwei Ärzten in meiner Hausarztpraxis die Berechtigung für diese Untersuchung hat und ich dort nicht fremd bin. Die letzten Male war ich immer bei der Ärztin, die heutige betriebsärztliche Untersuchung macht der Arzt. Das letzte Mal war ich vor zwei Jahren bei ihm, mit Jana. Es war einen Tag nach der Verhaftung von Janas Freund. Jana war so am Boden, dass ich für sie da sein wollte und ließ mich für drei Tage krankschreiben.

Der Arzt fragt mich im Rahmen der Untersuchung nach Krankheiten, ob ich in ständiger Behandlung bin und ob ich regelmäßig Medikamente nehme. Ich gebe den Psychologen an und mein Medikament. Er möchte wissen, warum ich bei einem Psychologen in Behandlung bin. Ich frage ihn, ob er sich an meinen letzten Besuch mit Jana erinnern kann. Ja, er kann sich erinnern, denn wir erzählten ihm damals von der Verhaftung eines guten Freundes und unserer Sprachlosigkeit und unserem Schock. Dann sage ich ihm, dass Jana sich das Leben genommen hat. Der Arzt ist geschockt, ihm fehlen die Worte. Ich komme immer mehr ins Stocken und zittere am ganzen Körper. Ich erzähle, dass ich eigentlich heute zum Psychologen wollte, weil ich wieder einmal ganz unten angekommen bin, dann geht nichts mehr und die Tränen kullern… Mit einem Krankenschein verlasse ich die Praxis…

Ich weiß auch nicht, es gab schon Zeiten, da war ich im Glauben, dass es langsam bergauf geht. Ich habe mit einem Lächeln auf dem Gesicht an Jana gedacht, vor allem, wenn ich ihre Bemerkungen zu allem hörte oder ihr schelmisches Grinsen sah. Ich hatte das Gefühl, dass sie immer da ist, egal, was ich mache. Seit zwei Tagen sehe ich Janas Lächeln nicht mehr, sie schweigt, wenn ich auf ihre Meinung warte. Wenn ich sie sehe, ist sie nachdenklich und ernst…

Nachmittag kommt Steffi, denn ich hatte sie vorgestern angerufen... Auch ihr geht es momentan nicht so gut, trotzdem versucht jeder den anderen irgendwie aufzubauen. So recht will es keinem gelingen, aber uns hilft es oft schon, wenn wir uns nur sehen und umarmen können. Gegen 20.30 Uhr wird Steffi wieder von Gorden und Jerry abgeholt. Diese Stunden ohne „Maske“ taten mir gut… Danke Steffi!

 

Dienstag, 13.07.2004

Als ich heute Nachmittag von der Arbeit komme, habe ich Glück und bekomme genau vor dem Haus einen Parkplatz. Nachdem ich rückwärts in der Querparklücke bin, halten genau gegenüber von meinem Auto zwei Motorräder. Es ist ein Fahrlehrer mit seinem Fahrschüler. Aber mir stockt der Atem. Ich glaube, als Fahrlehrer Janas „Freund“ zu erkennen. Aber das kann eigentlich gar nicht sein, denn von seinen fünf Jahren Haft sind erst zwei vorbei. Ich bleibe im Auto wie angenagelt sitzen, bis beide weiter fahren. Ob er mich gesehen hat, ich weiß es nicht…

Ich gehe dann ins Haus, klingele bei meiner Nachbarin und sage: „Katrin, ich habe eben einen Geist gesehen!“ Ihre Antwort: „Sag nichts, ich neulich auch! Aber ich dachte, dass ich mich irre und erzählte darum nichts.“ Nun ist uns klar, dass er es wirklich war, denn er war nicht nur Janas, sondern auch einmal Katrins Fahrlehrer.

Ich bin froh, als kurze Zeit später Norbert von der Arbeit kommt… Ich bin völlig neben der Spur, denn ich hoffte, diesen Menschen nicht so schnell und vor allem nicht so unverhofft wieder zu sehen. Ich habe das Gefühl, als werden alle Wunden aufgerissen. Er hat fünf Jahre bekommen und ist nach zwei Jahren draußen, ich habe lebenslänglich… Warum fährt er hier vorbei und hält gegenüber von meinem Auto? War es Zufall???          

 

Sonntag, 11.07.2004

Da auch dieses Wochenende absolut nichts mit Hochsommer zu tun hat, verbringen wir es bei mir, denn im Garten kann man kaum etwas tun. Es regnet, es stürmt, dann scheint wieder die Sonne… Das ist wohl eher April, aber kein Juli! Wenn man da an letztes Jahr denkt…

Ich bastele wieder ein wenig an meiner evero- Homepage. In der letzten Zeit probiere ich mal ein paar neue Dinge, wie z.B. die Laufschrift auf der Titelseite und Tabellenerstellung. So ist die evero- HP mein „Versuchskaninchen“. Dort werde ich auch mal das mit der Musikunterlegung probieren.

Heute Mittag mache ich mir in der Küche etwas mehr Arbeit als gestern und fülle Paprikaschoten mit Gehacktem. Norbert ist von dem Essen ganz begeistert und hinterher so satt, dass er kurz vor dem Formel1- Start auf der Couch fast einschläft.

Das Rennen in Silverstone ist wieder spannend, denn Schumi startet „nur“ vom vierten Platz. Aber er schafft es wieder, es ist einfach unglaublich! Auf dem Siegertreppchen stehen sogar beide „roten“ Fahrer. Ich weiß auch, wie sich unsere Ferrari- Fans da oben wieder freuen…

Nach Formel1 schaltet Norbert um auf die Tour de France. Somit sitze ich wieder am Computer und mache meine Hausaufgaben, denn für Radrennen kann ich mich ebenso wenig begeistern wie für Eishockey. Ich hoffe nur, dass ich mir mit dieser Aussage nicht allzu viele Feinde mache *schmunzel*    

 

Sonnabend, 10.07.2004

Nach dem Aufstehen telefoniere ich mit Norbert. Wir treffen uns am Friedhof, um auch zu schauen, ob das Grab nach den letzten Tagen mit viel Regen und Sturm Schaden genommen hat. Wir sind sehr erstaunt, denn es sieht aus, als wäre nur schönes Wetter gewesen. Die blauen Astern sehen richtig toll aus! Bei den kleinen lachsfarbenen Minirosen entferne ich ein paar vertrocknete Blüten.  Das abgebrannte Grablicht entsorge ich und stelle wie voriges Jahr das Licht mit den Batterien hin, welches monatelang leuchtet. Renate hatte es mir mal mitgebracht…

Dann fahren wir mit Norbert einkaufen, um für unser leibliches Wohl am Wochenende zu sorgen. Auch an Jill denken wir und holen im „Fressnapf“ neue Leckerlis.

Als wir gegen Mittag zu hause ankommen, sind wir bereits ganz schön hungrig. Ich mache auf die Schnelle einen Griesbrei von Mondamin, der in 5 Minuten fertig ist. Norbert isst so etwas manchmal auch ganz gern, eigentlich ist er überhaupt nicht wählerisch, was das Essen betrifft.

 

Freitag, 09.07.2004

Auf dem Heimweg lege ich im Auto wieder einmal CDs ein, die ich früher oft mit Jana zusammen hörte. Trotz unseres Altersunterschiedes hatten wir erstaunlich viele gemeinsame Lieblingstitel. Beim Hören der Musik bin ich mit meinen Gedanken in der Vergangenheit, habe das Gefühl, dass Jana neben mir sitzt…

Oft habe ich schon überlegt, wie ich vielleicht unsere gemeinsamen Lieblingslieder irgendwie mit in die Homepage einbaue. Ich könnte z.B. dieses Tagebuch mit einer wöchentlich ändernden Musik unterlegen, habe dies aber noch nie ausprobiert, muss also erst einmal testen… Oder ich mache eine neue Seite mit Musik, die wir gemeinsam mochten. Ich wollte auch schon lange einen ganz bestimmten Titel „unterbringen“. Es ist das Lied, welches gespielt wurde, als Jana ihr Abiturzeugnis überreicht bekam. Jeder hatte sich zuvor einen Titel ausgesucht, der gespielt wurde, als man zur Entgegennahme des Abi- Zeugnisses aufgerufen wurde. Ich werde also noch etwas grübeln und probieren…

 

Donnerstag, 08.07.2004

Wie es aussieht, ist die Krankenwagenwoche nun doch erträglich geworden und hat kaum noch mehr Stress, als auf dem Telebus. Ich hoffe nur, dass ich den Tag nicht vor dem Abend lobe… Da heute die letzte Tour vom Fahrgast sogar noch storniert wird, sind wir bereits zwei Stunden vor Feierabend auf dem Garagenhof. Aber man muss ja in Bereitschaft bleiben, denn wir sind noch im Dienst und abrufbar bis zum offiziellen Feierabend. Auch fahren wir mit Fahrtenschreiberscheibe, die ich nicht vorzeitig entnehmen kann… Na ja, da hat man auch mal die Zeit, um in Ruhe den Bus sauber zu machen und auszuwischen, wozu sonst immer wenig Zeit ist und alles sehr hektisch abläuft.   

Während wir unserem Feierabend entgegen sehen, kommen die ersten Tropfen von oben. Für heute sind ja fast wieder Unwetter und Wind in Orkanstärke angesagt. Ich hoffe nur, dass ich mit Jill noch trocken nach hause komme. Wir haben Glück, aber ca. 20 Minuten später gießt es in Strömen… Hat da wieder jemand auf uns aufgepasst?

Die angesagten Stürme treffen auch nicht ein, jedenfalls bis jetzt nicht. Ich bin darum nicht traurig, denn ich gucke immer sorgenvoll zur Suzuki, die im Hof unter den Bäumen steht… 

 

Mittwoch, 07.07.2004

Keinen Tag schafft man das, was man sich vorgenommen hat. Da komme ich nach hause, will nach Emails gucken und komme nicht ins Internet. Da ich glaube, dass der Laptop spinnt, versuche ich es am großen PC, aber nichts! Da beide an einem Router hängen, wird es wohl am Router liegen, aber alle Kontrolllampen sind an. Ja, nun stehe ich vor dem großen Fragezeichen! Ich kontrolliere sämtliche Steckverbindungen, auch dies hilft nicht. Dann rufe ich bei meiner Nachbarin Katrin an, um bei ihrem Sohn Marcus meinen Hilfeschrei loszuwerden. Aber es ist wohl alles gegen mich, Marcus ist im Urlaub in der Türkei und kommt erst am Sonntag wieder. Wenige Minuten nach meinem Telefonat mit Katrin komme ich wieder ins Internet… Bitte, bitte, jetzt nicht fragen, woran es lag!!! Da sagt man immer: Auto fängt mit „A“ an und hört mit „O“ auf, diese Ohnmacht habe ich ja hinter mir. Computer fängt zwar mit „C“ an, aber hört wohl nie auf!

Genug vom Ärger, es gibt heute auch erfreuliche Dinge. Nach der Arbeit habe ich eine Verabredung. Ich fahre mit Jill zu den Leuten, welche sie betreuen werden, wenn Eva und Klaus im Urlaub sind, damit wir uns etwas kennen lernen und Jill ab dem 19. Juli nicht ganz fremd dort ankommt. Es ist in einer Laubenkolonie, wo sie sich den Sommer über aufhalten. Mit dem Auto bin ich von mir aus in 5 Minuten da, also günstig *freu* Jill zeigt sich von ihrer „besten“ Seite, nämlich so wie sie ist: träge, scheu, aber neugierig! Ich erzähle wieder einmal, dass dies kein Hund ist, sondern ein Sharpei! Aber man hat sie ja bereits bei der ersten Begegnung bei ATU ins Herz geschlossen!

 

Dienstag, 06.07.2004

Die Telebus- Woche vergeht immer viel zu schnell, nun muss ich schon wieder Krankenwagen fahren und bin auf Stress eingerichtet. Wie es jedoch aussieht, glätten sich langsam die Wogen, und es wird angenehmer. Gestern und heute 8- Stunden- Dienst, das ist schon mal positiv.

Als ich um 18 Uhr Feierabend habe, gucke ich auf mein Handy, das ich immer im Rucksack oder in der Handtasche habe und sehe einen verpassten Anruf. Er war Steffi, und ich rufe sie sofort zurück. Sie wollte mich mit Jerry und seinem Papa kurz besuchen und fragt, ob es mir recht ist. Na klar, ich freue mich doch, wenn ich sie sehe! Ich hatte ihr beim letzten Besuch vorgeschlagen, dass Steffi sich nicht nur „absetzen“ und „abholen“ lässt, sondern auch Jerrys Papa mal mitkommen soll. So verbringen wir gemeinsam eine gute Stunde hier zu viert. Es ist richtig schön… Um 20 Uhr fahren Steffi, Gorden und Jerry nach hause, ich bin zwar traurig, dass sie abfahren, aber auch froh, dass wir uns gesehen haben…

Sonntag, 04.07.2004

Eigentlich stehe ich auch am Wochenende gern zeitig auf, um etwas vom Tag zu haben, aber heute komme ich irgendwie nicht aus den Federn. Um 10 Uhr zwinge ich mich regelrecht aus dem Bett, nachdem ich um 7 Uhr das erste Mal auf die Uhr schaute und mich „nur noch kurz“ auf die andere Seite gedreht habe. Norbert träumt scheinbar noch… Als ich aus dem Bad komme, hat auch er seine Augen offen, aber ausgeschlafen guckt er nicht gerade, und seine Haare stehen in alle Richtungen, so dass ich mich ein Lachen nicht verkneifen kann *schmunzel*

So ist nach der Gassi- Runde ein spätes Frühstück angesagt. Im Fernsehen läuft natürlich ab Mittag Formel1. Nebenbei legen wir auf dem Balkon ein paar Bratwürste auf den Elektrogrill. Schumi startet heute nicht von der Poolposition, und wir glauben nicht so recht, dass es noch eine „Wende“ gibt. Aber es ist einfach unglaublich, denn er schafft es, und das mit vier Boxenstops! Jana hätte wieder vor Freude auf der Couch gestanden! Auch Mario war Ferrari- Fan. Ich bin sicher, unsere beiden sind auf dem Laufenden…

Dann nehme ich mir am Computer mal etwas vor, was ich schon lange machen wollte. Laufend sichert man irgendwelche Daten auf CD… Ich gucke sämtliche Daten- CDs durch und sortiere aus. Daten, die ich noch brauche sichere ich neu. Am Ende liegen hier mehr als 10 CDs für den Müll, aber dafür habe ich wieder einen Durchblick!

Abends ruft Renate an, wir quasseln eine Weile. Da wir das letzte Mal Mitte der Woche voneinander hörten, gibt es ja viel zu erzählen: vom Ärger mit meinem Auto, von dem glücklichen Zufall mit Jills Urlaubsbetreuung, auch reden wir über das heutige Formel1-Rennen…

Während ich hier schreibe, fällt mir ein, dass ich gestern etwas Lustiges vergessen habe. Mittags klingelte nämlich der Postbote, und es kam das Paket mit den Taschen… Dann saßen wir hier und jeder „räumte um“, ich von meinem Rucksack in die neue Handtasche, Norbert vom Einkaufsbeutel in die Ledertasche mit vielen praktischen Fächern… Eine ganze Zeit später dann fragt mich Norbert plötzlich: „Sag mal, was mache ich denn, wenn es Montag früh regnet?“ Ich kann mit dieser Frage kaum etwas anfangen… „Na, dann wird doch meine neue Tasche nass“ meint er. Ich muss grinsen, denn selbst nach vier Jahren falle ich immer noch auf seine kleinen Witzeleien herein, die er ganz ernst herüber bringt. Meine Antwort ist natürlich: „Dann nimmst du einen Schirm.“ Norberts Antwort: „Ich kann ja die neue Tasche auch in einen Beutel packen.“ Von da an lachen wir beide nur noch…

Aber nun genug, denn hier läuft das Endspiel der Fußball- EM...

Sonnabend, 03.07.2004

Um 10 Uhr habe ich noch mal bei ATU einen Termin zur TÜV- Wiedervorstellung, danach ist endlich die neue Plakette auf dem hinteren Nummernschild! Man, soviel Aufregung hatte ich noch nie mit einem Auto! Oft habe ich in den letzten Tagen Janas gesenkten Blick vor Augen, als wollte sie zu mir sagen: „Mum, tut mir leid, dass du so viel Ärger mit dem Auto hast und ich Dich noch zum Kauf des Mondeo überredet habe.“

Mittags rufe ich wieder einmal in Bayern an, um zu hören, wie es Jeannie geht. Sie ist vor 2 bis 3 Wochen gedeckt worden, aber noch ist nichts sicher… Eigentlich wollte er mich mit Welpenfotos überraschen, aber nun bin ich wieder so voreilig gewesen *grins*

Am Nachmittag, als ich mit Jill zur Gassi- Runde unterwegs bin, treffe ich eine andere Hundebesitzerin aus der Nachbarschaft. Sie kannte auch noch Jana und Jeannie. Ich erzähle ihr von meinem Telefonat nach Bayern und auch von meinem unverhofften Glück mit Jills Urlaubsbetreuung. Da sagt sie zu mir: „Das kommt von ihr, sie regelt das für sie.“ Und ich glaube, dass sie Recht hat…

Abends klingelt mein Telefon, ich sehe die Nummer von Steffi. Freudig nehme ich das Gespräch an, aber am anderen Ende ist eine völlig verzweifelte und weinende Steffi. Sie fragt nur, ob sie zu mir kommen kann. Aber natürlich kann sie kommen! So traurig es ist, aber ich bin froh, dass sie sich bei mir meldet, wenn es ihr schlecht geht. Ich möchte immer für sie da sein, denn ich liebe sie inzwischen wie eine eigene Tochter. Ich komme mir auch ziemlich hilflos vor, denn ich sage, was ich wirklich denke, und das ist nicht unbedingt immer das, was man hören möchte. Ich will jedoch ehrlich bleiben, denn mit Floskeln helfe ich niemandem… Ich hoffe nur, dass ich Steffi mit meiner Ehrlichkeit trotzdem helfen konnte. Man möge es mir verzeihen, wenn ich für manchen hier in Rätseln schreibe und nicht sage, warum Steffi so down ist, ich möchte es ihr überlassen, ob sie in ihrem Tagebuch darüber schreibt. Nach ungefähr zwei Stunden wird Steffi wieder von dem Auto mit den andersfarbigen Kotflügel abgeholt. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber hoffe, dass es ihr einfach durch das Reden ein ganz klein bisschen besser geht…

Freitag, 02.07.2004

Für heute habe ich kurzfristig frei bekommen, damit ich zum Landeseinwohneramt gehen kann, um meine P- Schein- Verlängerung zu beantragen. Meine Berechtigung zur Personenbeförderung gilt bis Ende September, da muss man 12 Wochen vorher die Verlängerung beim LEA beantragen. Ich bin guter Dinge, denn dorthin werde ich heute mal wieder mit dem Motorrad fahren. Seit Jill von Eva betreut wird, muss ich ja immer das Auto nehmen und kann nicht mit dem Bike zur Arbeit fahren. Es macht richtig Spaß, vor allem ist es auch nicht die „Standardstrecke“. Pünktlich um 7.30 Uhr komme ich am LEA an, als geöffnet wird. Der Ansturm hält sich in Grenzen, nach 45 Minuten bin ich draußen und um 42,-€ leichter. Es gibt wohl kaum etwas, das nicht teurer geworden ist! Nun muss ich dieses Mal mein Führungszeugnis auch selber beantragen, das wurde sonst vom LEA mit erledigt. Dann fahre ich zu meinem Hausarzt, der auch berechtigt ist, solche amtsärztlichen Untersuchungen zu machen. Ich habe aber Pech, da sie dies nur mit Termin machen. Das wird auch noch einmal 45,-€ kosten, beim letzten Mal waren es noch 75,-DM.

Als ich wieder zu hause bin, rufe ich Steffi an, um ihr zu ihrem heutigen Geburtstag zu gratulieren. Leider geht nur der AB an, und ich bin traurig, dass ich sie nicht persönlich sprechen kann. Ich spreche drauf, aber werde es später trotzdem noch mal versuchen…

Um meinen freien Tag weiter nutzbringend auszufüllen, nehme ich mein Auto und fahre zur Wiedervorstellung zum TÜV. Der rechte vordere Querlenker wurde ja gewechselt, am Auspuff hatte man nichts gefunden. Kaum ist mein Auto auf der Hebebühne, stellt der TÜV- Prüfer fest, dass der linke Querlenker auch ausgetauscht werden muss, na toll! Auf meine Anfrage, ob der andere das nicht beim ersten Mal hätte sehen können, kommt eine „jein“- Antwort. Ich bin total frustriert und fahre wieder zu ATU, aber zu einem in meiner Wohnnähe. Man veranschlagt ca. eineinhalb Stunden für die Reparatur und die anschließende Achsvermessung. Dann kommt der Schlosser nach dem Wechsel des Querlenkers zu mir und fragt, ob man beim TÜV nicht den kaputten mittleren Schalldämpfer vom Auspuff beanstandet hätte. Ja stimmt, aber die andere ATU- Werkstatt hatte gesagt, dass es sich nur um normalen Rost handelt. Ich bekomme langsam eine Krise, lasse den Auspuff natürlich auch noch reparieren. Nach gut drei Stunden Warten darf ich 416,-€ bezahlen, somit ist der Tag für mich gelaufen…

Manchmal sagt man, dass alles seinen Sinn hat. Während ich mit Jill bei ATU die Wartezeit auf einer Bank in der Sonne verbringe, bleiben mehrmals Leute stehen, um sich Jill näher anzusehen. Einmal kommt eine Frau und ist von Jill so angetan, dass sie noch ihren Mann aus dem Auto holt. So entsteht ein nettes Gespräch. Sie erzählen mir, dass sie früher einen Boxer hatten, sich aber keinen neuen Hund mehr anschaffen können, da ihr Vermieter keine Hunde erlaubt. Der Mann fragt mich, was ich mit Jill mache, wenn ich arbeiten gehe. Ich erzähle von Hunde- Sitter Bernhard und von der „Huta“ bei Eva. Dann sagt er, dass er Jill auch nehmen würde… Da ich nicht auf den Mund gefallen bin, sage ich, dass er vorsichtig sein soll, da ich ihn sonst beim Wort nehme, weil ich noch eine Urlaubsbetreuung suche (Eva und Klaus haben ab 17. Juli vier Wochen Urlaub). Der Mann möchte am liebsten gleich zusagen und bettelt seine Frau förmlich, dass sie das doch machen könnten. Er lässt sich dann meine Telefonnummer geben und verspricht in den nächsten Tagen anzurufen. Es wäre ja ein unheimlicher Glücksfall, aber ich bleibe lieber skeptisch, um dann nicht enttäuscht zu sein…

Ich bin froh, als ich nach 14 Uhr endlich wieder zu hause bin, denn die reichlich drei Stunden Wartezeit bei ATU haben mich irgendwie geschafft. Morgen um 10 Uhr kann ich nochmals hinkommen, dann wird der TÜV gemacht. Ich rufe Norbert an, erzähle von Frust und Freude. Aber wir sehen uns ja etwas später noch…

Dann versuche ich es nochmals bei Steffi. Als ich wieder anfange auf den AB zu sprechen, kommt Steffi ans Telefon. Sie freut sich sehr. Ich möchte am liebsten durch die Leitung springen, um sie in den Arm zu nehmen! Im Hintergrund höre ich ihre Geburtstagsgäste, will mich darum kurz fassen, aber der Frust des heutigen Tages sprudelt aus mir heraus… Steffi hört mir geduldig zu, und mein Bedürfnis sie in den Arm zu nehmen, wird immer größer. Sie ist so eine Liebe, hört geduldig zu, obwohl sie genug eigene Sorgen hat…

…und während ich nun hier schreibe, klingelt das Telefon… Ich kann es kaum fassen! Es ist der Mann, der sich heute Mittag bei ATU kaum von Jill trennen konnte. Er und seine Frau möchten wirklich für Jill die Urlaubsbetreuung übernehmen! Ich bin total neben der Spur, denn so richtig habe ich nicht geglaubt, dass jemand aus reiner Tierliebe und so uneigennützig anderen hilft. Dies sage ich ihm auch am Telefon. Es ist wie ein schöner Traum, wenn man vom Gegenteil überzeugt wird. Mir fehlen einfach die Worte! Dann höre ich Jana: „Mum, freu’ dich einfach, ich bin nicht mehr da, aber es gibt noch viele andere liebe Menschen, die dir helfen werden…“ Woher weiß sie das?

 

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