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  Tagebuch April - Juni 2004

 

Mittwoch, 30.06.2004

Da an den letzten beiden Tagen eigentlich nichts „passiert“ ist, hatte ich auch keine Lust, das Tagebuch mit lapidaren Dingen zu quälen.

Dafür ist heute für Norbert und mich ein kleiner Feiertag, denn heute vor vier Jahren haben wir uns das erste Mal getroffen. Dieses Datum ist somit unser Jahrestag und steht auch in den Ringen, die wir uns voriges Jahr zum „Dreijährigen“ gekauft haben. Wir treffen uns nach Feierabend bei mir. Dann gehen wir etwas später zu unserem Lieblingsgriechen. Sehr lange waren wir nicht dort, es ist wie immer sehr gemütlich und super lecker! Auch das Wetter ist auf unserer Seite, und wir können draußen sitzen. Jill liegt brav unter dem Tisch, bis ein hübscher großer schwarzer Hund mit seinem Frauchen am Nebentisch Platz nimmt… Beide Hunde sind sehr interessiert aneinander, aber der andere hört besser als Jill und macht Platz, während Jill noch an der Leine zerrt. Dieser schwarze Hund ist folgsam, himmelt sein Frauchen an und erinnert mich mit all seinen Gesten an Jeannie…     

Wir sind kaum wieder zu hause, da klingelt das Telefon und meine Schwester ruft an, um uns zu unserem Jahrestag zu gratulieren. Ich freue mich sehr. Aber hinterher stutze ich und sage zu Norbert, dass ich erstaunt bin, dass meine Schwester an dieses Datum gedacht hat. „Na, das wird sie im Tagebuch gelesen haben…“ meint Norbert. Aber es steht doch gar nicht drin, NOCH nicht! Danke mein liebes Schwesterherz, dass Du daran gedacht hast! Nun setze ich mich an den Computer, schreibe es ins Tagebuch, denn Norbert "klebt" mit seinen Augen am Fernseher und verfolgt das EM- Spiel Portugal gegen Holland...                                 

 

Sonntag, 27.06.2004

Eigentlich verläuft der Tag viel zu normal, als dass man ihn besonders beschreiben oder über ihn erzählen müsste. Also lasse ich es, denn es wäre einfach langweilig *schmunzel* Es ist halt ein ruhiger und gemütlicher Sonntag…

Da Norbert im Fernsehen den aktuellen Sport verfolgt, widme ich mich wieder einmal meiner eigenen Homepage. Ich aktualisiere meine Beruf/Job- Seite und bringe auch meinen Frust über die Sparpolitik des Berliner Senats zum Ausdruck, ich kann nicht anders…   

 

Sonnabend, 26.06.2004

Also, gestern hatte ich „null Bock“ auf Tagebuch schreiben, außerdem wird es ja auch irgendwann langweilig, wenn ich von jedem Arbeitstag im Detail berichte. Aber bei dieser Arbeit bleibt ja die Woche über auch kaum Zeit für andere Dinge, was soll man also seinem Tagebuch mitteilen? Da fängt ein Tagebuch irgendwann an zu stöhnen und deren Leser wahrscheinlich auch…

Nun ist seit gestern auch Norbert wieder da, es gab viel zu erzählen, denn wir hatten die Woche über nur kurz telefoniert. Ich freue mich immer umso mehr auf Norbert, wenn ich ihn ein paar Tage nicht gesehen habe. Ich finde nichts schlimmer als Gewohnheit und Selbstverständlichkeit… Ich hatte vor vielen Jahren mal ein Lieblingsgedicht, das eigentlich alles aussagt. Ich muss nur kurz suchen und finde das Büchlein. Ich staune, denn es erschien bereits 1975 im Insel-Verlag Leipzig. Es ist ein kleiner Gedichtband mit dem Titel „Terzinen des Herzens“ von Annemarie Bostroem. Hier das Gedicht, welches mir immer noch sehr nahe geht:

Nur das nicht: dass ich mich daran gewöhne,

dass du den Weg zu mir gefunden hast.

Nur das nicht: dass das unaussprechlich Schöne,

das mich in Deiner Gegenwart erfasst,

alltäglich wird, beraubt des reinen Glanzes                                                      

des Einzigartigen. Du darfst ein Gast  

nur eines Festes, Partner eines Tanzes,

Gefährte einer guten Stunde sein,

kostbarste Blüte eines bunten Kranzes,

Tropfen von einem auserwählten Wein,

an dem sich meine Liebe stets aufs Neue

berauscht. Lass mich zur rechten Zeit allein,

dass ich mich immer tiefer auf Dich freue.  

Ich fand und finde dieses Gedicht einzigartig und will es auch nicht kommentieren, denn es spricht für sich.

Wir verbringen den heutigen Sonnabend ganz gemütlich, fahren noch kurz einkaufen… Ich „stöbere“ dann wieder einmal bei Ebay. Norbert fragt irgendwann in seiner charmanten Art *grins*, ob ich eine Tasche für ihn suche. Dazu muss ich erklären, dass ich ihm zu seinem Geburtstag nur eine Art Gutschein geschenkt habe, da ich durch den Krankenwagenstress nicht zum Einkaufen kam. Norbert geht immer mit einem blöden Einkaufsbeutel zur Arbeit. Die Tasche, die er hatte, nimmt er nicht mehr, da er damit oft mit dem Personal der S-Bahn verwechselt und nach dem Fahrplan gefragt wurde *lächel*. Ich wollte ihm eine schöne Tasche kaufen. Asche auf mein Haupt, es ist langsam überfällig. So suche ich bei Ebay Taschen, die sich eignen würden. Es gibt ja sehr schöne italienische Ledertaschen, aber stinkteuer (159,-€) und für meinen Geldbeutel der absolute Ruin! Ich finde aber nach langem Suchen ein gutes Angebot zum akzeptablen Preis. Auch Norbert gefällt die Tasche, dann klicke ich auf Sofortkauf. Dort, wo ich diese Tasche kaufe, gibt es nicht nur Aktentaschen, aber so sparen wir einmal Versandkosten *grins*...   

 

Donnerstag, 24.06.2004

Ein unerwartet lockerer Tag… Wir sind bereits über eine Stunde vor Feierabend auf dem Garagenhof. Jill guckt neugierig aus der offen stehenden Haustür bei Eva, scheinbar bei jedem Bus, der kommt. Nun merkt sie, dass ich es bin und ist vor Freude kaum zu halten. Ich kann mit meinem Bus kaum auf den Garagenhof fahren, denn Jill „tanzt“ so um den Bus herum, dass ich Angst haben muss, sie zu überfahren. Diesen „Freudentanz“ macht sie jeden Tag und aller Stress fällt von mir ab, wenn ich so begrüßt werde… Natürlich freue ich mich ebenso, denn diese bedingungslose Treue und Anhänglichkeit von einem Tier beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue. Manche Menschen könnten von Tieren lernen… 

 

Mittwoch, 23.06.2004

Der Tag fängt ja gut an, ich verschlafe! Statt um 5.30 Uhr gleich aufzustehen, drücke ich meinen Wecker mehrmals auf Pause, um „nur noch ein paar Minuten“ mein Bett zu genießen. Dann ist es bereits 6.20 Uhr, als ich erschrecke und aufspringe, denn um 6.45 Uhr muss ich los. Wenn ich etwas nicht leiden kann, ist es Hektik am frühen Morgen! Wenn es so anfängt, ist der Tag fast schon für mich gelaufen, denn oft ist dies nur der Anfang von einer ganzen Reihe unglücklicher Verkettungen. Aber es geht so, der Tag wird wesentlich erträglicher als gestern, aber ich bleibe bis zum Feierabend misstrauisch… Jedoch sind wir sogar eine knappe halbe Stunde vor Feierabend auf dem Garagenhof und können pünktlich Feierabend machen. Richtig schön, dass ich heute bereits um 17 Uhr zu hause bin! Man ist ja schon richtig bescheiden geworden und kann sich über solche Kleinigkeiten freuen ;-) Ich habe auch den richtigen „Schwung“, um einige Hausarbeit zu erledigen und gebe Norbert vor dem Fußballspiel telefonisch noch einen kurzen „Lagebericht“. Mittlerweile sind nur noch wenige Minuten im Spiel Deutschland gegen Tschechien zu spielen, aber leider sieht es nicht sehr gut aus… Ich höre lieber auf, bevor ich das Ergebnis kommentieren muss :-( Also bis morgen...                      

 

Dienstag, 22.06.2004

Dienst habe ich erst ab 10.30 Uhr, aber dafür bis 20 Uhr. Ich stehe trotzdem relativ zeitig auf, um zu hause noch einiges zu tun. Der Tag ist relativ „normal“, es gibt keinen extremen Stress, aber das dicke Ende kommt natürlich zum Feierabend! Der letzte Fahrgast hat die Arztpraxis bereits vor längerer Zeit mit seinem Elektrorollstuhl verlassen wird uns gesagt… Wir warten noch eine Weile und bekommen dann von unserer Funkzentrale die Anweisung, dass wir abfahren. Wir sind fast schon in der Firma, da sagt man uns über Funk, dass der Fahrgast am Telefon ist… So müssen wir umkehren, haben eine halbe Stunde Anfahrt zurück zur Arztpraxis am Ku-Damm. Wir sind stinksauer, nun ist klar, dass wir auch noch Überstunden machen „dürfen“, denn der Fahrgast wohnt am anderen Ende der Stadt. Feierabend um 20 Uhr gibt es also nicht mehr, wir sind froh, als wir kurz nach 21 Uhr auf dem Garagenhof eintreffen. Ich muss noch die ganzen Papiere fertig machen, muss Vordrucke vervielfältigen, somit wird es 21.30 Uhr, als ich mit Jill im Auto die Heimfahrt antrete und um 22 Uhr endlich meine Wohnung betreten kann. Bin für heute richtig bedient, denn eigentlich fahre ich nur zum Schlafen nach hause. Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker, weil ich um 7.45 Uhr zum ersten Fahrgast fahren muss, den ich freundlich und zuvorkommend abholen soll…

 

Montag, 21.06.2004

Heute bin ich um 6.45 Uhr aus dem Haus gegangen und komme um 20.45 Uhr zurück…

Von 7.45 Uhr bis 17.30 Uhr habe ich Dienst auf dem Krankenwagen und komme mit etwas Verspätung kurz vor 18 Uhr auf den Garagenhof. Da mir ein Kollege einen Tipp gegeben hat, mein Auto preiswert bei ATU reparieren zu lassen, fahre ich nach Feierabend mal hin, um mich zu erkundigen, denn es ist nur 5 Minuten von der Firma entfernt. Der Querlenker vorn kann sofort gewechselt werden, ich kann also da bleiben. Gleichzeitig nutze ich die Gelegenheit, um einen längst fälligen Ölwechsel machen zu lassen. Da die Bremsflüssigkeit überaltert ist, wird diese ebenso erneuert. Am Auspuff, den der TÜV bemängelt hat, kann man nichts finden, außer etwas Rost… So ist die Sorge um das Auto auch beseitigt, ich verlasse um 20.15 Uhr die Werkstatt, bin aber auch um 226,-€ leichter…

Auf dem Heimweg lächelt jemand zu mir herüber und sagt: „Mum, siehst Du, war alles halb so wild, hast dich wieder so verrückt gemacht, und nun ist schon alles erledigt…“

Um 20.45 endlich zu hause bin ich nur noch k.o. Das war ein langer Tag, aber wenigstens mit einem positiven Ergebnis. Auch Jill scheint total geschafft zu sein, sie liegt auf ihrem Fell, als hätte sie einen Marathon hinter sich…

 

Sonntag, 20.06.2004

Norbert fährt morgens nach hause, denn bei diesem unerwartet sonnigen Wetter möchte er noch etwas im Garten tun, so sagt er… Ich glaube eher, dass er gern dem „Weibertreffen“ aus dem Wege gehen möchte *schmunzel*  

Gegen Mittag will ja Steffi kommen. Ich nutze die Zeit noch etwas zum Saugen, Staubwischen und Aufräumen. Da wieder die Krankenwagenwoche vor mir liegt, bin ich nun auch zufrieden...

Dann mache ich mit Jill die Mittags- Gassi- Runde. Dabei kommt uns ein Auto entgegen, welches mir durch einen andersfarbigen Kotflügel bekannt ist. Winke, winke, und Steffi steigt aus. Ihr Sohn und sein Papa fahren weiter… Ich nehme Steffi in die Arme, und Jill überschlägt sich fast vor Freude ;-)

Ich merke, dass Steffi nicht besonders gut drauf ist. Insofern ist es vielleicht sogar gut, dass wir unter uns sind, obwohl sie es schade findet, dass Norbert nicht da ist. Sie findet ihn so lustig und kann ihn sehr gut leiden. 

Somit haben wir aber alle Zeit und Ruhe zum Reden. Ich habe Steffi nie bedrängt, sondern immer nur angeboten, ihr zuzuhören, wenn sie reden möchte. Heute habe ich sogar das Gefühl, als würde Steffi mir eine Tür öffnen, die bisher für mich verschlossen war.

Wir fahren auch noch zusammen zum Friedhof. Steffi findet die neue Bepflanzung sehr schön und bestätigt mir: es sieht wirklich noch schöner aus, als auf den Fotos! Auch sind wir froh, dass das Schaf noch da ist…

Gegen 18.30 Uhr wird Steffi von dem Auto mit dem andersfarbigen Kotflügel wieder abgeholt. Ich würde sie am liebsten festhalten...

 

Sonnabend, 20.06.2004

Das schönste am Wochenende ist, dass der Wecker nicht klingelt, vorausgesetzt, man schaltet ihn freitags aus! Oft genug habe ich es schon vergessen und zuckte am Sonnabend früh zusammen. Aber heute nicht! So macht man die Augen irgendwann von allein auf und kann entscheiden, ob man sie wieder zu macht oder offen lässt und aufsteht ;-)

Als wir am späten Vormittag zum Einkaufen fahren wollen, platzt gerade eine Regewolke, und es schüttet sich so richtig aus. Ich wollte eigentlich gleich Jill mitnehmen, um somit die 5 Treppen und die Mittags- Gassi- Runde einzusparen, aber bei diesem Regen würde sie wie ein sturer Esel unter der Überdachung der Haustür stehen bleiben. Somit warten wir ab, und nach einer guten halben Stunde sieht es wieder freundlicher aus, also auf zu Lidl, und Jill kann mitkommen…

Der Rest des Tages ist „stinknormal“, Norbert guckt Formel1 und Fußball und ist stinksauer, dass Deutschland gegen Lettland unentschieden spielt. Ich führe mehrere Telefonate und informiere mich im Internet über Kündigung und alles was es dazu gibt. Es ist ja doch so, dass es einem ständig durch den Kopf geht. Man saugt alle Informationen regelrecht auf, auch gibt es ein paar Ungereimtheiten, aber ich möchte hier nicht ins Detail gehen, um mir nicht selber zu schaden. Zur gegebenen Zeit dann mehr… 

 

Freitag, 18.06.2004

Als morgens mein Wecker klingelt, bin ich etwas orientierungslos, denn ich grüble, wann ich heute zum Dienst muss. Dann macht es „klick“. Ich bin ja für heute freigestellt, um mich sofort beim Arbeitsamt zu melden. Es ist mit dem Auto nur wenige Minuten von mir entfernt. Es ist schon ein komisches Gefühl, als ich kurz vor 8 Uhr dort vor der Tür stehe, denn 14 Jahre hatte ich das Glück, dieses Gebäude nicht betreten zu müssen.

Da ich am 1. April 1990 mit Jana noch offiziell in den Westteil von Berlin zu meinem zweiten Ehemann übergesiedelt war (den ich kurz zuvor geheiratet hatte), musste ich zu dieser Zeit das damals noch übliche Bundesaufnahmeverfahren machen. Bei den vielen Behördengängen war natürlich auch das Arbeitsamt auf der Liste. Da ich in Berlin- Weißensee bereits 10 Jahre als Kraftfahrer im Gesundheitswesen gearbeitet hatte und auch die Qualifizierung zum Berufskraftfahrer hatte, fragte man mich, ob ich schon Sattelschlepper gefahren habe. Ich war die letzte Zeit zwar viel LKW gefahren, aber wir hatten keinen Sattelschlepper, jedoch waren mir im damaligen Westberlin diese Telebusse aufgefallen und interessierten mich irgendwie… Das fand man gut und schickte mich zum nächsten Lehrgang, um den Schein für die Personenbeförderung zu machen, den man für den Telebus braucht. Ich weiß nicht, ob ich dies gemacht hätte, wenn ich vorher gewusst hätte, was mich erwartet. Hinterher habe ich festgestellt, dass ich nicht einmal für das Abi so viel stur auswendig lernen musste. Ich fiel bei der Prüfung durch… Aber man kann diese Prüfung beim Landeseinwohneramt zweimal wiederholen… Vor der Wiederholungsprüfung ging es mir miserabel, denn ich hatte bereits meine Arbeitsstelle und MUSSTE diese Prüfung bestehen. Morgens kam ich nicht von der Toilette runter und hatte mich mehrmals übergeben, alles aus Prüfungsangst… Zur Prüfung kam Jana mit. Als ich herauskam und bestanden hatte, haben wir uns nur noch umarmt und einen regelrechten Freudentanz aufgeführt. Jana konnte sich so sehr freuen, auch für andere…

Alle diese Erinnerungen gehen mir durch den Kopf, als ich kurz vor 8 Uhr vor dem Arbeitsamt im Nieselregen in einer langen Schlange anstehe…

Nach einer guten Stunde verlasse ich dieses ungeliebte Gebäude und rufe Steffi an. Wir telefonierten gestern Abend und wollten uns heute verabreden, aber verschieben unser Treffen auf Sonntag. Ich will diesen ungewollt freien Tag noch nutzen und mit meinem Auto zum TÜV, denn genau heute vor zwei Jahren habe ich den Ford Mondeo gekauft. Auch da sind wieder viele Erinnerungen:

Wir hatten einen 190-er Mercedes, den wir mit Jana über alles liebten. Es war unser „Benny“. Als wir dann mittlerweile zwei Hunde hatten, wollten wir unbedingt einen großen Kombi. Jana blieb bei einem Autohändler an diesem roten Mondeo- Kombi hängen und verliebte sich in ihn. Er war bereits 7 Jahre alt, aber hatte nur 30.000 km. Ja, dann gab ich unseren Benny in Zahlung und kaufte den Ford. Aber bis heute trauere ich unserem Benny nach. Es ging damit los, dass der Autohändler uns besch… hat, denn das Auto wurde mit 85KW angepriesen und hat aber nur 65KW. Dies merke ich besonders, wenn wir zu Renate fahren, denn auf den bergigen Autobahnen hat er echte Probleme. Benny hatte 90KW/122PS, er hätte es mühelos geschafft...

Na ja, da bin ich nun beim TÜV – und leider bekomme ich ihn nicht. Der vordere rechte Querlenker ist ausgeschlagen, ich muss in eine Werkstatt und habe 30 Tage Zeit, um dies reparieren zu lassen. Ich weiß nicht, ist im Moment alles gegen mich? Wie sagt man immer? Wenn es kommt, dann kommt es doppelt und dreifach…

Ja, und dann fällt mir ein, dass heute der 18. Juni ist. Heute vor zwei Jahren hat man Janas Freund auf dem Weg zum Bankraub durch einen  -----> „blöden Zufall“ erwischt. An diesem Tag begannen für Jana ihre endlosen Qualen, ihre Zweifel, ihre endgültigen Entscheidungen...  

 

Donnerstag, 17.06.2004

Das war’s dann wohl mit der so genannten „ruhigen“ Woche. Den ersten Kollegen wurde heute die Kündigung zum 31.12.2004 ausgehändigt, so auch mir. Bislang war dies alles so weit weg, jetzt habe ich es schwarz auf weiß. Schlagartig ist meine Stimmung im Keller, mir gehen unendlich viele Dinge durch den Kopf, meine Gedanken sind ein einziges Chaos…

Zwar wurde mir gesagt, dass man versuchen wird bei der Neuausschreibung wieder einen Zuschlag zu erhalten, wenn auch zu anderen (mit Sicherheit schlechteren) Konditionen, und, und, und… Aber die gleiche schwere Arbeit und Verantwortung für noch weniger Geld, wo man bisher ohnehin nicht gerade überbezahlt wurde?  

Neulich hörte ich, wie ein Kollege zum anderen sagte: „Wenn ich dann für nur noch 1000€ die gleiche Arbeit machen soll, kann ich auch für 850€ zu hause bleiben, denn die Differenz sind meine Spritkosten, die ich dann nicht mehr habe.“ Eine sicher umstrittene Meinung, aber irgendwie verständlich!

Ich bin heute fast ununterbrochen in Gedanken bei Jana und höre auch, was sie zu mir sagt: „Mum, du schaffst das!“ Aber ich weiß, dass sie mich in den Arm nehmen würde, wenn sie noch da wäre. Dann würde sie jedoch sagen: „Mum, WIR schaffen das!“  Dieses „WIR“ fehlt mir so sehr, ebenso die Umarmung… Es gibt so viele liebe Menschen in meinem Umfeld, aber mein Kind kann mir niemand ersetzen, mit keiner Umarmung!

Es tut zwar immer gut, wenn mir fremde Menschen schreiben, dass man meine Kraft bewundert und ich als sehr stark eingeschätzt werde. Das ist sicherlich der äußere Eindruck. Selbst hier im Tagebuch kann ich nicht immer 100%ig wiedergeben, was wirklich in mir vorgeht. Sicher mache oder erwecke ich wirklich nach außen hin einen starken Eindruck. Mit meiner „Maske“ das funktioniert ja auch ganz gut. Aber heute habe ich das Gefühl, dass meine Kräfte endgültig aufgebraucht sind... Es kullern reichlich Tränen, und meine Sehnsucht nach Jana und die Neugier, wo sie ist, sind größer als alles andere...

Ich will jedoch mit diesen Gedanken niemanden in Angst und Schrecken versetzen, es wäre unfair. Ich bin nur einfach wieder ganz unten und frage mich nach dem Sinn meines weiteren Lebens. Möchte manchmal einfach nur meine Ruhe haben, aber niemand lässt sie einem... Das Leben ist Stress pur und manchmal fange ich fast an, Jana und Mario zu beneiden. Oft war dies auch schon ein Thema, wenn wir mit Renate telefonierten. Vielleicht ahnten unsere Kinder, dass es immer mieser wird. Vielleicht geht es ihnen wirklich besser als uns? Dann könnten wir unsere Kinder fast beneiden...

 

Mittwoch, 16.06.2004

Auf Arbeit habe ich wieder die relativ ruhige Woche auf dem Telebus, jedoch begann der heutige Tag mit Stress. Ein Student, der als Vertretung fährt, war mit dem Bus losgefahren, den ich eigentlich diese Woche fahre.

Na ja, könnte man sagen, hättest dann den anderen genommen. Aber dieser besagte Bus ist der einzige, der Tiptronic  hat (eine Kombination aus Automatik und Handschaltung). Ich habe diesen Bus noch nie gefahren und bin nicht darauf eingewiesen. Ich fragte einen Kollegen, der zur gleichen Zeit wie ich Dienstbeginn hatte, aber seine Antwort war nur: „Keine Ahnung, habe ich noch nie gefahren.“ Nun stand ich da und spielte Rumpelstilzchen. Dann nahm ich den Bus eines anderen Kollegen, was natürlich eine Kettenreaktion ergab…

Ansonsten eine ganz „normale“ Woche, je nachdem, wie man es sieht… Es ist ja zurzeit alle Welt durch die EM im Fußball- Fieber. Ich brauche da gar nicht so weit zu schauen, denn Norbert sitzt hier und guckt natürlich Fußball. Sogar meine Mum verfolgt zu hause einige Spiele und ruft manchmal an. Dann fragt sie: „Für wen muss ich denn sein?“ Kaum habe ich dies eben geschrieben, da klingelt das Telefon…

 

Montag, 14.06.2004

Heute hat Renate Geburtstag. Als ich von der Arbeit komme, rufe ich sie an, denn früh um 4 Uhr wollte ich sie nicht unbedingt wecken… Wir reden nur kurz, denn sie erwartet noch Kaffeegäste, ich selber bin auch etwas in Eile, abends wollen wir dann nochmals plaudern.

Dann gehe ich zum Augenarzt. Ich trage Kontaktlinsen, da ich weitsichtig bin. Das sind die Leute, deren Arme beim Zeitung lesen zu kurz sind *grins*

In der letzen Zeit hatte ich oft den Eindruck, dass es mal kontrolliert werden sollte. Aber mein Augenarzt stellt keine Verschlechterung fest, die Werte der Dioptrien haben sich nicht verändert. Bin ja auch nicht böse darüber… Dann bestelle ich im Internet neue Monatslinsen, denn meine „Vorräte“ sind gleich null und ich habe die letzten im Gebrauch. Darum wollte ich zuerst zum Augenarzt, denn es sind immer Kontaktlinsen für ein halbes Jahr. Die Preisunterschiede sind ganz schön groß. Dort, wo ich bisher bestellt habe, kostet eine 6er-Packung zurzeit 34,50€. Ich brauche aber 2 Packungen, da ich auf den Augen verschiedene Dioptrien habe. Als ich dann ein Angebot für 26,-€ pro 6-er Packung finde, merke ich, dass sich das Suchen doch lohnt…                    

 

Sonntag, 13.06.2004

Nachdem wir relativ zeitig aufgestanden sind, schauen wir misstrauisch nach dem Wetter. Um 10 Uhr wollen wir ja zum „Holländer“ und Fotos vom Grab machen. Aber draußen sieht es aus, als regnet es bald. Dann beginnt es auch zu nieseln. Norbert hat nun keine Lust mehr zum Holländer zu fahren. Da es nach ca. 10 Minuten wieder aufhört, denke ich mal, dass es wahrscheinlich den ganzen Tag immer nur kurze Schauer geben wird. So drängele ich Norbert, dass wir zumindest zum Friedhof fahren, um die versprochenen Fotos zu machen. Wir haben auch Glück, denn kaum sind wir auf dem Friedhof, da schiebt sich die Sonne durch eine Wolkenlücke, und es ist strahlender Sonnenschein.

Ich habe mal geschrieben, dass ein kleines Schaf auf dem Grab steht, es war immer kaum sichtbar, da es nur ca. 5 cm ist und von den Pflanzen verdeckt wurde. Ich nehme heute noch ein größeres aus Keramik mit, welches ich sichtbar auf das Grab stelle. Norbert ist misstrauisch, denn die Engel, welche Bea damals für das Grab mitbrachte, wurden geklaut…

Zum Fotografieren ist die pralle Sonne gar nicht so gut, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie die Fotos fast etwas unscharf macht. Ich knipse also drauf los und hoffe auf verwendbare Bilder… Bei einer Digitalkamera kann man ja so schön aussortieren und bearbeiten, ohne dass man einen Film umsonst verschossen hat…

Kaum sind wir auf dem Weg zum Friedhofsausgang, verschwindet auch die Sonne wieder hinter den Wolken, die nächste Regenfront ist „im Anmarsch“. Da grinst doch jemand zu mir herunter: „Mum, nun hast du deine Bilder, fahr nach hause, wenn du trocken bleiben willst.“ Jana hat Recht, der nächste Schauer lässt nicht lange auf sich warten, aber lässt uns noch trocken ankommen…

Am Computer habe ich die Qual der Wahl, ich bin nicht 100%ig zufrieden, denn auf den Bildern sieht das Grab nicht so schön aus wie in Wirklichkeit. Aber wichtig ist, dass es „meinem kleinen Schaf“ gefällt… Jana lächelt, als wollte sie sagen: „Danke Mum…“              

 

Sonnabend, 12.06.2004

Es ist doch unheimlich schön, wenn man nicht von diesem penetranten Weckergeräusch geweckt wird, sondern erst die Augen aufmacht, wenn man es für „nötig hält“…

Seit gestern Abend ist auch wieder Norbert hier, den ich voriges Wochenende vor meiner schlechten Computerlaune „schützen“ wollte. In der letzten Woche wäre ich wahrscheinlich auch kaum „gesellschaftsfähig“ gewesen, denn dieser Dienst schlaucht doch ganz schön. War ja froh, dass ich selber einigermaßen klar kam. Umso mehr freut man sich dann, wenn man sich wieder sieht. Sicher haben viele Leute andere Vorstellungen von einer Beziehung, aber das muss jeder für sich selber entscheiden. Bei uns ist es mittlerweile so, dass wir manchmal zwei Wochen zusammen verbringen, uns dann auf unbestimmte Zeit nicht sehen, ohne Plan oder Schema. Ich habe in meinem Leben lange allein gelebt, bin darum sehr selbstständig und brauche oftmals einen gewissen Freiraum, um mich nicht eingeengt zu fühlen. Anfangs hatte Norbert das manchmal missverstanden, aber nunmehr bringt er sehr viel Verständnis für mich auf. Er ist halt das Beste, was mir nach vielen Jahren begegnet ist! Auch Jana wusste, was ich mit Norbert „gefunden“ habe, sie freute sich so sehr für mich….

Für heute haben wir uns die Sommerbepflanzung für Janas Grab vorgenommen. Es bedrückte mich in der letzten Zeit sehr, dass die Frühjahrsbepflanzung nicht so lange so schön aussah wie im Vorjahr, obwohl es die gleichen Blumen waren. Sicher lag das auch an dem kühlen und nassen Mai. Wir fahren am späten Vormittag zum „Holländer“ und holen Blumen. Wie immer, bin ich sehr unentschlossen, denn es soll wieder besonders schön werden Ich suche ja immer zuerst nach blauen Blumen, die sich für das Grab eignen. Ich finde kleine blaue Astern, die sicher bis in den Herbst blühen werden. Dazu nehme ich japanische Scheinmyrthe mit kleinen weißen Blüten. Die gleichen hatte ich voriges Jahr in violett. Als dritte Farbe nehme ich fünf lachsfarbene Minirosen mit. Auch haben wir einen Sack Graberde mitgenommen, sie ist besonders dunkel. Nach dem Herausnehmen der verblühten Pflanzen trage ich die obere Schicht der alten Erde ab, entferne altes Wurzelwerk und fülle die neue Graberde auf. Dann steche ich an der rechten Seite des Grabes das stark gewucherte Moos ab und fülle damit die Lücken an den anderen Seiten, um wieder einen „Rahmen“ zu schaffen. Als ich dann die Blumen gepflanzt habe, stehen wir beide vor dem Grab und stellen fest, dass es wieder das schönste ist… Nur eins ärgert mich: wieder einmal habe ich den Fotoapparat vergessen! Ich könnte mich in den Hi….. beißen! Na ja, morgen wollen wir noch einmal zum „Holländer“, um für einen Blumenkasten in Norberts Garten Pflanzen zu holen. Der „Holländer“ ist nur wenige Meter neben dem Friedhof, dann werde ich mein Versäumnis nachholen, versprochen!              

 

Freitag, 11.06.2004

Insgesamt habe ich diese Woche 48 Stunden gearbeitet, aber nun bin ich an meinem ersehnten Ziel angekommen: dem Wochenende!    

Während ich mir hier immer mehr oder wenige wichtige Dinge von der Seele schreibe, kommt mir oftmals der Gedanke, ob es nicht für manchen langweilig ist… Mag sein, aber es geht hier nicht darum, täglich „Storys“ zu schreiben. Dies ist ein Tagebuch, in dem ich meine persönlichsten Gedanken und Gefühle versuche zu formulieren, oft lapidar, manchmal so wichtig, dass ich daran ersticken würde, wenn ich sie nicht niederschreiben könnte. Auch kann ich viele Dinge nur schwer aussprechen, aber das Schreiben fällt mir da wesentlich leichter. Insofern ist dieses Tagbuch auch meine ganz persönliche Therapie, meine „selbst geschnitzte Krücke“. Und genau in diesem Moment höre ich wieder Jana: „Mum, warum rechtfertigst du dich? Du musst nicht anderen erklären, warum du etwas machst!“ Ja, und genau dies würde ich in diesem Moment niemandem sagen, aber schreiben kann ich es…  

Nur macht es mich oft traurig, wenn ich mich von meiner eigenen Familie unverstanden fühle. Über Olav schrieb ich ja schon. Meine Mutter fragte beim letzten Telefonat, ob es denn nicht etwas zu gewagt wäre, so ein öffentliches Tagebuch... na ja… Dann habe ich ihr erzählt, wie viele Menschen nicht nur positiv auch diese Homepage und das Tagebuch reagieren, sondern mir auch Zustimmung, Anteilnahme und sogar Dank zukommen lassen. Auch sagte ich ihr, dass mein Psychologe meine „sagenhafte Gabe mir selber zu helfen“ gelobt hat… Unser Telefonat dauerte fast zwei Stunden. Vielleicht hätten wir auch bereits eher mal so ausführlich reden sollen… Meine Mum ist Jahrgang 1928, das Laufen fällt schwer, aber der Kopf ist topfit! Dann tat es ihr auch leid und ich glaube, nun sieht sie einige Dinge anders und kann mich verstehen. Darüber bin ich sehr froh, denn ich liebe meine Mum über alles, auch wenn ich sie nicht täglich anrufe… 

Heute wähle ich sie an, denn ich hatte mich für die vergangenen Stresstage „abgemeldet“. Mein Anruf ist eine richtige Überraschung und sie freut sich, dass ich diese Woche hinter mir und das Wochenende vor mir habe… 

 

Dienstag, 08.06.2004

Auf dem Weg zur Arbeit ist wie immer mein Autoradio an. Ich höre meist RBB 88,8, der den besten Verkehrsfunk für Berlin bringt. Die Musik ist manchmal nicht jedermanns Geschmack, denn oft kommen auch mal ältere Hits. Auf halber Strecke zum Dienst kommt „Live is life“. Dieser Titel war in den 80er Jahren ein großer Hit. Jedes Kindergartenkind sang dieses Lied, auch Jana trällerte es, und die Erinnerungen sind allgegenwärtig...  

Ansonsten hat sich meine Vorahnung bestätigt, denn es hat sich nicht nur die Arbeitszeit gesteigert, sondern auch der Stress! Morgen nochmals Dienst wie heute, also wird das Wochenende das ersehnte Ziel!

Nach Feierabend fahre ich noch kurz bei Lidl ran, bin dann um 19 Uhr zu hause. Jill macht sich nach einigen Schluck Wasser sofort auf dem Teppich lang. An ihrer Haltung sehe ich, dass sie irgendwie fertig ist. Aber das scheint auch die Wärme zu sein, denn auch uns haben die Temperaturen im Bus sehr zugesetzt. Jill streckt „alle Viere“ von sich, ich genieße erst einmal die Dusche…  

 

Montag, 07.06.2004

Von 8.30 Uhr bis 18.00 Uhr hatte ich heute wieder meinen ersten Dienst auf dem Krankenwagen. Es war nicht allzu stressig, aber man soll sich ja nie zu früh freuen. Morgen kommt bereits die erste „Steigerung“, nämlich Arbeitszeit von 7.30 bis 18.00 Uhr, also noch eine Stunde länger.

Ich bin jedoch heute wesentlich ruhiger, als in den ersten zwei „Schockwochen“ auf dem Krankenwagen. Es macht wirklich auch viel aus, wenn man vorher weiß, was einen erwartet oder erwarten kann. Anfang Mai fiel ich ja von einer Ohnmacht in die andere. Es war auch ganz gut, dass ich am Wochenende meinem Haushalt ein Update verpasst habe. So bin ich mit einem zufriedenen Gefühl in diese Woche gestartet, nichts drückt auf der Seele, was man jetzt nicht schaffen würde.

Ich denke mal, dass ich diese Woche trotz des Stresses und der extremen Arbeitszeiten gut packen werde, versuche auch positiv zu denken. Als ich heute nach hause kam, habe ich zuerst alle nötigen Handgriffe gemacht, damit nichts liegen bleibt oder mir über den Kopf wachsen kann. Dann ist man mit sich selber zufrieden und innerlich ausgeglichen. So habe ich die letzte gewaschene Wäsche abgenommen und zusammengelegt, meine Teemaschine für morgen früh vorbereitet, dass ich nur Knöpfchen drücken muss. Dann klopfe ich mir selber auf die Schulter und „darf“ an den Computer. Mein Tagebuch soll doch nicht wieder einstauben!

Es gibt übrigens auch noch so richtig gute „Nachrichten“! Nach dem ersten Tag von Jill in ihrer neuen „Huta“ war ich vorige Woche regelrecht überwältigt, wie schnell und positiv sie die Betreuung von Eva angenommen hat. Schon am zweiten Tag lief sie Eva bereits mit wedelndem Schwänzchen entgegen. Wenn ich mit dem Auto einparke, jault sie schon vor Freude. Zum Feierabend hat sie mich heute so stürmisch begrüßt, dass sie mir beim Anspringen ein paar ordentliche Kratzer auf dem Arm verpasst hat. Dann ging sie zurück ins Haus und machte es sich wieder auf dem Teppich gemütlich, als wollte sie sagen: „Schön, dass Du da bist, aber wir müssen nicht unbedingt nach hause fahren, hier ist es richtig gemütlich!“ Da könnte ich doch fast eifersüchtig werden! Ich freue mich aber, denn wäre es nicht so, hätte ich doch den ganzen Tag keine Ruhe. Wenn ich dann mit ihr nach hause komme, ist nur noch schlafen angesagt, als wäre sie total k.o. Nun liegt meine kleine Maus wieder wie zum Halbkreis zusammengedreht auf ihrem Fell und träumt bestimmt schon von ihrem nächsten aufregenden Tag in der „Huta“…

 

Sonntag, 06.06.2004

Sorry, sorry, sorry... an mein Tagebuch, das ich langsam von Spinnweben befreien muss. Nein, aber faul war ich bestimmt nicht!

Zuerst konnte ich über meinen Router, der den Internetzugang vom DSL- Modem auf beide Computer „verteilt“, nicht mehr online gehen. Drei Tage probierte ich an den Einstellungen, es sollte nicht klappen. Ich konnte zwar das DSL- Modem direkt an einen von beiden Computern anschließen und eine Verbindung herstellen, aber war somit nicht mehr durch die Firewall vom Router geschützt. So habe ich nur ganz kurz nach Emails geschaut und dann schnell wieder die Leitung getrennt. Mittlerweile fing dann auch noch mein Antivirusprogramm an zu „spinnen“ und schaltete sich selber ab. Meine Nerven lagen so gut wie blank, ich formatierte den Laptop. Dann hatte ich plötzlich noch einen Virus auf dem großen Computer, der sich mit keinem Antivirusprogramm entfernen ließ und richtete auch diesen nach Formatierung neu ein.  

Wenn nur ein Computer nicht funktioniert, bin ich bereis kaum noch zu genießen, aber wenn beide „verrückt“ spielen, bin ich für andere unzumutbar und lieber allein. Norbert kennt dies und hatte auch viel Verständnis für mich, als ich ein getrenntes Wochenende vorschlug, damit ich hier alles in Ordnung bringen kann. Ihm geht es im Moment auch nicht so gut, weil er vor Schmerzen im Arm kaum schlafen kann. Eigentlich manchmal ganz gut, dass jeder seine Wohnung hat, man kann sich zurückziehen und somit unnötigen Stress vermeiden.    

Gestern kam nun die ersehnte Hilfe von Marcus, dem Sohn meiner Nachbarin Katrin, die unter mir wohnt. Marcus hat das geschafft, was ich drei Tage lang probiert habe. Er ist ja nicht zum ersten Mal mein rettender Engel…

Seit diesem Zeitpunkt geht es mir auch besser. Nun habe ich richtigen Auftrieb, installiere nach und nach wieder die ganzen Programme und bin guter Dinge. Den heutigen Sonntag verbringe ich mit Betten beziehen, lasse mehrmals die Waschmaschine laufen und mache sauber. Damit bringe ich meine Wohnung in einen Zustand, dass ich für die kommende stressige Woche auf dem Krankenwagen gut gerüstet bin.

Bevor ich mich jedoch wieder an den Computer setze, um weitere Programme zu installieren und mein Tagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen, rufe ich noch meine Mum an. Meist ist sie diejenige, die anruft und nachfragt, wie es mir geht. Da habe ich immer ein schlechtes Gewissen, aber wenn abends schon dreimal das Telefon geklingelt hat, habe ich keine Lust mehr selber jemanden anzurufen, es sei denn, der Tag wird für mich verlängert *grins*. So nutze ich heute die Zeit, und wir reden fast zwei Stunden miteinander. Es tut sehr gut, denn im Gespräch klären wir auch einige Dinge. Sie telefonierte gestern mit Olav und hört nun meine „Version“. Insofern ist meine Mutter immer sehr loyal und hört sich erst beide Seiten an, bevor sie sich eine endgültige Meinung bildet. Olav hat sich bei ihr beschwert, dass er mein Tagebuch lesen soll, um zu erfahren, wie es mir geht. Jedoch hat er die Vor- und Nachgeschichte ausgelassen, was natürlich das Bild total verzerrt. Er hatte sich meine Bohrmaschine geborgt und wollte sie wenige Tage später zurückbringen. Das ist zwei oder drei Monate her… Als ich sie neulich brauchte, rief ich ihn an: er in Eile, ich verärgert… Wenige Tage später fragte ich per Email neutral nach, wie es ihm denn geht. Seine Antwort waren Vorwürfe, dass ich mich wie früher immer an Kleinigkeiten hochziehe und kein Verständnis für seinen Stress hätte. Darauf antwortete ich ihm, dass er mal in meinem Tagebuch lesen könnte, falls es ihn interessiert, wie es mir denn so geht. Ich wollte ihm damit sagen und zeigen, dass er nicht der einzige Mensch ist, der Stress hat. Ich meinte es nicht so, aber seine Antwort vom 26.05.2004 (siehe Tagebucheintrag) schockte mich doch sehr. Ich habe meinen Sohn sehr lieb, aber er macht es mir oftmals sehr schwer. Verstehen tun wir uns gut – solange ich ihn nicht an irgendetwas erinnern muss… Dabei ist er selber so allergisch auf Unzuverlässigkeit. Er macht mir Vorwürfe, um seine eigenen Versäumnisse zu entschuldigen. Auch warf er mir vor, dass er die doppelte Zeit arbeiten muss, um die Hälfte Geld zu verdienen. Dies tut mir sehr weh, denn mein Job ist auch nicht gerade überbezahlt, aber ich beschwere mich nicht über Leute, die mit der halben Arbeit das Doppelte von dem verdienen, was ich habe. Ich hatte ihm alle diese Gedanken in einer Email geschrieben, auch, dass er nicht jemand x-beliebiger für mich ist, sondern mein Sohn. Ja, und am Muttertag wartete ich nicht auf einen Anruf von jemand x-beliebigen, sondern auf einen Anruf von meinem Sohn… Jana hatte den Muttertag nie vergessen. Damals machte es mir auch nichts aus, wenn Olav nicht anrief. Nun habe ich aber nur noch ihn…

 

Dienstag, 01.06.2004

Ich weiß nicht, ob man früher am 1. Juni auch im Westen den Internationalen Kindertag gefeiert hat. Im Osten war dies ein beliebter Tag für die Kinder. Bis zuletzt „bestand“ Jana darauf, dass ich ihr an diesem Tag etwas schenke. Ich hätte ihr auch heute gern wieder eine kleine Freude bereitet…

Heute ist sowieso alles anders, denn es ist richtig ungewohnt, als ich Jill im Auto mit zur Arbeit nehme. Ja, nun geht sie den ersten Tag in ihre „Kita“, oder sollte man lieber „Huta“ sagen? Eva erwartet uns schon, Futter- und Wassernapf haben wir mitgebracht. Erstaunlicherweise fängt Jill bei Eva in der Küche gleich an zu fressen, nachdem ich ihr Futter in den Napf gefüllt habe. Ich nutze die Gelegenheit, um mich davon zu schleichen. Habe zwar ein endlos schlechtes Gewissen, aber ich weiß, dass sie bei Eva in ganz lieben Händen ist. Mittags rufe ich an und frage, ob sich meine kleine Maus gut benimmt. Es gibt keine Probleme, sie erzählt mir, dass Jill immer in ihrer Nähe ist, momentan vor der Couch an ihren Füßen liegt... Auch fragt sie mich, ob Jill immer so ruhig ist. Vom Schäferhund Lobo war sie etwas anderes gewöhnt.

Dann kommt der ersehnte Feierabend. Ich komme mit meinem Bus auf den Garagenhof. Als ich den Motor abstelle, lässt Eva Jill loslaufen, und es findet eine stürmische Begrüßung statt. Eva staunt, wie lebhaft Jill sein kann. Auch erzählt sie mir, dass sie sogar einkaufen war und Jill nicht gejault hat, als sie ging. Ich bin insgesamt über diesen ersten Tag in der „Huta“ *ganz doll grins* richtig froh! Wenn ich es recht überlege, hat es Jill jetzt sogar besser als vorher, denn Hunde- Sitter Bernhard holte sie nur mittags zur Gassi- Runde, jetzt hat Jill sogar den ganzen Tag Gesellschaft. Aber ich will mit diesen Worten nicht die Hilfe von Bernhard abwerten, im Gegenteil! Er hat mir ein ganzes Jahr geholfen, ich weiß nicht, was ich ohne ihn getan hätte! Auch hat er mir angeboten, in Notfällen auszuhelfen… An Bernhard darum nochmals ein ganz großes Dankeschön! Aber auch an Eva, denn ihre Hilfe nimmt mir eine riesige Last von der Seele und lässt mich wieder ruhig schlafen…

 

Pfingstmontag, 31.05.2004

Solch ein langes Wochenende hatte ich schon ewig nicht mehr, immer hatte ich an einem von zwei Feiertagen Dienst. Es kam mir gestern Abend schon richtig ungewohnt vor. Vielleicht hätte ich es „normaler“ gefunden, wenn man mich für einen erkrankten Kollegen geholt hätte *grins*. Aber Spaß beiseite, ich weiß diese drei freien Tage zu schätzen und genieße sie auf meine Art und Weise.

Von Unkraut habe ich nun doch erst einmal genug, auch muss man doch dem Unkraut eine neue Chance geben (bei diesen Worten sehe ich Jana grinsen).

Wir möchten den Tag auch noch etwas genießen - stressfrei natürlich! Also erst einmal ein gemütliches Frühstück – dafür muss ich mich allerdings im Backshop an der Tankstelle in eine fast endlose Schlange einreihen *stöhn*. Das habe ich nun davon, mich immer freiwillig zum Holen von frischen Brötchen zu melden! Die Tankstelle gleicht fast einem Wallfahrtsort, so etwas habe ich noch nicht erlebt!

Jill hat in der Zeit, als ich Brötchen holte, ihre Gassi- Runde in Norberts Garten gemacht. Nun steht die süße Maus am Gartentor und wartet auf mich, als ich von der Tankstelle zurückkomme – ihr Haufen, den sie meist morgens macht, liegt direkt vor meinem Beet ;-)

Nach unserem ausgiebigen Frühstück vergeht noch einige Zeit, denn man wird ja nach dem Essen immer erst einmal faul und träge. Gegen Mittag dann machen wir uns mit Norbert auf den Weg und fahren zu mir. Als unser Magen meldet, dass das Frühstück doch schon so lange her ist, grillen wir bei mir auf dem Balkon noch einige Bratwürste, die wir gestern nicht verbraucht haben.

Dann geht es wieder an das Tagebuch, denn auf der Tastatur des alten Computers lässt sich doch besser tippen, obwohl ich die letzten beiden Tage das Tagebuch bei Norbert auf dem Laptop geschrieben habe. Auch habe ich ein Problem mit der optischen Funkmaus, die ich am Notebook verwende. Sie hat gestern Abend den Geist aufgegeben, dann holte ich an der Tankstelle neue Batterien, aber auch dies nützte nichts… Es gab noch ein zweites Problem: kurz bevor ich Sonnabend zu Norbert fuhr, konnte ich mit dem alten Computer nicht mehr online gehen. Nun geht es zwar wieder, aber ich kann nicht einmal sagen, woran es lag. Aber die optische Funkmaus habe ich immer noch nicht zum Funktionieren bekommen. Was würde ich ohne Computerprobleme machen? Wäre es irgendwann stinklangweilig? Auf keinen Fall, denn ich gehöre zu den Leuten, die keine Langeweile kennen. Aber durch die Homepage und das Tagebuch nervt es unheimlich, wenn man mit solchen Problemchen „gebremst“ wird… Das ist wie mit den Zahnschmerzen: sie kommen immer am Wochenende, wenn man nichts machen kann oder zum Notdienst muss!

 

Pfingstsonntag, 30.05.2004

Ich weiß nicht, ob ich heute Nacht von Unkraut träumen werde… Um eine Aukube (Zierstrauch) war so viel Unkraut gewuchert, dass sie kaum noch Kraft zum Wachsen hatte. Mit diesem Unkraut habe ich mehr als einen Laubsack gefüllt, denn diese Ecke war total verwildert. Hinterher steht man davor, sieht das Ergebnis seiner Mühe und freut sich einfach nur.

In der „Mittagspause“ gucken wir Formel1, aber meine Augen fallen des öfteren zu. Aber was ich mitbekomme, reicht mir schon wieder, auch Jana höre ich wieder schimpfen: dieser Montoya schubst seinen eigenen Teamkollegen Ralf Schumacher aus der Kurve! Einmal Kamikaze- Fahrer, immer Kamikaze- Fahrer!

Nachdem unsere roten Favoriten wieder auf dem Siegertreppchen stehen, zündet Norberts Sohn Andi den Grill an. Nach diesem leckeren Essen rücke ich noch an anderen Stellen dem Unkraut zu Leibe, denn es macht mir heute richtig Spaß. Das muss man ausnutzen…

Als dann zweieinhalb Laubsäcke gefüllt sind, habe ich doch langsam genug und zu tun, meine Hände sauber zu bekommen, denn Gartenhandschuhe mag ich nicht.

Während ich nun hier schreibe, lachen sich Norbert und sein Sohn vor dem Fernseher halb kaputt, denn da läuft auf Premiere eine Gruselkomödie mit Spinnen. Jana würde sich schütteln und auf der Couch zusammen kauern, denn sie hatte eine Spinnenphobie. Darüber aber ein anderes Mal mehr…

 

Sonnabend, 29.05.2004

Meinen Wecker klingelt heute nicht *grins*. Es ist bereits nach 9 Uhr, als ich anfange zu blinzeln. Jill freut sich und stupst mit ihrer kalten Nase.

Nachdem wir dann die Gassi- Runde hinter uns haben, mache ich ganz gemütlich noch einige Hangriffe in meinem Haushalt. Dazu gehört auch eine Waschmaschine mit dunklen/schwarzen Sachen. Jedoch habe ich vor zwei Tagen das eine Fell von Jill gewaschen und vergessen, die Waschmaschine von den Fusseln zu säubern. Meine gewaschenen Sachen sehen nun dem entsprechend aus! Da hätte ich auch gleich ein Papiertaschentuch mitwaschen können! Na gut, es gibt schlimmeres, und nach den letzten Tagen ist so etwas eine Lappalie…

Dann fahre ich in der Mittagszeit zu Norbert, der diese Woche nicht bei mir war, um einiges im Garten zu schaffen. Ich habe aus Samen Gurken- und Tomatenpflanzen gezogen und nehme sie mit, um diese heute ins Beet zu pflanzen. Mir macht es im Garten wieder mal richtig Spaß. Nachdem mein Beet fertig ist, habe ich sogar noch Lust, dem Unkraut im Steingarten zu Leibe zu rücken…

Im Fernsehen laufen derweil die Fußball- DFB- Pokal- Endspiele im Berliner Olympiastadion. Nun sitze ich bereits seit einiger Zeit hier neben Norbert, denn mit untergehender Sonne wurde es kühl. Außerdem kann man im Dunkeln Unkraut schlecht von anderen Pflanzen unterscheiden *schmunzel*... Ich schreibe hier auf dem Couchtisch am Laptop – mittlerweile erhält Werder Bremen seinen Pokal. Norbert macht eine Flasche Sekt auf, wir stoßen auf die Sieger an, obwohl mir der Verlierer eigentlich leid tut…        

 

Freitag, 28.05.2004

Irgendwie geht heute alles drunter und drüber. Erst sollte ich am Sonntag für einen Kollegen fahren, der krankgeschrieben ist. Dieser meldet sich heute gesund, dafür soll ich am Pfingstmontag für einen anderen Kollegen fahren, der sich heute krank gemeldet hat. Jedes Mal rufe ich Norbert an und sage ihm Bescheid. Dann klingelt mein Handy, und meine Chefin bittet darum, dass ich ihr die Füße küsse (grins!), denn ich habe nun doch das ganze Pfingstwochenende frei! Es gibt allerdings eine „kleine“ Einschränkung: falls jemand ausfällt, muss ich einspringen. Na dann frohe Pfingsten! Ich muss also auf Abruf bereit sein. So ist das nun einmal im Dienstleistungsgewerbe, denn dazu müssen wir uns ja auf dem Telebus rechnen…

Vor wenigen Tagen bekam ich eine liebe Email, in der man mich fragte, ob ich nicht kürzer treten will, um mehr Zeit für Jill zu haben. Lieber weniger Geld, aber mehr Zeit...

Ja, wenn das so einfach wäre! Darum will ich mal einiges über mich erzählen. Ich bin ein so genannter „Ossi“, siedelte nach der Wende vom Ostteil in den Westteil von Berlin über und machte den P-Schein: die Berechtigung für die Personenbeförderung, nachdem ich bis zur Wende bereits 10 Jahre als Kraftfahrer im Gesundheitswesen gearbeitet hatte.  Ich hatte Glück und fand mit meinem P- Schein sofort Arbeit, nämlich als Telebusfahrer, anfangs damals bei einem privaten Subunternehmer des Telebusses. Leider verstarb mein Chef an einem Hirntumor. Ich war sehr traurig, denn er war sehr menschlich und eigentlich immer mehr Kumpel als Chef. Aber ich hatte Glück im Unglück, denn ein guter Freund von ihm war ebenfalls ein privater Subunternehmer des Telbusses und übernahm nicht nur meinen Bus, sondern auch mich. Jedoch arbeitete ich 50 bis 60 Stunden pro Woche, um damals etwa 2000,-DM Netto monatlich zu verdienen. So wurde ich sehr hellhörig, als ich erfuhr, dass bei einem anderen Subunternehmer, nämlich einem Wohlfahrtsverband, ein Telebusfahrer aufhört und bewarb mich. Dort wird nach Tarif des öffentlichen Dienstes bezahlt. Ich hatte nochmals Glück, denn ich bekam diese Stelle. Ich fuhr in der Firma von da an den einzigen Solobus (ohne Beifahrer und keine Treppen, also keine Schlepperei), die Arbeitszeit von 8.30 – 17 Uhr war angenehm. Dies war im Herbst 1993. Es sollte aber nicht ewig so angenehm bleiben.

Anfang 1996 bekam ich nicht nur einen Beifahrer und musste von da an die Rollstühle auch tragen, sondern musste gleichzeitig in die Schichtarbeit. Ich hatte keine Alternative, zumal ich mittlerweile in einem Alter war, wo man froh ist, wenn man Arbeit hat. Jana war damals 14 Jahre. Es tat mir so unendlich leid, dass wir uns oft nur telefonisch Gute Nacht sagen konnten, denn aus diesem Grunde wurde ich zum Handybesitzer. Zu Hause schrieben wir uns oft Zettel, um uns das Wichtigste mitzuteilen. In dieser Zeit war eigentlich eine sehr starke Bindung zwischen uns, da jeder sich immer sehr auf den anderen freute. Beim Sortieren von Janas Sachen fand ich einen ganzen Stapel dieser Zettel, Jana hatte sie sich aufgehoben…

Wie überall, sollte es aber nicht allein bei der Schichtarbeit bleiben. Einige Jahre später wurden dann die so genannten Swing- Zeiten eingeführt. Man wollte flexibler werden, aber es ging auf Kosten unserer persönlichen Freizeit. Swing- Zeit heißt zum Beispiel, dass ich meine Frühschicht in dem Zeitrahmen zwischen 6 Uhr bis 16 Uhr habe, also 6-14.30 oder 6.45-15.15, oder 7.30-16.00 oder, oder, oder…. Immer muss man sich bei der privaten Planung alle 10 Stunden dieser Swing- Zeit frei halten, da die Dienstzeiten erst am Vortag festgelegt werden (je nach Auftraglage). Dies sollte jedoch noch nicht die letzte Verschlechterung sein. Dann wurden Überstunden nicht mehr bezahlt, sondern müssen abgebummelt werden, da man wie überall sparen muss. Trotzdem waren alle Kollegen froh, dass man unsere Arbeitsplätze erhalten wollte. Na ja, und das letzte „Kapitel“ ist ja bereits bekannt: nun sollen wir doch zum Jahresende die Kündigung bekommen. Die Senatsverwaltung hat unserer Telebuszentrale zum Jahresende gekündigt, also wird diese Kündigung an die Subunternehmer weitergegeben. Es soll eine Ausschreibung stattfinden. Auch unsere Firma wird sich neu bewerben. Die gleichen Leistungen sollen wahrscheinlich für wesentlich weniger Geld erbracht werden, denn in den nächsten Jahren wird der Etat für den Telebus vom Senat gekürzt. Nun laufen unter uns Kollegen heiße Diskussionen und Spekulationen, denn selbst wenn man uns nach dieser Kündigung wieder einstellt, werden sich die Konditionen sicher nicht verbessern, sondern eher im Gegenteil…         

 

Donnerstag, 27.05.2004

Der gestrige Tag hat mich so geschafft, dass ich heute früh fast verschlafe. Ich habe meinen Wecker erst nach einer dreiviertel Stunde gehört… Das kann sicher niemand verstehen, ich verstehe es selber nicht, denn jeder andere würde von meinem Wecker aus dem Bett fallen… Dann war alles ziemlich hektisch…

Den ganzen Tag grüble ich, wie ich das in Zukunft mit Jill in die Reihe bekommen soll. Ich habe zwar etwas im Hinterkopf, aber bin mir sehr unsicher, ob ich da überhaupt fragen könnte. Ich möchte nicht jemanden allein mit der Frage in Verlegenheit bringen. Als ich während der Arbeit mit meiner Chefin telefoniere, erzähle ich ihr von meinem Problem und dass ich nächste Woche auf dem Krankenwagen wegen Jill kein Land mehr sehen werde.

Zum Feierabend treffe ich in der Garage meinen Kollegen Klaus, der auf dem Garagengrundstück wohnt. Sie hatten ja bis vor kurzer Zeit den Schäferhund Lobo, mit dem Jill so gern spielte, der aber leider nun im Hundehimmel ist. Ich nehme all meinen Mut zusammen und frage Klaus und seine Frau, die auch Eva heißt, ob sie mir mit Jill helfen könnten. Eva überlegt nicht lange und sagt zu. Also werden wir es ab Dienstag nach Pfingsten probieren. Ich nehme dann Jill mit zur Arbeit und gebe sie in der „Kita“ bei Eva ab. Ich hatte das Gefühl, dass sich Eva sogar auf Jill freut, denn sicher vermisst sie Lobo immer noch sehr, obwohl sie keinen neuen Hund wollen. Vielleicht kann Jill sie etwas trösten. Bisher gab es niemanden, dessen Herz Jill auf Dauer nicht erobert hat. Ich bin gespannt, wie sich meine kleine Schnecke bei ihrem neuen Hunde- Sitter einleben wird. Es soll ja eigentlich eine Übergangslösung sein, allerdings fällt mir im Moment noch keine weitere Alternative ein. Ich würde es auch nicht über das Herz bringen Jill wegzugeben, um dieses Problem zu lösen. Es bricht mir heute noch das Herz, wenn ich an den Abschied von Jeannie denke… Es war damals eine Vernunftentscheidung, aber dieser Abschied hat eine Wunde hinterlassen, die wohl nie ganz heilen wird. Wenn ich an Jeannie denke, sehe ich sie vor mir, ihr hübsches Gesicht, so aufmerksam, nichts entging ihr, ihre bedingungslose Treue… Die ersten Tage nach Janas Tod lag sie ständig vor der Wohnungstür und wartete auf ihr Frauchen. Einmal fand ich sie in Janas Bett… Dann fing sie irgendwann an, mir auf Schritt und Tritt zu folgen, bis ich ihren Blick im abfahrenden Auto sah, als sie abgeholt wurde und nach Bayern fuhr. Es hat mir fast das Herz zerrissen, ich heulte wie ein Schlosshund. Noch einmal werde ich mich nicht von einem Tier trennen…           

       

Mittwoch, 26.05.2004

Ja, meist kommt alles auf einmal. Gestern bekam ich noch eine Email von meinem Sohn. Ich hatte mich vielleicht etwas ungeschickt geäußert, als ich ihm schrieb, dass er mein Tagebuch lesen könne, wenn er wissen möchte, wie es mir geht, aber ich hatte es eigentlich nett gemeint. Seine Antwort:

 „….sag mal kannst du mir das nicht persönlich schreiben oder mich mal anrufen. wer bin ich denn, doch nicht irgendein dahergelaufener von der straße. jeder x-beliebige kann in dein tagebuch schauen, ich bin aber NICHT jeder x-beliebige, ICH BIN DEIN SOHN !!! …“ 

Es tut mir sehr weh, und da ich ohnehin mit meiner Stimmung bereits unten bin, versetzten mir diese Zeilen den letzten Stoß…. Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit stehen mir die Tränen in den Augen. Ich bin schon am Überlegen, ob ich meinen Dienst überhaupt antrete, denn mir fehlt jegliche Konzentrationsfähigkeit, aber ich versuche es. Ich fahre meinen Bus und habe regelrecht Angst etwas falsch zu machen. Ich verpasse grüne Ampeln, weil ich mit meinen Gedanken in einer völlig anderen Welt bin. Besonders erschrocken bin ich, als ich eine Zigarette in meiner Hand bemerke, die ich bereits zur Hälfte geraucht habe und plötzlich im Innenspiegel einen Fahrgast in meinem Bus sehe, den ich gar nicht mehr wahrgenommen habe, denn es besteht Rauchverbot! So etwas ist mir noch nie passiert! Ich bekomme Angst vor mir selber! Erst gegen Mittag erlange ich wieder die Kontrolle über mich selber, aber da ist der Dienst fast vorbei.

Nach dem Feierabend stehe ich dann noch im endlosen Stau und brauche die doppelte Zeit für die Heimfahrt, meine Nerven haben ihre Belastungsgrenze erreicht. Bei einem Tee mit meiner Nachbarin Katrin fange ich mich langsam wieder, dann gehe ich mit Jill eine Runde Gassi und setze mich danach an den Computer. Ich schreibe an Olav eine Email, denn am Telefon würde unser Gespräch heute wahrscheinlich eskalieren. Ich möchte ihm in Ruhe meinen Standpunkt darlegen und ihm erklären, warum ich über seine Zeilen so traurig bin. Dann rufe ich Norbert an, der mir per Email mitteilt, dass er auf ein Lebenszeichen von mir wartet… Ich bin so froh, dass Norbert mir verständnisvoll zuhört und mich versteht, eigentlich müsste ich danach meine Zeilen im Tagebuch von gestern korrigieren, denn er gibt sich alle Mühe, mich zu verstehen…

Aber dann kommt per Email der nächste Tiefschlag. Folgende Zeilen stammen von meinem Nachbarn, der als Frührentner lange Zeit für mich bzw. Jill der rettende Engel war, da er immer einmal mit Jill Gassi ging, während ich arbeiten bin: 

„Leider habe ich ein Anliegen, das Dir nicht sehr gefallen wird.

Ich merke, dass ich durch Jill doch sehr gebunden bin. Besonders in den Sommermonaten brauche ich mehr "Unabhängigkeit".

Ich bitte Dich, eine Lösung für das Problem zu finden. Natürlich stehe ich die nächsten Tage weiter zur Verfügung

Das Ganze tut mir leid, ich hoffe auf Dein Verständnis!

Liebe Grüße...

Nächste Woche muss ich wieder auf den Krankenwagen und brauche vielleicht manchmal sogar zweimal täglich einen Hunde- Sitter. Somit scheinen jedoch auch die letzten Felle davon zu schwimmen… Momentan komme ich mir vor, als würde ich als Nichtschwimmer auf hoher See auf einer Luftmatratze liegen, der man die Luft ablässt… Ich bin einfach nur ratlos und weiß noch nicht, wie es weitergehen soll. Auch von Jana bekomme ich derzeit keinen guten Rat. Wir hatten diese gemeinsame Antenne, und genau diese teilt mir mit, dass im Moment keine Perspektive da ist…   

      

Dienstag, 25.05.2004

So schön der gestrige Tag war, heute erreift mich die Panik, denn ich nehme morgens meine letzte Tablette. Ich habe panische Angst, das Medikament ohne vorherige Absprache mit dem Psychologen abzusetzen. Dadurch, dass ich meinen Termin durch die Dienstzeit neulich nicht wahrnehmen konnte, komme ich nun total ins Schleudern. So fahre ich nach Feierabend zum Psychologen, und hoffe wenigstens ein Rezept zu bekommen, wenn ich auch keinen Termin für heute habe. Ich habe aber Glück, denn ich kann nach 15 Minuten Wartezeit sogar zu einem Gespräch zu ihm. Auf seine Fragen hin erzähle ich ihm, dass ich momentan wieder an einem Tiefpunkt angelangt bin, nicht nur, weil ich Arbeitsstress habe und die Kündigung bevorsteht. Auch kostet es mich unheimlich viel Kraft meine Maske aufzubehalten und so zu sein, wie man es von mir erwartet. Ich bin in Gedanken so oft ganz wo anders, aber habe keine Lust mehr, mich ständig anderen zu erklären. Die meisten Leute denken doch ohnehin, dass es nun bereits so lange her ist und es mir schon lange wieder gut gehen müsste. Mein Fazit ist heute, dass Renate wirklich der einzige Mensch ist, der mich 100%ig versteht, ebenso wie ich sie, denn wir müssen uns nichts erklären… Ich möchte aber nach diesen Zeilen nicht missverstanden werden und niemandem aus meinem nächsten Umfeld den Willen und die Mühe absprechen, mich zu verstehen, mir zu helfen oder für mich da zu sein.

Nach meinem Gespräch beim Psychologen verlasse ich die Praxis mit einem Rezept in der Hand, jedoch wurde die Dosis des Medikamentes verdoppelt…  

 

Montag, 24.05.2004

Eine neue Woche, ein neuer Montag… Aber dieser Montag ist für mich ein schöner Tag, auch wenn der Wecker um 4 Uhr klingelt und das nächste Wochenende die größtmögliche Entfernung hat. Um 9.52 Uhr klingelt mein Handy, an der Melodie höre ich, dass es eine SMS ist: „Hallo Eva, bin dann um 15 Uhr bei Dir, wenn Du von der Arbeit kommst. Hab’ Dich lieb und freu mich, Deine Steffi.“  Ich freue mich ebenso, denn ich weiß gar nicht, wie viele Wochen wir uns nicht gesehen haben. Dem entsprechend fällt auch unsere Begrüßung aus, das heißt, nachdem Jill sich vorgedrängelt hat und Steffi erst einmal ausgiebig abschlabbert.

Wir reden viel, über wichtige, ernste, aber auch lustige Dinge. 

Ich bin froh, das Steffi ihre „Angsthasen“- Therapie selbst als Erfolg betrachtet und damit einen ersten großen Schritt getan hat. Es gibt einen bekannten Ausspruch: „Der Weg ist das Ziel“ Steffi ist auf diesem Weg, aber leider hat sie auch Angst, diesen weiter zu gehen. Warum? Die nächste Therapie wird folgen, ihre Zeit wird abermals sehr knapp bemessen sein, und wieder wird einigen das Verständnis dafür fehlen… Falls jemand aus diesem Personenkreis meine Zeilen liest: bitte gebt Steffi alle Zeit, die sie braucht, denn dann seid ihr wirkliche Freunde!

Leider gibt es auch heute diesen Abschied, der einem immer so schwer fällt. Wir umarmen uns sehr lange und möchten gar nicht loslassen. Aber vielleicht kommt Steffi diese Woche noch einmal, da ja meine nächste Woche zeitlich in den Sternen steht, weil ich dann wieder Krankenwagen fahre.   

 

Sonntag, 23.05.2004

Während ich hier schreibe, ist im Fernsehen Formel1, wo es gleich nach dem Start mehrere Crashs gibt. Nebenbei läuft auf dem alten Computer die Formatierung, die bei einer großen Festplatte so einige Zeit dauert. Dann will ich alles neu installieren und einrichten, nachdem ich mit meinem Pfusch in der Benutzerverwaltung sowieso reichlich Schaden angerichtet habe. Ist aber trotzdem im Gegensatz zu früher ein schönes Gefühl, dass man durch den Laptop nicht völlig von der „Außenwelt“ abgeschnitten ist, während man den anderen Computer neu einrichtet. Sonst war es für mich immer der totale Stress , den Computer wieder einsatzbereit zu bekommen, um online gehen zu können. Nun kann ich mir Zeit nehmen, denn das Notebook ist ja topfit!

Später…   Nach der ersten Einrichtung von Windows habe ich mit der Installation des falschen Audio- Treibers das neue System wieder lahm gelegt, nichts geht mehr, also alles von vorn… Nun läuft wieder die Formatierung… Zwischenzeitlich haben wir uns mit Norbert etwas beim Chinesen bestellt. Eigentlich wollten wir heute zu unserem Lieblingsgriechen „Romiosini“, aber zwei Dinge hielten uns davon ab: draußen regnete und hagelte es, außerdem wurde Formel1 noch richtig spannend. Jana wäre ausgeflippt, denn Montoya war Schuld, dass für „Schumi“ das Rennen vorzeitig beendet wurde. Sie konnte Montoya nie leiden, wir nannten ihn immer Kamikaze- Fahrer, der ohne Rücksicht auf Verluste fährt.

Noch später…   Ja, nun ist es mittlerweile 22 Uhr, um 4 Uhr klingelt mein Wecker, also Zeit, um Schluss zu machen. Der alte Computer läuft wieder topp, nur einige Programme fehlen noch… Das war nun heute ein Schreiben in Etappen, bin auch immer zwischen Computer und Notebook hin und her, musste im Internet mit dem Laptop neue Treiber für den Computer herunter laden. Macht sich aber ganz gut, hätte sonst einige Male ziemlich alt ausgesehen.

Einige Pausen legt man sowieso ein, um dies hier alles nicht als Arbeit zu empfinden. So „schwatzte“ ich am Telefon mit Renate, mit meiner Schwester und dann auch mit meiner „Kleenen“. Damit meine ich Steffi! Morgen oder übermorgen kommt sie mich besuchen, dann kann ich sie nach langer Zeit wieder mal in den Arm nehmen! Nun habe ich vor diesen letzten Zeilen noch meine Mum angerufen, damit sie sich keine Sorgen macht, wenn ich nichts von mir hören lasse. Einer fehlt heute eigentlich in dieser „Telefonrunde“, das ist mein Ole-Bole. Ich habe ihn auch seit längerer Zeit nicht gesehen. Neulich rief ich ihn an, da er mir meine geborgte Bohrmaschine seit Wochen nicht zurück gebracht hat, die er sich doch nur für wenige Tage ausleihen wollte… Ich brauchte sie jedoch gerade, darum war ich vielleicht nicht sehr freundlich zu ihm. Wenige Tage später schickte ich ihm eine Email und fragte, wie es ihm geht. Als seine Antwort kam, kullerten bei mir die Tränen, denn seine Antwort ging mir sehr nahe, und ich bekam ein schlechtes Gewissen…   

 

Sonnabend, 22.05.2004

Nachdem wir die letzten beiden Wochenenden mit Geburtstagsfeiern verbrachten, wollen wir mal wieder richtig ausspannen, sonst ist man am Wochenanfang bereits wie gerädert. Früher habe ich meine Mutter belächelt, wenn sie sagte: „Komme mal in mein Alter…“ Nun bin ich seit einiger Zeit dort angekommen und verstehe, was meine Mutter damit meinte.

Das Wetter ist zwar sonnig, aber sehr frisch und windig, Schauer sind angesagt. Darum haben wir auch keine Gartenarbeit geplant. Wir machen es uns bei mir gemütlich und genießen die Highlights des Fernsehprogramms. Dieses Wochenende ist in Monaco Formel1, heute Nachmittag das letzte Spiel in der Bundesliga- Saison. Glücklicherweise hat sich bereits vorige Woche entschieden, dass Hertha nicht in die zweite Bundesliga absteigen wird. Aber es war spannender als ein Krimi, und Norbert ging es dabei nicht gerade gut. Heute wird es wohl bei uns ruhiger, denn nun fiebern die Fans von anderen Fußballvereinen um die Entscheidung…

Derweil ist die Qualifikation um die Startplätze im morgigen Formel1- Rennen beendet. Jana und Mario waren beide Fans von Ferrari. Heute wären sie etwas traurig, und ich muss meinen Engel wohl etwas trösten…

 

Freitag, 21.05.2004

Da habe ich auf dem alten Computer in der Benutzerverwaltung herumgepfuscht (Benutzer gelöscht und neu eingerichtet), nun sind sämtliche Emails und Adressen weg….. Bloß gut, dass ich wenigstens auf dem Laptop noch mal alle Adressen habe.

Gleichzeitig gibt es Ärger bei Ebay. Habe während des letzten Besuchs von Renate und Werner für Renates Handy einen neuen Akku ersteigert. Drei Tage lang schrieb ich den Verkäufer an, aber alles kam als Fehlermeldungen wegen eines überfüllten Email- Postfachs an mich zurück. Da war ich stinksauer und ersteigerte bei einem anderen Verkäufer, da Renate den Akku dringend brauchte. Anfang Mai kam nun eine Mahnung, da ich mich nicht mehr meldete. Ich schrieb dem Verkäufer am 7.Mai den Sachverhalt und schickte es per Fax, um den Empfang sicher zu stellen. Darauf kam keine Antwort, und ich dachte, dass sich die Sache erledigt hat. Heute erhalte ich eine Email des Verkäufers mit der Androhung eines Inkasso- Verfahrens (es geht um 2,49€), von Ebay kommt zeitgleich eine Abmahnung als unzuverlässiger Käufer. Mir platzt fast der Kragen, ich rufe den Verkäufer auf Handy an, da am Festnetz nur der AB angeht. Von einem vollen Postfach will er nichts wissen, auch nichts von meinem Fax. Wenn ich mir allerdings seine 45 negativen Beurteilungen des letzten Monats ansehe, wird mir einiges klar: immer wieder beschwert man sich, dass keinerlei Reaktionen auf Emails oder Anfragen kommen! Um meine Ruhe zu haben, werde ich ihm die verlangte Stornogebühr von 1,25€ überweisen.

Dann sitze ich am Computer und schreibe an Ebay meinen Einspruch gegen die Abmahnung, habe ja nichts besseres zu tun…

 

Mittwoch, 19.05.2004

Schön, wenn man nach drei Tagen Arbeit gleich wieder frei hat. So komme ich heute ganz entspannt nach hause und freue mich auf den Feiertag. Wir wollen morgen bei Norbert grillen. Die Einkäufe dazu haben wir uns geteilt. Er hat gestern bei sich die Getränke heran geschafft und neue Grillkohle geholt. Ich habe Fleisch und andere Dinge besorgt, die ich morgen mitnehme, wenn ich zu Norbert fahre.

Heute habe ich jedoch vorerst noch ein anderes Problem. Ich wollte gestern Abend das Tagebuch aktualisieren, aber kam mit dem Laptop nicht mehr ins Internet. Irgend etwas stimmte bei den Einstellungen des Routers nicht. Aber die aktuellen Homepagedateien sind auf dem Notebook. Ich habe jedoch für (fast) alle Situationen helfende Engel. Marcus ist der Sohn von meiner Nachbarin Katrin, die unter mir wohnt, und gegen ihn bin ich am Computer eine Null! Ich muss jedoch noch etwas warten, denn Marcus kommt erst gegen 21 Uhr nach hause.

Es wird mir aber nie langweilig. Ich bekomme eine SMS von Petra. Darin steht: „Ich denke oft an dich“. Petra hatte mir mal eine Email geschrieben und war vor kurzem in Berlin. Als sie sich bei mir per SMS meldete, war ich so im Stress, dass ein Treffen leider nicht zustande gekommen ist. Nun rufe ich sie spontan zurück, lasse mir ihre Festnetznummer geben, und dann telefonieren wir sehr lange.... Wir reden miteinander, als kennen wir uns schon länger. Auch Petra hat ihre Probleme, über die wir uns unterhalten. Manchmal ist es mir fast unheimlich, wenn ich daran denke, was Jana und Mario bewirkt haben..... nach gut eineinhalb Stunden verbleiben wir, dass wir wieder voneinander hören werden.

Kurz danach kommt mein helfender Engel. Marcus richtet den Router neu ein. Ich gucke ihm dabei zu, aber wie ein Schwein ins Uhrwerk (sorry, sagt man doch so!). Diese Dinge am Computer sind für mich böhmische Dörfer und werden es wohl auch bleiben! Wenn mich jemand wegen meines Computer- Wissens beneidet, werde ich immer ganz verlegen, denn an solchen Tagen wie heute merke ich, dass ich eigentlich NICHTS weiß! Auch Wissen ist demnach eine relative Größe. Als Marcus seine „Mission“ hier erfolgreich beendet hat, ist es fast 23 Uhr geworden, aber ich bin einfach nur glücklich, dass man so nette Nachbarn hat, denn selbstverständlich ist so etwas heute mit Sicherheit nicht mehr.....    

 

Dienstag, 18.05.2004

Bei den heutigen Wetteraussichten muss ich morgens nicht lange überlegen, ich wähle die Lederbekleidung und fahre mit dem Motorrad zur Arbeit. Um 5.30 Uhr sind die Straßen fast noch leer, da macht es richtig Spaß. Mein Schutzengel lobt meine Fahrweise *freu* und ist guter Dinge....

Auch heute ist es auf dem Telebus im Verhältnis zu den letzten zwei stressigen Wochen fast erholsam. Ich komme zwar zum Feierabend mit etwas Verspätung auf den Hof, aber nach einem 8- Stunden- Dienst ärgert einen das nicht so sehr wie nach 10 Stunden.

Dann steige ich wieder auf die Suzuki und fahre nach hause. Mein Schutzengel ist sofort wieder da, aber leider mit einer kleinen Kritik: „Hey Mum, was ist los, heute früh warst Du besser!“ Na gut, ich gebe mir also Mühe.... Dann kommt aber plötzlich von ganz rechts ein Radfahrer, der wie ich links abbiegen will (hatte mich bereits eingeordnet) und einfach quer rüber fährt. Ich muss einen großen Schlenker machen, gleichzeitig bremsen, aber schaffe es gerade noch so. Immer wieder muss ich als Motorradfahrer feststellen, dass ich von meinem Recht nie etwas hätte, außer den eigenen Schaden. Vorige Woche nahm mir ein Auto die Vorfahrt, das aus einer rechts abgehenden Nebenstraße als Linksabbieger heraus kam. Ich machte einen Bogen bis an den ganz linken Straßenrand, um ihn zu „umfahren“ und einen Zusammenstoß zu vermeiden. 

 

Montag, 17.05.2004

Normaler 8- Stunden- Dienst, ich dachte schon, dass dies der Vergangenheit angehört. Was früher Stress war, empfinde ich heute fast als Erholung. Außerdem vergehen 8 Stunden so schnell.... Ja, wie relativ doch alles im Leben ist......

Mit Jill gehe ich nach dem Feierabend heute zum Tierarzt. Sie hat dort, wo wir Menschen unsere Achselhöhle haben, seit einiger Zeit eine Entzündung. Sie bekommt eine Salbe, außerdem soll ich ihr ein Kinder- T- Shirt anziehen, damit sie sich nicht lecken kann. Dadurch hat sich diese Stelle auch entzündet. Zu hause hole ich also ein altes T-Shirt aus dem Schrank, schneide ihr einen Ärmel heraus und binde es ihr um. Sie sieht richtig drollig aus und kann mit dieser „Verkleidung“ kaum etwas anfangen. Dann klingeln wir noch nebenan bei Hunde- Sitter Bernhard und führen das neue „Kostüm“ vor, damit er morgen beim Abholen zur Mittags- Gassi- Runde nicht das große Grübeln bekommt.....   

 

Sonnabend, 15.05.2004

Um 9 Uhr haben wir Versammlung. Diese wird in unserer Firma für uns Fahrer immer auf den Sonnabend gelegt, da man uns durch unsere Schichten sonst nie alle zur gleichen Zeit zusammen bekommen würde. Dadurch sind Versammlungen auch nur in sehr großen Abständen, also nur ein- bis zweimal im Jahr.

Während der letzten Versammlung war ich krank geschrieben. Darum ist es heute kein leichter Gang für mich, denn als ich das letzte Mal zur Versammlung fuhr, sah ich beim Einsteigen ins Auto, dass mir Jana am Fenster nachschaute. Es war das letzte Mal, dass ich sie lebend sah... Seit Tagen bereits läuft dieser grausame „Film“ vor mir ab.  Dann sah ich Jana nur noch einmal – als ich mich von ihr am Sarg verabschiedete – für immer.... 

Die „Neuigkeiten“, die uns in der Versammlung mitgeteilt werden, sind erdrückend, denn uns  wird mitgeteilt, dass wir Ende Juni die Kündigung zum Jahresende bekommen. Details werde ich vielleicht später schreiben, muss es selber erst einmal verdauen, auch hoffen wir alle noch auf eine positive Wende...

Dann kommt die nächste niederschmetternde Nachricht: gegen Ende der Versammlung kommt auf meinem Handy eine SMS von Steffi an. Anfangs freue ich mich, als ich den Absender erkenne, denn ich habe lange nichts von ihr gehört. Wollte auch nicht drängeln, denn bei unserem letzten Treffen sagte ich ihr, dass ich es ihr überlasse, wann wir voneinander hören, um sie nicht unter Druck zu setzen. Steffi ist aus der Behandlung der Tagesklinik entlassen, aber trauert um ihren Onkel, der den Kampf gegen den Krebs verloren hat... Als ich wieder zu hause bin, versuche ich Steffi anzurufen, aber es geht nur der AB an....

Nachdem wir spät abends von einem Besuch bei Bekannten nach hause kommen, sehe ich, dass Steffi ihr Homepage- Tagebuch nach über einem Monat nun wieder aktualisiert hat. Ihre Zeilen stimmen mich sehr traurig, denn sie hat ein endlos schlechtes Gewissen gegenüber den Leuten, bei denen sie sich lange nicht gemeldet hat. Sind es wahre Freunde, die man um Verständnis und Verzeihung bitten muss, weil man Zeit für sich selber braucht, während man ums Überleben kämpft.......? Bei mir braucht sich Steffi nicht entschuldigen.... 

 

Donnerstag, 13.05.2004

Nüchterne Fakten: Arbeitszeit heute von 7.45 Uhr bis 18 Uhr, dann noch Verspätung, dem zufolge eine 3/4 Überstunde – also insgesamt 11 Stunden auf dem Bus! Ich laufe langsam auf dem Zahnfleisch, wie man so sagt. Wenn ich morgen noch die disponierten 9 Stunden fahre (und keine Überstunden machen muss!), habe ich diese Woche 47,25 Arbeitsstunden. Aber es gibt einen Lichtblick, denn sogar meine Chefin hat bereits vom ersten Tag an Mitleid mit mir. Sie hat mir für die nächste Woche eine 6-Uhr-Schicht auf dem Telebus „reserviert“, wo ich nur 8 Stunden fahren muss und mit Sicherheit spätestens 16 Uhr Feierabend habe. Ein anderer Kollege wird nächste Woche den Krankentransport fahren, da diese Dienstzeiten auf Dauer einem einzelnen nicht zuzumuten sind. Ich komme nicht mehr zum Einkaufen, schaffe nichts mehr im Haushalt, bin einfach nur fertig. So ist bei mir zu hause viel liegen geblieben, obwohl ich sonst so pingelig und ordentlich bin. Die wenige Zeit, die mir bleibt, verbringe ich am Computer, um die Homepage und dieses Tagebuch nicht zu vernachlässigen. Auch ist es ein kleiner, aber nötiger Ausgleich zum Arbeitsstress....                  

      

Dienstag, 11.05.2004

Ich bin zum Feierabend einfach nur fertig, denn wir hatten wieder reichlich Stress. Aber zu hause wartet weitere Arbeit. Norbert ist heute wieder da und macht meine Lohnsteuererklärung für das Jahr 2002, da mich das Finanzamt nun schon zum zweiten Mal angemahnt hat (Asche auf mein Haupt!). Ich blicke bei diesen Lohnsteuererklärungen nicht durch und bin froh, dass Norbert sozusagen vom Fach ist. Aber er braucht dafür viele Belege, und so muss ich einen Ordner nach dem anderen hervor holen, um die erforderlichen Kopien zu machen. Auch die Rechnungen von Janas Beisetzung muss ich in den Kopierer legen, mir stockt dabei fast der Atem.....            

 

Montag, 10.05.2004

Auf dem Weg zur Arbeit stehen mir die Tränen in den Augen. Ich sehe im Moment kein Land und habe das Gefühl, als würde ich von einer Lawine erschlagen. Keinen Tag kann ich mir etwas vornehmen, geschweige denn, etwas planen.  Zu der extrem langen Arbeitszeit kommt hinzu, dass ich die genaue Dienstzeit nicht vor 20 Uhr erfahre und dann erst den nächsten Tag organisieren kann. Morgen hätte ich eigentlich um 15.30 Uhr einen Termin beim Psychologen. Nach meinem alten Schichtplan auf dem Telebus hätte ich Frühschicht gehabt und zu dieser Zeit Feierabend... Als ich mir diesen Termin geben ließ, war von Krankentransport noch keine Rede. Ich weiß ja nicht einmal, für wann ich mir einen neuen Termin geben lassen soll. Dabei wäre gerade jetzt dieses Gespräch für mich wichtig gewesen, denn ich merke, dass mich der derzeitige Stress depressiv macht. Auch heute erfahre ich erst nach 20 Uhr meine Dienstzeit für morgen: 9.15 Uhr bis 19.00 Uhr. Heute früh traf ich in unserer Garage einen Kollegen, sein Dienst auf dem Telebus fing eine halbe Stunde später an und war eine Stunde eher zu Ende, als meine Arbeitszeit. Vorige Woche hatte ich 45,25 Arbeitsstunden.....   

 

Sonntag, 09.05.2004

Es geht wohl nicht nur mir so, dass das Wochenende immer viel zu schnell vergeht. Nun ist es Sonntag Abend 20 Uhr, ich weiß noch nicht einmal, wie ich morgen Dienst habe und warte noch auf den entsprechenden Anruf.....

Gestern Nachmittag fing das Hineinfeiern in Norberts Geburtstag damit an, dass wir mit Norberts Freund Bernd das Hertha- Spiel gegen Dortmund anschauten. Wir hofften auf ein Unentschieden, aber das Ergebnis übertraf unsere bescheidenen Hoffnungen bei weitem, Hertha gewann 6:2!!! Somit war die gute Laune für die Feier gesichert. Dann kam noch Überraschungsbesuch, und es wurde sehr lustig und gemütlich. Die Nacht war ja dann nicht mehr allzu lang. Meiner Mum habe ich morgens telefonisch zum Muttertag gratuliert, dann fuhren wir zu Norberts Mutter. Dort schauten wir auch gleich gemeinsam Formel1, was durch die Überlegenheit von Ferrari jedoch bald langweilig wird, obwohl wir Fans von den „Roten“ sind.

Nun hat um 20.15 Uhr auch das Telefon geklingelt, und ich habe meine Dienstzeit für morgen erfahren: von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr. So habe ich mich also Freitag zu früh gefreut. Diese Dienstzeit passt weder in die Rahmenzeit der Frühschicht zwischen 6 Uhr und 18 Uhr, noch in die der Spätschicht zwischen 10 Uhr und 22 Uhr. Man hält sich bereits 12 Stunden für die Dienstzeit frei, dann wird dies noch überschritten. So brauche ich morgen wieder zwei Hunde- Sitter, denn Norbert muss morgen nochmals nach hause. Ich weiß nicht, wie ich das auf Dauer packen soll. Auf dem Telebus sind unsere Rahmenzeiten nicht 12, sondern 10 Stunden. Auch dies ist schon eine enorme Einschränkung des Privatlebens, die man jedoch akzeptiert hat. Man erfährt auch einen Tag zuvor seine Dienstzeit von 8,5 Stunden, die sich aber in diesem 10- Stunden- Rahmen bewegt und diesen nicht überschreitet. Meine Vorgesetzte, die mir meine Dienstzeit mitteilte, ist zur Zeit durch viele organisatorische Probleme ebenso gestresst, trotzdem hat sie noch sehr viel Verständnis für mich und versteht meinen Frust. Ich habe mir jedoch vorgenommen, mindestens einen Monat durchzuhalten, will es ihr nicht noch zusätzlich schwer machen, vielleicht normalisiert sich ja doch noch alles...

Dann frage ich meine Nachbarin Katrin, ob sie morgen nochmals gegen 18 Uhr die Gassi- Runde mit Jill übernehmen könnte. Sie sagt zu, und somit habe ich es geschafft, einen weiteren Tag zu organisieren.....

 

Freitag, 07.05.2004

Diese Woche wäre geschafft! Die ganze Woche habe ich täglich zwei Hunde- Sitter gebraucht. Meiner Nachbarin Katrin (wohnt unter mir) und „Dauer- Hunde- Sitter“ Bernhard (wohnt neben mir) meinen ganz, ganz lieben Dank! Wenn ich Euch nicht hätte.....!!!

Nun lasse ich das Wochenende ganz gemütlich anklingen, weg mit aller Hektik, Katrin und ich, wir machen einen Schwatz, als ich von der Arbeit nach hause komme. Gleichzeitig kann ich mich etwas erkenntlich zeigen, denn Katrins Internetzugang hat derzeit einige Macken. So kann sie bei mir ihre Emails abrufen, kein Vergleich zu der Hilfe, die sie mir geleistet hat!

Norbert ist schon die ganze Woche bei sich zu hause. Er muss die Grassaat täglich wässern, und dann trifft er Vorbereitungen für seinen Geburtstag am Sonntag. Dieses Jahr fällt sein Geburtstag auf den Muttertag. So wollen wir morgen mit Norberts Freund Bernd hinein feiern, und am Sonntag sind wir bei Norberts Mutter.

Ich werde morgen früh, wenn ich ausgeschlafen habe, zu Norbert fahren.

Nachdem meine Nachbarin Katrin sich heute von mir verabschiedet hat, habe ich seit sehr langer Zeit wieder einmal an meiner eigenen evero- Homepage gearbeitet. Es war ziemlich spontan. Katrin hatte per Email ein lustiges Video bekommen. Meine Videos, die ich hatte, ließen sich durch die Dateigröße schlecht verschicken, meist haben die Postfächer nur 5 MB Speicherplatz und sind im Nu voll. Dann kommt die Email wegen Überschreitung der Speicherkapazität zurück...  Da kam mir die Idee, diese Videos auf die Homepage auf eine Humor-Seite zu setzen. So braucht man nur diesen ----> Link und kann sich alles ansehen und dabei herzhaft lachen...

Besonders gefällt mir das Video mit den Motorradsounds. Es ist schon eine Weile her, als ich es mit Jana aus dem Internet herunter geladen habe. Wir fanden es so lustig, dass wir uns vor Lachen fast die Tränen aus den Augen wischen mussten.... 

 

Donnerstag, 06.05.2004

Wenn ich an den zurückliegenden Montag denke, hatten wir heute dagegen fast Urlaub. Die Zeiten waren zu schaffen, kein extremer Stau, Pause war auch reichlich, die Arbeit machte Freude…. Ich hatte erstmals meinen Laptop im Rucksack, so war meine Pause sogar der reinste Spaß, denn ich spielte nur….. 

Langsam scheinen sich die Wogen des Stresses der ersten Tage zu glätten. Ich hoffe nur, dass ich hiermit nicht den Tag vor dem Abend lobe. Aber morgen haben wir zum zweiten Mal 8- Stunden- Dienst, also allemal besser, als 10 Stunden ohne Pause…… 

Im meinem Auto höre ich auf dem Weg zur Arbeit oder nach hause in der letzten Zeit oft CDs, die wir  mit Jana viel gemeinsam gehört haben. In den letzten Tagen hörte ich viel von Helmut Lotti, besonders aber  „Out of Afrika“. Wir waren immer begeistert von  der Musik mit dem afrikanischen Temperament und dieser einzigartigen Rhythmik. Sie hat uns so mitgerissen, dass wir im Auto oft laut mitgesungen haben. Wenn ich diese Musik heute höre, sehe ich Jana neben mir sitzen. Wir waren von der Stimmenakrobatik des Sängers sehr fasziniert, besonders dieses „Klicken“, was kein normaler Mensch kann. Heute lege ich die CD mit Adiemus ein. Es war unsere erste CD, die wir überhaupt gekauft hatten. Damals lief die Werbung einer Fluggesellschaft im Fernsehen, und uns gefiel diese Musik so gut. Aber nun hatten wir die CD mit unserer derzeitigen Lieblingsmusik, aber konnten sie nicht abspielen. So holten wir zu unserer ersten CD die passende Stereoanlage mit Dreifach- CD- Wechsler. Ja, so verrückt waren wir……  Wenn ich heute an solche Episoden denke, weiß ich, dass Jana zu mir herüber lächelt, oder besser gesagt: sie grinst mich an.......   

 

Mittwoch, 05.05.2004

Nun habe ich bereits den dritten Tag als Krankentransport hinter mir. Der zweite Tag gestern war schon nicht mehr ganz so schlimm, und heute kann ich eigentlich gar nicht mehr meckern... wir hatten zwar fast 10 Stunden Dienst, aber eine richtige Pause. Dann standen wir nochmals über eine Stunde abrufbereit, aber es kam kein Auftrag. Ich habe mich heute fast geärgert, dass ich nicht mein Notebook mitgenommen habe. Aber wir haben die Standzeit sinnvoll verbracht und in unserem Bus geputzt, was zu putzen war, bis uns nichts mehr einfiel..... Zum Feierabend kam sogar eine positive Überraschung, denn morgen ist erstmals „normaler“ Dienst, nämlich 8 Stunden. Also scheinen sich die ersten Wogen zu glätten. Und dann kommt der „rein zufällige“ Kommentar von Jana: „Habe ich dir doch gleich gesagt!“ Wie oft sie doch Recht hatte!

Auch auf dem Motorrad lobt sie mich wieder einmal währen der Heimfahrt. Wird wohl diese Woche der einzige Tag auf dem Bike gewesen sein, denn ab morgen sind wieder mehrere Schauer angesagt....           

 

Montag, 03.05.2004

Als ich heute Feierabend habe, könnte ich eigentlich gleich ins Bett fallen, denn ich bin einfach nur fertig.... Ich bin von 7.15 Uhr bis 17.30 Uhr ohne Pause durchgefahren. Aber ich fange mal von vorn an, damit man es versteht:

Bisher haben wir mit dem Telebus (Behindertentransport in Berlin) alle Fahrten gemacht, sowohl Privatfahrten (Einkaufszentrum, Ausstellungen, Privatbesuche usw.), als auch zum Arzt und therapeutischen Behandlungen wie Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie etc. Ab Mai werden jedoch die sogenannten Kassenfahrten zu Ärzten und Behandlungen nicht mehr vom Telebus gemacht, den unser Berliner Senat ohnehin am liebsten auf den öffentlichen Nahverkehr umlagern möchte, um einzusparen. Aber welcher U-Bahn-Fahrer holt denn jemanden mit dem Rollstuhl aus dem dritten Stock? 

Nun hat man ab Mai einige Telebusse einer neuen Einsatzleitung und Funkzentrale zugeordnet, welche nur noch diese Fahrten machen, die mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Das heißt, diese Telebusse sind jetzt eigentlich ein selbstständiger Krankentransport. Sicher gibt es anfangs die sogenannten Kinderkrankheiten bis sich alles einspielt. Aber ich gehöre zu den Versuchskaninchen, die nun erst einmal Stress pur haben. Heute waren scheinbar mehr Aufträge als erwartet, darum sind wir zum Feierabend fast aus dem Bus gefallen..... Meine Dienstzeit für morgen habe ich auch erst wieder gegen 19 Uhr erfahren, sie liegt auch nicht in der abgesprochenen Zeitspanne. Dadurch brauche ich morgen sogar einen zweiten Hunde- Sitter, denn Norbert muss zu hause täglich die Grassaat gießen, sonst wäre unsere Arbeit umsonst gewesen.

Ich weiß manchmal gar nicht, warum ich ein positiv denkender Mensch geblieben bin. Vielleicht, weil ich mir oft sage, dass es anderen noch schlechter geht. Ich habe Arbeit, andere würden gern an meiner Stelle sein. Also hoffe ich, dass dieser extreme Stress, den wir heute hatten, nur vorübergehend ist, bis sich alles eingespielt hat. Auch Jana würde zu mir sagen: „Mum, warte doch erst einmal ab“..... Na klar!        

 

Sonntag, 02.05.2004

Geplant ist heute eigentlich noch einmal Gartenarbeit. Aber schon am frühen Morgen sieht es aus, als fängt es im nächsten Moment an zu regnen. Norbert und ich, wir sitzen hier und wissen nicht, ob wir zu ihm fahren oder nicht..... Es ist ein blödes Gefühl, wenn man nicht weiß, was man richtig machen soll. Gegen 10 Uhr entscheiden wir dann, dass es kaum lohnen wird, denn der Himmel sieht fast nach Weltuntergang aus......

Aber weit gefehlt – es sieht den ganzen Tag so aus.... Petrus nimmt zwar einmal Anlauf zum Regnen, aber die Straße vor dem Haus wird nicht einmal unter den Bäumen nass.... Norbert überlegt schon, ob er noch nach hause fährt, um das nachgesäte Gras nochmals zu sprengen. Dann gehe ich mit Hundchen zur abendlichen Gassirunde – und es fängt prompt an zu nieseln...... Freudig komme ich mit Jill zurück und erzähle Norbert vom einsetzenden Regen! Fünf Minuten später ist nichts mehr zu sehen.... Dann verliert auch noch Hertha gegen Schalke 04, und abends hören wir in den Nachrichten von den sinnflutartigen Regenfällen in Süddeutschland.... Aber nächstes Wochenende, wenn Norbert Geburtstag hat, dann regnet es hier bestimmt, weil wir ja grillen wollen! 

Abends ruft Renate an. Ihr geht es heute nicht so gut, es ist der 2. Mai – heute vor eineinhalb Jahren haben wir unsere Kinder zum letzten Mal gesehen…. Ich muss gestehen, dass ich heute noch nicht daran gedacht habe. Nun habe ich ein furchtbar schlechtes Gewissen, dass ich durch die Einrichtung des Notebooks nicht daran gedacht habe….. 

Etwas später – nach 20 Uhr - kommt ein weiterer Anruf, auf den ich schon seit 17.30 Uhr gewartet habe. Ich übernehme ab morgen eine neue Arbeitsaufgabe und erfahre nun meine Dienstzeit für morgen: von 7.15 Uhr bis 17.30 Uhr und mit viel Arbeit, aber mehr darüber demnächst….. 

 

Sonnabend, 01.05.2004

Trotz Sonnabend wird zeitig aufgestanden, denn wir wollen in Norberts Garten einiges schaffen. Also holen wir auf dem Weg zu Norbert Brötchen und frühstücken bei ihm, bevor wir dem Garten zu Leibe rücken. Norbert verzichtet sogar auf die Bundesliga, denn Hertha spielt diese Woche erst Sonntag. Am späten Nachmittag geht es zurück zu mir, wo doch mein neuer Laptop wartet...

 

Freitag, 30.04. 2004

Jill hat heute Geburtstag, meine süße Maus ist nun zwei Jahre! Leider muss ich trotzdem arbeiten gehen und sie allein lassen, aber mittags kommt ja Bernhard und geht mit ihr Gassi. Wieder einmal scheint der Stress für die gesamte Woche auf den Freitag gelegt zu sein. Letztendlich stehe ich noch im Stau und muss Überstunden machen. Auf dem Heimweg fällt aber wie immer, wenn ich auf dem Bike sitze, der ganze Stress von mir ab, und ich bin guter Dinge.

Durch mein verspätetes Kommen ist es für die Wochenendeinkäufe schon ganz schön spät, aber wir müssen ja noch los, weil morgen Feiertag ist und alle Läden geschlossen haben. Ich bin richtig aufgekratzt, denn heute ist nun endlich das Geld vom Notebook auf dem Konto. So fahren wir in einen Kaufpark, wo wir nicht nur Lebensmittel bekommen, sondern auch nach einem neuen Laptop schauen können. Die Idee stammt sogar von Norbert, der wahrscheinlich Angst hat, dass ich sonst das ganze Wochenende ungenießbar sein könnte *grins*. Ich werde auch fündig und erstehe ein günstiges Notebook, dass von der Ausstattung her meinen Vorstellungen entspricht. Da es blaue LED’s hat, weiß ich, dass es auch Jana gefallen würde, sie wäre ganz angetan. Ich sehe ihre leuchtenden Augen....

Nachdem wir gegen 20.30 Uhr endlich von unser Einkaufstour zu hause ankommen, sind wir endgültig k.o., fast verhungert und nunmehr richtig wochenendreif . Also wird schnell gegessen, denn dann möchte ich den Laptop auspacken und anschließen *freu*......

 

Mittwoch, 28.04.2004

Schönes Wetter ist angesagt, also wieder per Motorrad zur Arbeit.... Auf der Heimfahrt fehlen mir jedoch die Argumente, denn Jana hat Recht, ich fahre heute besch...... weiß auch nicht, warum.... Dafür habe ich heute zu hause wenigstens kein Parkplatzproblem. Gestern bin ich wirklich eine geschlagene halbe Stunde mit dem Auto um den Block gefahren, hoffte, dass jemand wegfährt und hatte eine Stinkwut auf das Halteverbot wegen der immer noch währenden Filmarbeiten.

Im Fernsehen ist heute Fußball- Time. Norbert ist nach zwei Tagen „Heimarbeit“ wieder hier, jedoch mehr frustriert als erfreut, denn unsere Nationalelf verliert haushoch. Ich nutze die Zeit, um wieder einmal Emails und Gästebucheinträge zu beantworten, aber alle sind nicht zu schaffen. Ich hoffe nur, dass es mir niemand übel nimmt, wenn ich nicht antworte, es soll auch keine Wertung sein. Ich müsste kündigen und die Homepage zum Vollzeit- Job machen...... Nur hätte ich dann wohl nie einen Tag, an dem mein Lohn auf dem Konto erscheint und müsste irgendwann unter der Brücke schlafen, aber gibt es dort Internet......?  

 

Dienstag, 27.04.2004

Die Warterei macht mich langsam mürbe. Jeden Tag schaue ich online in mein Konto, ob die Rückerstattung vom Notebook da ist, aber bis jetzt noch nicht.... Eigentlich klar, wenn man bezahlen muss, am besten schon gestern, sonst kommt gleich eine Mahnung mit Zinsen und Gebühren. Aber wehe, wenn man etwas zurück bekommen muss, dann hat man geduldig zu warten!

Jeden Tag informiere ich mich im Internet bei verschiedenen Notebook- Herstellern über Angebote. Ich will zwar auf keinen Fall mehr im Internet kaufen, aber möchte über Preise und Ausstattungen informiert sein, um dann im Laden „mitreden“ zu können.

Manchmal bin ich da wie ein kleines Kind, kann es kaum abwarten. In der Beziehung waren wir uns mit Jana immer sehr ähnlich. Hatte sie sich etwas in den Kopf gesetzt, sah sie nur noch ihr Ziel, obwohl ich auch versuchte, ihr das Für und Wider darzulegen. Aber oft hatte sie dann schon entschieden und wollte ihre Entscheidung so schnell wie möglich umsetzen. Umgekehrt war es genauso. Auch ich hörte manchmal nicht auf ihre Einwände. Glück hatten wir, wenn unser Ziel von gemeinsamem Interesse war, dann waren wir in der Ausführung sehr spontan und ebenso schnell.

Manchmal war es sogar richtig lustig. Wir hatten eine Idee, waren einer Meinung und legten los, einfach so.... Oft haben wir ohne lange Vorplanung größere Aktionen gestartet. So fiel uns eines Tages ein, dass wir doch Schlafzimmer und Kinderzimmer tauschen könnten, denn dann hätte Jana mehr Platz. Die Schlafzimmermöbel hätten jedoch nicht in das kleinere Zimmer gepasst, auch hatte ich sie irgendwie über, also bestellten wir neue. Als der ganze Stress dann durchgestanden war, waren wir beide über das Ergebnis sehr glücklich und zufrieden...

Es gab viele solche spontanen Aktionen. Ein anders Mal waren wir der Meinung, dass wieder einmal renoviert werden müsste. So saßen wir auch schon im Auto und holten Farbe im Baumarkt.....

Das Verrückteste war wohl, dass wir im Herbst 2000 gemeinsam mein erstes Motorrad kauften, obwohl ich erst im Frühjahr darauf mit den Motorradschein beginnen konnte. Wir sahen damals die Annonce von der metallicblauen Yamaha, Jana machte eine Probefahrt, und wir waren uns einig.... Ja, wir waren ein Team, auch wenn wir ebenso oft Zoff hatten. Aber da war etwas zwischen uns, wofür es keine Worte gibt.... 

 

Sonnabend, 24.04.2004

Wochenende, welch ein schönes Wort! Als unser Frühstückstisch gedeckt ist, gibt es zuerst etwas zu lachen. Ich hatte nach dem Abwaschen die Butterdose in den Kühlschrank gestellt, ohne sie mit neuer Butter aufzufüllen. Norbert merkte dies beim Tisch decken nicht und stellte sie so auf den Tisch. Ich nehme den Deckel ab und gucke in die leere Butterdose. Ich finde es einfach nur lustig. Sofort sehe ich Jana, wie sie sich vor Lachen den Bauch festhält. Es ist ihr schelmisches Lachen, gepaart mit einer Portion Schadenfreude, die auch mich immer zum Lachen brachte..... 

Da das Wetter regnerisch werden soll, haben wir uns nichts in Norberts Garten vorgenommen, sondern machen es uns bei mir gemütlich. Na ja, vorerst ist noch einiges zu tun, denn in den vergangenen Tagen kam der Haushalt etwas zu kurz. Also greife ich zu meinem Handwerkszeug, es sind der Staubsauger, das Staubtuch und der Ordnungssinn.... Norbert schaut derweil Formel1- Training und Qualifikation, so habe ich freie Bahn, denn beim Saubermachen bin ich sehr eigen...

Als ich mit meinem „Haushalts- update“ fertig bin, ist Bundesligazeit, und Norbert fiebert wie immer als Hertha- Fan für die Berliner Mannschaft. Auch ich finde es heute sehr spannend. Da das Spiel mit einem 3:0 für Hertha ausgeht, ist also auch die gute Laune an diesem Wochenende nicht in Gefahr....

 

Freitag, 23.04.2004

Die ganze Woche war der Dienst ruhig und stressfrei. Dafür müssen wir uns heute das Wochenende regelrecht verdienen. In Spandau gab es eine Gasexplosion, infolge dessen ist eine sehr wichtige Hauptverkehrsstraße ganztägig gesperrt. Großräumig entstehen dadurch Verkehrsbeeinträchtigungen und Staus. Auch ich muss im Laufe des Tages nach Spandau, aber durch meine Ortskenntnis (* zwinker *) verlasse ich den Stadtbezirk nicht auf den zugestauten Straßen und komme gut weg. Aber heute ist in der ganzen Stadt irgendwie „Ausnahmezustand“, es ist überall so voll wie selten. Es macht kaum noch Spaß. Obwohl ich nun schon einiges gewohnt bin, mache ich zum Feierabend drei Kreuze. Zu hause verliere ich fast meine letzten Nerven, denn in unserer ohnehin zugeparkten Wohnstraße stehen schon seit einigen Tagen wieder lauter Halteverbotsschilder wegen Filmarbeiten. Es ist ja schmeichelhaft, wenn unsere Gegend dafür so beliebt ist, aber als Anwohner bekommt man langsam einen dicken Hals, wenn man keinen Parkplatz findet. Letztendlich parke ich auf unserem Hof, wo man eigentlich 50,-€ monatlich bezahlen muss. Aber wir haben einen Hauswart, der während solchen Ausnahmebedingungen mal ein Auge zudrückt..... Danke!

 

Donnerstag, 22.04.2004

Als ich Feierabend habe, fahre ich – natürlich mit dem Bike – ans andere Ende der Stadt, um etwas abzuholen, was ich bei Ebay ersteigert habe. Es sind zwei Nilpferde, deren Maul ein sogenannter Klammeraffe ist. Ich konnte nicht wiederstehen, als ich sie bei Ebay entdeckte...

Heute hört zuerst Herrchen das Motorrad im Hof und kommt mit Jill runter, um mich zu begrüßen und dies mit der Gassirunde zu verbinden. Jill springt mich vor lauter Freude so an, dass ich von ihren Krallen lauter helle Streifen auf meinen schwarzen Lederhosen habe....

Als ich den Computer anschalte und wie immer als erstes Emails abrufe, ist eine Antwort von dem Laptop- Vertrieb da: 

„Hallo Frau Hentrich,

Gutschrift wurde an die Buchhaltung weitergeleitet !Trotz Anmerkung auf ihrem Anwalt ,das hat kein Einfluss auf die Abwicklung“

Daraufhin sehe ich wieder Jana sagen: „geht doch, geht doch!“ Ich hatte schon einmal von Janas ---> Lieblingswerbung geschrieben, die wir so gern im passenden Moment zitierten. Wir haben uns vor Lachen dann immer regelrecht ausgeschüttet. Ich sehe Janas herzhaftes Lachen, es war so erfrischend..... In diesem Moment geht auch über mein Gesicht ein Lächeln..... 

Na ja, also hat meine "Drohung" scheinbar doch eine Wirkung gehabt. Man darf sich eben nichts gefallen lassen. Aber ich will nicht in Euphorie ausbrechen und werde abwarten, ob die Rückerstattung wirklich auf meinem Konto erscheint. Dann werden wir ganz in Ruhe nach Angeboten schauen, aber auf keinen Fall mehr im Internet...

 

Mittwoch, 21.04.2004

Für heute und morgen ist Sonne pur angesagt, also keine Frage, ich nehme das Bike. Mein Schutzengel ist bei mir und freut sich. Voriges Jahr hat sie oft mit mir gemeckert, wenn ich auf dem Motorrad saß. Mir fällt auf, dass ich sie dieses Jahr nicht meckern höre, im Gegenteil, ihr gefällt es wie ich fahre. Oft lächele ich unter meinem Helm, weil ich mich darüber freue.....

Die Arbeit verläuft wieder ohne Stress, dann fahre ich heim. An der Einfahrt zum Hof werde ich von Hundchen und Herrchen erwartet. Jill kennt mittlerweile den Sound vom Motorrad, neulich lief sie sogar auf den Balkon, als ich im Hof ankam. 

Obwohl der ganze Tag bisher entspannt verlief, ärgere ich mich zu hause, weil ich nach nunmehr drei Wochen immer noch keinen Bescheid habe, ob mein Laptop repariert ist. Anfangs teilte man mir mit, dass es 10 bis 14 Tage dauern wird. Vor einer Woche hat man mich auf das Wochenende vertröstet, was nun auch längst vorbei ist. Ich bin so stinksauer, dass ich abends eine Email schreibe, in der ich zum wiederholten Mal um Kaufpreiserstattung bitte, da ich diese Zeit der Reparatur für unangemessen halte. Ich setze einen Termin und „drohe“ bei Nichteinhaltung mit meinem Anwalt.

 

Dienstag, 20.04. 2004

Asche auf mein Haupt, ich war in den letzten Tagen faul, aber nur, was das Tagebuch betrifft! Nun habe ich meine „Hausaufgaben“ gemacht und werde aktualisieren. Mein Email- Postfach ist auch voll, ich würde gern einigen Leuten persönlich antworten, die mir geschrieben haben, nur fehlt mir echt die Zeit. Nach der Arbeit habe ich heute fast 2 Stunden am Telefon verbracht. Erst rief meine Schwester an, um zu hören was los ist, weil sie immer Tagebuch liest und es seit Tagen nicht aktualisiert wurde. Dann meldete ich mich bei meiner Mum, die schon Ostern traurig war, weil ich lange nichts von mir hören ließ. Letztendlich musste ich noch ein dienstliches Gespräch führen, welches auch länger dauerte. Mir rinnt die Zeit wie Sand durch die Finger, ich schaffe viel und nichts. Jeden Tag bleibt trotzdem etwas unerledigt, was ich eigentlich machen wollte. Das macht mich unzufrieden, weil ich das Gefühl habe, dass ich das Unerledigte kaum aufholen kann. Dann fange ich an zu philosophieren: Was mache ich falsch? Habe ich mich übernommen? Setze ich falsche Prioritäten? Die Homepage ist ein Teil von meinem Leben geworden, ohne sie wäre auch ich nicht mehr. Durch die vielen Reaktionen habe ich das Gefühl, dass ich nicht allein bin. Es berührt einen schon sehr, wenn man von eigentlich wildfremden Menschen Zuschriften erhält, die Anteilnahme, Zuspruch und Dankbarkeit aussprechen. Durch diese vielen Kontakte fühlen sich Familienangehörige dann fast zurückgesetzt, obwohl ich dies bestimmt nicht beabsichtige. Ich möchte mich manchmal in tausend Stücke zerreißen, um für alle da zu sein...    

 

Montag, 19.04.2004

Eigentlich hätte ich Spätschicht, aber ein Kollege wollte gern mit mir tauschen. Da ich sowieso lieber Frühschicht fahre, habe ich schnell zugesagt, bevor er es sich wieder anders überlegt. Norbert freut sich natürlich auch und erwartet mich heute mit Hundchen vor der Haustür, als ich vom Dienst komme. Jill überschlägt sich wieder fast vor Freude......

 

Sonnabend, 17.04.2004

Dieses Wochenende kann man in zwei Worten zusammen fassen: Gartenarbeit und Bundesliga..... 

 

Freitag, 16.04.2004

Heute ist es früh nicht ganz so frisch wir gestern, Regen soll es auch nicht geben, also keine Frage – ich schwinge mich nochmals aufs Bike! Es macht richtigen Spaß. Auch der Arbeitstag ist ganz entspannt, kein Zeitstress, alles ist gut zu schaffen.

In Gedanken bin ich jedoch oft sehr weit weg. Jana feiert zum zweiten Mal zusammen mit ihrem Vater seinen Geburtstag. Ich weiß nicht, ob ich traurig oder froh sein soll, denn Jana war immer überzeugt, dass sie ihren Vater wiedersieht. Ich habe ihr viel von Raimund erzählt und glaube, sie hatte oft Sehnsucht nach ihm....

 

Donnerstag, 15.04.2004

Ich fahre heute das erste Mal mit dem Motorrad zur Arbeit. Die letzten zwei Tage habe ich mich geärgert, dass ich das schöne Wetter nicht genutzt habe. Auf der halben Strecke wird mein Schutzengel munter und beschwert sich, dass es noch so früh ist: „ Hey Mum, muss das so zeitig sein? Aber ich bin da!“ So komme ich auch gut an, nur sind die Finger fast erfroren, da ich in guten Glauben bereits die Sommerhandschuhe angezogen habe, weil man mit ihnen ein besseres Gefühl hat. Nur heute früh um 5.30 Uhr sind erst 3 Grad, und auf halber Strecke frisst sich die Kälte auch durch die Lederhandschuhe. Aber nachmittags auf dem Heimweg ist es dafür umso angenehmer, und auch mein Schutzengel ist guter Dinge...

Auf der Homepage sind nochmals weitere Gästebucheinträge, die ich freischalten muss, und im Laufe des Abends kommen weitere. Auch erhalte ich eine Email von einer Mutter, die einen ihrer Söhne durch Suizid verloren hat. Ihre Zeilen beeindrucken mich so sehr, dass ich ihre mitgeteilte Telefonnummer anwähle. Wir reden fast eineinhalb Stunden miteinander. Es ist bereits nach 21 Uhr, als wir uns verabschieden.

Ich wähle nochmals, aber die Nummer des Hundezüchters, bei dem Janas Rottweiler Jeannie ist, da ich ihn bei meinem ersten Versuch heute Abend nicht erreicht habe. Es ist schön, wieder einmal zu hören, dass es Jeannie gut geht. Oft muss ich sogar lachen, wenn er von ihr erzählt, und ich sehe sie vor mir: die liebenswerte und temperamentvolle Jeannie, der man kaum wiederstehen kann.....  

 

Mittwoch, 14.04.2004

Der heutige Tag sieht schon besser aus. Ich verlasse zwar um 4 Uhr mein Bett nur ungern, aber zumindest ist der Dienst heute nicht so stressig wie gestern.

Nach dem Feierabend bin ich mit einer Zeitungsredakteurin auf einen Kaffee verabredet, aber rein privat. Wir hatten immer einen sehr netten Kontakt und wollten uns bereits lange schon einmal außerhalb ihres Berufes treffen. Sie war und ist mir immer sehr sympathisch, da sie nicht zu  den aufdringlichen Reportern gehört. Wir machen einen richtigen Kaffeeklatsch und schwatzen ganz entspannt. Dabei stellen wir fest, dass wir sogar Gemeinsamkeiten haben, unter anderem unseren manchmal übertriebenen Ordnungsfimmel. Die Zeit vergeht schnell, dann müssen wir uns leider verabschieden, aber es soll nicht bei diesem Treffen bleiben.....

Punkt 18 Uhr klingelt das Telefon, und Renate ist an der „Strippe“, um mir zu sagen, dass der Bericht über uns gerade auf RTL läuft. Ich hatte es auch angeschaltet, da es eigentlich schon gestern kommen sollte. Daraufhin komme ich kaum noch zum Luft holen, denn am Ende des Beitrages wird die Homepageadresse angegeben, und es kommen pausenlos Gästebucheinträge, die ich freischalten muss. Von bisher 60 Einträgen musste ich nur einen löschen, dieser Schreiber stand scheinbar unter Drogen o.ä. Den Inhalt möchte ich niemandem zumuten, er war zwar kurz, aber absolut geschmacklos!

Gern würde ich allen Menschen auf ihre Zeilen antworten, aber es ist nicht zu schaffen, und es ist nicht nur eine Zeitfrage, sondern ich wüsste nicht einmal, wem ich zuerst schreiben sollte! Ich bin immer wieder sehr gerührt von der Anteilnahme. Auch habe ich von  anderen Schicksalen erfahren – diesen Menschen meinen besonderen Dank für ihr Vertrauen!

 

Dienstag, 13.04.2004

Zum Jubeln ist mir auch heute nicht. Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub, wem macht der schon Spaß? Ich bringe ihn mehr schlecht als recht hinter mich und bin froh, als ich wieder zu hause bin.

Von meinem Notebook habe ich auch noch nichts gehört, nun ist es seit 14 Tagen zur Reparatur, also auch nichts, worüber man sich freuen könnte. Ich schreibe eine Email an die Firma.....

 

Ostermontag, 12.04.2004

Das Frühstück will heute nicht so richtig schmecken, denn es ist Abschiedsstimmung. Auch zum Schreiben fehlen mir die richtigen Worte. Um 10 Uhr stehen wir mit Norbert vor dem Haus und winken dem Auto nach. Jill hat im Gesicht etwas Lippenstift von Renates Abschiedsküsschen......  

 

Ostersonntag, 11.04.2004

Nach dem Frühstück fahren wir los, um Renate und Werner wieder einiges von Berlin zu zeigen. Wir haben Glück und finden sogar einen Parkplatz, von dem aus wir zuerst zum Gendarmenmarkt laufen. Dann schlendern wir weiter durch die City. Auf dem Platz vor dem ehemaligen Palast der Republik stehen Karussells, Verkaufsstände und Imbissbuden. Dort machen wir Station, denn das Stadtpflaster macht müde. Aber wir freuen uns über unser Glück mit dem Wetter, denn die Sonne scheint ununterbrochen, dem entsprechend sind auch sehr viele Leute unterwegs. Während Norbert und Werner in einem Biergarten mit Jill auf uns warten, gehe ich mit Renate in die Ausstellung der Terrakotta- Armee des ersten Kaisers von China. Diese ist im ehemaligen Palast der Republik aufgebaut, der nur noch als gespenstisches Gerippe steht. Da ich ihn von früher kenne, bin ich regelrecht erschrocken, denn innen sind nur noch Metallträger und kahle Betonwände zu sehen. Die Ausstellung ist jedoch sehr beieindruckend.

Norbert und Werner ist es im Biergarten nicht langweilig geworden, zumal auch Jill immer für Unterhaltung sorgt, da man wegen ihr oft angesprochen wird. Dann machen wir noch einen Schlenker zum Berliner Dom, den sich Renate und Werner von innen ansehen. Norbert und ich, wir warten draußen mit Jill, die leider nicht überall hinein darf. An der neuen Wache hatte eine Aufsichtsperson mich mit Jill bereits von der Stufe draußen verwiesen.....

So schön unser über fünfstündiger Bummel auch war, aber wir sind froh, als wir im Auto heimfahren. Wir sind alle pflastermüde. Jill liegt nun auf ihrem Fell und schläft.... Wir werden uns noch einen gemütlichen Abend daheim machen, im Kühlschrank liegt Fleisch für Fondue.....       

 

Sonnabend, 10.04.2004

Werner macht sich gegen Mittag auf den Weg, um allein etwas von Berlin zu erkunden. Renate und ich, wir sind um 15 Uhr mit dem Kamerateam von RTL verabredet, genau dann, wenn Norbert Premiere anschaltet, um die Bundesliga zu sehen.

Unser Termin dauert nicht allzu lange, und als wir zurück kommen, ist gerade die Bundesliga zu ende. Wir haben unterwegs bereits im Autoradio gehört, dass Hertha glücklicherweise gewonnen hat und hoffen auf gute Laune. Norbert ist fast nass geschwitzt und völlig fertig von dem spannenden Spiel. Wenige Minuten nach uns kommt auch Werner von seinem Erkundungstrip quer durch Berlin zurück. Zum Sieg von Hertha lädt Renate uns ein, und wir gehen wieder zu unserem Lieblings- Griechen um die Ecke, wo man uns mittlerweile als Stammgäste begrüßt. Manchmal überlege ich: erkennen sie uns am Gesicht oder an Jill?

 

Karfreitag, 09.04.2004

Ostern ist bei Norbert immer ein Besuch bei seiner Mutter im „Programm“, so fahren wir mittags zusammen mit Renate und Werner zur Oma und gehen wieder gegenüber in der Gaststätte essen. Wir sind nach dem Essen alle fast bewegungsunfähig, und der Kaffee danach bei Norberts Mutter schafft es kaum, uns wieder aufzumuntern.... Dann raffen wir uns jedoch auf, denn ich habe unserem Besuch eine weitere Stadtrundfahrt versprochen. Dabei kommt uns noch die Idee, uns den Aqua- Dom, dieses riesige Aquarium, anzusehen. Draußen steht jedoch eine Endlosschlange, die uns die Vorfreude nimmt und wir verzichten freiwillig..... Ebenso war es bereits mit der Gemäldeausstellung „Moma“, wo man im Radio von einer drei- bis vierstündigen Warteschlange berichtete...

Abends machen wir es uns gemütlich und bleiben zu hause, aber dann klingelt das Telefon... RTL möchte von uns Müttern berichten, von unserer Freundschaft, von unserem Zusammenhalt, von unserem Verstehen. Ich bin gerührt, dass man unsere Kinder nicht vergessen hat und damit wieder an sie erinnern möchte. Da wir unsere Männer wegen ihrer Pressephobie immer gern heraushalten, vereinbaren wir für morgen Nachmittag einen Drehtermin zur Bundesligazeit. 

 

Donnerstag, 08.04.2004 

Nach unserem ausgiebigen Frühstück beratschlagen wir, was man denn heute so machen könnte. Wir „landen“ im Technikmuseum. Ich war das letzte mal dort, als wir 1990 während des P-Schein-Lehrganges dieses Museum im Rahmen einer Exkursion besuchten. Seitdem hat sich sehr viel verändert. Wir brauchen sehr lange, um uns alles anzusehen, mir wird es fast zu viel, kann mich kaum noch auf den Beinen halten.

Nicht nur ich freue mich, als wir wieder zu hause sind, vor allem Jill, denn sie durfte nicht mit. Eigentlich sind wir alle vom Museumsbesuch ziemlich geschafft. Solch eine „Bildungsreise“ ist zwar sehr interessant, aber doch immer sehr anstrengend.

Abends wollen wir mal in eine typisch Berliner Kneipe. Norbert kommt immer auf seinem Weg von der U-Bahn an einer Kneipe vorbei, wo im Fenster steht: „hier bedient sie die Mutter aller Schnäpschen“. Das findet er so lustig. Als wir losgehen wollen, fängt es richtig an zu gießen. Fast wäre unser Kneipenbesuch im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen, aber nach ca. einer Stunde war die Regenwolke leer, und wir machen uns auf den Weg. Es ist wirklich sehr gemütlich dort, eine supernette Bedienung, wir trinken ein paar Bier und fühlen uns sehr wohl. Jill haben wir mit, sie zieht wieder einmal viele Blicke auf sich....

 

Mittwoch, 07.04.2004

Wir stehen zeitig auf, da wir ab 8 Uhr mit dem Eintreffen von Renate und Werner rechnen müssen. So ist es auch. Ich bin mit Jill auf Gassi- Runde und hole für das Frühstück Brötchen, da fährt neben mir plötzlich das Auto mit dem erwarteten Kennzeichen. Große Freude!

Dann wird ganz gemütlich gefrühstückt. Werner geht danach zum Messegelände zu einer Veranstaltung. Renate und ich fahren zur „Wilmersdorfer“ und bummeln wieder etwas durch die Läden. Norbert hält derweil zu hause die Stellung, nimmt die Paketpost entgegen und leistet Jill Gesellschaft.....

Abends gehen wir alle zu „unserem Griechen“ um die Ecke, denn Renate hat es dort immer so gut geschmeckt und hatte bereits Sehnsucht.... 

 

Dienstag, 06.04.2004

Der Countdown läuft, morgen kommen Renate und Werner, und ich bin ganz aufgeregt! Da ist es gut, wenn man die Zeit noch mit Einkaufen und Hausarbeit verbringt, dann vergeht sie auch schneller. Norbert fährt am späten Vormittag nach hause, um dort auch wieder mal einiges zu tun. Ich mache Einkäufe, fahre tanken und in die Wagenwäsche. Bei der Gelegenheit prüfe ich auch den Reifendruck und nutze den bequemen Staubsauger. Als ich mit allem fertig bin, fängt es wieder an zu regnen, aber egal....

Am späten Nachmittag kommt Norbert zurück. Ich bin sehr froh, dass er noch einige Getränke aus dem Auto hoch trägt, denn unser 5. Stock ohne Fahrstuhl ist bei solchen Einkäufen fast unmenschlich....

Abends ruft Renate noch einmal an. Ihr Koffer ist gepackt, der Wecker auf 2 Uhr gestellt. Um 3.30 Uhr wollen sie losfahren, um morgens da zu sein. Ich erzähle Renate noch, dass ich für Marios Grab auch Vergissmeinnicht mitgebracht habe, sogar auch in pink (Marios Lieblingsfarbe). Ich habe selber gestaunt, da ich dachte, dass es die nur in blau gibt.... Auch Tausendschönchen habe ich mitgenommen, weil sie Mario besonders mochte. So haben wir auf beiden Gräbern die Lieblingsfarben und -Blumen von unseren Kindern.....   

 

Montag, 05.04.2004

Anfang April wird auf den Friedhöfen wieder das Wasser angestellt, darum haben wir uns mit Norbert für heute die Frühjahrsbepflanzung von Janas Grab und dem seines Vaters vorgenommen. Zuerst fahren wir zum Holländer, um Pflanzen zu holen. Ich möchte Vergissmeinnicht, Tausendschönchen und Osterglocken für Jana, da es voriges Jahr so schön aussah. Auch für das Grab von Norberts Vater nehmen wir diese Blumen, denn bisher wurden dort im Frühjahr immer nur Stiefmütterchen gepflanzt. Ich habe ja nichts gegen diese Blumen, aber dagegen, dass alle Gräber gleich aussehen. Wenn man auf die Friedhöfe kommt, stehen auf 90% der Gräber Stiefmütterchen....

Auf Janas Grab hat die Besenheide den Winter gut überstanden und fängt gerade an neu auszutreiben. Norbert und ich, wir sind uns einig und bringen es nicht fertig, diese Pflanzen zu entsorgen. Wir nehmen sie mit, um ihnen in Norberts Garten einen neuen Platz zu geben. Ich pflanze dieses Mal etwas asymmetrisch, denn die Vergissmeinnicht wurden letztes Jahr sehr hoch  und würden sonst irgendwann die Gedenktafel von Mario verdecken. Das Moos am Rand sieht leider nicht mehr so schön aus, aber wir hoffen, dass es sich vielleicht noch erholt. Darum werden wir noch etwas warten, bevor wir da „eingreifen“. Ansonsten ist aber alles wieder sehr schön geworden, und bevor wir gehen, stellen wir für Jana und Mario zwei Kerzen in die Laterne....

Nun fahren wir von Charlottenburg nach Reinickendorf. Dort ist das Urnengrab von Norberts Vater den Winter über mit Tanne abgedeckt gewesen, die wir zuerst entsorgen müssen. Dann können wir auch hier die mitgebrachten Blumen pflanzen. Als ich gerade die letzten Tausendschönchen in die Erde setze, fallen die ersten Regentropfen. Der Regen wird immer stärker, und ich muss aufpassen, dass mein Fotoapparat keinen Schaden nimmt. Norberts Mutter schafft den Weg nicht mehr, darum will ich doch wenigstens für sie ein Foto machen.

Wir sind zwar schon ganz schön nass, als wir am Auto ankommen, aber bei Jill ist die Freude riesig, dass wir endlich wieder da sind. Sie hat auch allen Grund sich zu freuen, denn im Kombi sitzt sie im Trockenen, zumal sie ja so wasserscheu ist und im Regen maximal drei Schritte läuft......            

 

Sonnabend, 03.04.2004

Als ich vormittags den Wasserkocher anschalte, wundere ich mich, dass er außen nass ist. Dann muss ich leider feststellen, dass eine Naht am Sichtfenster undicht geworden ist, also hat er wohl ausgedient. Ich bin immer traurig, wenn Dinge durch neue ersetzt werden müssen, die Jana noch kannte. Diesen Tefal- Wasserkocher kauften wir zusammen, damals hatten wir die Wahl zwischen blau und weiß, Jana wählte natürlich ihre Lieblingsfarbe blau! Nun fahren wir mit Norbert noch schnell zum Media- Markt, um einen neuen zu holen. Ich stehe vor dem Regal und weiß nicht, was ich machen soll. Einerseits möchte ich gern einen hellen, auf dem man nicht alle Wassertropfen und Kalkablagerungen gleich sieht. Dieser Wasserkocher von Tefal ist in den Farben weiß, gelb, blau, grün und schwarz im Angebot. Dann aber höre ich Jana: „Mum, einen blauen!“ Als ich nach langem Überlegen trotzdem zum gelben Wasserkocher greife, habe ich dabei jedoch ein schlechtes Gewissen. Zum ersten Mal tue ich etwas, wo ich weiß, dass es Jana nicht gefallen hätte. Ich hoffe, dass sie mir verzeiht.....

Zu hause schaue ich auf Janas Foto, welches zusammen mit dem von Mario an der Wand hängt. Es sind die gleichen Fotos wie auf der Startseite der Homepage. Es ist komisch, aber ich habe das Gefühl, dass Jana mich auf diesem Foto nicht jeden Tag gleich anschaut. Manchmal wirkt ihr Blick kritisch, ein anderes Mal schmunzelt sie. Heute schaue ich sie an und habe das Gefühl, als wollte sie sagen: „ Mum, blau wäre mir zwar lieber gewesen, aber du hast gewonnen“ – und es sieht heute aus, als ob sie grinst.......

 

Freitag, 02.04.2004

Irgendwie kommen wir mit Norbert nicht so richtig in die Gänge. Da heute zwei Ebay- Pakete ankommen müssten, wollen wir erst mittags rausfahren. Nachdem Norberts Schuhe und mein Laptop- Rucksack (hi hi, fehlt nur noch ein intakter Laptop) angekommen sind, fahren wir einkaufen. Dann ist es jedoch schon 13.30 Uhr, und es lohnt kaum noch. Also ist dies heute ein „Gammeltag“....

Am späten Nachmittag baue ich dann die Batterie ein und „Suzi“ lässt den von Jana so geliebten Sound ertönen! Jedes Mal, bevor ich im Frühjahr die erste Runde drehe, habe ich Angst, dass ich es verlernt habe. Dann staune ich immer, dass alles noch vollautomatisch abläuft, nur fehlt eben nach der langen Pause etwas das Sicherheitsgefühl. Anfangs fahre ich zur Tankstelle Luft kontrollieren. Gut so, denn beide Reifen haben zu wenig Luft. Mein erstes Ziel ist dann der Friedhof, um Jana zu bitten, dass sie mich wieder als Schutzengel begleitet....

Es fiel mir schon voriges Jahr schwer, gegenüber auf dem Olympischen Platz die Grundübungen (Schritt fahren, Slalom, Gefahrenbremsung u.a.) zu üben, denn das machten wir im Frühjahr immer gemeinsam, um die Fahrpraxis nach der Winterpause aufzufrischen. Aber mein Schutzengel sagt mir, dass es sehr wichtig ist und begleitet mich dabei....

 

Donnerstag, 01.04.2004

Auch heute stehen wir zeitig auf, denn wir wollen im Garten bei Norbert weiter machen. Meine Hände sind fast etwas geschwollen, das muss wohl vom vielen Harken sein, denn schon gestern hatte ich das Gefühl, als habe ich bald Blasen an den Fingern. Auch mein Rücken erinnert mich daran, dass ich wirklich zu den „UHU’s“ (Unter Hundert) gehöre. Na ja, ein Indianer kennt keinen Schmerz, wir schaffen nochmals eine ganze Menge, aber trotzdem bleibt noch reichlich zu tun... Es ist wie in einer Wohnung: wenn alles topp ist, fällt es nicht auf, aber sehen tut man das, was unordentlich ist oder nicht gemacht wurde.

Als wir zurück in meine Wohnung fahren, beschließe ich, heute noch das Motorrad aus dem „Winterschlaf“ in der Garage von Hunde- Sitter Bernhard zu holen. Mittlerweile drehe ich mich nämlich im Auto nach jedem Motorrad um und werde langsam neidisch.... Natürlich sagt die „Suzi“ beim Startversuch kaum noch einen Mucks, nach dem dritten Mal macht es nur noch klick. Also schieben wir sie in den Hof und bauen die Batterie zum Aufladen aus. Wollte beim Unterstellen im Herbst eigentlich gleich die Batterie mit in die Wohnung nehmen, aber ich fror an dem Tag schon so, dass ich es aufschob.... und wie das immer so ist, dann bleibt es dabei.....  

 

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