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Sonntag, 28.09.2003
Eigentlich lag ich schon im Bett, denn es ist 23.30 Uhr, und mein Wecker klingelt morgen ohne Erbarmen um 4.30 Uhr. Ich konnte nicht einschlafen.... Ich bin an einem Punkt, wo mir alles wieder so unwahr erscheint, ich nichts begreife. Als ich heute mit Renate telefonierte, habe ich ihr gesagt, dass ich weiß, wie es ihr heute an Marios Geburtstag geht und dass ich in Gedanken bei ihr bin und sie fest umarme. Mario wäre heute 17 Jahre alt geworden. Warum haben unsere Kinder keinen anderen Weg gesehen? Nur eins weiß ich sicher: dass wir Mütter bis an unser Lebensende nach Antworten suchen werden....
Nun bleibt mir nicht mehr viel Zeit zum Schlafen, aber die Gedanken aufzuschreiben, hat mir wieder etwas geholfen. Vielleicht kann ich ja nun doch noch einschlafen, in Gedanken bei meinem Kind, die bestimmt mit Mario heute gefeiert hat....
Sonnabend, 27.09.2003
Endlich Wochenende! Aber es ist nicht so erholsam, wie man denkt. Norbert sitzt mit Zahnschmerzen hier und hat ein geschwollenes Gesicht. Ich leide mit, wenn ich ihn nur ansehe....
Abends rufe ich Renate an, da ich weiß, dass es ihr bestimmt nicht gut geht, denn morgen ist Marios Geburtstag. Wir haben einige Tage nicht miteinander telefoniert, meine Annahme bestätigt sich... Ich weiß ja, wie schlecht es mir schon einige Tage vor Janas Geburtstag ging, einfach aus Angst vor diesem Tag.... Ich habe das Gefühl, dass Renate unser Telefonat gut tut , wir werden morgen nochmals telefonieren...
Dienstag, 23.09.2003
Die ganze letzte Woche und gestern konnte ich mit dem Motorrad zur Arbeit fahren. Ich war froh darüber, denn je öfter ich auf dem Bike sitze, desto besser fahre ich. So hörten sich auch Janas Kommentare in meinen Gedanken immer besser an. Manchmal fing ich beim Motorrad fahren sogar an zu lachen, weil ich Jana sagen hörte: "geht doch, geht doch!" Das stammt aus der Bresso- Werbung mit dem Hotelportier. Es war in der letzten Zeit Janas Lieblings- Werbespot, sie lachte jedes Mal so herzhaft, wenn er lief.... Dann wurde bei uns dieses "geht doch, geht doch!" fast zum Schlagwort. Wenn es einer von uns sagte, lachten wir beide nur noch.... Vor einigen Tagen habe ich es endlich geschafft, mir diesen Werbespot (Quelle: www.thawka.de/) aus dem Internet herunter zu laden.
Heute nun muss ich wieder mit dem Auto zur Arbeit, denn der angesagte Regen kommt auch, und ich bin froh im Trockenen zu sitzen. Als ich nach Dienstschluss auf dem Heimweg bin, stehe ich an einer roten Ampel neben einem Linienbus. Ich schaue hinüber zum Bus und erschrecke.... In dem Bus sitzt am Fenster ein Mädchen, welches unheimliche Ähnlichkeit mit Jana hat. Als ich einen zweiten Blick wage, schaut dieses Mädchen genau zu mir hinüber und lacht mich sehr freundlich an. Dann schaltet die Ampel auf Grün... Ich bin total verwirrt und frage mich, ob dies etwas zu bedeuten hat.....
Sonntag, 21.09.2003
Meine Schwester rief mich vor einigen Tagen an und fragte, ob ich Lust hätte, am Sonntag um 16 Uhr zu einem Konzert im Schauspielhaus mitzukommen. Sie hatte günstig von einer Bekannten Karten bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Jahre es her ist, dass ich im Konzert war. So machen wir uns einen schönen Nachmittag. Nun bin ich wieder zu hause, das Konzert war sehr schön. Danach war ich mit meiner Schwester noch beim Chinesen. Als ich hier ankam, war gerade die Bundesliga auf Premiere zu Ende, die Norbert immer vor dem Fernseher fesselt ;-) Jetzt habe ich das Tagebuch geschrieben, also meine "Hausaufgaben" gemacht, und wir werden zu zweit wieder im Wettstreit Bubblet spielen, also den Computer zur Entspannung und Unterhaltung nutzen, bevor die stressige Arbeitswoche beginnt.
Sonnabend, 20.09.2003
Um 15 Uhr setze ich mich aufs Motorrad und fahre zu meinem Ole- Bole. Mein Sohnemann hat Probleme mit dem Computer. Olav hatte auf seiner Rechnung 112,- € von einem 0190- Dialer. Muttern muss nun helfen, ich entferne den Dialer und installiere ein Schutzprogramm. Bei der Gelegenheit installiere ich auch gleich eine Firewall, dann noch den Avant- Browser, da er ihm bei mir so gefallen hat. Mein Ole- Bole ist rundherum glücklich, als alles wieder in Ordnung ist. Es tut gut, meinen Sohn so glücklich zu sehen und ihn ganz fest in den Arm zu nehmen!
Freitag, 19.09.2003 - zweiter Eintrag
Nachdem ich gefühlsmäßig ziemlich zerrissen bin, fahre ich vom Friedhof wieder nach hause. Ich bin froh und traurig zugleich... Ich hatte scheinbar einen 7. Sinn und die Kamera dabei. So habe ich noch neue Fotos gemacht und kann gleich die Homepage aktualisieren. Allerdings ist die Zeit schon knapp, und um 12 Uhr fahre ich mit dem Motorrad zur Arbeit. Ich weiß nicht, was heute los ist, aber man nimmt mir beim Linksabbiegen die Vorfahrt und fährt mich beim rückwärts Ausparken fast an. Dann muss ich einem Radfahrer ausweichen, der quer über die Straße trudelt und scheinbar nichts mitbekommt. Auf Arbeit angekommen, hoffe ich, dass es nicht so weitergeht. Ich hatte meinem Beifahrer erzählt, dass heute scheinbar nicht mein Tag ist. Zum Feierabend sagt er dann zu mir, dass ich auf der Heimfahrt aufpassen soll..... Er hatte Recht. Fast zu hause angekommen, biegt aus der Spur links neben mir im letzten Moment ein Auto ebenfalls rechts ab und schneidet mich, so dass ich nur noch hupen kann, um nicht gestreift zu werden und zu Fall zu kommen... Ich weiß aber auch, warum ich gut angekommen bin: mein Schutzengel war wie immer bei mir....
Freitag, 19.09.2003
Ich setze mich um 9 Uhr aufs Motorrad und fahre zum Friedhof. Sonst erkenne ich immer schon von weitem die Holztafel, heute nicht, aber auch noch keinen Stein. Als ich näher komme, sehe ich, dass nur wenige Momente vor mir der Steinmetz und sein Kollege angekommen sind, um den Grabstein aufzustellen. Ich darf den beiden bei der Arbeit zuschauen. Es dauert nicht allzu lange. Um 10 Uhr steht der Grabstein. Meine Gefühle zu beschreiben ist nicht einfach. Ich finde den Grabstein sehr schön und bin mit der Arbeit vom Steinmetz sehr zufrieden, aber es ist ein weiterer Schritt in diese Endgültigkeit....
Mittwoch, 17.09.2003
Ich freue mich, denn auf meinem Handy ist eine SMS. Steffi ist unterwegs zu mir und wir frühstücken zusammen. Endlich kann ich sie wieder in den Arm nehmen, denn es geht ihr nicht sehr gut. Wir machen uns einen gemütlichen Vormittag.
Seit längerer Zeit geht mir durch den Kopf, die Startseite der Homepage zu verändern. Da es mittlerweile eine Seite für unsere beiden Kinder ist, soll nicht nur ein Bild von Jana, sondern auch ein Bild von Mario auf der ersten Seite zu sehen sein. Ich habe letzte Nacht nach dem Dienst noch "gebastelt", um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu bekommen. So kann ich heute erst einmal Steffi nach ihrer Meinung fragen, ob sie mir gelungen ist, bevor ich diese veröffentliche. Wir sind beide ganz zufrieden, und so stellen wir die neue Startseite ins Netz....
Montag, 15.09.2003
Nun geht wieder eine neue Arbeitswoche los - leider auch noch die ungeliebte Spätschicht, denn ich fahre lieber früh. Aber was soll's, auch diese Woche wird vergehen. Ich habe heute auch in Spandau zu tun, muss einen Fahrgast direkt um die Ecke vom Steinmetz absetzen. So nutze ich die Gelegenheit, denn ich muss noch das Formular für den Friedhof unterschreiben, um die Genehmigung zur Aufstellung des Grabsteines zu erhalten. Deutsche Bürokratie, aber sicherlich auch nicht grundlos.... In der Werkstatt vom Steinmetz kann ich mir die vorbereitete Schablone für die Inschrift auf dem Stein ansehen. Ich bin sehr zufrieden und gebe meine Zustimmung zur Ausführung. Beim ersten Mal hatte ich zwar nach der Anfertigung einer Gedenktafel für Mario gefragt, aber man wollte noch nach einer passenden Platte sehen. So habe ich heute auch noch den Auftrag dafür unterschrieben. Ich war ganz überrascht, als man mir sagte, dass der Stein noch diese Woche fertig und eventuell sogar auch aufgestellt wird. Eigentlich könnte ich darüber froh sein, aber in mir krempelt sich alles um, wenn ich daran denke. Erklären kann ich es nicht, vielleicht müsste man dafür wieder passende Worte erfinden, die es noch nicht gibt....
Sonntag, 14.09.2003
Nach dem Frühstück fahren Norbert und ich zum Friedhof. Wir wollen sehen wie die Geburtstagsblumen von Jana aussehen und sind erstaunt. Ich dachte eigentlich, dass sicher alles verblüht ist, aber etwa die Hälfte sieht noch sehr gut aus. Besonders die Lilien, Janas und meine Lieblingsblumen, stehen noch in voller Blüte, haben sogar noch zwei Knospen. So nehmen wir nur die verblühten Rosen weg, füllen frisches Wasser in die Vasen, entsorgen die abgebrannten Kerzen und zünden neue an....
Am Nachmittag mache ich etwas, was ich schon länger machen wollte. Mir hat immer nicht gefallen, dass dieses Tagebuch aus zwei Teilen besteht. Ich hatte Tagebuch 2 angefangen, um oben immer den neusten Eintrag zu haben. Im ersten Tagebuch war es genau umgekehrt. Man musste immer ganz nach unten scrollen, um den neusten Eintrag zu lesen. Nun habe ich sämtliche Eintrage aus dem ersten Tagebuch hinüberkopiert, so dass alles in chronologischer Reihenfolge von unten nach oben in einem Tagebuch steht. War sehr aufwendig und hat lange gedauert, aber bin froh, dass ich es endlich gemacht habe.
Sonnabend, 13.09.2003
Heute ist mein Fünfzigster..... aber mein größter Wunsch ist es, keine Feier zu machen, sondern nur mit meinen nächsten Lieben ruhig beieinander zu sitzen. Ich bin froh, dass ich heute nicht mit unverhofften Besuchen überrascht werde. Norbert, meine Schwester, mein Sohn und eine Nachbarin sind zum Kaffee da.
Donnerstag, 11.09.2003
Es ist bereits 22 Uhr, eigentlich hatte ich heute nicht mehr die Absicht Tagebuch zu schreiben, aber als ich eben vom abendlichen Gassi gehen mit Jill zurück kam, zeigte mein Computer eine empfangene Email an. Es ist eine Benachrichtigung über einen Gästebucheintrag auf meiner eigenen Homepage mit folgendem Wortlaut:
"hallo eva, ich lese regelmäßig dein tagebuch auf janas seite. dabei ist mir aufgefallen das du seit 2 tagen nichts mehr geschrieben hast. leider weiß ich auch das es dir nicht so gut geht. ich hoffe es ist dir nichts passiert, wir kennen uns zwar nicht aber ich bin jeden tag auf euren seiten. es wäre schön wenn du etwas ins tagebuch deiner tochter schreiben würdest damit man weiß das es dir gut geht. irgendwie fühle ich mich dir verbunden und ich mache mir große sorgen um dich! liebe grüße kathleen"
Da ich weiß wie es ist, wenn man sich Sorgen macht, setze ich mich nun doch noch hin und schreibe einige Zeilen.
Liebe Kathleen! Ganz lieben Dank für diese Zeilen und Deine Anteilnahme - ich bin einfach nur sprachlos, dass Du Dir so große Sorgen um mich machst.
Sicher, es ist ein ständiges bergauf und bergab, was meine Stimmung betrifft. In den letzten Tagen war es auch besonders schlimm. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen! Ich war schon immer ein Steh- auf- Männchen, aber auch bei diesen müssen ab und zu die Batterien aufgeladen werden.... Meine Arbeit hilft mir im Moment sehr, zumal wir in den letzten Tagen auch den absoluten Zeitdruck im Fahrplan und zusätzlich noch unheimlich stressige Fahrgäste hatten, also kaum Zeit zum Nachdenken. Aber auf dem Heimweg schaltet das Gehirn dann sofort um, Jana ist wieder bei mir und begleitet mich auf Schritt und Tritt. Auf meiner heutigen Heimfahrt standen mir wieder einmal die Tränen in den Augen, denn ich dachte daran, wie oft Jana mich auf dieser Strecke begleitet hat.... Zu Hause wollte ich mich dann ablenken, machte zwar den Computer an, ließ ihn online, aber beschäftigte mich mit Hausarbeit wie Betten beziehen, Wäsche waschen, Staub saugen und Staub wischen. Zwischendurch klingelte mehrmals das Telefon, so machte ich mehrere "Zwangspausen". Als dann noch eine Nachbarin fragte, ob ich etwas Zeit hätte, legte ich den Staublappen beiseite und hörte ihr zu, denn nicht nur ich brauche ab und zu jemanden zum Reden.... Aber nun ist es 23 Uhr, mein Wecker klingelt um 5 Uhr und die Nacht wird wieder einmal kürzer als geplant.....
Dienstag, 09.09.2003
Irgendwie kann ich zur Zeit machen, was ich will, komme momentan nicht klar. Außerdem fühle ich mich von meiner Umwelt unverstanden, was mir nicht unbedingt zu einem Stimmungshoch verhilft. Am besten, ich ziehe mich zurück, bin sowieso in meiner eigenen Welt, die wahrscheinlich nur ich verstehe.... Ich gebe mir nach wie vor die größte Mühe, nach außen "normal" zu erscheinen, meine "Maske" scheint zu funktionieren, denn ich habe auch keine Lust irgendwelche Erklärungen abzugeben. Ich bin einfach müde geworden, würde manchmal gern die Augen schließen und von dieser Welt verschwinden. Ich erschrecke fast vor meinen eigenen Worten, denn so depressiv war ich lange nicht..... Janas Geburtstag hat mich völlig aus der Bahn geworfen, mein Fünfzigster ist in wenigen Tagen - feiern kann ich ihn nicht....
Montag, 08.09.2003
Seit meiner letzten Urlaubswoche geht es mir nicht besonders gut. Ich habe das Gefühl, in einem weiteren Tief angelangt zu sein. Eine Erklärung dafür muss ich nicht lange suchen, da ich sie kenne: der Abschied von Renate nach fast zwei Wochen gemeinsamen Urlaub hat mir sehr zugesetzt, denn wir haben nun mal eine ganz besondere Beziehung. Dann kam Janas Geburtstag - und meine Stimmung ist endgültig auf dem Nullpunkt angekommen. Ich versuche so gut wie möglich zu "funktionieren" und mir nach außen nichts anmerken zu lassen. Ich komme mir vor, als laufe ich mit einer Maske herum. Heute habe ich meinen ersten Arbeitstag hinter mich gebracht und hoffe, dass es mir etwas Ablenkung bringt und ich wieder auf "normales Niveau" komme. Aber was ist schon normal?
Sonnabend, 06.09.2003
Heute fahre ich nochmals mit Norbert zum Friedhof. Ich fülle in den Vasen Wasser auf, harke und gieße. Ich habe den Fotoapparat mitgebracht und fotografiere, um den treuen Besuchern der Homepage das schön geschmückte Grab zeigen zu können. Ich habe die Fotos soeben auf der Grab- Seite veröffentlicht.
Freitag, 05.09.2003 - zweiter Eintrag
Es ist spät abends, ein Tag geht zu Ende, den ich eigentlich nie erleben wollte. Liebe Menschen waren da und halfen mir, den Tag zu überstehen, Menschen, die Jana ebenso vermissen. Danke an Janas Schulfreunde: Linn mit ihrem Freund Florian, Corinna, Julia und Axel! Danke an Norbert, Olav und Steffi! Jeder hat eine Kerze für Jana angezündet und auf das Grab gestellt, niemand hat sich seiner Tränen geschämt.....
Aber es gibt auch Leute, die gern da gewesen wären, mit denen ich heute telefoniert habe oder die mir liebe Zeilen geschrieben haben und in Gedanken bei uns waren. Danke an meine Mutter für ihre heutigen Anrufe, als sie sich nach meinem Befinden erkundigte, obwohl sie selbst den Tod ihres Enkelkindes nicht verwinden kann. Danke an Renate für ihren Anruf, die den Geburtstag von Mario in gut drei Wochen vor sich hat..... Danke auch den lieben Menschen, die mir heute per Gästebucheintrag oder Email mitteilten, dass sie in Gedanken bei uns sind und Jana im Herzen haben, und Danke auch all denen, die ohne Worte an Jana denken.....
Freitag, 05.09.2003
Liebe Jana, Du hast heute Geburtstag, ich würde Dich so gern umarmen....
Heute vor 22 Jahren war ich der glücklichste Mensch der Welt.... Um 19.15 Uhr hielt ich Dich - leider nur kurze Zeit - als kleines Bündel im Arm, gerade mal 2.530 Gramm, welches man auf die Frühgeborenenstation brachte, da durch die vorzeitig eingeleitete Geburt Deine Atmung unstabil war. Schon als Kind fand ich den Namen "Jana" so schön, dass ich mir immer vornahm, ihn einmal meinem Kind zu geben - so ich denn mal eine Tochter haben sollte....
Nun, 22 Jahre später, glaube ich, dass ich der unglücklichste Mensch bin... Aber da Du mich als positiv denkenden Menschen kanntest, würdest Du lieber von mir hören: "ich bin glücklich, dass ich Dich 21 Jahre lang als Tochter haben durfte!" Ich weiß, dass Dir dieser Satz viel besser gefällt, aber trotzdem ist wohl heute der zweitschlimmste Tag in meinem Leben nach Deinem Tod: DEIN Geburtstag OHNE Dich!
Würde ich versuchen, zu sagen, wie es mir heute geht, dann müssten wohl neue Worte erfunden werden, denn ich kann es mit den mir bekannten nicht annähernd beschreiben.
Gegen 17 Uhr werde ich mit Deinem Bruder, Norbert und Freunden von Dir auf dem Friedhof sein. Jana, wir werden für Dich viele Kerzen anzünden, auch wird Dir Deine Mum zu den Blumen auf dem Grab noch einen wunderschönen Blumenstrauß bringen! Aber nicht nur heute, ich bin täglich in Gedanken bei Dir, ständig sehe ich Dich und höre zu allem, was ich tue, Deine Worte! Überall, wo ich bin, bist Du auch! Oftmals erschrecke ich, wenn ich plötzlich aus meiner Gedankenwelt zurück in die Realität komme, dann überfällt mich diese unendliche Traurigkeit., und ich vermisse Dich so unendlich! Dann gehe ich lieber zurück und bin in Gedanken vereint mit Dir.... Oft komme ich mir vor, als lebe ich in zwei verschiedenen Welten, in Deiner und in der heutigen... Um nicht als Außenseiter zu erscheinen und mich nicht zu isolieren, versuche ich, mich so "normal" wie möglich zu geben. Viele Leute denken sicher: "die ist inzwischen wieder ganz normal". Normal ist für mich allerdings nichts mehr, da nichts mehr ist, wie es einmal war...
Immer gelingt es mir jedoch nicht, "normal" zu sein, zum Bespiel jetzt, wo ich hier um Mitternacht schreibe. Ich musste eine Scheibpause einlegen, da ich vor Tränen nichts mehr sehen konnte. Aber dann hat mich Norbert in den Arm genommen... Jana, ich weiß, dass Du darüber froh bist. Als ich voriges Jahr im Juni die Beziehung beendete, hieltest Du den Kontakt weiter, weil Du Norbert so gut leiden konntest... Du brachtest mich damit zum Nachdenken, und mir wurde klar, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Ich weiß, dass Du froh bist, dass Norbert und ich zusammen bleiben. Aber auch wir beide - Mutter und Tochter - bleiben immer zusammen, solange ich hier bin, in Gedanken, später sehen wir uns wieder, dort wo Du jetzt bist....
Dienstag, 02.09.2003
Auch heute sind wir wieder tagsüber bei Norbert. Auf dem Weg dorthin fahren wir zu einem Steinmetz und schauen uns vor dem Geschäft Grabsteine an. Eigentlich wollte ich dies schon vor dem Urlaub tun, denn seitdem ich mein Motorrad verkauft habe, habe ich die finanzielle Möglichkeit einen Grabstein zu bestellen. Ich muss wohl niemandem erzählen, dass man dies nicht aus der sogenannten Portokasse bestreiten kann. Aber ich wollte auch mit Norbert zusammen aussuchen, nur durch meine Schichtarbeit ist das immer schwierig. Ich interessiere mich hauptsächlich für weiße Steine, da ich für Jana keinen dunklen haben möchte. Eine Mitarbeiterin kommt hinaus, fragt uns, ob wir Beratung wünschen und bietet uns Hilfe an. Nachdem ein unsymmetrischer weißer Granitstein unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, gehen wir hinein ins Büro. Als ich nach einem bestimmten Schrifttyp (Comic Sans MS) in dunkelblauer Farbe (Janas Lieblingsfarbe) frage, merke ich zwar, dass ich als Kunde etwas aus der Norm falle, aber man ist sehr freundlich und wird mir diese Wünsche erfüllen. Somit unterschreibe ich den Auftrag und bin mit dem Service dieses Steinmetzbetriebes sehr zufrieden. Auch eine Gedenktafel für Mario, ähnlich wie an Marios Grab für Jana, habe ich in Auftrag gegeben.
Montag, 01.09.2003
Unsere letzte Urlaubswoche hat begonnen. In den letzten Tagen pendeln Norbert und ich zwischen unseren Wohnungen hin und her. Das Wetter ist momentan nicht so für Gartenarbeit geeignet. Aber wir haben bei Norbert eine Duscharmatur auszutauschen, einen defekten Klingelknopf zu erneuern und ärgern uns mit einem abgerissenen Jalousieband herum.
Abends sitze ich in den letzten Tagen an der Aktualisierung der Recherchen- Seite, die ich aufgrund von bisher unveröffentlichten Fakten vollständig überarbeite.
Sonnabend, 30.08.2003
Nachmittag fahren Norbert und ich zu Olav. Wir sehen zum ersten Mal die neue Wohnung von meinem Sohn und sind richtig überrascht. Er hat einen tollen Stil sich einzurichten, mit einfachen Mitteln gestaltet er seine Wohnung urgemütlich. Ich freue mich für meinen Großen! Gleichzeitig helfe ich Olav noch bei einigen Eintellungen an Janas Computer, der nun bei ihm steht.
Freitag, 29.08.2003
Leider ist heute für mich ein trauriger Tag. Nach nunmehr fast zwei Wochen Urlaub mit Renate und Werner bei ihnen und bei uns müssen wir uns voneinander verabschieden. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück gehen wir zum Auto - lange Umarmungen, dann stehen Norbert und ich vor dem Haus und winken. Wir gehen zurück in die Wohnung, ein paar Tränen kann ich nicht zurück halten. Ich versuche mich mit etwas Hausarbeit abzulenken, aber auch Norbert findet es so ungewohnt ruhig....
Donnerstag, 28.08.2003
Um 7.45 Uhr bekomme ich eine SMS von Janas Internetfreundin Steffi. Ich hatte sie tagelang nicht erreicht und auf eine Antwort von ihr gewartet.... Ich rufe nun zurück und Steffi freut sich, als ich sie einlade, bei unserem Ausflug heute mitzukommen. Als Steffi gut eineinhalb Stunden später hier ist, freuen wir uns beide sehr, dass wir uns endlich wiedersehen. Ich drücke Steffi ganz doll und möchte sie kaum loslassen, denn ich hab sie sehr lieb. Renate freut sich auch, den sie wollte Steffi gern mal kennen lernen, und die Freude beruht auf Gegenseitigkeit.
Nachdem die Kaffeekanne leer ist, fahren wir nach Potsdam, um Renate und Werner Sans Soussi zu zeigen. Dort spazieren wir durch den Park. Das Wetter ist wesentlich freundlicher und wärmer als gestern, wir haben unsere Strickjacken ausgezogen.... Als unsere Füße müde geworden sind, nehmen wir einen kleinen Imbiss. Auf der Rückfahrt legen wir unsere Fahrroute so, dass wir bei Norbert "einkehren", der heute nicht mitgekommen ist, um mal zu Hause nach dem Rechten zu sehen. Zusammen fahren wir alle in meine Wohnung und kochen erst einmal einen kräftigen Kaffee, den wir alle gut gebrauchen können.
Gegen 17 Uhr verabschiedet sich Steffi, ich bringe sie ein Stück, und für Jill ist es gleich ihre Gassi- Runde. Es fällt mir schwer, mich von Steffi zu verabschieden, ich möchte sie am liebsten festhalten. Aber wir wollen nicht allzu viele Tage vergehen lassen....
Nun habe ich meine heutigen "Hausaufgaben" gemacht, und hier wird gerade abgestimmt, ob wir zu Hause essen oder zu unserem Griechen um die Ecke gehen. Der Grieche hat gewonnen.... tschüß bis bald....
Mittwoch, 27.08.2003
Den Vormittag verbringen wir lange am Frühstückstisch. Dann fahren Renate und ich gegen 10.30 Uhr zum Asia- Laden, um Zutaten für die Chinapfanne zu holen, die ich heute machen will. Der Laden ist an der Wilmersdorfer Straße, einer Fußgängerzone, wo wir natürlich auch in andere Läden schauen wollen. Wir bleiben in einem hängen und kommen mit vollen Tüten wieder hinaus. Renate und ich, wir sind ganz happy, denn wir haben für wenig Geld tolle Schnäppchen gemacht.
Nachmittag fahren wir in die Oranienburger Straße im Stadtbezirk Mitte, wo sich Renate die bekannte Jüdische Synagoge anschauen möchte. Dort ist nur Sonntag und Mittwoch geöffnet. Darum sind wir um 16 Uhr da, um an der Führung teilzunehmen. Als wir gegen Abend von unserer "Exkursion" zurück sind, kommt wenig später ein Anruf von meinem Ole- Bole (so nannte ich ihn schon, als er klein war). Eine Stunde später ist er hier und ich freue mich, meinen Sohnemann wieder einmal in den Arm nehmen zu können.
Dienstag, 26.08.2003
Am heutigen Tage möchten wir das schöne Wetter noch nutzen, denn es soll ja kühler werden. So kommen wir dem Wunsch von Renate und Werner nach und besuchen den Berliner Zoo, der ja der artenreichste sein soll. Natürlich haben wir auch unsere "nächsten Verwandten" besucht, die mich immer zum Lachen bringen. Aber am liebsten sind mir die Tiere, die Jana und ich gleichermaßen liebten und auch in jeder Art von Nachbildung gesammelt haben - die Nilpferde.
Nach fast drei Stunden haben wir unseren Zoobesuch beendet. Unser Parkschein am Bahnhof Zoo läuft noch zwei Stunden. Renate und ich, wir trennen uns nun von unseren Männern. Werner und Norbert bummeln nicht gern durch Kaufhäuser, darum verabreden uns zur abgelaufenen Parkzeit am Auto. Renate möchte einmal in das KA DE WE gehen. Auch ich war dort noch nie drin, obwohl ich seit Jahren dort Fahrgäste hinbringe und auch abhole. Als wir unseren Rundgang durch das Kaufhaus beendet haben, stellen wir übereinstimmend fest, dass wir bisher nichts versäumt haben....
Montag, 25.08. 2003
Wir nutzen gleich den ersten Tag, um Renate und Werner etwas von Berlin zu zeigen. Da das Wetter immer noch sehr schön und warm ist, machen wir eine sogenannte Brückenfahrt. Sie geht über die Spree und den Landwehrkanal, wobei über 60 Brücken durchfahren werden. Es ist nicht nur für unsere beiden Gäste, sondern auch für uns Berliner ein schönes Erlebnis, die Stadt einmal aus der Perspektive des Wassers zu betrachten. Jill haben wir zu Hause gelassen und die Freude ist groß, als wir alle nach vier Stunden zurück sind.
Wir lassen den Abend gemütlich ausklingen, essen, gucken Fernsehen, und ich mache nebenbei meine Hausaufgaben....
Sonntag, 24.08.2003
Ab heute hat Renate die Möglichkeit, dass die Oma rund um die Uhr betreut wird und kann einmal an sich denken. So bin ich ganz besonders froh, dass Renate und Werner nach unserem dritten Besuch einen Gegenbesuch in Berlin machen können. Das Kennen lernen am 1. und 2. März war ja viel zu kurz, um es als Besuch voll rechnen zu können.... Um 9.30 Uhr fahren wir also alle zusammen in Richtung Berlin, aber wollen einen Umweg über die Wartburg bei Eisenach machen, die sich Renate und Werner gern ansehen möchten. Bei der Führung muss ich draußen bleiben, denn Hunde dürfen nicht mit hinein. Norbert leistet mir Gesellschaft, und wir warten in der Gaststätte auf die beiden. Nach der Führung sorgen auch Renate und Werner noch für ihr leibliches Wohl, und danach setzen wir unsere gemeinsame Fahrt Richtung Berlin fort. Gegen 19 Uhr treffen wir alle vier nach nunmehr fast 600 km in Berlin ein. Wäre mein "Hunde- Kombi" nicht so lahm, wären wir vielleicht schneller gewesen, aber Werner fuhr so "human" vor mir, dass wir gemeinsam ankamen...
Sonnabend, 23.08.2003
Vormittag fahren wir nach Tauberbischhofsheim. Renate hat dort einiges einzukaufen, und wir sehen diese Stadt nun zum zweiten Mal. Es bummelt sich dort sehr schön, aber wir dehnen es nicht allzu sehr aus, denn wir haben Renates Mutter dabei, die nicht mehr so gut zu Fuß ist. Allerdings versäumen wir es nicht, einige Ansichtskarten zu kaufen, denn Norberts Tochter hat sich eine Urlaubskarte aus Tauberbischhofsheim "erbeten" ;-)
Am Abend gießen wir noch einmal auf dem Friedhof. Ich würde Marios Grab gern noch einmal für die Homepage fotografieren, da ich staune, wie toll die Blumen gewachsen sind, aber ich habe meine Digitalkamera zwar mit neuen Batterien bestückt, aber sie gab gleich nach dem Einschalten auf - wahrscheinlich sollte man von Billigbatterien doch die Finger lassen :-(
Werner fährt später mit uns in einen Biergarten, der einige Kilometer entfernt ist. Es ist sehr gemütlich dort. Renate bleibt zu Hause, denn die Oma kann nicht allein bleiben. Außerdem will Renate ihre Sachen packen, weil wir morgen zusammen nach Berlin fahren.
Freitag, 22.08.2003
Nachdem wir gestern noch in Bad Mergentheim und und auf Schloss Weikersheim waren, machen wir uns heute einen ruhigen Tag. Nachmittag kommt bei Renate Besuch zum Kaffee.
Mittwoch, 20.08.2003
Wir fahren heute nach Würzburg. Dort besichtigen wir die Festung Marienburg, die Residenz mit Hofgarten und fahren zum Käppele, einem Kapuzinerkloster mit Kapelle. So schön der Ausflug war, abends sind wir vom vielen Laufen auf alten Pflastersteinen total K.O. Auch Jill, meine Sharpei- Hündin, ist "pflastermüde" und liegt erschöpft auf ihrem Fell... Ich setze mich abends noch an Renates Computer, um ihr eine Firewall zu installieren, denn sie hatte von mir in den letzten Tagen telefonisch "Anweisung" bekommen, den Computer nicht einzuschalten, da ein Wurm im Umlauf ist.
Dienstag, 19.08.2003
Wir fahren um 9.30 Uhr los, aber als mein Tageszähler 99 km anzeigt müssen wir von der Autobahn runter auf eine Umleitungsstrecke. Im Verkehrsfunk hören wir, dass auf dem Stück Autobahn ein Bus brennt und wegen der Rauchentwicklung beidseitig gesperrt ist. Diese Umleitung und der entsehende Stau kosten uns fast zwei Stunden. Wir rufen vom Handy Renate an und sagen Bescheid, dass wir unseren Zeitplan nicht einhalten können. Wir sind froh, als wir gegen 16 Uhr bei Renate eintreffen. Die Wiedersehensfreude entschädigt uns jedoch für die Strapazen des Staus und des warmen Wetters. Renate und ich, wir fallen uns einfach nur in die Arme....
Montag, 18.08.2003
Geschafft! Nun stehen unsere gepackten Koffer hier, und es kann morgen früh losgehen. Ich habe heute noch einiges erledigt, Auto vollgetankt und gewaschen, Wegzehrung für die Fahrt besorgt... Renate rief vorhin an und fragte nach dem Stand unser Reisevorbereitungen. Auch sie hat heute noch einiges erledigt. Sie ist ebenso aufgeregt wie ich und freut sich auf unser Wiedersehen. Ich habe schon richtig Reisefieber, und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn wie immer werde ich der Kraftfahrer sein, wenn wir mit Norbert verreisen.
Von Bernhard, dem Nachbarn und "Hunde- Sitter", haben wir uns schon verabschiedet. Er hat jetzt Urlaub von Jill ;-) Ob ihm das tägliche Gassi gehen mit Jill fehlen wird? Katrin, der ich auf dem Kopf herumtrample, da sie unter mir wohnt, wird meine Blumen versorgen. Ich bin froh, dass ich so liebe Nachbarn habe, und dass man sich gegenseitig hilft. Steffi, Janas Internet- Freundin, wird das Grab pflegen und gießen. Auch ihr bin ich sehr dankbar. Ich mag Steffi so sehr, dass ich sie immer nur in den Arm nehmen könnte.
Somit hat das Tagebuch vorerst auch Urlaub. Ich kann zwar im Urlaub von Renates Computer aus Gästebucheinträge freischalten, aber Tagebuch schreiben kann ich nur auf meinem Computer. Ich werde also nach unserer Rückkehr meine "Hausaufgaben" schnellstmöglich erledigen - versprochen!
Sonnabend, 16.08.2003
Nachdem ich gestern nach der Arbeit zu Norbert gefahren bin, treffen wir heute Vorbereitungen zum Grillen mit Freunden. Eingeladen haben wir Katrin (eine Nachbarin von mir) und Steffi. Sie war Janas Internet- Freundin. Eigentlich wollten sie sich noch persönlich kennen lernen, aber dazu kam es nicht mehr. Sie hat inzwischen auch eine eigene --->Homepage, auf der sie versucht, ihre Probleme zu schildern und aufzuklären. Mir ist Steffi mittlerweile sehr ans Herz gewachsen, ich mag sie inzwischen wie eine eigene Tochter und bin immer unendlich traurig, wenn es ihr schlecht geht. Ich möchte ihr gern helfen, aber merke immer, dass ich fast machtlos bin... Ich wünsche ihr so sehr, dass sie es schafft!
Freitag, 15.08.2003
Endlich! Mein letzter Arbeitstag ist geschafft. Nun werde ich drei Wochen Urlaub haben. Norbert und ich fahren am kommenden Dienstag wieder zu Marios Eltern. Wenn wir zurück kommen, werden Renate und Werner wahrscheinlich auf einen Gegenbesuch mit nach Berlin fahren und noch einige Tage hier verbringen. Wie immer wird der Urlaub sicher viel zu schnell vergehen. Aber es ist ein bitterer Beigeschmack, denn mein letzter Urlaubstag wird Janas Geburtstag sein.
Sonntag, 10.08.2003
Heute habe ich eine Email erhalten, in der man mich um eine Verlinkung bittet. Karin, die Cousine von Sandra, hat diese Homepage als Geschenk für ihre Tante eingerichtet. Sie schreibt mir:
"Deswegen möchte ich nun auf vielen Gedenkseiten den Link zu Sandras Homepage eintragen lassen. Denn es ist bestimmt auch etwas hilfreicher für meine Tante wenn sie mit anderen Betroffenen Menschen in Kontakt treten kann - Kontakt zu Menschen, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist. Ich hoffe dass ich ihr damit weiterhelfen kann."
Ich habe diesen neuen Link http://www.sandra-kreilinger.de unter "Andere Schicksale" gesetzt. Ich möchte den Lesern des Tagebuchs diese Seite nahebringen, denn es ist ein weiteres Schicksal, das auch mir sehr nahe geht.....
Montag, 04.08.2003
Soeben erhalte ich folgende Mail:
Sehr geehrte Mutter von Jana,
durch einen Hinweis (wieder einmal) wurde ich über die Veröffentlichung meiner mail an Sie wegen der Verlinkung der Gedenkseite meines Sohnes informiert.
Von Ihnen selbst wird an dieser Stelle auf die Möglichkeit einer "persönlichen Mitteilung" hingewiesen
Falls Sie nicht darüber informiert sein sollten, möchte ich Sie auf den rechtlichen Sachverhalt hinweisen, welcher besagt, dass persönliche Mitteilungen nur anonymisiert oder mit Zustimmung des Absenders veröffentlicht werden dürfen. So darf ich Sie auffordern, Entsprechendes zu veranlassen.
Ich weiß nicht, warum man mit mir in so einem scharfen Ton verfährt. Ich hatte Seiten verlinkt und wollte damit meine Anteilnahme an anderen Schicksalen zum Ausdruck bringen. Es war ein Fehler von mir, obwohl nur gut gemeint... Nun habe ich den Tagebucheintrag vom 25.07. anonymisiert und hoffe, dass dieser Kleinkrieg damit ein Ende hat.
Donnerstag, 31.07.2003
In meinem Tagebuch sind selten lustige Dinge zu lesen. Aber nun werde ich mal etwas schreiben, was mir heute während des Dienstes passiert ist, denn auch Jana hätte sich köstlich darüber amüsiert:
Ich muss um 17 Uhr einen Fahrgast aus einer Bibliothek abholen, aber es ist noch eine halbe Stunde Zeit. Ich habe Glück, vor der Bibliothek ist eine schöne große Parklücke für meinen Telebus. Nur ein rot- weißer Kegel stört etwas beim Einparken. Wir stellen ihn zur Seite und stehen nun dicht am Vordermann, um hinten noch genug Platz zum Ausklappen unserer Rollstuhlrampe zu haben. Da springt doch plötzlich aus dem Auto vor uns ein Polizist, kommt zu mir ans Fahrerfenster und sagt: "Was soll denn das hier werden, das ist Amtsanmaßung!" Genau in diesem Moment erst sehe ich, dass im Kombi vor mir ein Blitzer steht und dieser nun "blockiert" ist. Ich habe es echt nicht gesehen, aber darum wohl dieser Kegel! Ich versuche den Polizisten zu beschwichtigen, entschuldige mich und fahre auf die andere Straßenseite, wo noch eine Lücke ist. In der verbleibenden Zeit haben wir nun unsere "Unterhaltung", denn der Blitzer lässt es in der Staatskasse reichlich klingeln....
Sonnabend, 26.07.2003
In einer von den letzten vielen Emails schrieb mir eine alleinerziehende Mutter, dass sie die Geschichte schon länger verfolgt und mir eigentlich schon früher schreiben wollte, ihr aber die Worte fehlten. Nun kommt sie dieses Wochenende das erste Mal nach Berlin und würde gern Janas Grab besuchen. Ich war von ihren Zeilen sehr gerührt, und wir schrieben uns mehrere Emails. Heute nun treffen wir uns am Friedhof und gehen gemeinsam an Janas Grab. Wir verweilen am Grab, unterhalten uns noch lange und vereinbaren nach einer Stunde beim Abschied, dass wir in Verbindung bleiben und weiter voneinander hören. Zum wiederholten Mal habe ich durch Janas Tod einen lieben Menschen kennen gelernt, dem ich sonst nie in meinem Leben begegnet wäre.
Freitag, 25.07.2003
Heute bekam ich folgende Email:
Liebe Mutter von Jana,
Durch einen Hinweis erfuhr ich, dass die Gedenkseite meines Sohnes mit der Seite von Jana verlinkt wurde. Durch einen ausdrücklichen Vermerk habe ich auf der Seite meines Sohnes hingewiesen, dass Verlinkungen nur mit meiner Zustimmung erfolgen dürfen!!! Dies bitte ich Sie, zur Kenntnis zu nehmen und die Verlinkung aus der HP Ihrer Tochter zu entfernen. Die Ignoranz verwundert mich umso mehr, da ich auf Janas Seite einen solchen Vermerk ebenfalls vorfand, daher gehe ich von Ihrem Verständnis aus und erwarte die umgehende Entfernung dieses Links. Ich halte es für völlig ausreichend, dass die Gedenkseiten unserer Kinder bei "veid" zu finden sind und somit ist es völlig überflüssig, diese Seiten nochmals untereinander zu verlinken.
Ihr Verständnis voraussetzend bedanke ich mich
XXXXXXXXXXXXXXX
Ich habe daraufhin auf der Seite "Andere Schicksale" diesen und weitere Links entfernt, von denen ich keine Zustimmung eingeholt habe. Bisher hat man sich immer bei mir bedankt, wenn ich Seiten verlinkt habe, kann darum diese Zeilen nicht ganz nachvollziehen. Aber ich will keine Wertung abgeben, ich akzeptiere es und werde nur noch verlinken, wenn ich darum gebeten werde.
Donnerstag, 24.07.2003
In den letzten Tagen frage ich mich manchmal selber, wie es mir eigentlich geht. Dabei fällt mir auf, dass ich eigentlich oft guter Dinge bin, weil Jana immer bei mir ist und ich ständig ihre Antworten höre. Neulich habe ich mich gestoßen. Da sah und hörte ich Jana: " Das tut mir aber leid" Dabei konnte sie sich vor Schadenfreude und Lachen kaum halten. Dann aber kommen die bösen Momente, in denen ich aus meiner heilen Gedankenwelt zurück in die Realität geschleudert werde. Plötzlich wird mir klar, dass mein Kind nie wiederkommt, ich sie nie wiedersehe, nie mehr umarmen kann. Dieser unendliche Schmerz ist wieder da. So bin ich hin und hergerissen in meiner Gefühlswelt. Aber ich bin jedes Mal dankbarer, dass ich 21 Jahre lang Mutter von Jana sein durfte. Lange habe ich nicht mehr geweint. Jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, kullern wieder die Tränen, und ich höre Jana sagen: "Mom, weine nicht, ich bin doch immer bei Dir..."
Sonnabend, 19.07.2003
Nachdem Norbert und ich gestern froh waren, dass wir wieder eine Arbeitswoche geschafft haben, fahren wir heute zu ihm, um etwas Gartenarbeit zu machen. Kurz zuvor ruft meine Mutter an und erzählt mir, dass heute um 14 Uhr die Wiederholung der gestrigen Sendung im MDR läuft. Aus diesem Grunde fahren wir nach erledigter Gartenarbeit wieder in meine Wohnung, damit ich am Computer die Reaktionen auf der Homepage nach der Sendung verfolgen kann. Als ich mein Email- Programm starte, habe ich über 30 Emails, ständig kommen neue, darunter viele Gästebucheinträge, die ich frei schalten muss. Ich brauche lange, um alles zu lesen, denn viele liebe Zeilen haben mich wieder erreicht. Es ist immer wieder überwältigend, wenn man so viel Anteilnahme von fremden Menschen erfährt, ich kann es kaum in Worte fassen. Darum noch einmal allen auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank!
Freitag, 18.07.2003
Spät abends ruft Renate an. Sie meint, ich solle mal schnell den MDR einschalten. Ich mache es und bin erstaunt - es läuft gerade ein Zusammenschnitt aus mehreren Folgen von "unter uns - Geschichten aus dem Leben", und ich sehe mich in der Sendung vom 3. Januar. Ich bin erstaunt, wie der Besucherzähler der Homepage innerhalb kurzer Zeit wieder hochgeht. Mein Email- Programm bringt laufend Benachrichtigungen über Gästebucheinträge sowie viele Emails. Da ich nicht jedem antworten kann, möchte ich hiermit allen für die vielen lieben Zeilen danken!
Dienstag, 15.07.2003
Der letzte Freitag geht mir kaum aus dem Kopf. Ich bin mir sicher, dass ich mit meinem Motorrad gestürzt wäre. Aber ich fahre jetzt Janas Bike, welches sie so liebte. Immer, wenn ich damit unterwegs bin, ist sie bei mir. Ständig höre ich ihre Kommentare zu meiner Fahrweise, mal lobt sie mich, aber oft meckert sie auch mit mir.....
Freitag, 11.07.2003
Die Arbeitswoche ist geschafft. Zum Feierabend setze ich mich auf das Bike und freue mich auf die Heimfahrt und das Wochenende. Die Stadtautobahn ist sehr voll, es staut sich zeitweise. Ein LKW setzt sich in meinen Sicherheitsabstand und bremst. Ich muss daraufhin eine Vollbremsung machen, um nicht in den LKW zu fahren. Ich schaffe es gerade so, aber mein Hinterrad blockiert und fängt an zu rutschen. In Bruchteilen einer Sekunde gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Warum ich nicht gestürzt bin, kann ich mir kaum erklären. Aber ich weiß, dass Jana bei mir war - als Schutzengel....
Montag, 07.07.2003
Heute sind unsere bestellten Ringe fertig. Nachdem wir sie uns angesteckt haben, stoßen wir mit einem Glas Sekt an. Aber in der letzten Zeit habe ich sofort ein Signal im Hinterkopf, wenn ich mich über etwas freue oder mal guter Dinge bin. Oft habe ich das Gefühl, Jana wäre da, spüre ihre Nähe. Ich höre in Gedanken, was sie gerade sagen würde, wie sie sich freut oder mich kritisiert. Sehr oft hat sie zu Norbert gehalten, wenn wir mal Zoff hatten und wünschte sich immer, dass er der Richtige ist.
Es gab eine Zeit, da war mein Gemütszustand auf einer relativ gleichbleibenden Ebene. In letzter Zeit, seitdem ich wieder arbeite, schwankt es sehr. Es gibt Momente, in denen meine Stimmung recht gut ist, dann wiederum falle ich aber um so tiefer. Oft habe ich das Gefühl, dass ich in einer anderen Welt bin, wenn ich an Jana denke. Bei allem, was ich mache, höre ich ihre Kommentare, mal positiv, mal kritisch.....
Dienstag, 01.07.2003
Um 9 Uhr kommt ein Motorradhändler. Bei ihm hatte ich voriges Jahr mein Bike gekauft. Das Bike wird in einen Transporter geladen, der Kaufvertrag unterschrieben, und nach 30 Minuten ist alles erledigt. Als ich voriges Jahr zusammen mit Jana unseren 190er wegen der Hunde für einen praktischen Kombi in Zahlung gegeben habe, waren wir beide sehr traurig. Wir fotografierten unser Auto noch einmal, bevor wir es abgaben und fielen uns weinend in die Arme. Heute bin ich nicht traurig. Es liegt wohl daran, dass ich zwar etwas weggegeben, aber dafür ein Stück behalten habe, was Jana sehr liebte...