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Sonntag, 29.06.2003
In der letzten Zeit haben mein Freund und ich gemeinsame Zeit meist bei ihm verbracht. Dieses Wochenende sind wir mal wieder in meiner Wohnung. Wir wollen heute zu dem Chinesen essen gehen, bei dem wir unseren ersten Abend verbracht haben, denn morgen vor drei Jahren haben wir uns das erste Mal getroffen und kennen gelernt. Leider stehen wir beim Chinesen vor verschlossener Tür, weil bis Ende Juli renoviert wird. Aber wir sehen das nicht so eng und gehen zum Griechen, bei dem wir auch immer gern sitzen. Als wir wieder zu Hause sind, stoßen wir um 24 Uhr auf unseren Jahrestag an. Es sind drei Jahre, in denen wir viele Höhen und Tiefen hatten, aber auch gemerkt haben, was jeder am anderen hat. Auch Jana konnte Norbert gut leiden und war froh, dass wir uns gefunden haben. Sie würde sich sicher auch freuen, dass wir nun als äußeres Zeichen unserer Zusammengehörigkeit Ringe tragen werden....
Sonnabend, 28.06.2003
Mein Freund war am Dienstag Morgen nach dem Unwetter der Nacht zuvor auf dem Friedhof. Eigentlich war er auf dem Weg zur Arbeit. Aber wo er vor dem Friedhof sein Auto immer parkt, um mit der U-Bahn weiter zu fahren, war die Straße wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Das machte Norbert neugierig, und er guckte nach Janas Grab. Der Friedhof sah schlimm aus, Norbert musste über umgestürzte Bäume klettern, aber Janas Grab war unversehrt. Als ich Dienstag Abend schauen wollte, waren alle drei Friedhofseingänge wegen Sturmschäden gesperrt und somit verschlossen. Nach mehreren Tagen ist er heute endlich wieder offen. Norbert und ich gießen und die Wege sind frei. Wir sehen aber noch viele umgestürzte Bäume. Es wird noch einige Zeit dauern, bis alles Spuren des Unwetters beseitigt sind.
Dienstag, 24.06.2003
Eigentlich wollte ich gestern Janas Motorrad aus dem Mobile Pfandhaus abholen, aber ich hörte im Radio eine Unwetterwarnung für Berlin/Brandenburg. Da ich nicht wusste, wann es mit dem schlechten Wetter losgeht, verschob ich dieses Vorhaben. Nach dem Unwetter gestern ist es heute wieder richtig schön, ich fahre mit meinem Bike zur Arbeit, stelle es danach zu Hause ab und lasse mich von einer Nachbarin zum Pfandhaus fahren. Mit einer kleinen Starthilfe nach der langen Standzeit springt das Motorrad an und es ertönt der Sound, den Jana so liebte. Als ich nun das Motorrad nach Hause fahre, bin ich erstaunt, wie gut ich damit klar komme und höre Jana in Gedanken sagen: "Siehst Du Mum, ich habe Dir doch schon immer gesagt, dass mein Bike sich besser fährt!" Ich stimme ihr zu. Ich bin mir nun sicher, dass ich meins verkaufen und Janas Motorrad behalten werde. Wieder höre ich sie in Gedanken, wie sie sich darüber freut....
Sonntag, 22.06.2003
Gegen 11 Uhr tritt Christoph seine weite Heimreise an (über 600km), denn morgen beginnt auch für ihn eine neue Arbeitswoche in seiner Praxis. Wir haben uns in den wenigen Tagen unheimlich viel unterhalten. Unsere Gespräche haben mir sehr gut getan, denn wir haben viel über Jana gesprochen. Er hat sich für alles interessiert, was ich von Jana erzählte, ist ein geduldiger und verständnisvoller Zuhörer. Auch ich habe Christoph gern zugehört, wenn er etwas von sich oder seiner Arbeit erzählte. Wir hatten unzählige Gesprächsthemen, es wurde nie langweilig, im Gegenteil...
Wieder einmal habe ich durch den Verlust meines Kindes einen lieben und wertvollen Menschen kennen gelernt, dem ich sonst wohl nie in meinem Leben begegnet wäre.....
Sonnabend, 21.06.2003
Ich freue mich, dass Wochenende ist und somit Erholung von Arbeitsstress. Christoph macht den Vorschlag, die Azteken- Ausstellung im Martin- Gropius- Bau zu besuchen. Warum nicht, denke ich, denn lang ist es her, dass ich so etwas gemacht habe. Die Ausstellung ist sehr umfangreich, die Aufnahmefähigkeit ist am Ende fast erschöpft. Gegenüber vom Martin- Gropius- Bau ist Tag der offenen Tür im Abgeordnetenhaus. Wir schauen mal hinein, aber der knurrende Magen wird langsam ungeduldig. Christoph überlässt mir die Entscheidung, wo wir etwas essen, und da kommt mir eine tolle Idee. Wir gehen in ein Sushi- Restaurant. In diesem war ich mit Jana, als wir zum ersten Mal Sushi probierten und ganz begeistert waren. Wir sitzen sogar auf den gleichen Plätzen wie damals..... Auch Christoph gefällt und schmeckt es sehr gut. Wir sind uns einig, dass wir beim nächsten Besuch wieder Sushi essen gehen.
Freitag, 20.06.2003
Nachdem ich um 15 Uhr Feierabend habe, kaufe ich noch schnell etwas ein, weil wir auf dem Balkon grillen wollen. Christoph war kurz vor mir gekommen, er war mit Jill im Grunewald spazieren. Als wir den Elektrogrill anmachen wollen, kommt ein kurzer heftiger Regenschauer. Aber die Sonne kommt zurück, und wir können grillen. Jedoch müssen wir später fluchtartig mit unseren Tellern den Balkon verlassen, da eine neue Wolke schlagartig den nächsten Schauer bringt und schräg auf unserem Essen landet....
Donnerstag, 19.06.2003
Ich habe heute ein Treffen mit einem Menschen, den ich bisher nur per Email und Telefon kenne. Es ist Christoph. Er wohnt in Süddeutschland und hatte am 22. April bei einem Berlin- Aufenthalt Janas Grab besucht, Blumen hingestellt, ein Grablicht angezündet und einen Gebetswürfel hingelegt. Aufgrund meines Tagebucheintrages schrieb er mir am am 17. Mai eine Email, um den für mich bis dahin anonymen Friedhofsbesuch aufzuklären. Wir treffen uns um 17 Uhr am Friedhofseingang. Christoph hat Blumen für Jana mitgebracht, wir gehen ans Grab und verweilen dort sehr lange.
Da Christoph dienstlich am nächsten Tag einiges zu erledigen hat und bis zum Wochenende bleiben will, braucht er ein Hotelzimmer. Er hatte vor unserem Treffen leider mehrere Fehlversuche und möchte mit Hilfe meines Branchenbuches nochmals versuchen ein Zimmer zu bekommen. Mir kommt eine Idee. Ich stottere da einiges zusammen, weil ich nicht falsch verstanden werden möchte und Christoph nicht in Verlegenheit bringen will. Seitdem ich Janas Zimmer umgeräumt habe, schlafe ich auch in diesem und habe mein ehemaliges Schlafzimmer als Gästezimmer eingerichtet. Dies biete ich Christoph an. Nachdem wir uns beide "ausgestottert" haben, nimmt er das Angebot an. Wir fahren in meine Wohnung, Christoph stellt sein Gepäck ins Zimmer, und ich gehe mit Jill Gassi. Dann gehen wir um die Ecke zum Griechen, von dem auch Renate und Werner damals ganz begeistert waren. Wir haben so viel Gesprächsstoff, dass ich kurz nach 22 Uhr fast erschrocken bin, denn ich habe morgen Frühschicht ab 6.30Uhr.
Mittwoch, 18.06.2003
Wir haben heute den 18. Juni. Heute vor einem Jahr wurde Janas Freund verhaftet, auf dem Weg zu einem Bankraub. Dabei stellte sich heraus, dass man einen Serientäter gefasst hatte. Damit fing Janas Welt an einzustürzen. Ich sehe sie noch, wie verzweifelt sie war. Sie sagte damals: "Wie weit unten muss er gewesen sein, dass er keinen anderen Weg mehr gesehen hat!" Er tat ihr unendlich leid. Sie half seiner Frau, wo sie nur konnte, musste aber zusehen, wie beide wieder eine gemeinsame Zukunft planten. Der Briefkontakt zwischen Jana und ihrem Freund wurde zusehends weniger, zu ihrem Geburtstag am 5. September wartete sie vergeblich auf Post. Wenige Tage später bekam seine Frau zu ihrem Geburtstag eine liebevolle Karte, die sie Jana stolz vorlegte....
Jana hat wenige Tage vor ihrem Tod ihr Motorrad im Mobile Pfandhaus abgegeben. Ich hatte es bereits im Winter ausgelöst, aber noch dort stehen lassen. Als ich heute während der Arbeit in der Nähe war und etwas Zeit hatte, war ich erstmals da, um die Abholung abzusprechen. So sah ich auch zum ersten Mal wieder Janas Motorrad. Wie froh war sie vor knapp zwei Jahren, als sie dieses Motorrad günstig von einem Händler kaufte! Damals meinte sie, es wäre ihr Traum- Bike. Als ich es heute dort stehen sah, wurde mir regelrecht elend. Ich wollte es eigentlich verkaufen, aber nun überlege ich, ob ich es behalte und dafür meins verkaufe. Janas Auto ist weg, Janas Hund konnte ich nicht behalten, nun noch das Motorrad, ich glaube, das kann ich nicht....
Montag, 09.06.2003
Ich fahre am späten Vormittag von meinem Freund wieder nach Hause in meine Wohnung. Irgendwann habe ich immer eine innere Unruhe, will zurück in meine eigenen vier Wände, obwohl ich mich bei meinem Freund auch sehr wohl fühle. Meine Blumen haben Durst, Emails wollen abgeholt und beantwortet werden, das Tagebuch muss aktualisiert werden. Gegen Abend klingelt mein Nachbar, damit wir für die kommende Woche die Hundertreuung besprechen können. Ich habe ab morgen erstmals wieder Spätschicht. Mein Nachbar ist Frührentner und geht einmal täglich mit meinem Hund Gassi, wenn ich arbeiten bin. Ich bin sehr froh, dass er mir diese Hilfe angeboten hat, denn sonst wäre meine kleine Jill 10 Stunden allein. Bernhard, ich möchte Dir hiermit für Deine Hilfe vor allen Lesern DANKE sagen!
Sonntag, 08.06.2003
Ich muss heute am Pfingstsonntag arbeiten, dafür habe ich Montag frei. Der Dienst wird fast zur Quälerei, denn es ist noch wärmer. In meinem Bus ist eine Digitalanzeige für die Außentemperatur, sie zeigt zeitweise 36 Grad an. Zum Feierabend hat man nur noch einen Gedanken: Dusche!
Sonnabend, 07.06.2003
Es wird Zeit für die Sommerbepflanzung auf dem Grab. Die Vergissmeinnicht sind sehr buschig geworden und blühen kaum noch, die Tausendschönchen sind so groß geworden, dass sie fast liegen.
So fahre ich heute mit Norbert zu Pflanzen- Kölle, um Sommerpflanzen zu holen. Ich bin sehr wählerisch, denn ich möchte keine "Standardbepflanzung". Im Frühjahr standen auf fast allen Gräbern Stiefmütterchen, jetzt sind es meist Eisblumen, fleißige Lieschen und Begonien.... Oft hat man die Gräber mit Efeu oder anderen rankenden Bodendeckern bepflanzt und stellt in die Mitte eine Schale mit besagten Blumen.
Ich suche wieder etwas blau blühendes, da es Janas Lieblingsfarbe war, aber finde trotz einiger Auswahl nichts, was sich für das Grab eignen würde. So entschließe ich mich für einen hübschen Rosenstock, der helle Blüten mit rotem Rand hat und nicht allzu hoch wird. Rundherum sollen gelb bzw. lila blühende Pflanzen. Zum Schluss entdecke ich noch ganz kleine Töpfchen mit roten Minirosen und kann daran nicht vorbei gehen....
Wir warten die Mittagshitze ab und fahren kurz nach 18 Uhr zum Friedhof. Die Straße ist wegen einer Veranstaltung im Olympiastadion total zugeparkt. So fahren wir zu einem anderen Friedhofseingang, wo wir parken können. Von dort aus ist der Weg zum Grab jedoch viel weiter, was uns beim Tragen von den Pflanzen und der Graberde reichlich zu schaffen macht, denn es ist noch nicht viel kühler geworden.
Wir sind nach der Bepflanzung mehr als nur zufrieden mit dem Ergebnis und finden es wieder sehr gelungen. Es ist das am schönsten bepflanzte Grab, und ich glaube, dass es keine Einbildung ist....
Freitag, 06.06.2003
Endlich ist die Arbeitswoche zu Ende! Bei der Hitze war es kaum auszuhalten. Wenn man über 8 Stunden im Auto verbringen muss, wo die Temperatur noch um einiges höher ist, kommt man sich vor wie ein Stück Grillfleisch. Zum Feierabend ist man dann gar. Die Dusche ist in der Woche zur angenehmsten Freizeitbeschäftigung geworden. Heute komme ich von der Arbeit, packe nach dem Duschen meine Sachen zusammen und fahre zu meinem Freund. Mein Hund freut sich, dass er wieder im Garten toben kann. Norbert und ich, wir machen es uns beim Grillen gemütlich....
Sonnabend, 31.05.2003
Nun kommt wieder Wehmut auf. Unser Besuch bei Renate neigt sich dem Ende. Nach einem zeitigen Mittagessen packen wir unsere Sachen ins Auto und fahren gegen 12 Uhr ab. Ich bin beim Abschied wieder den Tränen nahe, würde doch so gern noch bleiben. Aber wir wissen schon: spätestens im August sehen wir uns wieder, Renates Ferien und unser Urlaub passen dieses Jahr gut zusammen....
Freitag, 30.05.2003
Wir fahren vormittags nach Wertheim, eine Stadt, die wir zuvor auch noch nicht kannten. Leider wird es so heiß, dass wir eigentlich froh sind, als wir wieder bei Renate zu Hause ankommen. Mein Hund ist von der Hitze total k.o., auch wir sind froh, als wir aus der fast glühenden Blechkiste (sprich: Auto) aussteigen.
Donnerstag, 29.05.2003
Den Vormittag nutze ich, um bei Renate eine neue ISDN- Anlage anzuschließen und einzurichten, die ich ihr besorgt und mitgebracht habe. Da heute Himmelfahrt ist, gehen unsere Männer auf Herrenpartie. Wir Frauen haben einen Termin mit einem Journalisten, der unter anderem Filme für Schulen macht. Da Renate bereits Filme dieses Journalisten in ihrem Unterricht gezeigt und behandelt hat, sagten wir unsere Mitarbeit für dieses Projekt zu.
Als die Dreharbeiten am Grab von Mario abgeschlossen werden, fotografiere ich das Grab, um diese Fotos auch auf die Homepage zu setzen. Renate hat nun nichts mehr dagegen. Bei unserem ersten Besuch wollte sie noch keine Fotos, und ich drängte sie auch nicht, habe es respektiert. Nun werde ich in Kürze die Fotos von Marios Grab auf einer neuen Seite zugänglich machen.
Mittwoch, 28.05.2003
Renate muss heute noch einmal in die Schule, aber nur für zwei Stunden. So fahren wir alle zusammen nach Osterburken. Renate zeigt uns ihre Schule. Sie hatte in ihrem Religionsunterricht mit ihren Schülern über den Selbstmord von Jana und Mario gesprochen. So bleibt es nicht aus, dass ich an einigen Blicken von Schülern merke, dass sie mich erkennen. Eine Schülerin spricht mich an und fragt, ob ich heute im Unterricht bin. Auch einige Kollegen von Renate lerne ich kennen. Besonders freue ich mich, als sie mir den Kollegen vorstellt, der sie dazu ermutigt hat, zu mir telefonischen Kontakt aufzunehmen.
Nach dieser kurzen "Visite" in der Schule schauen wir uns etwas in der Umgebung um und holen danach Renate wieder ab. Unsere Fahrt geht nach Tauberbischhofsheim. Mir war diese Stadt bisher nur durch den deutschen Fechtsport ein Begriff, aber ich war noch nie dort. Es ist eine hübsche kleine Stadt. Wir machen einen Spaziergang durch die Fußgängerzone. Wieder einmal kommen wir Frauen an einigen Läden nicht vorbei, unsere Männer zeigen sich geduldig, wenn auch nur mit Mühe ;-) Bevor wir die Heimfahrt antreten, setzen wir uns gemütlich in ein Straßencafe...
Dienstag, 27.05.2003
Als der Urlaubsplan in der Firma gemacht wurde, beantragte ich unter anderem die Woche vom 26.05. bis 01.06.2003. So habe ich nun das Glück, dass ich nach der ersten Arbeitswoche nochmals eine Woche frei habe. Wir nutzen diese Woche, und ich fahre heute mit meinem Freund wieder zu Renate und Werner, Marios Eltern. Wir setzen uns gegen 9 Uhr ins Auto und nehmen uns vor, die über 500 km ohne Stress hinter uns zu bringen. So machen wir mehrere Pausen, geben dem Hund zwischendurch Wasser und kommen kurz nach 15 Uhr in Zimmern an. Die Oma lässt uns ins Haus, denn Renate kommt erst gegen 17 Uhr aus der Schule. Die Wiedersehensfreude ist sehr groß. Renate und ich, wir konnten es die letzten Tage kaum noch erwarten, wir fallen uns einfach nur in die Arme. Wir fahren dann auch gleich auf den Friedhof, besuchen Marios Grab und gießen...
Donnerstag, 22.05.2003
Nun habe ich die erste Arbeitswoche fast geschafft. Wenn mich jetzt jemand fragen würde, ob bzw. wie mir die Arbeit bekommt, weiß ich gar nicht recht, was ich antworten würde. Die Arbeit selbst geht mir gut von der Hand. Ich merke jedoch, dass ich teilweise dadurch so abgelenkt bin, dass ich bei der Rückkehr meiner Gedanken sehr tief falle. Wenn ich in den letzten Tagen von der Arbeit nach Hause komme, überfällt mich regelrecht eine Schwermut. Ich bekomme fast ein schlechtes Gewissen, dass ich in das "normale" Leben zurückgekehrt bin.
Dienstag, 20.05.2003
Ich bin immer gespannt, wenn hier Emails eintreffen. So wie ich mich neulich geärgert habe, so freue ich mich jedoch heute. Ich habe eine Mail von dem neuen Besitzer von Jeannie. Jeannie war Janas Rottweiler, ich konnte sie nicht behalten, weil sie bei mir total unterfordert gewesen wäre. In dieser Mail wurde mir heute mitgeteilt, dass Jeannie vor knapp zwei Wochen die Begleithundeprüfung erfolgreich bestanden hat. Demnächst folgt die Zuchttauglichkeitsprüfung. Ich bin sehr froh, dass ich Jeannie so gut untergebracht habe, und solche Nachrichten tun dann sehr gut. Trotzdem bin ich immer sehr traurig, wenn ich an Jeannie denke, sie war immer so lieb und so verschmust, so bedingungslos treu. Da kullern dann doch ab und zu die Tränen, wenn ich an sie denke......
Montag, 19.05.2003
Heute war mein erster Arbeitstag seit Janas Tod. Selten hatte ich so gemischte Gefühle. Ich wusste nicht, wie man mir begegnet. Von meinen Kraftfahrerkollegen habe ich in der ganzen Zeit nichts gehört. Nur einer schickte mir eine Beileidskarte. Ständigen Kontakt hatte ich nur zu einer Kollegin in der Verwaltung.
Wir sind in der Firma neun Telebusfahrer. Da wir gestaffelte Dienste haben, sieht man die meisten Kollegen nur selten oder unregelmäßig. Als ich heute früh in die Garage komme, war ein Kollege da. Er begrüßte mich und sagte: "Eva, schön, dass Du wieder da bist!" Danach erzählte er mir, was sich in der Zwischenzeit geändert hat und erklärte mir dann die Handhabung des neuen Datenfunks. Dann fragte er mich, ob ich mit meinem Auto noch zufrieden bin......
Zum Feierabend begegnete ich einem weiteren Kollegen. Dieser sprach mich an und fragte: "Na, wie war der erste Tag, bestimmt besch..., nicht wahr?"
Sonntag, 18.05.2003
Als ich heute früh den Computer anschaltete, hatte ich von gestern Abend eine Mail im Postfach. Der bisher "anonyme" Besuch von Janas Grab (Tagebuch vom 22.04.) wird hiermit aufgeklärt:
"....den Tagebucheintrag vom 22. April gelesen, worin Sie mitteilten, dass Ihnen jemand einen hölzernen Gebetswürfel, Blumen und ein Grablicht an das Grab legte. Ich sehe mich deshalb veranlasst, Ihnen aus verschiedenen Gründen einige Zeilen zu schreiben.
Am diesem Dienstag nach Ostern besuchte ich Freunde und eine liebe Kollegin in Berlin und weil ich Mittags noch etwas Zeit hatte, machte ich noch einen kleinen Umweg von der Avus Richtung Olympiastadion. Ich wohnte früher im Stadtteil Grunewald und mir ist der Friedhof in der Heerstraße als einziger in Erinnerung, der einen kleinen Weiher besitzt. Das Grab Ihrer Tochter habe ich sehr schnell gefunden und ich legte aus christlicher Nächstenliebe und Anteilnahme die besagten Dinge dorthin........
..........Es wäre vielleicht schön gewesen, wenn wir uns zufällig auf dem Friedhof begegnet wären, denn dieser Besuch war spontan und ich tat es aus ganzen Herzen."
Ich bin einfach nur gerührt und muss wohl kaum kommentieren.
Sonnabend, 17.05.2003
Des öfteren werde ich gebeten, an Marios Mutter Grüße weiterzuleiten. Darum habe ich jetzt die Möglichkeit geschaffen, über diese Homepage auch Kontakt zu Renate aufzunehmen. Auf der Seite "Mail" sind nun beide Kontakt- Möglichkeiten vorhanden.
Dienstag, 13.05.2003
Gestern Abend kam noch eine Benachrichtigung über einen neuen Gästebucheintrag. Die Email- Adresse des Absenders ist: keine@keine.de, dem entsprechend das Niveau des Eintrages. Ich schalte diesen Eintrag nicht im Gästebuch frei, sondern kopiere ihn hier ins Tagebuch, um den Lesern mal zu zeigen, was für geistige Ergüsse von anonymen Schreibern hier eintreffen:
"Sag mal kommst du dir-Eva-nicht selber ein wenig doof vor sowas wie die Rundfunkgebühren in die Zeitung zu setzen...und uns Familien,Freunde und Angehörige unserer Toten Kinder so runterzumachen?! Schnallst dus eigentlich das auch wir Kummer haben,aber was dir passiert ist natürlich am allerschlimmsten. Tut mir Leid Liebe Eva,aber für mich/uns bist du ganz schön lächerlich und Profitgeil...Jana wollte wegen ihrem Freund nicht mehr Leben,versteh das doch einfach und akzeptiere es und werde mal ruhiger!!! Es reicht!!! Brigitte,Petra...ich weiss das du das wieder nicht veröffentlichen wirst...Tschaui"
Eine Veröffentlichung ist ja auch eine Zumutung für den Leser! Wie kann man nur solch einen Schwachsinn von sich geben? Wen habe ich runtergemacht? Niemanden, außer der GEZ! Das ist doch hier wohl eher umgekehrt der Fall. Warum liegt einigen Leuten soviel daran, mich um jeden Preis anzugreifen und zu beleidigen? An Brigitte, Petra, oder wie sie heißen mögen, die mich für lächerlich und profitgeil halten: für den Artikel in der Bild- Zeitung habe ich weder einen Cent bekommen, noch einen dafür verlangt! Außerdem gehe ich an die Öffentlichkeit, wenn ICH es für richtig halte und lasse mich durch anonymes Gekritzel nicht einschüchtern! Ich lege keinen Wert darauf, dass solche Leute diese Homepage besuchen und lesen. Dies ist eine Gedenkseite für Jana und Mario, aber kein Schmierblatt. Glücklicherweise kann ich den Lesern durch die Moderation des Gästebuches weiteren Müll ersparen.
Vielleicht wissen es einige anonymen Schreiber noch nicht, dass bei allen Emails und Gästebucheinträgen Datum, Uhrzeit und IP- Adresse des Absenders übermittelt und gespeichert werden. Der oben zitierte Eintrag ist vom 12.05.03 um 20.13 Uhr mit der IP- Adresse 80.142.252.172 Damit kann man den Absender identifizieren.
Montag, 12.05.2003
Ich habe heute meinen nächsten Termin beim Psychologen. Ich sage ihm, dass ich nächste Woche wieder arbeiten gehen möchte, da ich lieber diese Hürde nehme, als durch die laufenden Anfragen der Krankenkasse ständig unter Druck zu stehen. Das Gefühl, das durch diese Drängelei der Krankenkasse entsteht, bringt mich nicht weiter, sondern wirft mich eher zurück. Der Psychologe versteht mich nur zu gut und unterstützt meine "Flucht nach vorn". Ich werde trotzdem in Behandlung bleiben, nehme weiter meine Medikamente und werde in vier Wochen zum nächsten Termin kommen.
Sonnabend, 10.05.2003
Die Journalistin hat Wort gehalten und die Angelegenheit mit der GEZ geklärt. In der Bild- Zeitung ist heute folgender Artikel zu lesen:

Freitag,09.05.2003
Nachdem ich mich gestern so über den Brief von der GEZ geärgert habe, habe ich eine Journalistin angerufen, die mehrmals über Janas und Marios Geschichte berichtet hat und mit der ich immer sehr netten Kontakt hatte. Sie ist bereit mir zu helfen, will der Sache nachgehen und sie veröffentlichen. Gegen Mittag kommt sie mit einem Fotografen, befragt mich nach den Einzelheiten und sichert mir zu, sich mit der GEZ in Verbindung zu setzen.
Donnerstag, 08.05.2003
Fast 4 Monate nach Janas Tod kam Ende Februar ein Schreiben der GEZ an Jana, ein zweites im März. Ich habe diese beiden Schreiben ignoriert. Heute kommt weitere Post von der GEZ:

Ich bin ja nun schon einiges gewöhnt. Aber wie arbeitet man bei der GEZ? Woher nimmt man erstmals vier Monate nach dem Tod eines Menschen dessen Adresse, um von diesem Gebühren einzutreiben?
Sonnabend, 03.05.2003
Nun ist es genau ein halbes Jahr, dass Jana und Mario nicht mehr bei uns sind. Vormittags gehe ich auf den Friedhof, stelle für Jana Rosen in eine Vase. Ich stehe am Grab und frage mich, warum die Zeit einfach weiter läuft. Es ist wie das Blatt vom Baum, der Baum lebt weiter, aber an unserem Ast wird dieses Blatt immer fehlen und ist durch nichts zu ersetzen. Wenn ich morgens aufstehe, denke als erstes an mein Kind, abends ist es der letzte Gedanke vor dem Einschlafen. Renate geht es ebenso, am Abend telefoniere ich wieder lange mit ihr, und es wird sehr spät. Auch sie war heute wieder an Marios Grab. Wir können es kaum glauben, dass es schon sechs Monate sind. Wir haben beide den Eindruck, als wäre es gestern gewesen. Immer noch haben wir Fragen, die uns nur unsere Kinder beantworten könnten, aber die Antworten werden wir nie bekommen...
Mittwoch, 30.04.2003
Nachdem ich die Motorradbatterie über Nacht am Ladegerät hatte, baue ich sie vormittags wieder ein. Mein Motorrad springt sofort an, und ich entschließe mich zu einer ersten Fahrt. Einerseits freue ich mich sehr darauf, wieder auf meinem geliebten Motorrad zu sitzen, andererseits bin ich sehr traurig. Voriges Jahr habe ich diese erste Fahrt zusammen mit Jana gemacht. Oft sind wir zum Olympischen Platz gefahren, haben dort die Grundübungen wie Kreise fahren, Slalom fahren und anderes trainiert und aufgefrischt. Wir hatten dabei immer viel Spaß. Ich fahre mit dem Motorrad zuerst zum Friedhof und gehe ans Grab. Ich rede mit Jana, sage ihr, wie sehr ich sie vermisse und wie schön es doch wäre, wenn wir jetzt zusammen fahren könnten. Ich bitte sie, auf dem Motorrad immer als Schutzengel bei mir zu sein... Dann fahre ich zum Olympischen Platz, übe etwas Slalom, aber habe nicht allzu viel Spaß daran, denn der Platz ist gegenüber vom Friedhof...
Dienstag, 29.04.2003
Ich war zwei Tage bei meiner Mutter und komme heute zurück. Im Januar zu ihrem 75. Geburtstag war ich noch nicht in der Lage diese Strecke zu fahren, auch war das Wetter damals zu unsicher. Ich bin froh, meine Mom wieder einmal in den Arm nehmen zu können, oft tut es mir sehr leid, dass wir nicht näher beieinander wohnen. Ich habe ihr ein wenig beim "Frühjahrsputz" geholfen, Gardinen abgenommen und nach dem Waschen wieder aufgehangen. Auch machten wir einige Besorgungen, die sie allein nicht tätigen könnte, weil es Wege sind, die sie nicht mehr schafft.
Die Zeit verging viel zu schnell, jetzt bin ich wieder hier. Meine Mom ist froh, als ich anrufe, dass ich gut angekommen bin. Gegen Abend hole ich mein Motorrad aus der Garage meines Nachbarn. Ich hatte es den Winter über dort unterstellen dürfen. Ich muss die Batterie ausbauen, denn sie macht einen sehr "müden" Eindruck. Ich werde sie über Nacht aufladen und morgen mal sehen....
Donnerstag, 24.04.2003
Um 10 Uhr treffe ich mich mit Steffi am Friedhof. Wir wollen die Randbepflanzung am Grab machen. Renate hatte mir dafür sehr schönes Moos besorgt und mitgegeben. Damit wird die Erde am Rand besser gehalten, denn wir dürfen auf diesem Friedhof keine Einrahmung mit Steinen oder ähnlichem machen. Mit dem Ergebnis unserer Mühe sind wir sehr zufrieden. Wir fotografieren für die Homepage und stellen beim Vergleich der Bilder zu Hause fest, dass die Blumen seit der Erstbepflanzung bereits sehr schön gewachsen sind.
Dienstag, 22.04.2003
Bei dem schönen Wetter fahre ich jeden Tag auf den Friedhof und gieße. Als ich heute wieder dort bin, stehen Blumen in der Vase und auf dem Grab liegt ein Gebetswürfel aus Holz. Telefonisch erfuhr ich von Janas Freundinnen, dass niemand von ihnen auf dem Friedhof war. Da fällt mir ein, dass heute einmal bei mir das Telefon klingelte, sich aber niemand meldete und nach einer Weile auflegte. Wollte jemand sicher gehen, dass er mir nicht auf dem Friedhof begegnet?
Ostersonntag, 20.04.2003
Wie an den anderen Tagen auch, war die Nacht nicht allzu lang, aber gegen 8.30 Uhr frühstücken wir, und langsam rückt die Heimfahrt näher. Wir wollen heute fahren, um nicht am Ostermontag im großen Stau zu stehen. Wenn es nach mir ginge, könnten wir noch einige Tage bleiben, denn ich fühle mich bei Renate so richtig wohl. Wir haben die Absicht, nach dem Mittagessen langsam aufzubrechen, aber es kommt, wie so oft, etwas anders. Um 14 Uhr beginnt Formel1, unsere Männer sitzen gebannt vor dem Fernseher, gegen 15.30 Uhr siegt Michael Schumacher. So wird es 15.45 Uhr, als wir die Heimreise antreten. Für Renate und mich ist der Abschied sehr schwer, wir umarmen uns zum Abschied, und die Tränen sind nicht aufzuhalten....
Gegen 20.45 Uhr haben wir die reichlich 500 km geschafft und sind wieder in der Heimat angekommen. Ich rufe gleich Renate an, dass wir gut "gelandet" sind. Wir finden es beide schade, dass wir so weit voneinander weg wohnen und hoffen, dass trotzdem nicht allzu viel Zeit bis zum nächsten Besuch vergeht....
Sonnabend, 19.04.2003
Am Vormittag fahren Renate und Werner mit uns durch das Taubertal bis nach Rothenburg. Wir gucken uns diese wunderschöne Stadt an. Wir Frauen "müssen" ab und an in verschiedene Läden, unsere Männer warten geduldig. Als unsere Füße vom Pflaster müde sind und der Hunger langsam kommt, finden wir ein schönes Restaurant, wo wir einkehren. Eine nette Bedienung begrüßt uns und bringt ohne Aufforderung als erstes einen Wassernapf für unseren müden Hund. Jill freut sich und löscht erst einmal ihren Durst. Danach legt sie sich neben den Tisch und schläft. Nach diesem angenehmen Aufenthalt und einem leckeren Essen spazieren wir zurück zum Auto und treten die Rückfahrt an. Es war ein richtig schöner Ausflug....
Abends setze ich mich an Marios Computer und richte für Renate einen Internetzugang ein, damit wir bessere Kommunikationsmöglichkeiten haben. Ich gebe ihr eine erste Unterrichtsstunde im Fach "Internet und Email schreiben".
Karfreitag, 18.04.2003
Nach dem Frühstück gehen wir auf den Friedhof an das Grab von Mario. Wieder einmal steht man fassungslos da und fragt sich: warum? Danach gehen wir zum Vikar, der Renate darum gebeten hatte, dass wir ihn besuchen. Er wollte uns gern kennen lernen. Er war derjenige, der zusammen mit der Polizei die Todesnachricht überbringen musste. Der Vikar ist sehr nett. Er freut sich, dass wir gekommen sind. Beim Abschied wünscht er uns alles Gute.
Am Nachmittag fahre ich mit Werner (Marios Vater) auf seinen Hof, der einige Kilometer weiter ist. Dort hat er in der Garage mehrere Motorräder. Werner sagte mir schon vor dem Besuch am Telefon, dass ich meinen Helm mitbringen soll, um dort eine Runde drehen zu können. So setze ich mich das erste Mal in diesem Jahr auf ein Motorrad. Ich auf einer Cross- Maschine, Werner auf seiner schicken BMW, und wir fahren zurück zu Renate. Nach kurzem Stop geht es wieder zu Werners Hof, Renate folgt uns mit meinem Freund im Auto.
Abends gucken wir einige Videos an, die Mario als Baby und Kleinkind zeigen - ein süßer Steppke, der immer nur gelacht hat....
Donnerstag, 17.04.2003
Ich bin heute sehr aufgeregt. Ich packe die letzten Sachen zusammen, denn nachmittags fahren mein Freund und ich nach Baden- Württemberg zu Marios Eltern. Es wird sozusagen unser Gegenbesuch. Ich freue mich besonders auf Renate, denn sie ist für mich eine sehr vertraute Freundin geworden. Wenn wir miteinander reden, müssen wir unsere Gefühle nicht erklären, wir verstehen sie einfach. Außer der Freude, dass wir uns lieb gewordene Menschen wiedersehen, wird es aber auch wieder traurige Momente geben. Ich werde nun sehen, wo und wie Mario lebte, werde an seinem Grab stehen. Ostern kommen dann wieder die Erinnerungen, die einen lächeln lassen, aber auch traurig machen: So groß wie Jana schon war, aber suchen wollte sie immer noch und hatte jedes Mal ihre helle Freude daran...
Wir sind gegen 19.30 Uhr nach fünfeinhalb Stunden Fahrt in Baden-Württemberg angekommen. Auf der Fahrt hatten wir Glück, die Staus kamen uns immer nur entgegen. Allerdings war die Fahrt durch die vielen Baustellen ohnehin stressig genug. Aber die Freude über das Wiedersehen hat uns dafür entschädigt.
Mittwoch, 16.04.2003
Heute hätte Janas Vater Geburtstag. Er wäre 52 Jahre geworden. Ich versuche mir vorzustellen, wie er heute aussehen würde. Sicher hätte er bereits einige graue Haare... Ich fahre mit Janas Freundin Linn zum Friedhof, wir gießen und zünden heute zwei Kerzen an, eine für Jana, eine für Raimund...
Montag, 14.04.2003
Heute habe ich wieder einen Termin beim Psychologen. Er hat sehr viel Verständnis für mich, als ich ihm erzähle, dass ich seit einigen Tagen wieder in so einem Tief bin. Ich soll die Medikamente weiter nehmen, da sie nur langfristig wirken und helfen. Probleme macht allerdings die Krankenkasse, die den Psychologen ständig anschreibt und regelrecht unter Druck setzt und drängelt. Man wird da in Schubladen geschoben, gleichgesetzt mit organisch Kranken. Warum ist man bei denen nur eine Nummer und kein Mensch? Wenn ich so gedrängelt werde, geht es mir nicht besser, sondern nur schlechter....
Sonntag, 13.04.2003
Meiner Hand geht es nach der OP relativ gut, ich habe keine Schmerzen, nur der Verband ist etwas hinderlich. Was mir aber scheinbar immer noch zu schaffen macht, sind die Nachwirkungen der Vollnarkose. Ich werde diese Übelkeit nicht richtig los, bin schlapp und antriebslos. Die Tabletten vom Psychologen wirken scheinbar auch nicht mehr so wie anfangs mal, meine Stimmung ist daher immer noch ziemlich unten, hinzu kommen Beziehungsprobleme.... Zur Zeit weiß ich einfach nicht mehr, wie ich alles auf die Reihe bekommen soll. Ich habe das Gefühl, dass meine anfängliche Kraft langsam aufgebraucht ist.
Freitag, 11.04.2003
Voriges Jahr im März und im Juli wurde ich an beiden Händen operiert, da mir beim Motorradfahren immer die Hände einschliefen. Heute war ich ein weiteres Mal zu einer ambulanten OP in der Handchirurgie, da ich meinen linken Daumen nicht mehr gerade machen konnte. Eigentlich hatte ich dafür bereits am 13. November einen OP- Termin, aber diesen hatte ich abgesagt, da es wenige Tage nach dem Tod von Jana und Mario war. Bei den ersten beiden Terminen voriges Jahr hatte mich Jana chauffiert und hinterher immer liebevoll versorgt. Daran muss ich heute immer denken, wie fürsorglich sie doch sein konnte. Sie half mir nach dem OP beim Anziehen, kämmte mir die Haare und lachte sich halb kaputt, weil mein betäubter Arm an mir herumbaumelte, als gehörte er nicht zu mir. Heute habe ich mir eine Vollnarkose geben lassen, um hinterher nicht so sehr auf Hilfe angewiesen zu sein. Ein lieber und hilfsbereiter Nachbar hat mich ins Krankenhaus gefahren und abgeholt, eine andere Nachbarin ging zwischendurch mit meinem Hund Gassi. Nun sitze ich wieder zu Hause, bin noch etwas von der Narkose mitgenommen, aber muss immer daran denken, wie es voriges Jahr war...
Dienstag, 08.04.2003
Den dritten Tag nehme ich wieder die Medikamente vom Psychologen. Sie scheinen mir zu helfen, es geht mir jetzt langsam etwas besser. Ich werde heute für zwei Tage zu meinem Freund fahren, er hat gerade einige Tage Urlaub. Vielleicht tut mir der Tapetenwechsel mal ganz gut.
Sonntag, 06.04.2003
Seit einigen Tagen ist meine Stimmung wieder ganz unten. Ich habe das Gefühl, ich stehe wieder am Anfang. Ich gebe mir alle Mühe, aber habe den Eindruck, ich bin momentan in einer Grube gefangen. Bei allem, was ich tue oder denke, höre ich in Gedanken Janas Antworten oder Kommentare. Ich höre ihre Stimme, sehe ihre Gesten, sehe sie ernst oder schmunzelnd..... Ich würde sie so gern in den Arm nehmen! Ständig kommen die Tränen.... Bei vielen kleinen Alltäglichkeiten fällt mir mehr denn je auf, dass ich nun Dinge allein machen muss, die zwar zu bewältigen sind, aber bei denen Jana oft half. Sie reichte mir die Klammern, wenn ich Wäsche aufhing. Wenn ich kochte, holte sie Zutaten aus dem Schrank und spülte zwischendurch schon das Schneidebrett ab oder guckte, ob die Nudeln gar sind. Heute kommt wieder Formel1, da drückte sie "Schumi" immer ganz fest die Daumen, freute sich tierisch, wenn Konkurrenten aus der Kurve flogen oder wegen technischer Probleme aufgeben mussten. Wie hat sie sich gefreut, als ich vor einem Jahr ein Premiere- Abo abschloss, damit wir Formel1 ohne Werbeunterbrechung sehen können...
Freitag, 04.04.2003
Heute scheint die Sonne, als wäre es schon Mai. Das Wetter ist ideal, um die Frühjahrsbepflanzung vom Grab in Angriff zu nehmen. Eigentlich wollte ich es gestern machen, aber Regen und Hagel machten es unmöglich. Janas Freundinnen Steffi und Linn kommen, um mir zu helfen. Wir heben die oberste Schicht Sandboden ab, füllen mit Graberde auf und pflanzen Frühlingsblumen. Das Ergebnis unserer Mühe sieht sehr schön aus. Als alles fertig ist, stellen wir für Jana eine neue Kerze hin und zünden sie an.....
Donnerstag, 03.04.2003
Heute ist der 3. April, ein verregneter grauer Tag, an dem man sich am liebsten unter der Decke verkriechen möchte. Und heute vor 5 Monaten haben wir Mütter unsere Kinder verloren. Es ist wieder einer von den Tagen, an denen es uns sehr schlecht geht, Tage, an denen alles noch einmal wie ein schlechter Film vor uns abläuft. Wir telefonieren nach wie vor fast täglich, so auch und vor allem heute. Für mich ist Renate zu einer Vertrauten geworden, die mich wie kein anderer versteht. Es sind in letzter Zeit liebe Freunde in mein Leben gekommen, denen ich allen sehr dankbar bin, dass sie jederzeit für mich da sind. Aber Renate nimmt irgendwie eine Sonderstellung ein, was wohl jeder von den anderen verstehen wird. Wir haben eine Verbindung zueinander, die man kaum mit Worten beschreiben kann.